Donnerstag | 31. Mai 2012 | 07:55 Uhr
Sie befinden sich hier: KINO | Startseite > Datenbank > Filmdetails > Filminfos
  • FILMDETAILS | Der Herr der Diebe
  • Der Herr der Diebe

    Familie | Deutschland 2005
    WERBUNG
      • | Die Besetzung

      • Um diesem außergewöhnlichen Stoff bei der filmischen Umsetzung gerecht zu werden, mussten die Filmemacher einen wesentlichen Grundsatz beachten: Auch der Film gehört den Kindern. Glücklicherweise konnte das Filmteam eine Besetzung aus äußerst begabten jungen Darstellern zusammenstellen, die die präzise definierten Rollen von Prosper, Bo, Wespe, Riccio, Mosca und dem Herrn der Diebe übernehmen. Von Anfang an achteten die Produzenten darauf, dass die kindlichen Helden und die Schauspieler, die sie darstellen, überzeugend genug wirken, um das Publikum zu fesseln und sich in die Herzen der Zuschauer zu spielen.
        Entscheidend für die Auswahl der Jugendlichen war, dass sie bereits Filmerfahrung hatten. Rollo Weeks hat in Richard Claus' "Der kleine Vampir" (2000) die Titelrolle gespielt und ist seitdem in "George and the Dragon" sowie "Girl With a Pearl Earring" (Das Mädchen mit dem Perlenohrring) aufgetreten. In seiner zweiten Titelrolle als Scipio, der selbst ernannte Herr der Diebe, muss Rollo einerseits arrogant, andererseits sehr verletzlich wirken. Dazu Claus: "Rollo ist jetzt in einem Alter, in dem er Teenager, aber auch junge Erwachsene spielen kann, und beides erwarten wir von ihm in ,Herr der Diebe', denn er tritt als junger Herr der Diebe auf, aber nach der Fahrt auf dem Karussell auch als sein älteres Gegenstück."

        Der Zusammenhalt der Kinderhelden auf der Leinwand entsprach genau der Freundschaft der Kinderdarsteller untereinander, denn die Kids wuchsen schnell zu einer Art Familie zusammen. Rollo, etwa ein Jahr älter als die anderen, fühlte sich schnell als größerer Bruder und fand auch Scipios Probleme mit seiner eigenen Situation als Nachwuchsdarsteller durchaus vergleichbar: "Ich kann nachvollziehen, was er durchmacht, denn manchmal ist es tierisch nervig, wenn man noch als Kind angesehen und überhaupt nicht ernst genommen wird." Der Regisseur nimmt ihn aber offensichtlich sehr ernst, denn Claus sagt begeistert: "Die Rolle des Herrn der Diebe und Rollo als Darsteller sind ein und dasselbe: Er ist Scipio."
        Als Claus Aaron Johnson kennen lernte, wusste er sofort, dass er seinen Prosper gefunden hatte. Und diese Gewissheit erwies sich bei den Dreharbeiten als goldrichtig: "Wenn Aaron am Set erschien, hat er mich immer wieder verblüfft. Er ist spitze, schon in seinem Alter ein echter Profi. Ich staune immer wieder, wie versiert er als Schauspieler ist."

        Auch Cornelia Funke wirkte aktiv an der Auswahl der Darsteller mit - zusammen mit ihrer Familie schaute sie sich die Videos mit den Probeaufnahmen an und erkannte sofort, dass Aaron ihr Prosper ist. Und als sie in Venedig die ersten Muster sah, fühlte sie sich in ihrer Überzeugung voll bestätigt und lobte Aaron über alle Maßen. Er hat bereits die Hauptrolle in "Tom & Thomas" gespielt und kann sogar schon Hollywood-Erfahrung durch seine Rolle in "Shanghai Knights" vorweisen. Er wollte den Prosper unbedingt spielen und blieb auch bei der Stange, als sich die Finanzierung des Films über Monate hinzog. Zwischendurch trat er viele Wochen in der HBO-Serie "Rome" unter der Regie von Michael Apted auf, bevor er Mitte September 2004 wie seine jugendlichen Kollegen nach Venedig reiste.
        Die Rolle des quirligen und leidenschaftlichen Bandenmitglieds Riccio übernimmt George MacKay, der aktuell als einer der Lost Boys in der neuen Verfilmung von J.M. Barries "Peter Pan" zu sehen war. Als Riccio muss George frech, launisch und streitsüchtig sein, was laut Aaron bedeutete, dass er wie kein anderer ganz gegen seine eigene Persönlichkeit anspielen musste. George sorgte mehr als alle anderen für den Zusammenhalt der Gruppe und brachte oft genug das ganze Drehteam zum Lachen: "Manchmal kichern wir am Set, aber schließlich sind wir Kinder, da ist Spaß doch die Hauptsache."

        Alice Connor spielt Wespe - sie ist bereits neben Heath Ledger in "A Knight's Tale" (Ritter aus Leidenschaft) aufgetreten. Sie berichtet, dass sie mit wilder Entschlossenheit zum Vorsprechtermin ging: "Ich wollte die Rolle unbedingt haben. Immerhin durften wir dafür doch nach Venedig reisen." Obwohl sie das einzige Mädchen in der Gruppe ist, fiel ihr die Eingewöhnung nicht schwer: "Aaron und George kenne ich jetzt schon sehr gut. Ich habe sogar das Gefühl, dass ich immer männlicher werde", sagt sie lachend. "Als wir uns kennen lernten, mochten wir uns auf Anhieb, was natürlich sehr hilft, wenn man als Familie auftreten soll. Das Ganze kam mir irgendwie vor, als ob mir die Eltern erlaubt hätten, ganz viele Nächte bei Freunden zu verbringen." Wespe wirkt fast wie die Mutter der Gruppe, in Krisensituationen übernimmt sie die Führung, vor allem in dem Moment, als Scipios Täuschungsmanöver auffliegt.

        Lathaniel Dyer spielt den Mosca, auf den er sich intensiv vorbereitete: "Ich konnte unsere Reise nach Venedig gar nicht abwarten." Er freute sich, dass er im Kreis der anderen Kinder auftreten durfte, die bereits mehr Erfahrung mitbringen als er. "Wir haben uns beim Auswendiglernen der Dialoge ständig geholfen, mit Stichworten und so." Mosca ist ein kluger, unerschütterlicher Tüftler, der aber auch etwas von einem Träumer hat. Als Einziger in der Gruppe gibt er die Hoffnung nicht auf, dass er eines Tages seinen Vater wiederfindet. In einer der rührendsten Szenen des Films zeigt er einen kleinen Trickfilm, dessen Bilder er in wochenlanger Arbeit auf einen Filmstreifen gekratzt hat: Man sieht, wie er um die Welt rudert und am Ende seinen Vater auf einer einsamen Insel entdeckt.

        Schließlich, aber nur dem Alter nach als Letzter, kommt Jasper Harris, der als Bo sein Filmdebüt gibt: "Als ich die Rolle bekam, war ich zehn Sekunden lang ohnmächtig." Prospers kleiner Bruder ist für sein Alter sehr aufgeweckt und kann sich in der Bande durchaus behaupten, aber natürlich passt auch sein älterer Bruder immer gut auf ihn auf. "Ich bin derjenige, der von oben auf die Leute herunterspringt", berichtet Jasper über die Stunts, die er ausführen musste - aber er meint damit auch die Streiche, die die Kinder den Erwachsenen nach Drehschluss spielten. Claus ließ sich viel Zeit, um den perfekten Bo zu suchen, bis er schließlich aus voller Überzeugung sagen konnte: "Jasper Harris und kein anderer. Er kriegt die Rolle!"

        Es erschien logisch, vorwiegend britische Darsteller zu besetzen, um das notwendige europäische Flair zu gewährleisten und den Film trotzdem auch für das amerikanische Publikum verständlich zu machen. Entsprechend griffen die Produzenten bei der Auswahl der erwachsenen Schauspieler ebenfalls auf die Elite der britischen Darsteller zurück.

        Jim Carter ist für Claus bereits in "Der kleine Vampir" aufgetreten - damals als Bösewicht. Diesmal darf er sich jedoch als lieber und besorgter Onkeltyp bewähren: Man glaubt ihm sofort, dass er seinen Auftrag, die Kinder zu verfolgen, ignoriert und lieber für ihre Sicherheit und ihren Zusammenhalt sorgt. "Victor wirkt als Detektiv eher unkonzentriert, er lebt in den Tag hinein", sagt Carter. "Viel lieber hilft er den Menschen. Materielle Dinge interessieren ihn nicht. Detektive sind im heutigen Kino selten geworden - wer verkleidet sich heute noch mit Schnurrbart und einer Brille aus Flaschenglas? So gesehen wirkt er eher altmodisch, aber im positiven Sinn."

        Caroline Goodall ist ebenso gelassen und klug wie Ida. Sie kann umfangreiche Hollywood-Erfahrung nachweisen, lebte sich enthusiastisch in ihre Rolle ein und zeigt sich begeistert von Idas ungestümem Freigeist, von ihrer Unabhängigkeit. Wie alle anderen erwachsenen Hauptfiguren im Film wirkt auch Ida wunderbar kindisch. Als erfolgreiche Karrierefrau hat sie zwar eine gewisse Reife erlangt, aber sobald sie die Kinder kennen lernt, bricht die Abenteuerlust wieder in ihr durch, und sie wirft jede Vorsicht über Bord.

        Alexei Sayle hat sich seit längerer Zeit auf der Kinoleinwand rar gemacht - lieber widmet er sich seinem anderen Beruf, der Schriftstellerei. Aber der beliebte britische Comedian erkannte in der Barbarossa-Rolle eine großartige Gelegenheit, den verschlagenen und gefährlichen Hehler als unvergesslich komischen Typen darzustellen. Grinsend erinnert sich George MacKay: "Alexei Sayle ist ein cooler Typ. Er ist nicht nur vor der Kamera witzig, sondern auch in den Drehpausen." Und Aaron Johnson fügt hinzu: "Wir haben bestimmt etliche seiner Großaufnahmen verpatzt, weil wir einfach nicht an uns halten konnten." Rollo Weeks beschreibt den Barbarossa als "schmierigen Typ, der die Kids ausbeutet". Sayle definiert ihn so: "Schlecht gelaunt, feige, hasst Kinder. Eigentlich ist er nicht bösartig, aber zu den Guten zählt er eben auch nicht." Über seine Entscheidung für die Rolle sagt er: "Richtige Psychopathen kann ich nicht spielen. Aber einer wie Barbarossa, bei dem alles nur Fassade und der eigentlich ein Schwächling ist - das ist eine Bombenrolle für mich."

        Die Besetzung der Hartliebs war eine besonders angenehme Aufgabe. Sie müssen besonders groß sein, um den Kontrast zu Prosper und Bo hervorzuheben. Sie sollen ihre Nase besonders hoch tragen, aber auch als Ehepaar zueinander passen. Sobald Richard Claus die Videos von Bob Goody und Carole Boyd sah, hatte er sein perfektes Paar gefunden: Die Hartliebs gehen ganz in ihrem kleinen Reich auf, kümmern sich überhaupt nicht um andere und machen sich mit ihren ständigen Drohgebärden völlig lächerlich.

        Vanessa Redgrave übernimmt die Schlüsselrolle der Schwester Antonia, die möglicherweise weiß, was es mit jenem Karussell auf sich hat, das Kinder in Erwachsene verwandeln kann und umgekehrt. Zusammen mit Ida (Caroline Goodall) segeln die Kinder zu Schwester Antonias Inselexil, um sie kennen zu lernen. Die Jugendlichen waren begeistert, mit der legendären Schauspielerin arbeiten zu dürfen, aber auch Vanessa Redgrave fand es sehr anregend, mit einer Gruppe derart begabter junger Darsteller aufzutreten. Richard Claus erinnert sich an seine erste Begegnung mit ihr: "Vanessa Redgrave beschloss, Schwester Antonia auch wie ein Kind zu spielen. Das entspricht natürlich überhaupt nicht dem Klischee der gutmütigen, augenzwinkernden alten Dame. Sie hat sich auf diese kleine Rolle sehr sorgfältig vorbereitet und brachte selbst eine Idee ein, die mir nie eingefallen wäre. Die Arbeit mit ihr ist ein großes Vergnügen."

        Dottore Massimo ist Scipios Vater, ein skrupelloses Monster: Er hat für seinen Sohn nur Verachtung übrig. Robert Bathurst umgibt ihn mit einer traumhaft arroganten Aura - spielend liefert er damit für Scipio/Rollo Weeks die Motivation, seine Kindheit so schnell wie möglich hinter sich zu lassen, um sich aus dem väterlichen Joch zu befreien.

      • | Userwertung

      Wertung: 9.0/10 (2 votes)

      • | Cinefacts bei Facebook
      Facebook Logo
        • | WEITERE INFOS
            •   AKTIONEN