Die meisten Schriftsteller, die ich kenne, interessieren sich sehr für das Kino, so auch meine Freunde José Millás und Gustavo Martín Garzo, denen meine Assistentin Lola das Drehbuch zu VOLVER im Vorfeld der Dreharbeiten zugesandt hat. Ich hoffe, die beiden sind mir nicht böse, wenn ich ihre brieflich verfassten Reaktionen darauf frech für das Presseheft verwende:
Liebe Lola,
ich habe das Drehbuch in einem Zug durchgelesen. Der Hyperrealismus der ersten Szenen versetzt einen in eine enorme emotionale Anspannung. Der hyperrealistischen Malerei hat man diesen Namen gegeben, weil man nicht so genau wusste, was sie denn nun von der Realität unterscheidet. In Spanien haben wir den Realismus immer mit dem Costumbrismus verwechselt. Die flämische Malerei ist hyperrealistisch, weil sie fantastisch ist, weil sie uns in eine Dimension versetzt, die es uns erlaubt, uns über die alltäglichsten Dinge zu wundern. Spätestens ab dem Moment, wo Pedro uns in die Situation gebracht hat, dass wir den Geist im Kofferraum akzeptieren, kann er mit dem Publikum machen, was er will. Und er tut es. VOLVER ist ein erzählerisches Feuerwerk, eine wunderbare Zaubermaschine. Und man weiß nie, worin der Trick besteht. Es gibt in diesem Drehbuch keine Grenze, die Pedro nicht zu überschreiten gewagt hätte. Er bewegt sich auf der Linie, die das Leben vom Tod trennt, wie ein Seiltänzer auf seinem Seil. Er vermischt erzählerisches Material unterschiedlichster Herkunft mit einer verblüffenden Selbstverständlichkeit. Und je mehr Material er hinzufügt, desto stringenter erscheint die innere Logik der Geschichte...
P.S.:
Ich habe während der Lektüre von VOLVER ständig an Pedro Páramo denken müssen. Der Roman von Juan Rulfo hat zwar nichts zu tun mit dem Drehbuch von Pedro, aber beide schaffen es mit der gleichen Selbstverständlichkeit, dass die Toten sich mit den Lebenden mischen; die Wirklichkeit mit der Unwirklichkeit; das Fantastische mit dem Alltäglichen; die Vorstellung mit dem Gelebten; der Traum mit dem Wachen. Während der Lektüre von Pedros Drehbuch hatte ich genauso wie bei Rulfos Roman ständig das Gefühl zu träumen. Natürlich bleibt man wach, wird aber gefangen in einem Traum, der die Geschichte ist, die man in den Händen hält. Erstaunlich ist auch, dass der Roman von Rulfo auf die gleiche Weise entschieden mexikanisch ist, wie Pedros Drehbuch entschieden in La Mancha wurzelt...