Die “Titelfigur” des Films ist die Hecke selbst, die von den Waldtieren auf den Namen “Steve” getauft wird - denn die Tiere sind vom Erscheinen dieser Hecke in Aufruhr versetzt und beschließen, dass diese Taufe die Hecke weniger bedrohlich machen wird. Produktionsdesignerin Kathy Altieri gibt zu, dass die Arbeit an dem scheinbar statischen Block aus Blättern viel schwieriger war, als es auf den ersten Blick scheint: “Man schaut auf eine Hecke und denkt, das sei das Einfachste der Welt. Es ist nur eine Hecke, es sind doch nur Blätter um eine Kiste. Wie schwer kann das schon sein? Ich muss sagen, dass unsere Hecke wirklich schwierig zu gestalten war, sowohl vom künstlerischen als auch vom technischen Standpunkt aus. Besonders aufwändig war es, wenn die Charaktere durch die Hecke hindurchgehen sollten.”
Altieri fährt fort und erklärt, die Hecke sei zwar groß, aber nur eines der Elemente der Pflanzenwelt in “Ab durch die Hecke”, denn da gibt es noch ein virtuelles Treibhaus mit etlichen Gewächsen: “Wir haben eine Vielzahl von Grundentwürfen für die Bäume, Büsche und das Gras erschaffen, außerdem etliche sogenannte “Paint Effects” – das sind kleine Pflanzen, die wir an verschiedenen Orten platzieren und mit denen wir das Set ausstatten können. Am Computer kann das alles miteinander kombiniert, abgeändert, umgedreht, mit neuen Oberflächen und Farben versehen werden, um einen beeindruckend üppigen Wald zu erschaffen. In der Zusammenarbeit mit dem für die Effekte verantwortlichen Team konnten wir jeden Baum und jede Pflanze genau an unsere Bedürfnisse anpassen. Das Schwierigste beim Wald ist die von den Prozessoren benötigte Verarbeitungszeit, denn die Datenmenge ist einfach riesig. Von technischer Seite wurde uns viel fieberhafte Unterstützung zuteil, damit wir diesen wunderbaren Hintergrund erschaffen konnten, wie die Blätter, die sich sanft im Wind wiegen.”
Lighting Supervisor Michael Necci bestätigt dies: “Es geht um das Zusammenspiel eines ganzen Waldes mit den vielen pelzigen Figuren, was auf eine riesige Menge von Details hinauslief, darunter einzelne Haare und einzelne Blätter. Der Computer muss eine Menge leisten, um eine solche Datenfülle zu verarbeiten - was wiederum neben der künstlerischen Herausforderung, alles nicht nur realistisch, sondern auch schön wirken zu lassen, zusätzlich eine große technische Herausforderung darstellt.”
DreamWorks Animations langjährige Partnerschaft mit Hewlett-Packard (HP), dem bevorzugten Technologie-Provider des Studios, machte es möglich, die hohen technischen Anforderungen von “Ab durch die Hecke” zu bewältigen. Mit der größten und leistungsstärksten Computerplattform, der sogenannten “Rendering Farm”, die jemals in einem DreamWorks-Animationsfilm eingesetzt wurde, haben die Server von HP, angetrieben von AMD Opteron Dual-Core-Prozessoren, über 15 Millionen kombinierte Rechnerstunden verarbeitet, um die digitalen Informationen zu voll ausgereiften Bildern von Fell und Grünpflanzen werden zu lassen – von Wasser, Feuer und einer Explosion mit Nacho-Käse-Aromastoffen ganz zu Schweigen… und alles andere kann auf der Leinwand bewundert werden.
Die Hecke dient als Grenzzaun; das Fell und die Pflanzen machen dabei den Unterschied zwischen dem noch natürlich gewachsenen Lebensraum der Waldtiere und der künstlichen, geradlinigen Welt der vordringenden Vorstadtsiedlung deutlich. Altieri sagt: “Wir haben versucht, beide Welten so deutlich wir möglich voneinander abzugrenzen, um den Standpunkt der Tiere klar zu machen. Der Wald ist dieser schöne, sonnige, glitzernde Ort, den die Tiere ihr ganzes Leben lang kannten. Der Wald ist ihre Heimat. Und als Richie ihnen zum ersten Mal die Welt jenseits der Hecke vorstellt, wird die Vorstadt glorifiziert als Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Später dann, als sich der Garten von Gladys als ein Ort voller Unbill und Bedrohungen erweist, haben wir Beleuchtung, Inszenierung und Farben eingesetzt, um die Vorstadtsiedlung dann gefährlich und ungastlich wirken zu lassen.”
Beide Welten wurden aus einer ungewöhnlichen Perspektive heraus entworfen. “Wir wollten die Geschichte unbedingt vom Standpunkt der Tiere aus erzählen”, sagt Altieri. “Das haben wir umgesetzt, indem wir den unteren Ebenen unserer Welt weitaus mehr Aufmerksamkeit gewidmet haben.”
Art Director Christian Schellewald erinnert sich: “Ein Großteil unserer Recherchen bestand darin, einfach mal herumzukriechen, überall dort hinzukrabbeln, wo kleine Tiere sich bewegen, und die Dinge aus allen möglichen und unmöglichen Winkeln zu betrachten. Ab und zu hielt ich auf dem Weg zur Arbeit an und kroch auf dem Asphalt herum, um Photos zu machen. Die Leute haben mich angeschaut und sich darüber gewundert, was ich da wohl tue”, lacht er.
“Wir haben die absurdesten Dinge fotografiert”, nickt Altieri. “Ich habe viel Zeit auf allen Vieren verbracht und Nahaufnahmen von Lampenfüßen und Tischbeinen gemacht. Wir mussten uns kleine Details einfallen lassen, wie z.B. die Schutzpolster, die man unter den Möbeln anbringt, denn genau auf dieser Höhe befinden sich die Augen unserer Figuren.”
Um dem Publikum einen Eindruck aus der “Eichhörnchen-Perspektive” zu verschaffen, ging der leitende Verantwortliche für das Layout, Damon O’Beirne, in ähnlicher Weise an die Sache heran. Regisseur Tim Johnson meint: “In der Arbeit mit Damon und der Layout-Abteilung wollten wir den Zuschauer vollständig in diese Perspektive eintauchen lassen – man soll sich fühlen, als liefe man selbst wie ein Eichhörnchen auf dem Drahtseil, als luge man selbst als Schildkröte vorsichtig aus dem Panzer heraus. Unsere Kamera beobachtet die Tiere nicht nur, sondern bewegt sich mit ihnen. Die Zuschauer sollen erleben können, wie es ist, nur knapp 30 Zentimeter über dem Boden zu sein und zum ersten Mal einen Menschen oder ein Haus zu sehen.”
O’Beirne fügt hinzu: “Die Proportionen waren in diesem Film ein ausschlaggebendes Element – z.B. die Vorstellung, dass eine Küche so groß wirkt wie eine Kathedrale -; aber es ging nicht nur um das Größenverhältnis der Tiere zu ihrer Umwelt, sondern auch zu den Menschen. Denn es ist eine Sache, die Körpermaße eines Waschbären oder einer Schildkröte zu betrachten und einfach zu sagen, okay, ich muss die Kamera niedriger einstellen – eine ganz Sache ist es dann, das Gefühl zu vermitteln, wirklich auf Augenhöhe mit den Tieren zu sein, und genau das wollten wir vermitteln.”
O’Beirne erzählt, wie ein Mitglied des Layout-Teams einen interessanten Weg gefunden hat, um dieses Thema zu verdeutlichen: “Dave Morehead setzte die Kamera auf den Rücken eines Hundes und ließ ihn herumlaufen. Es war wirklich interessant, sich diese Aufnahmen dann anzuschauen, denn darin war nicht nur diese besondere Perspektive zu erkennen, wir bekamen zusätzlich auch einen Eindruck davon, wie die Kamera mit den Bewegungsabläufen vorgehen musste.”
Die Regisseure entwickelten ebenfalls eine Methode, mit deren Hilfe alle an “Ab durch die Hecke” Beteiligten sich mit der Tierperspektive identifizieren konnten. Auf dem Gelände von DreamWorks Animation ist eine Mauer der fünfstöckigen Garage mit Efeu bewachsen; wenn man sich davor stellt und hinaufschaut, kann man leichter begreifen, wie es wäre, ein Tier zu sein, dass sich vor einer riesigen Hecke ganz klein vorkommt.
Regisseur Karey Kirkpatrick meint: “Wir schauen uns eine 1,80 Meter hohe Hecke an und finden nichts Besonderes daran – in diesem Film geht es aber darum, die Welt aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Jeder, der an diesem Film mitwirken sollte, musste sich vor die efeubewachsene Mauer stellen um ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie es für die Tiere in einer solchen Lage wäre – um dann einige der gewonnen Einsichten hoffentlich auf die Arbeit anzuwenden.”
In “Ab durch die Hecke” wird die Perspektive des Zuschauers auch durch eine Methode beeinflusst, die normalerweise in Spielfilmen eingesetzt wird. O’Beirne erklärt: “Das Publikum sollte sich hier auch auf die Tiefe des Raums konzentrieren. So einen Animationsfilm haben wir noch nie zuvor gemacht. Wir haben absichtlich Fokusverschiebungen eingebaut, in denen wir zwischen Nahaufnahmen und weiten Einstellungen wechseln, um das Auge des Betrachters mitzuziehen.”
Visual Effects Supervisor Craig Ring sagt: “Raumtiefe heißt einfach, dass man die Brennweite kontrolliert. Die Augen richten sich automatisch auf die Dinge, die auf der Leinwand scharf gestellt sind; das wird in Spielfilmen eingesetzt, damit der Zuschauer in die gewünschte Richtung blickt. Das ist ein Werkzeug, das wir in der Computergrafik zur Verfügung hatten, bisher aber noch niemals so intensiv eingesetzt haben wie jetzt in “Ab durch die Hecke”.”
Der letzte Arbeitsschritt für den richtigen Look des Films war die Lichttechnik, durch die man Farben, Tiefe, Dimension und Auflösung hinzufügt. Die Beleuchtung wird von Computergrafik-Team erarbeitet, die – ebenfalls nach Spielfilmvorbildern – hochmoderne Technologien einsetzen, indem sie z.B. Szenen bei Tage mit Sonnenlicht überfluteten oder aber gerade genug Umgebungslicht zuließen, um eine mondhelle Nacht anzudeuten.
Johnson erklärt: “Wir sind sehr stolz auf die Durchbrüche, die wir im Laufe der Arbeit an “Ab durch die Hecke” erzielt haben. Als Filmemacher im Genre Computeranimation staune ich noch immer darüber, dass es scheinbar keine Grenzen gibt. Mit den Werkzeugen, über die wir verfügen, liegt alles, was wir uns als Geschichtenerzähler vorstellen können, im Bereich des Möglichen.”
Karey Kirkpatrick fügt hinzu: “Technisch gesehen bin ich das unerfahrenste Mitglied dieser Produktion, und obwohl ich mir der vielen technischen Herausforderungen und Weiterentwicklungen durchaus bewusst war, haben sie uns niemals daran gehindert, all unsere Fähigkeiten für das Erzählen der Geschichte einzusetzen. Ganz im Gegenteil. Denn schließlich soll unsere Technologie genau dazu dienen: eine gute Geschichte gut zu erzählen.”