Eine der größten Herausforderungen, denen sich Petruccelli und der Rest der Crew stellen musste, war es, das Hellcycle zu erschaffen, Ghost Riders flammendes Motorrad. Laut Arad wird das Hellcycle auch die eingefleischtesten Motorrad-Fans in Verzückung versetzen – eine Gruppe, zu der sich Arad auch selbst zählt. „Harley Davidsons sind mein Hobby“, erklärt der Produzent, der sogar eine Kette von Harley-Davidson-Cafés besitzt. „Das Hellcycle ist selbst ein Charakter. Es hat Eingeweide, eine Wirbelsäule, Augen und Sex-Appeal. Es ist zwar eine Maschine, aber sie hat Gefühle und Emotionen.“
„Das Höllen-Bike zu bauen war eine kolossale Aufgabe“, sagt der Produktionsdesigner. „Neben der Tatsache, dass es das übernatürlichste Bike mit dem lässigsten Look aller Zeiten werden musste, sollte es auch noch tatsächlich fahren können. Es musste schnell und kraftvoll sein und man musste es auch einigermaßen leicht bedienen können.“
Johnson bemerkt, dass es hierbei sein Ziel war, die Comic-Version des Hellcycle noch zu verfeinern. „Ich wollte, dass es das coolste Ding wird, was man je gesehen hat – cooler als das Batmobil. Es steht irgendwo zwischen einer Maschine und einem Tier, es hat eine Knochenstruktur, ein Rückgrat und eine umwerfende Persönlichkeit. Crash McCreerey, einer unserer Künstler, entwarf ein Design und das wurde dann regelrecht zu einem sich bewegenden Kunstwerk. Es entwickelte seine eigene Persönlichkeit, genauso wie der Ghost Rider.“
„Wir waren uns von Anfang an im Klaren darüber, dass eine dreidimensionale Version des Hellcycles zu unseren größten Herausforderungen werden würde“, bringt es De Luca nochmals auf den Punkt. „Ich finde, dass unsere Künstler einen fantastischen Job gemacht haben. Es hat alles, was das Bike in den Comics so großartig macht und sogar noch mehr mit dem Schädel vorne und den flammenden Reifen. So etwas haben wir vorher noch nie gesehen.“
Petruccelli verbrachte Monate damit, zusammen mit Bildhauern, Malern und Motorrad-Technikern das Bike zu erschaffen. „Wir haben mit einem kleinen Modell angefangen und haben uns in kleinen Schritten vorgearbeitet, indem wir bestimmte Elemente in Originalgröße konstruiert und nachgebaut haben. Nachdem das Design feststand, haben wir sieben Motorräder produziert. Jedes hat eine andere Funktion und alle sind in ihrer Form und Größe perfekt auf Nic angepasst.“
Nachdem das Hellcycle gebaut und fotografiert worden war, wurde alles Weitere an das Visual-effects-Team übergeben. „Mark wollte ein echtes Motorrad benutzen und ich habe ihn bei diesem Vorhaben unterstützt“, erklärt der Visual Effects Supervisor Kevin Mack. „Ich finde, dass man beim Drehen reale Elemente einsetzen sollte, wo immer es möglich ist. Unsere Arbeit ist am effektivsten, wenn sie eine Mischung ist – und wenn man nicht mehr sehen kann, was CGI und was real ist. Es gibt jedoch ein paar Sequenzen, in denen das Bike komplett und das Feuer natürlich immer computergeneriert ist.“
Für Mack war die Erschaffung des Hellcycles und des Ghost Riders im wahrsten Sinn des Wortes seine Feuertaufe: „Ghost Rider hat einen brennenden Kopf“, erklärt Mack. „Er bricht in Flammen aus und verwandelt sich in einen Totenschädel. Er fährt einen Chopper, der ebenfalls brennt. Also würde ich sagen, dass unsere größte Herausforderung darin bestand, ein leicht beherrschbares Feuer zu erzeugen, dass trotzdem sehr real aussah. Für die Simulation des Feuers haben wir viele Nachforschungen unternommen und haben Etliches zusammengetragen, was in der Wissenschaft im Zusammenhang mit fließender Dynamik von Flüssigkeiten bekannt ist – und über die Simulation von Flüssigkeiten, zu denen Feuer zählt. Viele dieser Erkenntnisse stammt aus einigen Gleichungen, die Navier-Stokes-Gleichungen genannt werden, und die zu wissenschaftlichen Zwecken aufgestellt wurden. Einige sehr smarte Leute nahmen diese Gleichungen, vereinfachten sie ein wenig und wandelten sie in Computergrafiken um. Diese Arbeit haben wir genutzt, um sie in Tools zu verwandeln, die wir gebrauchen konnten.“
Um die live gedrehten Aufnahmen von Ghost Rider und dem Hellcycle mit dem im Computer generierten Feuer verbinden zu können, konstruierten Mack und sein Team zwei interaktive Licht-Vorrichtungen. Für den Ghost Rider bestand diese Vorrichtung aus einer einfachen Gesichtsmaske, mit flachen, in zufälliger Reihenfolge blinkenden LED-Leuchtmitteln, die Lichter auf die Schultern des Schauspielers warfen, um die Reflektionen des flammenden Kopfes zu simulieren. Derselbe Mechanismus wurde beim Hellcycle zum Einsatz gebracht, wo an den Reifen LEDs befestigt wurden, die auf den Erdboden und auf das Bike selbst flackernde Lichter warfen.
„Diese Mechanismen sorgen dafür, dass man glaubt, in der entsprechenden Szene sei reales Feuer anstelle von CGI zum Einsatz gekommen“, sagt Mack.
Die Filmemacher verließen sich auch auf digitale Effekte, um den emotionalen Zustand des Ghost Riders zu kommunizieren. Ohne Fleisch und Muskeln, mit denen man Gesichtsausdrücke kontrollieren kann, konnte der Schädel keine Gefühle ausdrücken. Also nutzten Mack und sein Team eine ganze Reihe von Techniken, um der Figur Leben einzuhauchen. „Neben subtilen Kopfbewegungen und der Performance des Schauspielers blieb uns in erster Linie das Feuer als Ausdrucksmittel. Seine Farben ändern sich ganz leicht mit den Emotionen. Außerdem haben wir die Hitze-Verzerrungen, die durch Feuer hervorgerufen werden, genutzt, um dem Gesicht mehr Ausdruck zu verleihen – wenn sich dort Schatten werfen, ändern sich die Gesichtsausdrücke auf eine subtile aber sehr effektive Art und Weise. Wenn der Ghost Rider spricht, unterbricht sein Atem das Feuer und das gibt uns die Illusion von Lippenbewegungen.“
„Kevins größte Herausforderung bestand wohl darin, das Feuer so zu erschaffen, dass wir es manipulieren konnten“, sagt Arad. „Da der Ghost Rider ein übernatürliches Wesen ist, kann er die Flammen um sich herum nutzen – auf eine bestimmte Weise verhalten sie sich so, wie er sich fühlt. Die Flammen erzählen eine Geschichte – und sind nicht einfach nur ein Feuer.“
Neben den Flammen wurde auch der Schädel des Ghost Riders so gestaltet, dass man seinen Ausdruck manuell zwischen den Aufnahmen ändern konnte. „Man kann niemals sehen, wie sich sein Gesichtsausdruck vor der Kamera ändert, aber wir waren in der Lage, ihn von Szene zu Szene wütender oder mürrischer aussehen zu lassen – je nachdem, was die Situation erforderte.“
Mack beschreibt den Film als „Fest der visuellen Effekte“. Zu seinen Lieblingssequenzen zählt die Szene, in der Johnny Blaze auf seinem Motorrad über ein Football-Spielfeld springt. Das Stadion und eine der Rampen waren echt, ansonsten war die Arena komplett leer. „Das Motorrad, der Fahrer, die Zuschauer und die sechs Blackhawk-Helikopter, über die er springt, stammen alle aus dem Computer.“
Eine weitere komplett im Computer generierte Szene ist die, in der Ghost Rider und Caretaker durch die Wüste dem finalen Showdown mit Blackheart entgegenfahren.
Ungeachtet dessen, ob eine bestimmte Aufnahme am besten mit Live-Effekten, digitaler Zauberei oder einer Kombination aus beidem produziert werden konnte, war Macks Ziel stets, das realistischste Bild zu erschaffen. „Ich wollte mit meinen Bildern den Zuschauern den Atem rauben“, gesteht er. „Der Schlüssel dabei war für mich, den Ghost Rider in Person zu sehen – mitsamt seinem brennenden Schädel, wie er auf seinem Chopper Hochhäuser hinauf und hinunter fährt. Und ich wollte es so darstellen, als würde genau das direkt vor unseren Augen geschehen. Ich glaube, genau das erwartet man von einem Film, egal in welchem Genre. Man will in eine andere Welt transportiert werden, mit Figuren, die in diesem Moment für dich absolut real sind.“