Ich hätte nie gedacht, dass so viele Erwartungen an unser Wiedersehen geknüpft waren. Es ist unglaublich, wie viele Leute mir sagen, dass sie sich darüber freuen, dass Carmen und ich nach so langer Zeit wieder zusammenarbeiten! Die Chansonette Chavela singt in einem Lied: «Man kehrt immer wieder an die alten Orte zurück, wo man das Leben liebte.» Das kann man auch von Menschen sagen. Eine gewisse Unsicherheit gibt es immer, aber glücklicherweise verflog sie mit Carmen schon in den ersten Tagen.
In VOLVER gibt es eine lange Szene, in der die von den Toten auferstandene Mutter Irene ihrer Tochter Raimunda die Gründe für ihren Tod und ihre wundersame Wiederkehr erklärt. Raimundas Gesprächsanteile sind sehr gering, so dass die Mutter an dieser Stelle fast einen Monolog hält. Ihre Rede geht über sechs intensive Drehbuchseiten und sechs nicht minder intensive Einstellungen hinweg. Diese Szene ist einer der Gründe, warum ich diesen Film drehen wollte. Ich habe während der Arbeit am Drehbuch bei jeder einzelnen Überarbeitung dieser Szene geweint, ähnlich wie die von Kathleen Turner dargestellte Autorin von Kitschromanen in Robert Zemeckis’ AUF DER JAGD NACH DEM GRÜNEN DIAMANTEN (Romancing the Stone, 1984).
In der Nacht, als wir diese Szene drehten, war sich das ganze Team der Bedeutung des Moments bewusst und voller Erwartung. Das machte Carmen etwas nervös. Sie wollte so schnell wie möglich anfangen. Wir arbeiteten die ganze Nacht lang. Alle, vom Praktikanten bis zu mir selbst, hatten wir diese maximale Konzentration, die man automatisch bei den schwierigsten Szenen erreicht. Und aus genau diesem Grund verwandeln sich die schwierigsten Szenen dann wie von Zauberhand in die einfachsten.
Und wieder fühlte ich diese heilige Übereinstimmung mit Carmen, dieses wunderbare Gefühl, ein perfekt auf mich abgestimmtes Instrument in den Händen zu halten. Alle Aufnahmen wurden gut, einige außerordentlich. Penélope hört ihr zu, manchmal mit gesenktem Kopf. In diesem Film wird viel gesprochen, viel versteckt und - das sagt das Team - für eine Komödie ziemlich viel geweint. Carmen hat sich seit FRAUEN AM RANDE DES NERVENZUSAMMENBRUCHS (Mujeres al borde de un ataque de nervios, 1988) als Schauspielerin nicht verändert. Das zu entdecken war wunderbar. Sie musste seitdem nichts dazu lernen, weil sie damals schon alles konnte. Aber dieses Feuer über zwei Jahrzehnte zu bewahren, ist eine bewundernswerte Leistung, etwas, das ich längst nicht von allen Schauspielern, mit denen ich zusammen gearbeitet habe, sagen kann.
Die restliche Besetzung erreicht das Niveau ihrer Kolleginnen. Lola Dueñas liefert als Sole eine ihrer wohl komplexesten Arbeiten. Sie ist die exzentrischste der vier Frauen der Familie. Lola hat intensiv daran gearbeitet, den komplizierten Akzent von La Mancha zu erlernen. Sie hat zudem die Geheimnisse der Friseurkunst studiert, und noch nie hat sie ihr komisches Talent so sehr ausgeschöpft wie in VOLVER. Sie ist intensiv, authentisch – und merkwürdig, im besten Sinne des Wortes.
Eine weitere Segnung dieser Dreharbeiten war die Einigkeit, mit der die Frauen zusammenlebten und -arbeiteten. Sie verhielten sich untereinander wie die Mitglieder einer Familie. Auch das registriert das Objektiv. Das Spiel der jungen Yohana Cobo hat mich sehr bewegt. Sie ist in fast allen Szenen anwesend, jedoch meist nur als Zeugin. Sie löst eine der schwierigsten Aufgaben, die es für eine Schauspielerin gibt: zuhören und anwesend sein. Ihre Anwesenheit ist dennoch beredt. Das Spiel Yohanas wirkt äußerst subtil und reichhaltig. Neben den Szenen, in deren Mittelpunkt sie agiert, ist sie fast ständig an der Seite ihrer Mutter Raimunda zu sehen. Sie scheint ihre Mutter instinktiv zu verstehen, obwohl sie von deren dunklen Geheimnissen keine Ahnung hat. Das löst viel Zärtlichkeit in mir aus. Außerdem verfügt sie über einen Blick, der einen verbrennt. Ich wünsche ihr für ihre Zukunft alles Gute und bin mir sicher, dass man in den nächsten Jahren noch viel von ihr hören wird.
Chus Lampreave, María Isabel Díaz, Neus Sanz, Pepa Aniorte und Yolanda Ramos komplettieren die Liste der Darstellerinnen, an deren Seite außerdem einige wenige Herren agieren, nämlich Antonio de la Torre, Carlos Blanco und Leandro Rivera. Mein Kameramann José Luis Alcaine, mein Komponist Alberto Iglesias und mein Cutter Pepe Salcedo haben wieder einmal meine geheimen Absichten instinktiv erahnt und aufs Genaueste umgesetzt.