Mittwoch | 30. Mai 2012 | 21:06 Uhr
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  • Lonely Hearts Killers

    Thriller, Drama, Crime | USA 2006
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      • | Besuch in der Vergangenheit

      • Der versierte und mit einem Emmy Award ausgezeichnete Drehbuchautor und Regisseur Todd Robinson war auf der Suche nach Material für ein neues Projekt, doch es bedurfte erst eines Anrufs eines befreundeten Produzenten, bis er die nötige Inspiration fand. Robinson erinnert sich: „Ein Produzent schlug mir eine True-Crime-Geschichte vor und schickte mir als Referenz ein Lexikon über Serienmörder. Beim Durchblättern stieß ich auf die Geschichte von Martha Beck und Raymond Fernandez.“ Kindheitserinnerungen an die Geschichten seines Großvaters über die Mörder schossen ihm durch den Kopf. Durch die unmittelbare Verbindung, die Regisseur Robinson mit dem berühmten Kriminalfall hatte, war ihm mit einem Mal klar, worum es in seinem nächsten Film gehen sollte.

        Nach der Fertigstellung des Drehbuchs und der nachfolgenden Suche nach Produzenten und Finanziers, bei denen er das Projekt gemeinsam mit alten Familienfotos und Fotobüchern über Verbrechen in den 40er und 50er Jahren vorstellte, sah Robinson schon zu diesem Zeitpunkt John Travolta als Idealbesetzung für die Hauptrolle seines Films. Er meint: „John war immer meine erste Wahl. Ich habe mehr als ein Jahr auf ihn gewartet – so gut ist er.“ Man muss nicht betonen, dass Travolta einen prall gefüllten Terminkalender hat. Nach der Lektüre des Drehbuchs und einem ersten Treffen mit Todd Robinson zeigte er Interesse an der Rolle, aber er hatte Verpflichtungen, die es ihm unmöglich machten, in den folgenden zwölf Monaten für ein weiteres Projekt vor der Kamera zu stehen. Robinson traf mehr als 400 weitere Schauspieler, die die Rolle gerne gehabt hätten, aber keiner überzeugte ihn in dem Maße, in dem ihn Travolta begeistert hatte.

        Travolta sagt: „Als ich das Drehbuch auf den Tisch bekam, lag eine Anmerkung dabei, dass James Gandolfini mitmachen würde, wenn ich zusagte. Dann las ich das Drehbuch. Es gefiel mir sehr gut.“ Travolta und Gandolfini standen davor bereits einige Male gemeinsam vor der Kamera, unter anderem in A CIVIL ACTION („Zivilprozess“, 1998), GET SHORTY („Schnappt Shorty“, 1995) und SHE’S SO LOVELY („Call It Love“, 1997). Allerdings besteht zwischen beiden eine Beziehung, die bis in ihre frühen Jahre in New Jersey zurückreicht. „Im Geschäft meines Vaters „Travolta Tire Exchange“ in New Jersey kaufte Jim’s Vater regelmäßig Reifen,“ erzählt Travolta. „Als James in den Laden kam, sah er – ich glaube ein Photo von mir in „Saturday Night Fever“ - und er entschied, das, was ich mache, ebenso gut machen zu können. Es gibt also eine Geschichte, und als wir uns dann trafen, war es Liebe auf den ersten Blick.“

        Als er sich auf die Rolle vorbereitete, war Travolta ein wenig verunsichert, weil seine Figur nur wenig Dialogzeilen zu sprechen hatte. Doch nach und nach eignete er sich die vielen Facetten des Detective Elmer Robinson an. Todd Robinson meint: „Seine Darstellung ist ungemein subtil. Viel geht allein von seinen Augen aus. Man sieht ihn an und weiß genau, was er gerade denkt. Großartige Darstellungen sind wie eine unbenutzte Leinwand, die man selbst nach und nach anfüllt, auf die man die eigenen Lebenserfahrungen projiziert, um eine andere Person zu werden.“

        John Travolta merkt an: „Es ist interessant. Nach PULP FICTION war jedes Drehbuch, das man mir anbot, ungemein dialoglastig mit ungefähr fünfseitigen Monologen. LONELY HEARTS KILLERS war eine Herausforderung, weil es genau umgekehrt war. Ich baute die Figur auf, indem ich Lagen von unterdrückten Emotionen aufeinander schichtete.“

        James Gandolfini wurde als nächstes besetzt, als Detective Robinsons Partner Charles Hildebrandt – eine entscheidende Rolle und nicht gerade ein typischer Partner-Part. Hildebrandt war es, der die Recherchen der Cops am Laufen hielt, der Elmer Robinson zu jeder Zeit bis zum Ende unterstützte. Gandolfini ist an der Seite von Travolta perfekt besetzt und fungiert obendrein als Off-Erzähler der Geschichte. „Wenn man ihn zum ersten Mal trifft, dann ist er mindestens so einschüchternd wie Tony Soprano. Aber wenn man sich dann erst einmal mit ihm unterhält, stellt man fest, dass er ein feiner und netter Kerl ist“, berichtet Robinson.

        Eine besonders große Herausforderung war es, die richtigen Schauspieler für Raymond Fernandez und Martha Beck zu finden: Ihre Taten waren so schrecklich, dass man einem Schauspieler kaum zumuten möchte, sich mit einer der Figuren intensiv auseinander zu setzen. Jared Leto erschien zu einem frühen Vorsprechtermin, wurde aber zunächst von Todd Robinson abgelehnt, der sich nicht sicher war, ob er der richtige Darsteller für Fernandez sein könnte. Aber Leto ließ nicht locker und diente sich weiter an. Robinson gab ihm die Chance. Nachdem er ihn schließlich im Kostüm mit Haarteil und allem Drum und Dran sah, war er endgültig überzeugt. Es ist ein Zufall, aber im direkten Anschluss übernahm Leto den Part von John Lennons Mörder in dem Independentfilm CHAPTER 27 (2007).

        Die schwierigste Rolle des Films ist die der Martha Beck. Tatsächlich war sie eine übergewichtige, unglückliche Krankenschwester, die Fernandez kennenlernte, weil er sie eigentlich ausnehmen wollte. Salma Hayek ist eine Schauspielerin, die bereits wusste, wie es ist, sich für eine Rolle komplett zu verändern: Sie schlüpfte in FRIDA („Frida“, 2001) in die Haut von Frida Kahlo und sicherte sich damit eine Oscar-Nominierung. Todd Robinson merkt an: „Beck war deutlich rücksichtsloser als Fernandez. Sie war als Kind vergewaltigt worden und hatte sich geschworen, niemanden zwischen sich und Ray kommen zu lassen.“

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