Leonardo DiCaprio spielt Billy Costigan, einen vielversprechenden Kadetten der Massachusetts State Police Academy, der für einen gefährlichen Undercover-Einsatz ausgewählt wird, bevor er überhaupt die Gelegenheit hatte, eine reguläre Dienstmarke zu tragen. Laut DiCaprio ging es ihm dabei um mehr als nur um eine weitere Gelegenheit, mit Scorsese zu arbeiten: „Ich las das Skript und wollte sofort mitmachen. Ich konnte es einfach nicht aus der Hand legen und sagte zu, ohne eine Sekunde zu überlegen. Die Story erzählt absolut mitreißend von sehr vielschichtigen, überzeugenden Figuren.“
Billy Costigan ist in den Straßen von Boston aufgewachsen, und laut DiCaprio will Billy Polizist werden, um einen Schlussstrich unter sein bisheriges Leben zu ziehen: „Billy ist in der Unterwelt groß geworden, in mehrfacher Hinsicht hat er kaum eine Chance, dem Milieu zu entkommen. Wahrscheinlich will er zur Polizei, weil ihm gar keine andere Wahl bleibt. Er will sich bewusst von seiner Familie distanzieren. Die Ironie liegt darin, dass er den Undercover-Auftrag bekommt und jetzt genau die Existenz vorgeben muss, der er unbedingt entkommen wollte. Letztendlich versucht Billy, aufrichtig zu sein, will sich von seiner Umgebung absetzen, doch dabei gerät er in eine äußerst gefährliche und undurchsichtige Situation. Oft entgeht er nur um Haaresbreite der Entdeckung – alle Spitzel-Hinweise deuten auf ihn, das Lügengebäude beginnt einzustürzen.“
„Als Schauspieler kann Leo sehr gut den Konflikt eines jungen Mannes darstellen, der tief im Schlamassel steckt und sich fragt, wie zum Teufel das passieren konnte“, sagt Scorsese. „Man kann das auf seinem Gesicht, in seinen Augen lesen. Deshalb arbeite ich gern mit Leo – er weiß, wie man Emotionen ausdrückt, ohne ein Wort zu sagen. Er strahlt das einfach aus. Ein außergewöhnliches Erlebnis, ihm dabei zuzuschauen.“
Colin Sullivan gehört ebenfalls der Massachusetts State Police an, und auch er stammt aus South Boston. Auch er führt ein Doppelleben, wobei Colin wie Billys Spiegelbild wirkt. Der gebürtige Bostoner Matt Damon spielt den jungen Heißsporn Colin, der im Revier bereits zum Sergeant der Ermittlungsspezialeinheit befördert wird, während seine Jahrgangskameraden noch die Uniform tragen. Doch im Gegensatz zu dem Eindruck, den Colin auf seine Vorgesetzten macht, akzeptiert er nur eine einzige Autorität über sich: Mafiaboss Frank Costello.
„Matt bringt sich intensiv in die Colin-Rolle ein“, sagt Scorsese. „Ich bin immer wieder begeistert, wenn ich beobachte, wie es in seinem Hirn fieberhaft arbeitet, während Colin einen Weg aus seiner prekären Situation sucht, um seine Haut zu retten, und dabei immer tiefer in Schwierigkeiten gerät. So gesehen ist Colins Schicksal noch tragischer als Billys, weil er ernsthaft glaubt, dass er mit seinem Verhalten durchkommt und dass er sich als Advokat des Teufels einen persönlichen Ausweg schafft – die Oberen Zehntausend im Nobelviertel Beacon Hill und das Parlamentsgebäude mit seiner goldenen Kuppel scheinen zum Greifen nah. Am Anfang des Films erleben wir mit, wie Costello Colin im Sinne der falschen Werte erzieht, und irgendwann hat Colin dann gar keine Werte mehr.“
Dazu Damon: „In Colins Milieu wirkt Frank Costello überlebensgroß. Jeder kennt ihn, jeder hat Angst vor ihm. Colin ist etwa zwölf, als er Costello kennen lernt – und diese Begegnungen beeinflussen einen Jungen aus dieser Umgebung natürlich ganz extrem. Costello wird für Colin zu einem Übervater – wir erleben von Anfang an mit, wie sich diese Beziehung entwickelt.“
Costello kann sich Zeit lassen, wie Damon analysiert: „Aus Jungen werden Männer, und Costello weiß genau, dass er auf Colins Loyalität zählen kann. Er bringt Colin dazu, bei der Staatspolizei anzufangen, als Spitzel zu arbeiten. Während also der eine als Undercover-Cop in der Mafia arbeitet, arbeitet der andere als Cop undercover FÜR die Mafia.“
„Unsere Figuren sind die beiden Seiten derselben Medaille – wir kommen sogar aus demselben Viertel“, bestätigt DiCaprio. „Colin hat einen Weg eingeschlagen, Billy einen anderen, aber ihre Existenz ist untrennbar verbunden, obwohl sie das nie begreifen werden. Daraus entsteht dieses mitreißende Schachspiel aus Information und Desinformation.“
Die offensichtlichste Parallele zwischen Billy und Colin ist ihre jeweilige Verbindung zu Frank Costello, von der sie aber nichts wissen. Costello wird von dem legendären Jack Nicholson gespielt. „Departed“ ist Nicholsons und Scorseses erster gemeinsamer Film. Dabei, so der Regisseur, kennen „Jack und ich uns schon 30 Jahre. Aus irgendeinem Grund hat es nie mit einem gemeinsamen Film geklappt – also wollte ich doch mal ausprobieren, ob ihn die Costello-Rolle interessiert. Er ließ sich mit der Entscheidung Zeit, aber das Warten hat sich gelohnt, weil wir bei diesem Film dann viel Spaß zusammen hatten.“
Graham King erinnert sich: „Als Marty Jack Nicholson ins Gespräch brachte, hielt ich das für einen Wunschtraum, aber er ist tatsächlich Realität geworden. Jack gibt der Costello-Figur eine ganz neue Dimension – so wie nur er das kann. Ich nenne das die ,Jack-Momente‘, von denen es sehr viele in diesem Film gibt – einfach traumhaft.“
„Jack hat sich die Figur richtig einverleibt“, bestätigt Scorsese. „Costello hat in seinem Leben alles erreicht – ihn interessiert überhaupt nichts mehr. Warum auch? Er vereint alle Macht auf sich. Doch mittlerweile wird er leichtsinnig, exponiert sich mit Drogengeschäften. Er weiß genau, dass er das nicht nötig hat. Aber er braucht das, um sich nicht zu langweilen. Costello wird alt, und er weiß letztlich selbst, dass es wahrscheinlich mit ihm zu Ende geht. Es war höchst interessant zuzuschauen, wie Jack den vom Thron stürzenden Costello darstellt.“
„Jack Nicholson ist eine Naturgewalt“, fügt DiCaprio hinzu. „Vor der Kamera kann er völlig unberechenbar sein – man muss sich auf seine Tiefschläge gefasst machen. Was ich meine: Bei manchen Szenen hatte ich wirklich keine Ahnung, was als Nächstes passieren würde. Ich wusste nie genau, welche Seite von Costello er heute zeigen würde. Das gibt mir als Schauspieler richtig Auftrieb, weil ich mich ständig absolut konzentrieren muss.“
Nur zwei Männer der Staatspolizei von Massachusetts wissen, dass das neueste Mitglied in Costellos Syndikat ein Undercover-Cop ist: Captain Queenan und Sergeant Dignam.
Mark Wahlberg spielt Sergeant Dignam, einen ruppigen Detective, der, wie der Schauspieler sagt, „ein gemeiner, ruppiger Typ ist und auch gar nicht versucht, das zu verheimlichen. Er ist sehr direkt, dabei aber auch recht anständig.“
„Mark Wahlberg wirkt als Dignam sehr überzeugend“, sagt Scorsese. „Er stammt aus der Bostoner Gegend, kennt sich in dieser Umgebung also recht gut aus und kann sich in seine Figur bestens hineinversetzen. Dignam ist einfach so. Er lässt sich von nichts und niemandem beeinflussen. Er ist mit allen Wassern gewaschen, lässt sich von niemandem auf den Arm nehmen. Man kann es zwar versuchen, aber er wird immer die letzten beiden Worte haben – ich brauche sie wohl nicht zu nennen“, lacht Scorsese.
Wahlberg wuchs im Arbeitermilieu von Dorchester auf. Wie selbstverständlich reaktivierte er den heimatlichen Bostoner Akzent. Augenzwinkernd sagt er: „Ich glaube, Marty hat die Hälfte meiner Dialoge gar nicht verstanden. Er sagt in solchen Fällen: ,Das müssen wir dann wohl untertiteln.‘“
Wahlberg beschreibt seine Heimatstadt als „reichlich raues Milieu für einen Jugendlichen“ und sagt: „Boston ist einmalig. Es hat den Ruf als hervorragende Universitätsstadt, aber es gibt auch Viertel, in denen man nur Verbrecher, Cop oder Bauarbeiter werden kann. Dazwischen gibt es praktisch gar nichts. Dass ich dort aufgewachsen bin, beeinflusst direkt oder indirekt mein gesamtes Leben. Auf diesen Film musste ich mich also nicht besonders vorbereiten – ich kenne solche Typen zur Genüge. Der Unterschied war diesmal nur, dass ich einen jener Cops spiele, die mich damals ständig eingebuchtet haben.“
Den Gegenpol zum aggressiven Dignam bildet der gemäßigte Captain Queenan, den Martin Sheen darstellt. Der Schauspieler gesteht, dass er die Rolle annahm, ohne das Drehbuch überhaupt zu kennen. „Ich habe praktisch sofort zugesagt, weil ich die Chance bekam, mit Martin Scorsese zu arbeiten. Ich hatte bisher nicht die Gelegenheit, aber er zählte immer schon zu meinen Lieblingsregisseuren. So gesehen konnte ich gar nichts falsch machen. Anschließend habe ich das Skript natürlich gelesen – eine großartige Story über Loyalität und Verrat im Spannungsfeld zwischen Polizei und Verbrechtertum. Manchmal verwischen sich die Grenzen, Schwarz und Weiß sind kaum noch zu unterscheiden.“
Sheen sagt weiter, dass Queenan Billys wachsende Verzweiflung zwar durchaus nachvollziehen kann, doch er kann es sich nicht leisten, sein Ziel aus den Augen zu verlieren. „Er begreift, dass Billy seine Identität verliert, als er undercover arbeitet. Außer Queenan und Dignam halten alle Cops Billy für einen Gangster. Und falls Costello erfährt, dass Billy ein Cop ist, ist es aus mit ihm. Die Lage ist äußerst prekär, denn auf beiden Seiten ist sein Leben keinen Pfifferling wert.“
Wer Billy wirklich ist, weiß nicht einmal der Leiter der Ermittlungsspezialeinheit, Captain Ellerby, dargestellt von Alec Baldwin. „Ellerby ist besessen davon, Costello zu schnappen und sein Syndikat zu zerschlagen“, berichtet Baldwin. „Er sieht Costello als verkommenes, gewalttätiges Subjekt. Ellerby nimmt also in Kauf, selbst die Regeln zu verletzen, um sein Ziel zu erreichen. Dennoch ist er ein guter Cop.“
Tatsächlich macht Frank Costello seinem Brutalo-Ruf alle Ehre, aber er hat sich selten persönlich die Hände schmutzig gemacht. Stattdessen verlässt er sich auf eine Bande gewalttätiger Gorillas, unter denen sich vor allem ein gewisser Mr. French hervortut. Der Brite Ray Winstone spielt Costellos rechte Hand – er beschreibt seine Rolle als „einen unzugänglichen Typen – er traut niemandem, mag niemanden… wahrscheinlich nicht mal sich selbst. In seinen Augen ist jeder ein Verräter. Als Schauspieler versuche ich immer die Gefühle meiner Figuren zu analysieren, ihre Schwächen und Stärken. Doch sehr schnell habe ich kapiert, dass French keine Gefühle hat. Ihn kann nichts erschüttern, er kennt keine Angst, aber wer sich ihm in den Weg stellt, den bringt er ohne zu zögern um. Nur Costello kann auf ihn zählen.“
Eine einzige Hauptfigur in „Departed“ ist weder Cop noch Gangster – und sie ist die einzige Frau. Vera Farmiga spielt die Psychiaterin Madolyn, die sich auf Problemfälle beiderseits des Gesetzes spezialisiert hat. Wie das Schicksal es will, bildet sie unwissentlich eine weitere Verbindung zwischen Colin, in den sie sich verliebt hat, und Billy, der ihr Patient wird. Dazu Farmiga: „Madolyn hat den Eindruck, dass Colin die Situation voll im Griff hat. Er bietet ihr Sicherheit, engagiert sich für sie, während Billy eher für Intimität und Leidenschaft steht. Er scheint zwar ziemlich kaputt zu sein, aber dennoch fühlen sie sich zueinander hingezogen.“
Dazu DiCaprio: „Madolyn ist der einzige Mensch, dem er seine Gefühle offenbaren kann. Nur ihr kann Billy sich anvertrauen, wenn auch nur sehr begrenzt, weil er nichts von sich und seiner Tätigkeit verraten darf. Zunächst versucht sie ihn zu beraten, doch dann entwickelt sich zwischen ihnen eine intensivere Beziehung.“
„An Madolyn gefällt mir, dass sie als Psychiaterin zwar Intuition hat, aber nicht ihren Instinkten folgt. Diesen Widerspruch finde ich sehr schön“, sagt Farmiga.
Weitere Hauptdarsteller in „Departed“: Anthony Anderson und James Badge Dale als Polizisten Brown und Barrigan, die dann in die Ermittlungsspezialeinheit aufgenommen werden; sowie David O’Hara und Mark Rolston als Fitzy und Delahunt, zwei von Costellos Gorillas.
„Zu den schönsten Erlebnissen bei einem Scorsese-Film gehört die Besetzung“, sagt Produzent Graham King. „Marty sucht immer die erstaunlichsten Schauspieler aus, und dieser Film bildet da keine Ausnahme.“
Dazu Matt Damon: „Man kann sich als Schauspieler kaum etwas Schöneres vorstellen, als mit Martin Scorsese zu arbeiten. Nur dadurch, dass ich ihm zuschaue, lerne ich bei diesem Film jede Menge. Er hat ein untrügliches Auge für Verhaltensweisen, er merkt sofort, was echt ist und was nicht. Viele der wunderbaren Momente, die wir ihm verdanken, haben mit der Auslotung der Charaktereigenschaften zu tun. Wir Schauspieler beschäftigen uns liebend gern mit solchen Momenten – deswegen wollen wir auch alle in seinen Filmen mitspielen.“
„Wie dreht man einen Film?“ fragt Scorsese. „Dafür stehen sozusagen verschiedene Instrumente zur Verfügung. Die Story, die Sprache, das Milieu, die Leute, die die Rollen übernehmen – alle sind Instrumente. Im Kanon all dieser außergewöhnlichen Elemente verlasse ich mich beim Erzählen der Geschichte vor allem auf die Darsteller. Es war etwas ganz Besonderes, mit all den Schauspielern zu arbeiten, die uns für diesen Film zur Verfügung standen.“