Mittwoch | 30. Mai 2012 | 21:00 Uhr
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  • Hairspray

    Komödie, Musical, Romanze | Großbritannien / USA 2007
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      • | Der "Hairspray" - Look

      • Das Team von Produktionsdesigner David Gropman, Kostümbildnerin Rita Ryack und der für den Frisurenstil zuständigen Judi Cooper-Sealy übernahm die gigantische Aufgabe, die spezifische Welt der 1960er-Jahre optisch zu rekonstruieren. Alle orientierten sich dabei an dem genialen John Waters, machten aber auch ihre Hausaufgaben sehr gewissenhaft.

        „Ganz zu Anfang schaute ich mir natürlich den Originalfilm ,Hairspray‘ an“, sagt Gropman. „Er ist als Voraussetzung unabdingbar, die Quelle, die Entstehungsgeschichte unserer Story – so wissen wir, wann und wo sie sich zuträgt. Ich schaute mir den Film also schon an, bevor ich die Fotos aus jener Zeit in der New York Picture Collection ganz genau unter die Lupe nahm und erstmals nach Baltimore reiste. Der Waters-Film ist traumhaft, wunderbar ausgestattet, und selbstverständlich habe ich bei meiner Arbeit ein paar Design-Details, einige Momente hier, einen Wink da und eine Verbeugung vor dem Original dort, eingebaut – so erweisen wir John Waters unsere Reverenz.“

        Gropman und seine Ausstatter, Innenrequisiteure, Dekorateure, Requisiteure und Bauarbeiter waren für den Look aller Studiosets und realen Schauplätze des Films verantwortlich, vom sehr begrenzten Drehort im Schulbus während der „Run and Tell That“-Nummer bis zum ausladenden dreieckigen, drei Straßenblocks umfassenden Baltimore-Stadtpanorama, das den Hintergrund zu „Good Morning Baltimore“ und „Welcome to the Sixties“ bildet – zwei der größten Ausstattungssequenzen des Films.

        „Das Stadtpanorama war eindeutig das größte Einzelprojekt der Ausstattungsabteilung“, sagt Gropman. „Wir haben über 60 vorhandene moderne Ladenfassaden verändert, alle Straßenschilder auf den Stand von etwa 1962 gebracht, in den Straßen fahren die Autos der damaligen Zeit – fast zwei Wochen lang haben wir in Toronto eine Kreuzung dreier Straßen abgesperrt, über die normalerweise der Pendlerverkehr in die Innenstadt braust.“

        Ähnlich wie viele seiner Filmemacher- und Designerkollegen begann Gropman seine Laufbahn als Bühnenbildner am Theater. Doch „Hairspray“ ist sein erstes Film-Musical. „Ich hätte nicht gedacht, dass diese Arbeit derart der Vorbereitung eines Bühnenstücks oder Musicals ähnelt. Denn wir planten lange Proben ein und konnten uns die fertig choreografierten und inszenierten Musical-Nummern ansehen, bevor wir überhaupt mit den Bauten begannen. Dadurch, dass ich Adam beim Choreografieren und Inszenieren der Nummern zuschauen konnte, bekam ich jede Menge nützlicher Informationen, die ich in meine Entwürfe einbaute – so sind meine Sets exakt auf Adams Vorgaben für die Songs und Tänze ausgerichtet.“

        Gropman berichtet, dass Regisseur Shankman von vornherein großen Wert darauf legte, den Look einer Broadway-Show auf jeden Fall zu vermeiden. „Adam wollte nicht, dass die Bilder etwas Theatralisches bekommen oder sonst irgendwie übertrieben wirken“, sagt Gropman. „Er wollte das sehr reale Baltimore von 1962 zeigen, und das haben wir ihm auch geliefert. Von der Farbpalette in Tracys Schlafzimmer bis zur Steinfassade ihres Hauses sieht alles aus wie 1962. Tracys Schule ist eine echte Schule, die 1962 ihren Betrieb aufnahm. Der Garten der Turnblads ist ein originalgetreues, originalgroßes Set bis hin zum Maschendrahtzaun und der Wäsche auf der Leine. Und das WYZT-Fernsehstudio ist komplett ausgestattet mit Kameras aus den frühen 60ern, mit Mikrofonen, Scheinwerfern und Publikumstribüne. Das hat mir großen Spaß gemacht, denn endlich konnte ich wirklich alle Vorkenntnisse und Erfahrungen meiner Arbeit anwenden und einbringen.“

        Alle Filmabteilungen müssen eng zusammenarbeiten – das trifft in besonderem Maße auf Produktionsdesigner Gropman und Kostümbildnerin und Oscar-Kandidatin Rita Ryack zu. Die beiden hatten bereits an „The Human Stain“ (Der menschliche Makel) zusammengearbeitet. Ryack machte ihren Master in Design an der Yale School of Drama. Viele Jahre arbeitete sie für New Yorker Bühnen – sie ist stolz darauf, auch Kostüme für etliche Broadway-Musicals entworfen zu haben, darunter „My One and Only“, das ihr 1983 eine Tony-Nominierung einbrachte.

        „Ich habe wie ein Tiger gekämpft, um diesen Job zu bekommen – aus mehreren Gründen“, sagt Ryack. „Seit ich vier war, bin ich vom Musical-Theater besessen. Ich bete das Genie von Marc Shaiman und Scott Wittman an, auch John Waters’ Originalfilm. Er baut mich auf – als Mensch und als Künstlerin. Ich fühle mich durch Waters’ Arbeit bestätigt. Er hat einen anarchischen Ansatz, den er regenbogenbunt auf die Leinwand überträgt, ohne je vor etwas zurückzuschrecken. Das ist in meinen Augen die wahre Inspiration – also wollte ich unbedingt an seinem Vermächtnis teilhaben.“

        „Leider muss ich zugeben, dass ich diese Zeit selbst erlebt habe“, lacht Ryack. „Und ich spüre das Echo immer noch in mir. Damals ging es mit der Integration los – ich bekam erstmals eine Ahnung von Musik und Politik, während ich mich fragte, wie ich als Außenseiterin meinen Platz in der Welt finden sollte. Ganz ähnlich wie Tracy Turnblad.“
        Wie Gropman investierten auch Ryack und ihr Team Hunderte Arbeitsstunden in die Recherchen zum damaligen Kleidungsstil, sie blätterten alte Illustrierte wie Look, Life und Ebony durch, schauten sich alte Filme an, legten ein Archiv mit Nachrichten und sonstigen TV-Sendungen an und durchkämmten jede Kinobibliothek und jeden Kostümfundus in Los Angeles.

        Die Frisuren- und Perückendesignerin Judi Cooper-Sealy stützte sich ebenfalls intensiv auf historische Materialien, zum Beispiel blätterte sie Schuljahrbücher der frühen 60er-Jahre durch. „Vor allem geht es ja um eine Komödie, in der alles reichlich ausladend ist – wir durften mit den Frisuren also etwas übertreiben, um die Zuschauer zum Lachen zu bringen“, sagt Cooper-Sealy. „Doch ehrlich gesagt: Wir haben es nie so auf die Spitze getrieben, dass die Frisuren völlig unglaubwürdig wären. Mädchen und Frauen trugen damals tatsächlich gewaltige Frisuren und waren beim Frisieren sehr experimentierfreudig.“
        Cooper-Sealys größtes Problem bestand eher darin, angesichts der zahllosen Frisuren und Perücken den Überblick zu behalten. „Manchmal frisierten wir 300 Komparsen oder 150 Hintergrund-Tänzer pro Tag, manchmal waren sogar alle Hauptdarsteller und die Tänzer im selben Bild“, sagt sie. „Jeder einzelne Darsteller in diesem Film musste tagtäglich entweder eine Perücke tragen oder sich frisieren lassen. Ob Jerry Stiller mit seiner Perücke im Liberace-Stil, Maybelles riesiger blonder Bienenkorb, der Drillings-Look der Dynamites oder Pennys Zöpfe – alle, die vor der Kamera auftraten, haben viel Zeit im ,Haarstuhl‘ verbracht.“

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