„Departed“ spielt komplett in Boston, während die Dreharbeiten in und um Boston (Spitzname: Beantown) und auch New York stattfanden. Produktionsdesignerin Kristi Zea, die bereits Scorseses „GoodFellas“ ausgestattet hat, meint: „,The Departed‘ ähnelt in mancher Hinsicht ,GoodFellas‘, aber diesmal spielt die Handlung in Boston. Weil wir bereits zusammengearbeitet hatten, konnte Marty sich auf den damaligen Dreh berufen und sagte dann: ,Weißt du noch, wie wir das damals bei ,GoodFellas‘ gemacht haben? So ähnlich möchte ich das jetzt auch haben… aber wie sieht das in Boston aus? Dann kratzte ich mir den Kopf und sagte: ,Das weiß ich auch nicht so recht, Marty, aber ich kann’s rauskriegen‘“, lacht sie. „Es war toll, wieder mit ihm zu drehen.“
Fast alle Außenaufnahmen des Films entstanden in Boston, zum Beispiel im Boston Common (der ältesten Grünanlage in den USA), im Hafen, in Chinatown, und natürlich in South Boston, das von den Einheimischen „Southie“ genannt wird. Daneben drehte das Team außerhalb in den Vororten Braintree, Quincy und Mark Wahlbergs Geburtsort Dorchester. In New York vermied das Team Aufnahmen in Manhattan fast völlig. Stattdessen drehte man in Brooklyn, das Boston doubelte, vor allem bei Innenaufnahmen.
„Dass wir in zwei Städten drehen, ist nicht ungewöhnlich“, berichtet Zea. „In diesem Fall merkt man die Unterschiede zwischen New York und Boston natürlich sehr deutlich, wenn man durch diese Städte fährt. Außerhalb des Zentrums von Boston gibt es fast nur flache Gebäude, der Himmel ist frei, während der New Yorker Himmel von Wolkenkratzern verdeckt ist. Man findet in New York also kaum Schauplätze, die als Boston durchgehen könnten – zumindest was die Außenaufnahmen angeht. Deshalb konzentrierten wir uns vor allem auf Brooklyn. In Boston herrscht auch ein spezifischer Neuengland-Baustil vor, den es in New York nicht gibt, zum Beispiel dreistöckige Holzhäuser mit Balkons auf jeder Etage. So etwas findet man besonders in Boston, und natürlich wollen wir das in unserem Film zeigen. Mich fasziniert dort auch ein weiteres Element: der „brutalistische“ Baustil, der Beton-Look, der bestimmte Gebäude in Boston prägt, zum Beispiel das Rathaus und das Hurley Building.“
Das zementgraue, imposante Hurley Building liegt gleich in der Nachbarschaft der historischen Sehenswürdigkeiten im Zentrum von Boston am Government Square – es diente als Außenansicht des Hauptquartiers der Massachusetts State Police. Zea und ihr Team bauten dann die Innenräume der Behörde in einer gewaltigen Studiohalle im Williamsburg-Viertel in Brooklyn/New York nach. „Wir übernahmen das Grau und Braun des realen Gebäudes, was auf den nachgebauten Sets sehr gut aussieht“, sagt sie.
Kameramann Michael Ballhaus ging bei der Ausleuchtung des Polizeigebäudes ähnlich vor: „In Polizeirevieren besteht die Beleuchtung gewöhnlich aus Neonröhren, was ich aber vermeiden wollte, weil das Licht verwaschen wirkt, keine Spannung erzeugt. Ich benutzte also lieber direktes Licht, das Schatten wirft, um die Atmosphäre interessanter zu gestalten, ihr eine Struktur zu geben.“
Ballhaus hat bereits sechs Filme mit Scorsese gedreht. Er sagt: „Wir haben wohl noch nie so intensiv über das Licht diskutiert wie diesmal. Der ganze Film ist in gewisser Weise vom Film noir beeinflusst. Wir leuchten ihn fast wie einen Schwarzweißfilm aus, vor allem im Polizeirevier, wo es kaum Farben gibt. Aber selbst wenn Farben nicht dominieren, kann man sie durchaus für dramatische Zwecke einsetzen.“
Kostümbildnerin Sandy Powell verwendet Farben, um Jack Nicholson von den übrigen Figuren abzusetzen: „Grundsätzlich tragen alle anderen normale Straßenkleidung in neutralen Tönen: Schwarz, Braun, Grau und Beige. Mehr gibt es eigentlich nicht. Zunächst hatten wir vor, Frank Costello genauso zu kleiden, aber als wir uns mit Jack zusammensetzten, äußerte er, dass er sich Costello in Bezug auf Farben und Stil etwas auffälliger vorstellt. Costello ist derart mächtig, dass er tragen kann, was er will – niemand würde es wagen, darüber ein Wort zu verlieren. Mit Costellos Outfits konnten wir uns also richtig austoben.“
Wenn dann auf den fast farblosen Sets gelegentlich die Farbe Rot auftaucht, war der dramatische Kontrast durchaus beabsichtigt. „Ganz bewusst gestalten wir Kostüme und Sets fast einfarbig. Marty, Michael Ballhaus und ich beschlossen gemeinsam, dass Rot nur dann auftaucht, wenn es dafür einen spezifischen Grund gibt. So deuten wir unterschwellig an, dass Gefahr im Verzug ist – natürlich liegt die Assoziation mit Blut nahe.“
Auch der Buchstabe X taucht im Film immer wieder als Symbol auf, weil Scorsese damit Howard Hawks’ „Scarface“ (Scarface – Das Narbengesicht; 1932) Tribut zollen möchte – Produzent des Films war Howard Hughes. Das X spielt in diesem Gangsterfilm eine ganz bestimmte Rolle. „Marty forderte uns auf, das X so oft wie möglich ins Bild zu bringen“, berichtet Zea. „Es taucht also an Fenstern, Wänden und auf Fußböden auf…“
„Das X ist ein Zeichen des Todes – deswegen wollte Marty es verwenden – manchmal subtil, manchmal ganz offensichtlich“, fügt Ballhaus hinzu, der das X manchmal sogar durch die Beleuchtung in bestimmte Szenen projiziert.
Das Todeskonzept bezieht sich auf den Filmtitel. Dazu Autor Monahan: „Wir Katholiken bezeichnen die Toten als ,the faithful departed‘ – die treuen Verstorbenen. Ich spielte mit dem Begriff, denn im Film geht es ironischerweise um Treulosigkeit. Natürlich sind die Hauptfiguren vor allem ihren Kollegen und Gefährten gegenüber untreu; viel schlimmer aber ist doch, dass sie ihren eigenen Prinzipien untreu werden – deswegen fand ich den Titel so passend.“
Dazu Scorsese abschließend: „William Monahan ist Amerikaner irischer Abstammung aus Boston, also hat er seine Figuren in diesem Milieu angesiedelt. Dennoch geht es im Film um Menschen in einer Situation, wie man sie eigentlich in jeder Stadt der Welt vorfinden könnte. Es geht um Vertrauen und Verrat, um Täuschung und Loyalität – so etwas könnte überall passieren.“