Die renommierte Kostümbildnerin Erica Edell Phillips hat schon oft mit Petersen zusammengearbeitet („Der Sturm“, „Outbreak“, „Air Force One“ und „In the Line of Fire“). Sie ist stolz auf „die große Detailgenauigkeit auf der Poseidon, auf die Millionen Einzelteile.“
Noch nie hat sie in ihrer Abteilung ein Team von 45 Mitarbeitern angeleitet. Mit dem für die Garderobe verantwortlichen Bob Morgan („The Chronicles of Riddick“/Riddick – Chroniken eines Kriegers) schuf Phillips die Uniformen für das Personal und die Mannschaft des Schiffs, und sie kleidete Hunderte von Partygästen für den Silvesterabend in Abendgarderobe ein. Petersen forderte dabei wie bei der Einrichtung des Schiffs zeitlose Eleganz. Mit Fortschreiten der Handlung mussten selbst die Statisten neu eingekleidet werden, denn die Kleider werden im Zuge der Katastrophe arg mitgenommen. Bei den Hauptdarstellern vervielfachte sich die Zahl der Kostümversionen entsprechend.
„Die Überlebenden müssen durchs Höllenfeuer, um aus dem Schiff herauszukommen“, erklärt Phillips. „Dabei klettern und schwimmen sie, ihre Kleider zerreißen unterwegs und werden schmutzig. Weil wir mit zwei Teams gleichzeitig drehten, brauchten wir Dutzende von Duplikaten für jedes Teil – was bedeutet, dass jedes Kleidungsstück für jede Verschleißphase genau kopiert werden musste. Immer stand auch ein Satz fabrikneuer Kleidung bereit, falls es nötig war, die im Drehbuch früheren Szenen nochmals zu wiederholen.“
Als der Ballsaal sich um 180 Grad dreht, fliegen nicht nur die Passagiere durch die Luft, sondern auch alle Gegenstände, die nicht festgenagelt sind: Möbel, Geschirr und Speisen. Was bedeutet, dass die Kleidung nach der Katastrophe nicht nur zerrissen ist und Blutspuren aufweist, sondern auch Kaffee-, Wein- und Kakaoflecken.
„Wir wussten nicht genau, wie die Essensflecke auf dem Stoff aussehen würden“, erinnert sich Morgan. „Also haben wir draußen auf dem Parkplatz literweise Kaffee, Wein und Kirschsauce auf die Kleidung gegossen, um zu sehen, was passiert, wenn ein Ballsaal voller Gäste während des Abendessens auf den Kopf gestellt wird. Das war ein sehr lustiger Tag.“ Sobald man diese Vorbilder hatte, wurden die Flecken auf den Kostümen mit Acryl-Farbe nachgeahmt, damit sie nicht unter Wasser ausbleichen konnten, aber auch ständig feucht wirkten.
Phillips’ Team fotografierte, beschriftete und katalogisierte täglich die vielen Kleidungsstücke in den verschiedenen Verschleiß-Stadien. Ein Studio-Parkplatz wurde in den Kostümfundus mit zwei 18 x 12 Meter großen Zelten umfunktioniert. Weil rund um die Uhr gedreht wurde, riss der Strom der eintreffenden und abgehenden Teile nie ab – sie alle mussten überprüft, gesäubert, bearbeitet oder ersetzt werden.
Der schon zweimal für den Oscar nominierte Edouard Henriques („The Cell“, „Master & Commander: Bis ans Ende der Welt“) war für das Makeup zuständig – auch er stand vor kreativen Herausforderungen und musste sich auf die vielen Entwicklungen im Zuge des Handlungsablaufs einstellen.
Zunächst wurden Hunderte von Statisten und Stuntleuten so geschminkt, dass sie aussahen, als ob sie gerade durch die Gegend geschleudert, verbrannt, ertrunken oder durch Stromschläge umgekommen waren. Dann registrierten Henriques Mitarbeiter jede einzelne Wunde, Abschürfung und jeden Schmutzfleck, den die Hauptdarsteller sich auf ihrem Weg zuziehen. Wenn sie tiefes Wasser durchqueren, welche Flecken verschwinden dabei? Was verbleicht, was trocknet weg, was breitet sich aus, was verändert die Farbe? Schmutz wird beim kurzen Eintauchen in Wasser vielleicht teilweise abgewaschen, Wunden, die schon teilweise verschorft sind, weichen vielleicht auf und bluten wieder – für all das war Henriques zuständig.