Mit Ausnahme der Eröffnungssequenz, die am Sepulveda-Damm gedreht wurde, der (zunächst noch aufrechten) Disco des Schiffs, die man im Staples Center von Los Angeles filmte, und der Küche der Warner-Bros.-Kantine, die die Kombüse der „Poseidon“ doubelte, wurden alle Sets des Films in fünf Studiohallen gebaut, darunter auch in der berühmten Halle 16, wo Petersen vor fünf Jahren ein ganz anderes Schiff in Szene gesetzt hat.
In dieser Halle entstanden bereits Klassiker wie „The Old Man and the Sea“ (Der alte Mann und das Meer) und „P.T. 109“ (Patrouillenboot PT 109). Für „Der Sturm“ vertiefte man damals das Wasserbecken in Halle 16 auf 6,70 Meter. Mit seinen Abmessungen von 29 x 30,50 x 6,70 Metern handelt es sich um das größte Becken in einer Studiohalle – es fasst 5,9 Millionen Liter Wasser. In Halle 16 wurde nun der aufwändigste Set der Poseidon installiert: der auf dem Kopf stehende Ballsaal, in den sich schließlich 400.000 Liter Wasser ergießen. In der benachbarten Halle 19 baute man genau den gleichen Ballsaal in der ursprünglichen Ausrichtung auf – hier entstanden die Szenen vor dem Aufprall der tödlichen Woge.
Andere Studiohallen wurden für „Poseidon“ renoviert: Den Holzfußboden ersetzte man durch Beton, und Rohre wurden installiert, um die großen Wassermengen in mehreren Hallen zu recyceln.
Der Bau von auf dem Kopf stehenden Sets oder auch von Sets, die drastisch gekippt werden, erfordert eine sehr viel intensivere Absicherung durch Stahlträger als sonst bei der Abstützung von normalen Studiobauten üblich, da man sich in diesen Fällen nicht auf die Schwerkraft verlassen kann. Die auf dem Kopf stehende Eingangshalle zum Beispiel war eine fünf Stockwerke bzw. 22 Meter hohe Innendekoration mit einem zerstörten Fahrstuhlschacht, der vom Hallenboden drei Stockwerke in die Höhe stieg – diese gesamte Konstruktion musste felsenfest abgesichert werden. Ein Team von 100 Arbeitern war fünf Monate lang damit beschäftigt, den Set aus 750 tonnenschweren T-Trägern und 10.000 Sperrholzplatten zu errichten. Rostabweisender Automobillack schützte jene Teile der Konstruktion, die für längere Zeit vom Wasser überflutet wurden.
„Bei der Arbeit auf diesen Sets kam ich mir wie im Spielzeugladen vor“, sagt Petersen. Ihm gefiel besonders die Gegenüberstellung des Ballsaal-Sets vor der Katastrophe „in seinem strahlenden Luxus und voller Gäste in Abendgarderobe mit dem Set nebenan, das denselben Saal zertrümmert und auf dem Kopf stehend zeigt. Sagen wir mal, dass hier unsere anarchische Saite zum Klingen gebracht wurde, unser kindlicher Spieltrieb – wir Jungs machen eben alles kaputt.“
Ständig wurde gebaut, oft rund um die Uhr, denn die Sets mussten nicht nur errichtet, sondern schnell auch wieder abgerissen werden, während sich das Team durch die fast 100 Drehtage arbeitete, wobei fast alle Szenen in der Reihenfolge des Drehbuchs entstanden – außerdem arbeiteten das 1. und 2. Drehteam ständig parallel. Solch ein Verfahren funktioniert nur, wenn man so präzise arbeitet wie Petersen. „Das Tolle an Wolfgang ist, dass er genau weiß, ob ihm etwas gelungen ist oder nicht“, sagt Henderson. „Wenn er entscheidet: ,Das war’s‘, gibt es keinen Grund mehr, den Set noch stehen zu lassen. Wenn wir fertig sind, übernimmt sofort das 2. Drehteam. Anschließend wird der Set abgeräumt, und wir bauen den nächsten auf, und der Kreislauf beginnt von vorn. Das erfordert eine eiserne Disziplin.“ Und mit einem Hauch Nostalgie fügt Sandell hinzu: „In Hollywood hat es seit vielen Jahren keine solchen Sets gegeben, seit den 30er- und 40er-Jahren nicht mehr. In gewaltigen Dimensionen machen wir hier einen Film ganz im Stil der alten Zeiten.“
Kameramann John Seale („Der englische Patient“) machte den Drehplan erst dadurch möglich, dass er ein System aus mehreren Kameras verwendete – vier waren regelmäßig im Einsatz, und wenn bestimmte Szenen es erforderten, auch mehr.
Wenn im und oft auch unter Wasser gedreht wurde, forderte die Produktion von allen Beteiligten besondere Kreativität, Logistik und Sicherheitsvorkehrungen. Die Kameras wurden in wasserdichte, flexible Hüllen eingeschweißt und wegen der Strömung festgezurrt. Vor die Kameraobjektive setzte man Zusatzlinsen, um die Verzerrungen auszugleichen, die durch die unterschiedliche Lichtbrechung des Wassers entstehen. Die Steadicam-Kameraleute verpackten ihr Gerät in wasserdichte Beutel, machten aber ansonsten weiter wie bisher, sagt Seale: „Wenn das Wasser von oben auf ihre Kameras prasselte, gingen sie einfach gerade hindurch. Jede Einstellung ist uns gelungen. Tatsächlich ist uns nur eine einzige Kamera abgesoffen – ein tolles Fazit für einen Film, in dem es überwiegend um Wasser-Action geht.“
Auf Ausleger montierte Kameras dirigierte man per Fernsteuerung, damit sich nicht auch noch Kameraleute und Kräne neben den Darstellern in den engen Räumen drängeln mussten.
Das Nachladen der Filmkamera funktionierte wie ein Boxenstopp beim Autorennen: Die Teams hievten die 50 Kilogramm schweren Filmcassetten aus dem Wasser, brachten sie ins Trockene, tauschten den belichteten gegen Rohfilm, versiegelten die Cassetten wieder und beförderten sie so schnell wie möglich wieder in Position.
Seale setzte eher auf „realistische Ausleuchtung im Gegensatz zur kosmetischen Ausleuchtung“, indem er die Scheinwerfer so anbrachte, dass sie der herkömmlichen Beleuchtung auf dem Schiff weitgehend entsprachen. Nachdem die Poseidon gekentert ist, befindet sich dieses natürliche Licht vorwiegend auf dem neu entstandenen Fußboden, was dem Ganzen eine unheimliche, von unten strahlende Atmosphäre verleiht, die durch weitere in den Trümmern verborgene Lichtquellen ergänzt wird. Meistens handelte es sich dabei um strapazierfähige, wasserdichte Hydroflex-Leuchtröhren.
Um die Metapher zu betonen, dass das Schiff selbst im Sterben liegt, setzte Seale die Beleuchtung ein, um das Schiff zunächst als „prachtvolles, ultramodernes schwimmendes Hotel zu präsentieren, das komfortabel und einladend wirkt. Nach der Katastrophe bricht die Hölle los, und auch die Beleuchtung steht auf dem Kopf. Während sich unsere Helden nach oben vorkämpfen, stirbt das Schiff, die Lichter gehen aus – langsam verschwindet also auch die Farbe aus den Bildern. Während die Menschen sich in die Eingeweide des Schiffs vorarbeiten, wird die Atmosphäre kalt wie in einer Industriezone.“
Professionelle Rettungsschwimmer waren ständig im Einsatz. Die potenziell tödliche Verbindung von Wasser und Elektrizität wurde schärfstens kontrolliert – zum Glück ergaben sich aber nie kritische Situationen.