Harold Crick ist das Fundament, auf dem die gesamte Struktur von SCHRÄGER ALS FIKTION ruht – eine der seltenen Hauptfiguren einer Komödie, deren Geschichte eine beinahe spirituelle Reise umschreibt. Von Anfang an war den Filmemachern von SCHRÄGER ALS FIKTION also voll bewusst, dass die Besetzung von grundlegender Bedeutung für das Gelingen des Films sein würde. Harold ist ein Typ, nach dem man sich auf der Straße niemals umdrehen würde, aber unter seinem eher tristen Äußeren verbirgt sich eine Seele, die regelrecht platzt vor emotionalen Farben und Wünschen und Träumen, obwohl er niemals den Mut hätte, sich ihnen zu stellen – und es vermutlich auch nie machen würde, wenn sich nicht auf einmal eine Reihe höchst merkwürdiger Ereignisse in seinem Leben abspielen würde.
Vorhang auf für Will Ferrell, den ehemaligen Star von „Saturday Night Live“, der sich in den letzten Jahren mit Auftritten in Filmen wie Elf (Buddy, der Weihnachtself, 2003), Old School (Old School, 2003), Anchorman: The Legend of Ron Burgundy (Anchorman – Die Legende von Ron Burgundy, 2004) und zuletzt Talladega Nights: The Ballad of Ricky Bobby (Ricky Bobby – König der Rennfahrer, 2006) zu einem der Topkomödianten der Industrie gemausert hat. Ferrell hatte sich im Verlauf seiner Karriere noch nie an einen Stoff gewagt, der auch nur im Entferntesten mit SCHRÄGER ALS FIKTION vergleichbar gewesen wäre, aber nachdem sich die Filmemacher mit ihm getroffen hatten, konnten sie sich keinen anderen mehr in der Rolle des Harold Crick vorstellen.
„Als ich mit Will Ferrell sprach, merkte ich sofort, dass ich es mit einem Mann zu tun hatte, der bescheiden, smart, realistisch und introvertiert ist – und ich wusste sofort, dass er Harold Crick ist“, sagt Marc Forster. „Ich hatte Glück, weil Will die absolut gleiche Vision von Harold hatte wie ich. Er hat eine natürliche Gabe, die es ihm erlaubt, in diesem Film Dinge zu tun, wie sie noch nie jemand von ihm gesehen hat – subtile Komödie und, mehr noch, subtiles Drama. Er hat seine ganze Seele in die Rolle gesteckt und machte aus Harold nicht einfach nur eine Leinwandfigur, sondern einen echten Menschen aus Fleisch und Blut. Ich glaube nicht, dass es außer ihm jemanden gibt, der all diese Nuancen aus der Rolle herausgeholt hätte.“
Doran fügt hinzu: „Wir mussten einen Schauspieler für die Rolle finden, dem man wirklich abnimmt, dass es sich bei ihm um einen Steuerbeamten handelt, einen charismatischen Schauspieler, der nicht zu sehr rüberkam wie ein strahlender Filmstar. Es zeichnet Will aus, dass man es ihm unbedingt abnimmt, dass er Teil dieser Welt ist. Obwohl man ihn aus seinen bisherigen Filmen als sehr extrovertiert kennt, ist er tatsächlich ein sehr schüchterner, selbstkritischer Mensch – und das ist die Grundlage dafür, dass er Harold so lustig und bewegend darstellen konnte.“
Obwohl Ferrells Leben nicht viel mit dem reglementierten und farblosen Leben eines Steuerprüfers gemein hat, verspürte er sofort eine Seelenverwandtschaft mit Harold Crick: „Da steckt etwas in Harolds stiller Einsamkeit und der Art, wie er sie hinter sich lassen muss, um sein Leben wirklich zum ersten Mal zu leben, das sofort etwas in mir ausgelöst hat. Ich kenne diese stille Seite auch von mir und ich brauche selbst immer den nötigen Antrieb, um mich aus ihr zu lösen.“
Ferrell gibt außerdem zu, dass er sich diebisch darauf freute, sich in den wohlgesitteten Harold Crick zu verwandeln: „Fast alle meine Filmauftritte hatte ich bislang in ausgewiesenen Komödien. Dies markierte einen echten Richtungswechsel. Dass es obendrein eines der besten Drehbücher war, das ich jemals gelesen habe, muss ich nicht extra betonen. Es beschäftigt sich mit ganz großen Themen – und das mit wunderbaren Momenten von Menschlichkeit und Humor.“
Um sich in die ungewöhnliche Erfahrung, Harold Crick zu sein, hineinzufinden, verfolgte Ferrell die Entwicklung der Gefühle, die die Figur nach der Entdeckung, von „einer weiblichen Stimme verfolgt zu werden“, durchläuft – von belustigtem Schock über tiefe Verzweiflung bis hin zu dem Entschluss, das eigene Schicksal zu ändern. „Ich glaube, dass Harold am Anfang einfach nur ausrastet wegen dieser Sache“, lacht Ferrell. „Er ist besorgt, aufgeregt und weiß nicht, was er denken soll, weil er sich nicht sicher ist, ob das, was ihm da widerfährt, echt ist oder nicht. Seine Reaktionen sind ganz typisch, wir alle würden uns so fühlen. Die Komödie entsteht aus seinen Versuchen, seine Haltung zu wahren, damit niemand denkt, er könnte verrückt sein.“
Am Set war Ferrell in der Lage, buchstäblich die Erfahrung zu machen, eine Stimme im Kopf zu haben. Denn Emma Thompson hatte ihre Erzählung bereits zuvor aufgenommen. Sie wurde Ferrell nun beim Dreh durch einen Knopf im Ohr vorgespielt. „Emma hat eine wirklich großartige Stimme“, merkt er an. „Es machte viel Spaß, sie in meinem Kopf zu haben und war natürlich aus all den richtigen Gründen hochgradig merkwürdig.“
Ferrell arbeitete außerdem unablässig an der Wandlung seiner Figur, während er immer ein Auge darauf hatte, Harolds bescheidene Art niemals zu vernachlässigen. „Harold hat sein Leben in eine Reihe von Routinen unterteilt. Seine Mittagspause dauert exakt 45,7 Minuten und seine Kaffeepause nimmt 4,3 Minuten in Anspruch. Ständig zählt er die Dinge in seinem Leben – das ist seine Weise, stets Kontrolle über sein Leben zu haben“, beobachtet der Schauspieler. „Dann wird ihm das alles aus der Hand genommen, als er realisiert, dass jemand anderes diese Kontrolle übernommen hat. Bedingt durch diesen Kontrollverlust beginnen interessante Dinge in seinem Leben zu geschehen. Als er schließlich herausfindet, dass es keine Umkehr oder Fluchtmöglichkeit gibt, fängt er an, sein Leben wirklich zu leben und all das mit wachen Augen zu betrachten, was er für selbstverständlich gehalten hat oder dessen Existenz ihm zuvor gar nicht bewusst gewesen war. Es verändert alles und jeden um ihn herum – doch tief in seinem Innern ist er unverkennbar immer noch Harold.“
Die Besetzung von Ferrell erwies sich als Katalysator für alle anderen Elemente von SCHRÄGER ALS FIKTION. „Er war das Kernstück des Puzzles. Und als wir ihn besetzt hatten, fügte sich alles wie von selbst zusammen“, findet der ausführende Produzent Eric Kopeloff.