Donnerstag | 31. Mai 2012 | 07:47 Uhr
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  • Zodiac - Die Spur des Killers

    Thriller, Drama, Krimi | USA 2007
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      • | Die Gespräche

      • Die Filmemacher arbeiteten eng mit Bryan Hartnell und den am Fall beteiligten Beamten zusammen, um zu begreifen, was sich am 27. September 1969 am Lake Berryessa zugetragen hat.

        Detective Ken Narlow vom Napa Sheriff’s Department war an jenem Tag nicht am Tatort, dafür aber die Streifenpolizisten John Robertson und David Collins. Doch Narlow, damals Detective Sergeant, leitete die Mordermittlungen in diesem Fall. Er ist inzwischen im Ruhestand, berät das Napa Sheriff’s Department aber weiterhin im Zodiac-Fall und geht bis heute neuen Spuren nach. „Wahrscheinlich wird mich das nie loslassen“, sagt er.

        „Ich war oben in Berryessa dabei, als sie die Messerszene und dann die Szene mit Zodiacs geschriebenem Text auf dem Wagen drehten“, sagt er. „Ich weiß noch: Es war 18 Uhr an einem Samstagnachmittag – genau der Zeitpunkt des Überfalls. „Das mit anzusehen, hat mich völlig fertig gemacht. Diese Kids hat er nicht niedergeschossen, sondern auf sie eingestochen. Nach meiner unmaßgeblichen Meinung hat er auf Bryan Hartnell nur halb so oft eingestochen wie auf Cecilia – wahrscheinlich überlebte Bryan, weil Cecilia aufschrie und so von ihm ablenkte. Er hat zehnmal auf sie eingestochen – fünfmal in die Brust und fünfmal in den Rücken. Mir schossen die Tränen in die Augen, als ich zuschaute, wie sie das nachstellten. Ich kann eigentlich eine ganze Menge ertragen, und ich hätte mir nicht träumen lassen, dass mich das so mitnehmen würde. Denn das ist doch immerhin schon 37 Jahre her. Ich schaute mir den Dreh an und dachte immer nur: Das haben die Kids wirklich durchgemacht. Ich nahm das wohl recht persönlich. Wir hätten den Typen wirklich fassen müssen.“

        Der inzwischen pensionierte Collins sprach als letzter mit Cecilia vor ihrem Tod. „Ich tauche im Film nicht auf, wurde aber für die DVD interviewt und habe mir deswegen den Film angeschaut. Ich war entsetzt und mitgerissen von dem, was auf der Leinwand passiert. Mir wurde richtig mulmig, weil alles absolut lebensecht wirkt. Ich konnte kaum hinsehen. Als ich mich an jenem Tag um Cecilia kümmerte, sagte sie immer wieder: ,Mir ist kalt.‘ Sie stand unter Schock, also habe ich ihr meinen Mantel angezogen, den sie anbehielt, bis der Krankenwagen kam. Sie weinte, war schwer verletzt. Immer wieder sagte sie: ,Das tut so weh, gebt mir etwas gegen die Schmerzen.‘ Aber wir hatten nichts dabei.“

        Der Zodiac hatte auf Bryan eingestochen, bis sein Körper leblos war, dann stach er auf Cecilia ein, bis sie tot spielte. In dem Moment hörte er auf und ging weg, wie Cecilia Collins sagte: „Sie lagen gefesselt auf der Decke. Auf dem nahen See befand sich ein Angler. Sie schrien um Hilfe. Zunächst nahm der Angler das nicht ernst. Dann fürchtete er, dass ihn jemand anlocken und überfallen wollte. Er wartete also etwa zehn Minuten, bevor er begriff, dass es sich um einen Notfall handelte. Sie schrien, dass jemand auf sie eingestochen hatte und dass der Mann ihnen doch bitte helfen sollte. Er rief ihnen zu, er wolle Hilfe holen. Sie wollten aber nicht, dass er sie allein ließ. Doch er wandte sich an die Eigentümer eines nahe gelegenen Hotels namens Rancho Monticello Resort. Er ging, und sie blieben weiterhin gefesselt auf der Decke liegen. Sie glaubten nicht, dass er wiederkommen würde, und versuchten sich selbst zu befreien. Cecila sagte mir, sie hätten sich gegenseitig befreit, aber erst bei der Filmvorführung konnte ich endlich mit Bryan sprechen und bekam so die Antwort auf die Frage, die mich in all den Jahren bewegt hatte: Wie konnten sie ihre Fesseln lösen, wo doch ihre Hände und Füße auf dem Rücken fest zusammengebunden waren? Von dieser Position, durch den Blutverlust und den Schrecken waren sie sehr geschwächt. Bryan erzählte mir, dass sie sich Rücken an Rücken legten und so die Knoten lösen konnten. Er versuchte wegzukriechen, aber als wir dort eintrafen, war er nur etwa zehn Meter weit gekommen und dann ohnmächtig geworden.“

        Als Collins und Robertson eintrafen, waren der Hotelbesitzer, ein Parkranger, der Angler und sein Sohn am Tatort und warteten auf die Polizei und den Krankenwagen. Die Streife brauchte etwa 30 Minuten bis zum Tatort, weil auf der kurvigen Bergstraße starker Verkehr herrschte. Der Krankenwagen traf erst 20 weitere Minuten später ein. Vom Überfall bis zur Rettung mussten die Opfer anderthalb Stunden warten. Cecilia starb auf dem Weg ins Krankenhaus.

        „An jenem Tag konnte ich nicht mit Bryan sprechen – Cecilia wollte, dass ich ständig bei ihr blieb“, sagt Collins. „Man brauchte sie nur anzuschauen und wusste sofort, dass sie keiner Fliege etwas zuleide tun konnte. Sie war ein hübsches, zartes kleines Mädchen… Er hat ihnen nichts gestohlen. Er wollte sie nur umbringen.“

        Cecilia war die Einzige, die Zodiac an jenem Tag zu Gesicht bekam, bevor er seine Kapuze aufsetzte, aber sie sagte Collins gegenüber aus, dass sie ihn nicht kannte. „Ich persönlich glaube, dass der Täter nie identifiziert wurde“, sagt er. „Wenn er noch am Leben ist, läuft er weiterhin frei herum.“

        Trotz all der Einzelheiten und der Indizien, die über die Jahre zusammengetragen wurden, findet Fischer einen Umstand erstaunlich eindeutig: „Erinnerungen sind von Natur aus subjektiv, und meist werden traumatische Ereignisse auch mit der Zeit nicht deutlicher. Dennoch sind die Aussagen jener, die dabei waren, heute unschätzbar. Ein Beispiel: Ein Polizeibericht widerlegte die Erinnerung eines Vallejo-Polizeibeamten, der sich ganz sicher war, Mike Mageau habe die Waffe des Zodiac als laut knallend, ohne Schalldämpfer beschrieben. Als ich dem heute pensionierten Beamten seinen eigenen Bericht vorlas, in dem es über Mageaus Aussage heißt: ,Er hörte mehrere gedämpfte Geräusche, die wie eine Schusswaffe mit Schalldämpfer klangen‘, antwortete der Beamte, dass er sich anders erinnere, aber er gab zu, dass diese Fakten korrekt seien. Mageau seinerseits erinnert sich sehr genau daran, dass der Knall gedämpft war. Tatsächlich merkte er erst, dass er beschossen wurde, nachdem er von der zweiten oder dritten Kugel getroffen war. Als er plötzlich den Schmerz vom ersten Schuss in seinem Hals spürte, dachte er laut seiner Aussage zunächst, der Mann habe ihn mit einer Taschenlampe geschlagen.“ Fischer engagierte einen Privatdetektiv, um Mageau aufzuspüren. Der saß wegen Landstreicherei in Haft, und Fischer interviewte ihn über ein Bildtelefon im Gefängnis. „Es war faszinierend, mit einem Menschen zu sprechen, der direkt dabei gewesen war und dem Zodiac-Killer Auge ins Auge gesehen hatte“, sagt Fischer. Mageau und Hartnell – die einzigen überlebenden Opfer – loteten ihr Leben lang alle juristischen Möglichkeiten aus, wobei ihre Erfahrungen diametral entgegengesetzt ausfielen.

        Der heute pensionierte George Bawart wurde vom Vallejo Police Department gebeten, mit den Filmemachern zusammenzuarbeiten. „Die Polizei in Vallejo unterstützt den Film hundertprozentig – in der Hoffnung, dass daraufhin jemand genauere Hinweise gibt, damit wir den Fall ein für alle Mal aufklären können.“

        Am 4. Juli 1969 war Bawart Sergeant in diesem Revier. Sein inzwischen verstorbener Vorgesetzter Jack Mulanax war als leitender Detective für den Fall zuständig. Jahre später leitete Bawart selbst die immer noch andauernden Zodiac-Ermittlungen. Als Ferrin und Mageau überfallen wurden, handelte es sich laut Bawart „noch nicht um Ermittlungen zu einem Serienkiller. Es war der Mord an einem Paar, das sich an einem bei Liebespaaren beliebten Ort getroffen hatte. Er wurde wie jedes andere Tötungsdelikt behandelt. Denn es hätte ja auch ein eifersüchtiger Freund gewesen sein können. Doch als dann die Morde am Lake Berryessa passierten, war plötzlich alles anders. Kurz darauf begann die Zustellung der Briefserie. Als die Sache publik wurde, mussten wir alle fürchten, dass wir es mit einem Serienmörder zu tun hatten.“ Bawart gehörte nicht zu den Beamten am Tatort und bekam erst 1971 mit dem Fall zu tun, als er gegen seinen Hauptverdächtigen Arthur Leigh Allen ermittelte. 25 Jahre später vernahm Bawart Mageau an einem Flughafen, nachdem Graysmiths Buch erschienen war. „Es erregte viel Aufsehen, als Mageau Leigh Allen als Zodiac identifizierte“, sagt er. „Als ich ihn am Airport traf, legte ich ihm eine Reihe von Fahndungsfotos vor, und das war’s: Er erkannte ihn wieder. Ich fragte ihn, wie er sich so sicher sein konnte, und er antwortete: ,Ich weiß es genau. Er hat mich angesehen und auf mich geschossen. Ich bin mir sicher.‘“ Trotz Mageaus Augenzeugen-Aussage ist Bawart heute davon überzeugt, dass ein Verteidiger Mageaus Aussage zerfetzen würde, weil derart viel Zeit vergangen war.

        „Die für mich überzeugendsten Beweise fanden wir in Leigh Allens Haus“, sagt Bawart. „Wir fanden Bomben und viele Gegenstände, über die Zodiac in seinen Briefen schrieb. Bevor ich mir den Durchsuchungsbefehl besorgte, sprach ich in Napa mit Ken Narlow. Der Jahrestag eines der Zodiac-Morde stand kurz bevor. Die Medien erfuhren von unserem Vorhaben und veröffentlichten eine ganze Reihe von Storys. Was gut und schlecht war. Das Gute: Eine Frau las darüber in der Zeitung, bemerkte den Namen Robert Emmett the Hippie und sagte: ,Ich weiß, wer das ist.‘ Es handelte sich um den Homosexuellen Robert Emmett Rodifer, der ein Schwimmteam gemanagte hatte. Arthur Leigh Allen gehörte als Turmspringer zu diesem Team. Er war so zurückhaltend und still wie Rodifer kontakfreudig war. Ich flog also nach Deutschland, um Rodifer zu vernehmen. Er sagte, er erinnere sich an Leigh Allen. ,Der Typ hasste mich‘, sagte er. Aufgrund seiner Aussagen hielt ich Leigh Allen für den Zodiac. Wie er ihn beschrieb und wie er auf ihn reagierte.“

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