Martin Scorseses schnörkelloser Kriminalfilm „Departed – Unter Feinden“ erzählt von zwei Cops: Der kluge und rücksichtslos ehrgeizige Colin Sullivan macht bei der Massachusetts State Police offenbar eine steile Karriere: Er arbeitet in der Ermittlungsspezialeinheit, die es vor allem auf den mächtigen irischstämmigen Unterweltboss Frank Costello abgesehen hat. Der hartgesottene Billy Costigan ist auf den Straßen von South Boston groß geworden – sein Jähzorn kostet ihn die Dienstmarke, und so landet er wieder in seinem Viertel, wo er in Costellos Organisation aufgenommen wird. Doch beide Männer verheimlichen etwas, und während sie unbewusst gegeneinander arbeiten, entwickelt sich ein gefährliches Katz-und-Maus-Spiel, in dem es buchstäblich um alles geht.
Die Handlung von „Departed“ beruft sich auf den Hongkong-Thriller „Infernal Affairs“ (Infernal Affairs – Die achte Hölle; 2002), der in Asien einen riesigen Erfolg verbuchte und 2004 auch in den USA anlief. Bald darauf bekam William Monahan den Auftrag, das Drehbuch für eine amerikanische Fassung zu schreiben.
Der Drehbuchautor erinnert sich: „Ich hatte ,Infernal Affairs‘ nicht gesehen und schaute ihn mir auch nicht an, bevor ich mit meiner Fassung begann. Als Vorlage diente mir eine Übersetzung des chinesischen Skripts. Die zentrale Handlung ist großartig, und um sie herum konnte ich neue Figuren einbauen. Mir gefiel vor allem das Doppelspiel der Hauptfiguren im chinesischen Original, aber thematisch geht es in meiner Version vor allem um die Tragödie, die in Gang gesetzt wird, als die Figuren von ihren Grundsätzen abweichen.“
„,Infernal Affairs‘ gehört zu den Filmen, die mich zum Fan des Hongkong-Kinos gemacht haben, doch ,Departed‘ ist kein Remake dieses Films“, sagt Martin Scorsese. „In Bezug auf die Handlung lassen wir uns von ,Infernal Affairs‘ inspirieren, doch William Monahan erfindet eine Welt, die sich stark von der Hongkong-Vorlage unterscheidet. Als ich das Skript erhielt, brauchte ich zum Lesen ziemlich viel Zeit, weil ich mir sofort die Action vorzustellen begann und mich in die Handlung und die Figuren hineinversetzte. Mir fiel zum Beispiel auf, wie kompromisslos die Figuren geschildert werden – was sich auf ihre Weltsicht natürlich auswirkt. Vor allem das bewog mich, die Regie zu übernehmen.“
Dazu Produzent Graham King: „Man könnte behaupten, dass Martin Scorsese mit ,The Departed‘ zu Filmen wie ,GoodFellas‘ (GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia) und ,Mean Streets‘ (Hexenkessel) zurückkehrt – mit diesem Genre wurde er früher immer in Verbindung gebracht. Doch diesmal verwandelt er die Genremotive in etwas Neues, Originelles. Auch dafür ist Marty bekannt.“
„Die Arbeit mit Martin Scorsese war eine ganz besondere Erfahrung“, sagt Monahan. „Ich durfte miterleben, wie er den Film in seinem Kopf schon zusammensetzte, während wir über das Drehbuch diskutierten. Für mich war das, als ob jeder dieser Tage ganze Jahre der Filmschulausbildung komprimierte.“
Monahan siedelt „Departed“ in einem Milieu an, das er bestens kennt: „Ich bekam den Auftrag zu einem Zeitpunkt, als ich über meine Bostoner Herkunft nachdachte, über die Menschen, die ich im Laufe meines eigenen Lebens verloren habe. Ich konnte mich also sehr persönlich einbringen.“
Thomas B. Duffy hat 30 Jahre lang für die Massachusetts State Police gearbeitet – er stand dem Filmteam als technischer Berater zur Verfügung. Und er bestätigt, dass es durchaus der Realität entspricht, wenn der Drehbuchautor den Krieg zwischen den „Staatsbullen“ und den irischstämmigen Gangstern von Boston in den Mittelpunkt stellt. „Besonders in ,Southie‘ hat die irische Mafia die Unterwelt der Stadt beherrscht – zumindest von den frühen 1970er-Jahren bis in die jüngste Zeit. Die Iren waren die Könige des organisierten Verbrechens.“
Zum dritten Mal übernimmt Leonardo DiCaprio für Scorsese eine Hauptrolle: „,Departed‘ ist zwar ein Gangsterfilm, unterscheidet sich aber trotzdem stark von Martys bisherigen Filmen“, sagt er. „Die Umstände sind völlig andere – es geht nicht nur um die irischstämmige Unterwelt, sondern auch um die Polizei, um die Korruption im System. Außerdem ist der Schauplatz ein völlig anderer – eben Boston, nicht New York. Doch im Laufe unserer Arbeit hatten wir immer deutlicher das Gefühl, dass es in der Geschichte um Amerika ganz allgemein geht, um korrupte Systeme in unserem gesamten Land.“
In der Story geht es laut Scorsese „um zwei junge Männer, deren Leben von bestimmten Einflüssen geprägt wird: die Polizei als Institution und eine kriminelle Bande, die von einem gewissen Frank Costello angeführt wird. Costello nimmt Colin schon als kleinen Jungen unter seine Fittiche und baut ihn scheinbar zur Stütze der Gesellschaft auf, damit er in der Hierarchie der Staatspolizei aufsteigen kann. Tatsächlich ist er aber Costellos Spion. Gleichzeitig erweist sich Billy als sehr geeignet, verdeckt für die Polizei zu arbeiten, denn er stammt aus der Arbeiterklasse von South Boston. Es gelingt ihm, in Costellos Bande aufgenommen zu werden – in Wirklichkeit aber soll er Costello ans Messer liefern. Billy und Colin fahren praktisch auf parallelen Gleisen… um schließlich trotzdem auf Kollisionskurs zu gehen.“