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  • Zodiac - Die Spur des Killers

    Thriller, Drama, Krimi | USA 2007
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      • | Schnitzeljagd

      • Er war das Schreckgespenst par excellence.

        „Wer damals aufgewachsen ist, wurde von der kindlichen Angst geprägt, mit der man sich selbst in den Fall hineinsteigerte: Was, wenn er unseren Bus aufs Korn nimmt? Wenn er in unserem Viertel auftaucht? Kinder haben es an sich, die dramatischen Umstände noch zu übertreiben. Ich bin im Marin County bei San Francisco aufgewachsen, ich kenne die Gegend, wo diese Verbrechen begangen wurden, aber für einen Grundschüler spielt das keine Rolle – der denkt nur: ,Bestimmt taucht der an unserer Schule auf.‘“

        So also sahen David Finchers Albträume in der zweiten Klasse aus. Wie viele Kinder, die in den 70er-Jahren an der Bucht von San Francisco aufwuchsen, war Fincher, damals sieben, wie gebannt von dem unsichtbaren Monster, das Zodiac genannt wurde.

        „Ich weiß noch, wie wir als Kids wegen des Killers während der ,Dunbar Show‘ beim Radio anriefen. 1974 zogen wir weg, und ich bekam mit, dass auch die Leute in anderen Städten vom Zodiac-Killer gehört hatten“, berichtet Fincher. Aber selbst in seinen verrücktesten Träumen konnte er sich nicht vorstellen, dass er drei Jahrzehnte später das Angebot bekommen würde, einen Film zu konzipieren, der ihm Folgendes abverlangen würde: die Spuren des Killers mit jenen Polizeibeamten verfolgen, die dem berüchtigtsten Mörder seiner Jugend damals nachgespürt hatten; 10.000 Dokumentseiten zu den Ermittlungen durcharbeiten; mit den Opfern sprechen, die überlebt hatten, mit Familienmitgliedern der Ermordeten und mit den Verwandten eines Hauptverdächtigen. Der Hauptverdächtige damals war ein pädophiler Lehrer, der aus dem Dienst entlassen und ins Gefängnis gesteckt wurde, weil er Grundschüler befummelt hatte.

        Fincher konnte einfach nicht anders – weil der Erkenntnisbedarf da war, ein Bedarf, der damals den jungen politischen Karikaturisten des San Francisco Chronicle dazu brachte, wie besessen an der Aufklärung der geheimnisvollen Morde zu tüfteln: Diese Besessenheit arbeitete Robert Graysmith in zwei Büchern ab – im Bestseller „Zodiac“ und in der Fortsetzung „Zodiac Unmasked“, der minutiösen Nachbereitung aller Fakten und quälenden, unbewiesenen Annahmen für diejenigen, die eng mit den Ermittlungen in vier Verwaltungsbezirken zu tun hatten, aber auch für seinen hämischen, doch engagierten Kollegen Paul Avery und für sich selbst.

        „Natürlich wusste Robert Graysmith, dass er nur peripher mit dieser Story zu tun hatte. Doch er wollte daran teilhaben – und dafür sorgte er selbst“, sagt Fincher. „Er machte das in seiner Freizeit, weil er kein Reporter war. Robert blieb an der Sache dran, nachdem praktisch alle anderen mehr oder weniger das Handtuch geworfen hatten. Was wir im Film verwenden, geht auf die Unterlagen zurück, die Robert uns zur Verfügung stellte. Aber uns lagen auch die Polizeiberichte vor; wir haben alles durch unsere Dokumentation überprüft, führten selbst Gespräche, sammelten Beweise. Aber sogar noch bei unseren Interviews ergaben sich Widersprüche. Wenn der eine bestimmte Aspekte der Story bestätigte, wurden diese vom anderen wieder infrage gestellt. Natürlich ist das alles schon sehr lange her – die Erinnerung leidet, und weil es verschiedene Versionen der Geschichten gibt, beinflussen sie auch die Wahrnehmung. In solchen Zweifelsfragen hielten wir uns immer an die Polizeiberichte. Eigentümlich an der Zodiac-Story ist, dass es viele Leute gibt, die Roberts Version in einigen Aspekten für falsch halten, während sie ihre eigene Sichtweise oder Interpretation für richtig halten – sehr viele Mythen haben sich auf diese Weise entwickelt. Die müssen wir alle im Auge behalten, wenn wir es mit Zodiac zu tun haben. Deshalb beschlossen wir, die Story aus Roberts Sicht zu erzählen. Ich wollte die Wahrheit anhand seiner Bücher darstellen.“

        Kurz: Zodiac zu (er-)fassen erwies sich als gewaltige Aufgabe. „Wenn man mit der Arbeit an der Filmfassung beginnt, ist nur eine Sache von vornherein ganz klar: Am Ende wird man nur ein Sechstel des Materials verwenden, weil mehr gar nicht in den Film passt“, erklärt Drehbuchautor/Produzent James (Jamie) Vanderbilt. „Hinzu kommt, dass der Film sich auf zwei Bücher und viele zusätzliche Interviews beruft. Ein Vorteil war allerdings, dass wir uns im Film auf die Männer konzentrieren, die in den Zodiac-Fall hineingezogen werden, vor allem Graysmith. Aber auch die Detectives und der Reporter. Dass harte Fakten rar sind, erwies sich als Vorteil, denn daraus ergaben sich immer wieder neue Gespräche, Theorien, die diskutiert werden müssen, Verdächtige, die sie vernehmen. Unser Film ist eindeutig mit mehr Informationen vollgestopft als alle mir bekannten Filme, und dennoch kratzt er nur an der Oberfläche, wenn man bedenkt, welche Materialfülle es dazu gibt.“

        Der größte Unterschied zu den Büchern besteht in der Rolle von Graysmith selbst, wie Vanderbilt sagt. „Robert stellt sich selbst durchaus nicht in den Mittelpunkt seiner Zodiac-Bücher, doch gerade sein Engagement faszinierte mich besonders – der Karikaturist als Kriminologe“, sagt Vanderbilt. „Wenn ich unser Projekt vorstellte, sagte ich immer: ,Was wäre, wenn Garry Trudeau eines Morgens aufwachte und den Fall Son of Sam aufklären wollte?‘“ Schon seit Vanderbilt als Schüler sein Lieblingsbuch „Zodiac“ gelesen hatte, wollte er es für den Film bearbeiten. „Als ich dann Robert kennen lernte, erwies sich seine Unterstützung als unschätzbar, denn wir freundeten uns an, und das Drehbuch veränderte sich durch diesen Umstand, allerdings meist nicht, um ihn positiver darzustellen. Robert hat sich mit all seinen Eigenarten vor uns entblößt, und so stellen wir ihn auf der Leinwand dar. Das Wunderbare daran: Robert ist selbst Künstler, er kennt den Wert eines solchen Vorgehens, er weiß, was Kreativität bedeutet, was eine gute Story ausmacht.“

        Jake Gyllenhaal bekam das Drehbuch von David Fincher zugeschickt und war von der dramatischen Unmittelbarkeit hingerissen – bis zum Ende konnte er es nicht aus der Hand legen. Und er war davon beeindruckt, wie realitätsnah es wirkt. „Beim ersten Lesen fand ich vor allem die Morde absolut schrecklich“, sagt er. „Beim Blättern dachte ich: ,Das alles ist wahr, es ist wirklich passiert. Ich wollte die Rolle sofort übernehmen. Zu Beginn hat Robert Graysmith mit dem Fall nur am Rande zu tun. Er macht als Karikaturist beim San Francisco Chronicle ein Praktikum. Zufällig ist er dabei, als die Zeitung eine Chiffre und einen Brief des Zodiac-Killers erhält – mit der Aufforderung, die Chiffre zu drucken. Er ist mit den Kopien von verschiedenen Karikaturen beschäftigt. Aber seine Kollegen haben keine Ahnung, dass er von Rätseln und vom Dechiffrieren wie besessen ist. Er interessiert sich brennend für den Fall, und als dieser auch Jahre später immer noch nicht aufgeklärt ist, ermittelt er auf eigene Faust, indem er vorgibt, ein Buch darüber zu schreiben – aber jetzt will er den Fall allein aufklären. Sehr interessant an dieser Story ist der Umstand, dass es in solchen Fällen zu einer Massenhysterie kommt. Dann überlässt man das den Experten. Aber manchmal fehlt den Experten jenes Herzblut, mit dem ein normaler Typ wie Robert Graysmith der Sache nachgeht. Die bürokratischen Hürden waren wegen der verschiedenen Zuständigkeiten sehr hoch. Robert ist dagegen ein normaler Bürger, der sich keine Durchsuchungsbefehle oder Genehmigungen besorgen muss. Er ist nur seinem Herzen und in diesem Fall auch seiner Besessenheit verpflichtet. Das finde ich faszinierend, weil wir uns heutzutage doch recht selten ganz auf uns selbst verlassen. Wir berufen uns gern auf Meinungen von Experten, doch auch die sind oft genug durch die Politik oder Befindlichkeiten in ihrer eigenen Arbeitssituation und Karriere gehandikapt. Ein normaler Mensch wie Robert konzentriert sich ganz auf seine Arbeit und erkennt die Fakten viel klarer. Ich fühle mich sehr bestärkt durch die Tatsache, dass es normale Menschen gibt, die einen solchen Fall knacken, an dem alle anderen gescheitert sind.“

        Wie hat sich der Schauspieler auf die Rolle des mutigen Karikaturisten vorbereitet? Gyllenhaal ging sehr bewusst und wissenschaftlich vor: „Ich halte Robert Graysmith für einen sehr interessanten Typen. Als ich ihn kennen lernte, bat ich darum, ihn mit der Videokamera filmen zu dürfen, um seine körperlichen Eigenarten studieren zu können – ich wollte sehen, wie er sich verhält. Ich war dabei äußerst nervös, denn ich überlegte: ,Was muss der für eine Persönlichkeit haben, um sich in eine solche Welt hineinzuwagen? Wenn ich den jetzt kennen lerne, dürfte sich unsere Begegnung wohl auf seltsamem, unheimlichem Terrain abspielen. In welche Tiefen muss ich wohl hinabsteigen, um irgendetwas Aufrichtiges aus ihm herauszubekommen?‘ Und dann kommt er herein – ein sympathischer, unvoreingenommener, sehr liebenswürdiger, irgendwie unschuldiger Mensch. In der Schauspielschule wurde ständig gepredigt: ,Spiel immer das genaue Gegenteil.‘ Genau das trifft auf ihn zu. Er ist völlig anders, als man von einer Person annehmen würde, die von einem Fall wie diesem besessen ist. Aber als ich ihn dann besser kennen lernte, spürte ich irgendwie, dass er so gewisse Tricks hat, auf merkwürdige Art Dinge aus mir herauszubekommen, ohne dass ich es merke – selbst wenn mir die Fragen anfangs zu persönlich, zu intim waren. Er ist sehr schlau und sehr geschickt, wenn er eine bestimmte Information bekommen will. Doch als Mensch ist er sehr lieb. Das ist höchst interessant.“

        „Bei mehreren Gelegenheiten habe ich beobachten dürfen, wie Jake meine Rolle spielt“, berichtet Graysmith. „Er verkörpert mich nicht, sondern interpretiert mich. Absolut perfekt zeigt er meinen Enthusiasmus, meine Begeisterungsfähigkeit, meine Südstaatenherkunft, meine Höflichkeit, meine Macken. Die gleiche Haarfarbe hatten wir schon vorher.“

        Was die Darstellung der damaligen Zeit angeht, die über die eigentliche Nacherzählung der Ereignisse hinausgeht, waren sich Graysmith und Vanderbilt durchaus einig. Dazu Vanderbilt: „Zwar bestand die Gefahr, auf eine Meta-Ebene abzugleiten, aber ich fand es schon sehr verführerisch, einen Film über die Verführungskraft von Worten zu machen: Der Autor schreibt über einen Autor, der über einen Killer schreibt, der berühmt wurde, weil er tolle Briefe schrieb. Denn nur aus diesem Grund beschäftigen wir uns auch heute noch mit Zodiac: Er schrieb verdammt gruselige Briefe – nicht an die Cops, sondern an andere Autoren. Zeitungsmacher, die entsprechend reagierten: ,Scheiße, das ist echt toll. Das sollten wir bringen.‘ Sie druckten die Briefe, die Menschen lasen sie und reden auch nach Jahrzehnten noch davon: die Macht des geschriebenen Wortes.“

        Graysmith schrieb seine Tagebücher in der ersten Person („Zodiac“ und „Zodiac Unmasked“), weil er die Öffentlichkeit in die Jagd auf den Killer mit einbeziehen wollte. Am Anfang musste er die Liste von 2500 Verdächtigen durcharbeiten und „eine Mauer aus Schweigen überwinden“, wie er sich erinnert. „Damals war die Polizei nicht zur Mitarbeit bereit. Zodiac war ein sehr wichtiger Fall, und wer diesen Fall jemals löste, konnte eine Menge Lob einheimsen – sie saßen also auf ihren Informationen. Es war üblich, dass sie ihre Berichte unter Verschluss hielten, so dass ich sie nicht einsehen konnte. Doch wenn ich der Wahrheit in unseren Gesprächen sehr nahe kam, dann bestätigten sie schon mal ein oder zwei Tatsachen. Dabei durfte ich mir aber keine Notizen machen – ich musste mir Seriennummern und Daten also merken. In langen und intensiven Sitzungen zu Hause habe ich das dann anschließend aus der Erinnerung aufgeschrieben.“ Nach zehn Jahren, 13 Fassungen und dem Eindampfen seiner umfangreichen Recherchen auf 351 Seiten bestand „mein größter Beitrag wohl darin, dass ich beim Aufdecken neuer Spuren Gespräche führte und fehlende Zeugen und Verdächtige aufspürte, jedes Polizeirevier aufsuchte und so alle Fakten zusammentrug und jedermann zur Verfügung stellte, damit der Zodiac gefasst werden konnte.“ Das hat er immer gehofft, wie er heute sagt. Wenn er über das Auf und Ab dieser Reise nachdenkt, „ist es ein Wunder, dass wir nicht allesamt dem Zodiac zum Opfer gefallen sind. Die lange Jagd, die unwiderstehliche Faszination des Falles, sein Geheimnis, die Tragik der Opfer, die zerbrochenen Ehen, gescheiterten beruflichen Existenzen, die zerrüttete Gesundheit eines hervorragenden Reporters – es war eine Studie der Frustration, denn die Polizei musste einen Fehlschlag nach dem anderen hinnehmen.“

        Gyllenhaal weiß, wie viel energischen Input er am Set Robert Downey Jr. verdankt, der alle Schauspielerkollegen anregte, die Story möglichst lebendig zu gestalten. „Robert Downey Jr. passt wirklich in keine Schublade. Nach wie vor ist er in seinen Rollen, am Set unglaublich präsent – und er reißt uns alle mit. Sein Paul Avery ist eine Art Hofnarr – der tänzelt durch die Szene, hat viel Humor, bewahrt fast eine gewisse Distanz zu der Situation, reagiert aber sehr komisch auf sie. Er wirkt etwa wie die Fee Glöckchen in ,Peter Pan‘: Wenn er herumfliegt, werden alle anderen erleuchtet“, sagt Gyllenhaal.

        Fincher schätzt sich „sehr glücklich“, mit diesen Schauspielern arbeiten zu dürfen. „Die Leute, mit denen ich drehen wollte, habe ich auch bekommen. Und ein riesiges Glück war es auch, dass so viele der damals tatsächlich an dem Fall Beteiligten an dem Projekt mitwirkten. Ich glaube, dass wir ihnen mit dem Film gerecht werden. Dabei geht es natürlich nicht darum, ein sklavisches Abbild der Personen bis zur letzten Haarlocke zu liefern.“ Ein Beispiel: „Robert Downey Jr. spielt Paul Avery und damit die einzige Person, die heute nicht mehr am Leben ist. Aber er bringt sich enthusiastisch ein, weil gerade er verstehen kann, welche Dämonen in Pauls Innerem tobten – er war die perfekte Wahl für die Rolle.“

        Von den vier Personen kannte Detective Toschi Avery am längsten. „Ich lernte Paul Avery 1960 kennen – damals war ich 28. Ich arbeitete im Bureau of Inspectors (für das San Francisco Police Department) und wollte Detective werden“, sagt Toschi. „Wir haben viel zusammen erlebt. Am Ende war Paul kokainabhängig und hing an einer Maschine. Er war in sehr schlechter Verfassung. Er rief mich an, bevor er starb. Er wollte vor seinem Tod ein Buch schreiben, einen Paperback-Schnellschuss, den er seinen Enkeln hinterlassen konnte. Er sagte: ,Dave, wir können im Handumdrehen jeder 25.000 Dollar verdienen!‘ Mir tat er wirklich sehr Leid. Aber meine Antwort war: ,Paul, ich habe bereits eine Vereinbarung mit Robert Graysmith.‘ Als Robert mich erstmals ansprach, sagte er: ,Du bist der Einzige, der alle Informationen hat, ich kann nur mit dir reden.‘ Ich lernte Robert Graysmith 1977 kennen, als er mir von seinen Buchplänen erzählte. Er glaubte wirklich, dass man diesen Fall lösen könnte. Er wollte es tatsächlich versuchen. Seitdem sind wir eng befreundet.“

        Toschi berichtet, dass Fincher neugierig war zu erfahren, warum er überhaupt mit Graysmith geredet hat. In dem Fall wurde ja nicht mehr aktiv ermittelt, und Graysmith war kein Reporter. „Der Grund war seine Ernsthaftigkeit, seine Aufrichtigkeit“, sagt Toschi. „Das habe ich auf Anhieb gemerkt. Er war ein politischer Karikaturist. Ich habe ihm vertraut.“

        Mark Ruffalo war seinerseits schwer von Toschi beeindruckt, aber auch von seiner Charakterisierung in Finchers Drehbuch. „Ich schätze dieses Genre nicht, weil es meist reichlich gewalttätig zugeht“, sagt er. „Aber David hat ein Skript geschrieben, durch das die Rolle, die ich spielen sollte, sofort auf sehr nuancierte, wunderbare Weise zum Leben erwachte. Dann bin ich zu Toschi gereist und schätzte mich in dem Moment erst recht glücklich, in diesem Film mitzuwirken. Denn immerhin ist er das große Vorbild für Schauspieler, die Detectives spielen wollen, und ich spiele den Typen, der mehreren Schauspielerkollegen als Vorbild diente, die mit dieser Rolle zu Stars aufstiegen. Auch Robert Downey Jr. leistet Erstaunliches. Ich schätze ihn seit langem – wahrscheinlich kann man der Genialität gar nicht näher kommen als er, ohne über die Kante in den Abgrund zu stürzen. Die Arbeit mit ihm war wirklich spannend, unheimlich, aber auch ein großer Spaß. Da schwingt immer etwas Gefährliches mit. Nicht im körperlichen, gewalttätigen Sinn – vielmehr liegt es in seiner Spontaneität.“

        Die Filmrechte an Graysmiths Buch sicherten sich Vanderbilt und Produzent Bradley (Brad) J. Fischer (Phoenix Pictures), nachdem ein anderes Studio fast zehn Jahre lang nichts aus dem Stoff gemacht hatte. Die beiden Filmemacher wollten einen ganz bestimmten Regisseur verpflichten.

        „Ich war überzeugt, dass David Fincher den Ereignissen mit seinem Stil gerecht werden würde“, sagt Fischer. „Er kann die Psychologie, die Motivation jener Menschen gestalten, die diese Welt bevölkern. Natürlich hatte er bereits einen Film über einen Serienkiller gedreht, aber dieser Stoff geht weit über das Genre hinaus. Diese Figuren bringen etwas zum Klingen, was in uns allen steckt: die Fähigkeit, sich vollständig auf eine Sache zu konzentrieren, Tag für Tag, Nacht für Nacht, Jahr für Jahr, sodass man nicht mehr davon loskommt. Fincher kann menschliches Verhalten, Gefühle filmisch derart auf den Punkt bringen, dass die Figuren und ihre Umgebung absolut authentisch wirken. Im Zuschauer weckt er das Gefühl, sich selbst auf der Leinwand zuzuschauen, als ob sie wie Alice im Wunderland in den Kaninchenbau rutschen, ohne es zu merken. Die Chromosomen der Story sind davon geprägt – mit den verschiedenen Abstufungen bösartig-abartigen Verhaltens, ob es nun um den Serienkiller geht oder um die Männer, die sich bei der Jagd nach einem Phantom aufreiben, das sie wahrscheinlich nie fassen werden. Das ist ebenso bewunderns- wie bemitleidenswert – und noch mehr: Es ist sehr menschlich, etwas erfahren zu wollen, was man nicht erfahren kann. Diesen Zwang spüren wir alle in uns, und der kann sich zu einer unglaublich zerstörerischen Kraft entwickeln. Ich wusste genau, dass Fincher uns wie kein anderer Filmemacher helfen kann, diese Abgründe auszuloten. Fincher merkte aber, dass die Story einfacher und klarer werden musste. Denn die Zodiac-Ermittlungen waren durch die vielen Telefongespräche verzerrt und durch die schlimmste Linse gefiltert, die man sich vorstellen kann: die Zeitungen. So hatte der Fall einen eigenen Mythos entwickelt, den wir zunächst demontieren mussten. Es galt, klar zwischen Fakt und Fiktion zu trennen und den Fall zu entmystifizieren, der sich weit von seinen realen Wurzeln entfernt hatte. Wir erinnern uns: Erst die Medien stilisierten den Zodiac zu einem übermächtigen Rätsel. Er schreibt einen Brief: ,Hier spricht Zodiac.‘ Und plötzlich nennen ihn die Zeitungen ,den Chiffre-Schlitzer‘! Das wirkt, als ob ein gigantischer, grausiger Schatten an der Wand mutiert. Doch wir müssen kapieren, dass es anfangs nur um einen Mann ging, der dilettantisch fünf Menschen niederschoss und zwei weitere niederstach – an alle hatte er sich herangeschlichen. Er ist durchaus nicht ,Wile E. Coyote Supergenie‘, wie wir ihn gerne nennen. Vielmehr war er ein kümmerlicher, erbärmlicher, unglaublich abartiger Mensch, den man fast geschnappt hätte. Der Rest entstand in den Köpfen der Leser – in der willigen Fantasie der Menschen verwandelte er sich zum übermächtigen Dämon.“

        Die Überarbeitung des Stoffes war laut Fischer also „ein langes und schwieriges Verfahren, das aber nötig war, um die wahre Geschichte zu erzählen. Wir durften uns auf keinen Fall auf Sekundär- oder Tertiärquellen verlassen – die Richtschnur waren die Polizeiberichte. Und natürlich die Menschen, die dabei waren. Eigentlich war es ganz einfach: Wir sprechen alle Leute an, die direkt an der Ermittlung beteiligt waren, setzen uns mit ihnen zusammen, schauen ihnen in die Augen und stellen direkte, manchmal bohrende Fragen und hören zu, was sie antworten. Wir sprachen also mit Bryan Hartnell; mit Mike Mageau, der heute obdachlos ist und sich nie richtig davon erholt hat, dass er 1969 niedergeschossen wurde; mit Dave Toschi; mit Bill Armstrong; mit Ken Narlow; mit George Bawart. Wir brachten Don Cheney und Sandy Panzarella in einem Raum zusammen – erstmals seit sie in den 1970er-Jahren von der Polizei vernommen wurden – und fragten sie nach allen Einzelheiten ihrer Story. Wir haben alles getan, um der Wahrheit Genüge zu tun.“

        Produzent Mike Medavoy, Mitbegründer und Vorsitzender von Phoenix Pictures, sagt über die Faszination des Stoffes: „Es geht nicht so sehr um den Serienmörder, der ja allein schon einen Film wert wäre, sondern um die Leute, die den Serienmörder jagen. Was passiert, wenn man derart von einer Sache besessen ist, dass man das Ziel aus den Augen verliert? Natürlich kommt man so vom Weg ab, natürlich macht man alles kaputt… und jedem von ihnen ist das tatsächlich passiert. Graysmith hat das überwunden, aber seine Ehe ging in die Brüche. Man muss sich wirklich mal anschauen, was aus den Hauptfiguren geworden ist. Gerade das hat mich an diesem Film fasziniert. Diese Männer haben sich bei der Jagd nach Sensationen verzettelt. David, Brad und Jamie (die für den Film selbst ermittelten) haben ebenso manisch darauf geachtet, alles ganz präzise darzustellen. Wir dachten schon, Brad würde dem Showbusiness den Rücken kehren und zur Polizei gehen – ganz so weit ging er aber dann doch nicht!“

        Produzent Arnold W. Messer, Medavoys Partner und Phoenix-Chef, ist überzeugt, dass dieser Stoff „intensiver recherchiert und die tatsächlichen Ereignisse detaillierter und präziser dargestellt wurden als je zuvor in einem Kinofilm. Ich produziere seit 30 Jahren und habe noch nie an einem Film gearbeitet, der der Wahrheit derart nah kommt, der derart intensive Recherchen und Mühen voraussetzte. Alle Menschen, die im Film vorkommen und noch am Leben sind, wurden befragt. Sie alle haben auf die eine oder andere Art mitgearbeitet… die Jungs studierten die Bücher, die Polizeiberichte, die 10.000 Seiten mit den abgeschriebenen Protokollen. Wirklich eine beeindruckende Leistung, um sicherzustellen, dass die Tatsachen stimmen.“

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