„Es geht hier um euch“, schärfte Petersen seinen Darstellern von Anfang an ein. „Die Explosionen, die Wassermassen stehen nicht im Mittelpunkt; vielmehr geht es darum, wie ihr mit der Situation fertig werdet, wie ihr euch verhaltet. Ich will erleben, wie ihr ins Schwitzen kommt, eure Angst, das ganze Programm.“
Entsprechend brauchte er Schauspieler, die nicht nur Talent, sondern auch Stehvermögen mitbringen. Sie mussten nicht nur an Sicherheitsleinen hängend in Abgründe springen und sich von Wassermassen wegspülen lassen, sondern in den letzten Drehwochen auch unter Wasser arbeiten. Zu diesem Zweck machten alle Beteiligten einen einwöchigen Tauchkursus unter Anleitung des für die Unterwasseraufnahmen verantwortlichen Sicherheitsteams.
Josh Lucas spielt den selbstbewussten Profi-Spieler Dylan Johns. Weil er unbedingt seine Unterwasser-Stunts selbst ausführen wollte, übte er auch nach Feierabend zu Hause weiter – was ihn im Nachhinein richtig amüsiert: „Ich sagte also zu, dass ich das selbst machen wollte, und übte wie bescheuert nach Feierabend zu Hause weiter, nachdem ich schon den ganzen Tag im Wasser verbracht hatte – ich zog meine Bahnen im Pool und probierte aus, wie lange ich die Luft anhalten kann“, erinnert er sich.
Dass er selbst so enthusiastisch dabei war, führt Lucas vor allem auf Petersens ansteckende Begeisterung zurück: „Wolfgang ist ein außergewöhnlich charismatischer Mensch – wahrscheinlich liegt das an der Leidenschaft, mit der er Filme macht und Geschichten erzählt. Das haben wir alle deutlich gespürt. Ob wir wollten oder nicht – er hat uns einfach mitgerissen.“
Während der Dreharbeiten dachte der Schauspieler oft über Menschen nach, die wirklich in derartige Extremsituationen geraten waren – ein Gefühl, das auch seine Kollegen teilten, denn im Juni 2005, als die Dreharbeiten begannen, war der Eindruck vom Tsunami im Indischen Ozean Ende 2004 noch sehr frisch. „Wir haben wohl alle die Verantwortung gefühlt, solchen Erfahrungen gerecht zu werden und möglichst authentisch zu zeigen, was Angst, Schmerzen und schreckliche Enge ausmachen. Einmal tauchte ich aus dem Wasser auf, und über mir waren nur noch ein, zwei Zentimeter Luft zum Atmen – da bin ich echt panisch geworden. Und ich war so dankbar, dass ich mich auf einem Filmset befand.“
In einer der schwierigsten Szenen bekam es Lucas nicht nur mit Wasser, sondern auch mit Feuer zu tun: „Als die Gruppe sich durch die Eingangshalle arbeitet, wird sie von einem Ölfilm getrennt, der auf dem Wasser in Brand geraten ist. Ich springe also ins Wasser und tauche mit einem Feuerwehrschlauch unter dem Feuer hindurch, um eine Verbindung zwischen beiden Seiten zu schaffen. Ich musste an genau der richtigen Stelle auftauchen, und weil es reichlich heiß war, bekam ich es wirklich mit der Angst zu tun“, gesteht er. „Im Film gibt es einige richtig heftige Szenen.“
In „Sweet Home Alabama“ (Sweet Home Alabama – Liebe auf Umwegen) verkörpert Lucas sehr charmant die große Liebe von Reese Witherspoon, und 2001 wurde er mit dem „A Beautiful Mind“-Ensemble von der Screen Actors Guild (Gewerkschaft der Filmschauspieler) nominiert. Seine „Poseidon“-Rolle beschreibt er so: „Dylan ist ein Glücksspieler, wahrscheinlich eine Nummer zu klein für Las Vegas, aber er schafft es, angetrunkene Kreuzfahrtpassagiere auszunehmen. Er ist kein böser Mensch, aber auch nicht gerade ein Held. Er will nur sein eigenes Ding durchziehen – er kümmert sich nur um sich selbst und will mit anderen nichts zu tun haben.“
Dylan gerät in ein Dilemma, als er dem kleinen Conor von seinem Plan berichtet, allein einen Rettungsweg aus dem gekenterten Schiff zu suchen, während die anderen geduldig auf die Rettungsmannschaften warten. Conor informiert seine Mutter Maggie, und Zeuge ihres Gesprächs wird der frühere Feuerwehrmann und ehemalige New Yorker Bürgermeister Robert Ramsey, der den Ballsaal ebenfalls unbedingt verlassen will, um seine vermisste Tochter zu suchen. Auch Nelson, ein weiterer Passagier, will den Aufstieg wagen. Um den Weg durch die verwinkelten Gänge des Schiffs zu finden, setzen sie auf die Unterstützung des gerade vorbeikommenden Kellners Valentin.
Dylan und Ramsey könnten nicht unterschiedlicher sein. Dylan will von Verantwortung für andere nichts wissen, während Ramsey sein Leben lang wohl oder übel immer die Führung übernommen hat. Die beiden sind bei einem spannenden Poker-Duell an Bord bereits aneinandergeraten – die gemeinsame Odyssee beginnt für sie also unter den denkbar schlechtesten Voraussetzungen. Dazu Lucas: „Ramsey fühlt sich durch Dylans Egoismus beleidigt. Andererseits fordert die Art, wie Ramsey die Führung an sich reißt, Dylans Widerstand heraus.“
Den Robert Ramsey spielt Kurt Russell, der sein Interesse an dem Stoff so definiert: „Wir lernen diese Leute kennen, ohne aber genau zu wissen, wer sie wirklich sind. Ramsey war einst Feuerwehrmann, der es bis zum Bürgermeister einer Großstadt gebracht hat. Er wurde kürzlich geschieden und ist nicht mehr im Amt – ironischerweise wollte er auf dieser Kreuzfahrt gerade all dem beruflichen Druck entkommen.“
Unter Druck steht er aber auch, weil er sich Sorgen um seine selbstbewusste 19-jährige Tochter Jennifer macht, die Ramsey zusammen mit ihrem Freund Christian begleitet.
Nach dem Kentern des Schiffs will Ramsey vor allem seine Tochter retten. Egal, was er sich früher als Vater, Ehemann oder Amtsperson zuschulden kommen ließ – jetzt geht es nur noch um Jennifers Sicherheit. Deswegen muss er es bis auf das Deck über dem Ballsaal schaffen, wo das junge Paar in der Disco ins neue Jahr feiern wollte. Inzwischen ist die Disco nur noch ein rauchender Trümmerhaufen, wo sich Elektrizität und Wasser zu einem tödlichen Cocktail mischen. Hier versucht Jennifer verzweifelt, Christian unter geborstenen Metalltrümmern hervorzuziehen.
Russell beschreibt die pragmatische Sicht der Dinge, die sich Ramsey zu Eigen macht: „In einem gekenterten Schiff gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder man harrt in diesem einen Saal aus, der noch Luft enthält – in der Hoffnung, dass Rettung kommt, bevor das Schiff ganz untergeht. Oder man nimmt sein Schicksal selbst in die Hand, um seine eigene Haut zu retten.“
Die meisten Stunts in „Poseidon“ führte Russell persönlich aus – so wie er es in seiner bemerkenswerten Karriere immer gehalten hat. Schon als Zehnjähriger stand er vor der Kamera. Berühmt wurde er unter anderem mit seiner präzisen Darstellung der Titelrolle in der ABC-Filmbiografie „Elvis“ (Elvis the King, 1979), die ihm eine Emmy-Nominierung einbrachte, und mit der Golden-Globe-Nominierung für „Silkwood“ (Silkwood). Über die Beziehung der zufällig zusammengewürfelten Menschen, die vielleicht über Leben und Tod entscheidet, sagt er: „Es ist schon seltsam, wenn man bedenkt, dass man die vielleicht entscheidenden Stunden seines gesamten Lebens mit Menschen verbringt, die man kaum mit Namen kennt.“
Die Rolle der Jennifer übernimmt Emmy Rossum, die mit „The Phantom of the Opera“ (Das Phantom der Oper) für den Golden Globe nominiert wurde. Ihren Freund Christian spielt Mike Vogel („The Texas Chainsaw Massacre“).
Jennifer hat sich heimlich mit Christian verlobt und zögert, ihrem Vater davon zu erzählen, weil der extreme Beschützerinstinkte entwickelt, seit er allein für sie sorgt. Sie hat zwar keine Angst vor seiner Ablehnung, denn sie ist eine selbstbewusste junge Frau, die eine solche Auseinandersetzung nicht scheut. „Vielmehr möchte sie vermeiden, ihrem Vater wehzutun, wenn sie ihn ,verlässt‘“, erklärt Rossum. „Sie liebt ihren Vater. Er war immer für sie da, doch jetzt ist sie erwachsen und will ihre ganze Zuneigung dem Mann schenken, in den sie sich verliebt hat. Sie ist zwischen beiden hin- und hergerissen. Wir alle müssen uns mit dem Erwachsenwerden auseinandersetzen, unsere Unabhängigkeit einfordern und lernen, auf eigenen Füßen zu stehen. Der Unfall an Bord beschleunigt nur, was sowieso kommen musste. In einer solchen Situation zeigen die Menschen ihr wahres Gesicht. Und Jennifer behauptet sich als smarte, mutige und liebevolle Frau.“
Während des Drehs musste Rossum mehr Mut und Durchhaltevermögen aufbringen, als sie sich je vorstellen konnte. „Als ich das Drehbuch las, war natürlich klar, dass wir nicht nur emotional, sondern auch körperlich gefordert werden“, sagt sie. „Aber so richtig habe ich das erst kapiert, als es losging. Alle haben das so empfunden. Plötzlich sollten wir in sechs Meter Tiefe durch einen engen Korridor schwimmen oder uns ohne Sicherheitsnetz und nur einer Sicherheitsleine über einen drei Stockwerke tiefen Abgrund hangeln. Da musste ich meinen ganzen Mut zusammennehmen. Aber ich begriff irgendwann, dass die Angst zu 85 Prozent im Kopf stattfindet. Wenn man die erst einmal in den Griff bekommt, wird alles einfacher.“
Ähnlich erging es Mike Vogel in der Rolle von Jennifers heimlichem Verlobten Christian: Er bekämpfte sein Schwindelgefühl auf ungewöhnliche Weise – nämlich mithilfe von Petersens Leidenschaft für klassische Musik. „Das war der surrealste Moment der gesamten Dreharbeiten“, erinnert sich Vogel. „Wir standen etwa 30 Meter hoch auf einer Art Balkon über den Trümmern der auf dem Kopf stehenden Eingangshalle – von allen Seiten spritzte das Wasser, zischte Dampf, flogen die Funken. Uns allen rutschte das Herz in die Hose. Plötzlich verblüffte Wolfgang uns, indem er mit voller Lautstärke eine klassische Symphonie abspielte. Als wir merkten, was los war, fingen wir an zu lachen – das lockerte die Anspannung. Dennoch war das reichlich abgedreht. Die Kameras, wir alle passten uns dem Rhythmus der Musik an, und Wolfgang schwang den Taktstock.“
Von Anfang an will Christian die Wahrheit über seine Beziehung zu Jennifer hinausposaunen. Der junge Mann hat durchaus ehrenwerte Absichten und ist überzeugt, dass Ramsey ihn kaum respektieren wird, wenn er ihm nicht sofort reinen Wein einschenkt. „Im Laufe der Geschichte will Christian seinem zukünftigen Schwiegervater immer wieder beweisen, was in ihm steckt“, sagt Vogel. „Er weiß genau, dass Ramsey die beiden noch für Kinder hält. Nach der Katastrophe denken alle anderen nur an sich, aber Christian will Ramsey auch weiterhin zeigen, dass er Jennifer verdient hat.“
Christian weiß, was Ramsey in seinem Leben geleistet hat, welchen Ruf er genießt. Dazu Vogel: „Christian merkt natürlich, welche großen Ansprüche Ramsey an einen potenziellen Schwiegersohn hat. Deswegen will er Ramsey überzeugen, dass er der Richtige für Jennifer ist und sie durchaus beschützen kann. Beim Aufstieg durchs Schiff bekommt er dazu reichlich Gelegenheit.“
Jennifer und Christian sind bis über beide Ohren verliebt und wollen möglichst bald ihr gemeinsames Leben beginnen. Deswegen vertrauen sie sich der kleinen Gruppe an, denn sie wissen genau, dass ihr Leben vielleicht nur noch wenige Stunden dauert.
Ganz am anderen Ende des romantischen Spektrums befindet sich Richard Nelson, den Richard Dreyfuss so beschreibt: „Ein einsamer Mann mittleren Alters, dem das Herz gebrochen wurde, weil er nach einer langjährigen Beziehung urplötzlich für einen anderen Mann verlassen wurde und nun die Kreuzfahrt alleine antreten muss.“
In der Silvesternacht steht Nelson allein an der Schiffsreling und will über Bord springen. Erst der Anblick der heranrollenden Riesenwelle reißt ihn aus seiner Depression: Er rennt zurück in den Ballsaal und erlebt dort den Tumult, als sich der Raum um 180 Grad dreht und alles Kopf steht.
„Es gelingt ihm, den anderen Überlebenden Mut zu machen, und er verliert dabei nicht einmal seinen Humor“, sagt Dreyfuss, wobei er feststellt, dass Nelsons neu erwachter Lebenswille bei dem folgenden Aufstieg mehr als einmal harten Prüfungen standhalten muss. „Er wird unterwegs verletzt, gibt aber niemals auf.“
Dreyfuss kann auf eine Karriere mit vielen beeindruckenden Rollen und Preisen zurückblicken, unter anderem gewann er den Oscar, den British Academy Award (BAFTA) und den Golden Globe für „The Goodbye Girl“ (Der Untermieter). Auch privat hielt er seine Kollegen und das Filmteam ständig mit witzigen Sprüchen bei Laune. Jovial erzählte er Reportern, dass er an Bord der Poseidon gekommen sei, um „ständig auszurutschen, hinzufallen, zu ertrinken und zu kreischen“. Außerdem machte er sich über seine berühmte Rolle in „Jaws“ (Der weiße Hai) lustig, indem er behauptete, Petersen hätte ihn wegen seiner „darstellerischen Leistungen unter Wasser“ engagiert.
„Heutzutage kann das Kino jeden unserer Träume sichtbar machen“, sagt Dreyfuss, der ebenfalls vor Drehstart auf der Queen Mary 2 reiste, um ein Gefühl für die Atmosphäre und die Dimensionen eines solchen Schiffs zu bekommen. „Der Film entstand in fünf Studiohallen, die alle chaotische Zustände illustrieren. Es ist heute möglich, einen ganzen Football-Platz umzukippen. Man kann diese Geschichte absolut realistisch erzählen. Die Filmtechnik ist inzwischen derart verfeinert, dass man nur noch einen begabten Filmemacher braucht, der die Geschichte so gestaltet, dass wir sie direkt miterleben.“
Dreyfuss weiß genau, wie mitreißend die Storys sind, in denen es ums nackte Überleben geht: „Das funktioniert nach dem Prinzip der ,Zehn kleinen Negerlein‘ – da waren’s nur noch neun, dann acht und so weiter. Wir fiebern mit den Helden und wollen wissen, wer es schafft und wer nicht. Das entspricht der menschlichen Natur – im Kino ist das eine berühmte Tradition.“
Die Witwe und Mutter Maggie James wird von der Australierin Jacinda Barrett gespielt, die in den USA bereits in „The Human Stain“ (Der menschliche Makel) und „Ladder 49“ (Im Feuer) zu sehen war. Ihren altklugen neunjährigen Sohn stellt der beim Dreh tatsächlich neunjährige Jimmy Bennett dar, der bereits eine umfangreiche Filmografie vorweisen kann und kürzlich Harrison Fords entführten Sohn in „Firewall“ (Firewall) gespielt hat.
„Maggie bemüht sich sehr um ihr Kind, sie versucht ihm ein normales Leben zu ermöglichen, obwohl sein Vater starb, als Conor noch ganz klein war“, berichtet Barrett über ihre Rolle als allein erziehende Mutter, die deswegen viele Überstunden macht – die Kreuzfahrt ist eine große Ausnahme und als Geschenk für den Jungen gedacht. Maggie ist zwar stolz darauf, dass er schon so selbstständig ist, weiß aber auch, dass er eigentlich zu schnell erwachsen wird. „Als die Tragödie über sie hereinbricht, versucht Conor seine Mutter zu beschützen und sie auf seine ganz eigene Art zu beruhigen – als ob er gar keine Eltern bräuchte“, sagt Barrett. „Aber langsam verlagern sich die Gewichte, und während Maggie ihre Kraft wiederfindet, reduziert Conor allmählich sein bewusst frühreifes Verhalten, bis er am Ende einfach nur der kleine Junge ist, der seine Mutter braucht.“
Bei „Poseidon“ arbeitete Barrett erstmals auf einer kardanisch aufgehängten Kamerabühne – sie fand die Action „berauschend“. Über die Menge der gleichzeitig eingesetzten Kameras sagt sie: „Ich bin noch nie von fünf Kameras gleichzeitig gefilmt worden. Ständig muss man darauf achten, für jede Kamera perfekt im Bild zu stehen – was uns als Schauspieler viel konzentrierter arbeiten lässt, weil man nie genau weiß, was die Kameras alles mitbekommen.“
Die Lieblingsszene des kleinen Jimmy Bennett war sein Sprung von dem Konzertflügel, der am Fußboden (jetzt Decke) des zertrümmerten Ballsaals festgeschraubt ist. Er bezeichnet „Conor als ziemlich mutig. Er ist sich dessen durchaus bewusst, und das macht ihm Spaß. Als er im Schiff aufwärts klettert, ist er immer zu allem bereit, und ständig fragt er: ,Alles in Ordnung, Mom?‘, denn er möchte nicht, dass sie sich Sorgen um ihn macht.“
Bennett wollte seine Stunts unbedingt selbst ausführen, und er ist dazu auch durchaus in der Lage. Entsprechend gesteht er, dass „ich sauer war, wenn ich manche Sachen nicht machen durfte“. Aber er durfte viele Schwimmszenen selbst drehen. „Ich kann die Luft sehr lange anhalten“, sagt er. „Ich kann zwei Bahnen schwimmen, ohne Atem zu holen.“
Weil Maggie nur für ihren Sohn lebt und aufgrund ihrer Arbeit kein Privatleben mehr kennt, wird sie laut Barrett „völlig überrumpelt, als sie auf der Silvesterparty Dylan kennen lernt“. Denn die beiden fühlen sich sofort zueinander hingezogen. „Aber sie war überhaupt nicht darauf aus und hat solche Gefühle seit langem verdrängt. Ihr gefällt besonders, wie gut Dylan sich mit Conor versteht.“ Vor allem deswegen entscheidet sie sich, das Risiko einzugehen und Dylan aus dem Ballsaal hinaus zu folgen. Aber Maggie ist vorsichtig – sie nimmt diesen Mann genau unter die Lupe, bevor sie ihm Vertrauen schenkt.
Die Argentinierin Mia Maestro kennen die Zuschauer als Nadia Santos aus der beliebten Serie „Alias“ (Alias). In „Poseidon“ spielt sie die schüchterne, aber beherzte und tief gläubige Elena, die sich als blinder Passagier an Bord geschlichen hat. Sie will ihren Bruder im New Yorker Krankenhaus besuchen, konnte aber das Geld für die Überfahrt nicht auftreiben. Deswegen ließ sie sich von ihrem Freund Valentin (Freddy Rodriguez), der auf der Poseidon als Kellner arbeitet, an Bord schmuggeln. Im gekenterten Schiff gehört sie zu den wenigen Überlebenden in der Disco. Sie hilft der verzweifelten Jennifer bei ihrem Versuch, Christian unter den schweren Trümmern hervorzuziehen. Als Ramsey mit den anderen in der Disco auftaucht, schließt sich Elena der Gruppe an, die im Innern des Schiffs nach oben klettert.
Die einsame Elena freundet sich bald mit Nelson an, der ihr in den schlimmsten Momenten ihres Trips beisteht. Denn als sie sich durch einen dunklen und engen Durchgang zwängen müssen, reagiert die klaustrophobische Elena panisch – sie glaubt nicht mehr weiter zu können.
„Der Film geht wirklich an die Nieren“, stellt Maestro fest. „Denn wir erleben mit, was diese Menschen in der lebensgefährlichen Situation durchmachen. In solchen Zeiten mobilisieren die Leute Kräfte in sich, die sie sich selbst nie zugetraut hätten. Diese physischen und psychischen Grenzsituationen sind äußerst interessant.“
Maestro bringt bereits Taucherfahrung mit und hatte auch schon Unterwasseraufnahmen gedreht. Sie fand die Szenen an den Sicherheitsleinen viel komplizierter. „Das erste Mal ist immer das schwierigste“, gibt sie zu. „Vom Verstand her weiß ich zwar, dass ich das überleben werde, und wir wurden ja auch von hervorragenden Stunt-Experten unterstützt, aber dennoch wird einem leicht schwindelig, wenn man in die Tiefe schaut. Letztlich muss man sich einfach überwinden.“
Genau wie Vogel fand sie Petersens improvisierte klassische Konzerte inspirierend und beruhigend.
Kapitän Bradford gehört zu den Überlebenden, die im Ballsaal unter der Wasserlinie ausharren. Diese Rolle übernimmt der Bühnen- und Filmstar Andre Braugher. Derzeit spielt er in der neuen Serie „Thief“ des Senders FX die Hauptrolle. Den Emmy gewann er als Detective Pembleton in der Serie „Homicide: Life on the Street“ (Homicide), weitere Nominierungen erhielt er für „Gideon’s Crossing“ und die gefeierte HBO-Miniserie „The Tuskegee Airmen“ (Die Ehre zu fliegen). Der Kapitän trifft diese Entscheidung, weil es seine Pflicht ist, aber Braugher sieht ihn sowieso als einen Mann, der zurückbleiben und den Eingesperrten und Verletzten Beistand leisten würde, selbst wenn er die Möglichkeit zur Flucht hätte.
Braugher zeigt sich besonders beeindruckt von „dem Opfer, das Bradford bringt – er fühlt mit seinen Passagieren, er liebt sein Schiff. Selbst im totalen Chaos im Ballsaal bleibt er gefasst und formuliert die heldenhafte Notlüge, um die Menschen zu beruhigen. Er ist ein aufrechter Mann. Egal, wie hoffnungslos die Umstände sein mögen – er bleibt unerschütterlich.“
Bei der Vorbereitung auf die Rolle eignete sich Braugher eine Menge technischer Einzelheiten an, er lernte, wie sich ein Schiff vorwärts bewegt, wie es navigiert wird, welche Sicherheitseinrichtungen es gibt: „Interessanterweise existiert kein Notfallplan für den Fall, dass ein Schiff kentert, weil das einfach nicht vorgesehen ist. Es gibt nur die Anweisung, die Schotten zu schließen und die Decks zu versiegeln, um das Sinken zu verhindern.“
Die Fragen, die „Poseidon“ bezüglich des menschlichen Verhaltens in einer solchen Situation aufwirft, kommentiert Braugher so: „Niemand kann genau sagen, wie er sich verhalten wird, bis es tatsächlich passiert. Bin ich verletzt oder nicht? Ist meine Familie bei mir? Ich würde meine Familie nie im Stich lassen – wenn wir also verletzt wären, würden wir nie fliehen. Wenn wir schon ein nasses Grab finden, dann auf jeden Fall gemeinsam.“
Freddy Rodriguez ist mit seinen Auftritten in der HBO-Serie „Six Feet Under“ (Six Feet Under – Gestorben wird immer) schon zweimal mit dem Preis der Schauspielergewerkschaft SAG ausgezeichnet worden – hinzu kommen drei weitere SAG-Nominierungen und eine Emmy-Nominierung. Seine Darstellung des fähigen Kellners Valentin wird von Pragmatismus und Mitgefühl geprägt. Weil er sich in den Eingeweiden des Schiffs auskennt, macht Ramsey ihm einen Vorschlag.
„Ramsey bietet ihm den doppelten Jahreslohn, wenn er der Gruppe hilft“, sagt Rodriguez, der aber betont, dass Valentin nicht nur durch das Geld motiviert wird. „Wahrscheinlich hätte er ihnen sowieso geholfen, denn das entspricht seiner Natur – ganz zu schweigen davon, dass natürlich auch er aus dem Schiff herauswill. Er ist ein kluger Kopf, und er will unbedingt überleben.“
In dieser Rolle musste Rodriguez physische Strapazen auf sich nehmen, wie er sie noch nie vor der Kamera absolvieren musste. Ein atemberaubender Stunt verlangte zum Beispiel, dass er fünf Meter hoch über einem Fahrstuhlschacht baumelt und sich dabei nur an Nelsons Bein klammert. Augenzwinkernd gesteht er, dass der komplizierteste Aspekt dieser Szene darin bestand, „sich an das Sicherheitskorsett zu gewöhnen – das ist nämlich praktisch eine Zwangsjacke ohne die Ärmel.“
Was die Urangst vor Seekatastrophen angeht, meint Rodriguez: „Ich habe noch nie eine Kreuzfahrt gemacht, würde das aber sehr gern tun. Letztlich ist das doch wie mit dem weißen Hai: Wer verzichtet schon aufs Baden, nachdem er ,Der weiße Hai‘ gesehen hat? Man ändert sich eben nicht. Ja klar, ich würde am liebsten gleich morgen auf Kreuzfahrt gehen.“
Der vielseitige Kevin Dillon wurde durch seine dramatischen Rollen in Oliver Stones „Platoon“ (Platoon) und „The Doors“ (The Doors) bekannt. Derzeit begeistert er sein Publikum in einer komischen Rolle in der HBO-Serie „Entourage“. In „Poseidon“ spielt er das Ekelpaket Lucky Larry, der ebenfalls das Kentern des Schiffs überlebt.
„Larry ist laut, aufdringlich und reichlich nervig – offenbar hat er schon einige Drinks zu viel gekippt und macht munter weiter“, sagt Dillon, der zugibt, dass es schwierig war, Larry auch ein paar sympathische Seiten abzugewinnen. „Eigentlich ist er gar kein so übler Bursche – er ist einfach nur total abgefüllt. Anfangs spielt er Poker, wobei er allen auf die Nerven geht, aber nach dem traumatischen Kentern des Schiffs erscheint er nur noch als ekeliger Suffkopf. Es bringt Spaß, solche Typen zu spielen.“
Die Star-Entertainerin des Schiffs ist Gloria, dargestellt von Stacy Ferguson. Musikfans kennen sie als Fergie von den BLACK EYED PEAS. Die vielseitig begabte Sängerin und Komponistin begann ihre Karriere schon als Kind im Schauspielfach, als Model und Synchronsprecherin. Zweimal wurde sie für ihre Auftritte im Ensemble der Serie „Kids Incorporated“ auf dem Disney Channel für den Young Actors Award nominiert. Sie gewann diesen Preis 1987 und trat daraufhin in etlichen Spielfilmen auf, zum Beispiel in der Horrorparodie „Monster in the Closet“ (Überfall im Wandschrank) und 2005 in der Komödie „Be Cool“ (Be Cool).
Neben dem Volkslied „Auld Lang Syne“ singt Ferguson in „Poseidon“ auch zwei neue Lieder. Die Ballade „Won’t Let You Fall“ schrieb sie zusammen mit will.i.am, Keith Harris, Byron McWilliams und Ron Fair: ein „schöner, dramatischer Song, der sich auf ein Motiv des Films bezieht“, erklärt sie. „Es geht um bedingungslose Liebe und Unterstützung – egal, was passiert, also das, was viele Überlebende des Unglücks durchmachen.“ Außerdem arbeitete sie mit will.i.am und Printz Board an der lateinamerikanischen Tanznummer „Bailamos“, was auf Spanisch „Tanzen wir“ bedeutet. Damit eröffnet sie im Film die Silvesterparty, um „die Leute auf die Tanzfläche zu holen“.