Nach dem großen Erfolg von CRASH (Crash, 2004) gab es eine Fülle von Themen und Stoffen, auf die Autor-Regisseur Paul Haggis für die Entwicklung seines nächsten Films hätte zurückgreifen können. Doch Haggis war auf der Suche nach einer echten Herausforderung. Und das ließ er seine Agenten in Meetings auch wissen. „Ich sagte ihnen“, erinnert sich Haggis, „dass ich genau an dem interessiert wäre, was sie für unrealisierbar hielten.“ Kurz darauf wurde ihm der Artikel „Death and Dishonor“ zugeschickt, den Mark Boal für das Playboy Magazingeschrieben hatte. „Ich war wirklich berührt davon“, gibt Haggis zu. „Es ist eine sehr tragische Geschichte, die ich unbedingt erzählen wollte.“
„Nach einem solchen Stoff hatten wir schon eine ganze Weile gesucht“, pflichtet Produzent Laurence Becsey bei, der mit Haggis seit über zehn Jahren zusammenarbeitet. „Paul gefiel das Thema auf Anhieb“, erinnert sich Becsey. „Es ist eine starke, eindringliche Geschichte. Wenn man den Artikel liest, erkennt man, dass man sich über ihn einem Thema annähern kann, das für jeden Bedeutung haben könnte. Wie sieht der richtige Weg aus, um Gerechtigkeit zu erhalten? Was unternehmen wir, um für uns zu sorgen? Kümmern wir uns genug um unsere Familien?
Boals Artikel spürt detailliert der Ermordung eines jungen US-Soldaten nach, der nach seiner Rückkehr vom Einsatz im Irak in Fort Benning, Georgia stationiert war. Es geht um die Nachforschungen eines Vaters nach dem Verschwinden seines Sohns und um die Auswirkungen des Krieges auf drei Kameraden des Soldaten, die angeklagt wurden, ihn ermordet zu haben.
Die Suche nach Interessenten für seine Filmidee führte Haggis auch zu Clint Eastwood, für den er die Drehbücher zu den preisgekrönten Filmen MILLION DOLLAR BABY (Million Dollar Baby, 2004) und FLAGS OF OUR FATHERS (Flags of Our Fathers, 2006) geschrieben sowie am Drehbuch zu LETTERS FROM IWO JIMA (Letters From Iwo Jima, 2006) mitgearbeitet hatte. Eastwood wandte sich mit dem Stoff umgehend an Warner Bros. „Clint setzte sich dafür ein und dafür bin ich ihm wirklich dankbar“, erzählt Haggis. „2003 wollte diese Geschichte noch niemand hören. Deshalb wäre das Projekt ohne seine Unterstützung nur sehr schwer zu realisieren gewesen. Je mehr ich recherchierte, desto umfangreicher wurde der Stoff. Am Ende verband ich diese Geschichte mit einer anderen, ebenfalls wahren Geschichte und entwickelte Hanks fiktiven Weg, die Wahrheit aufzudecken. Unabhängig davon, ob wir für oder gegen den Krieg sind, müssen wir uns vor Augen führen, was mit den tapferen Männern und Frauen geschieht, die wir in den Einsatz schicken. Ich wollte die Geschichte guter Menschen erzählen, die schreckliche Entscheidungen treffen müssen.“
Das Resultat von Haggis’ Anstrengungen war schließlich die Geschichte eines mysteriösen Mords. Eine Geschichte mit weit reichenden Folgen und Verwicklungen in dieser Zeit, in der Amerikas Soldaten und Soldatinnen so im Brennpunkt stehen. Es geht um den Kriegsveteranen Hank Deerfield, seine Frau Joan und um eine Polizistin, Detective Emily Sanders – eine allein erziehende Mutter, die mit Hank nach den Spuren seines vermissten Sohns sucht.
„Es geht darum, was Krieg aus den Menschen macht“, analysiert Oscar®-Preisträger Tommy Lee Jones, der Hank Deerfield spielt, die Story des Films. „Außerdem macht sie, so glaube ich, deutlich, wie gefährlich gedankenloser Patriotismus ist.“
„Wie immer man auch den Krieg emotional bewertet, welches politische Lager man auch unterstützt, kann man einen Sachverhalt nicht bestreiten“, erklärt Oscar®-Preisträgerin Charlize Theron, die in der Rolle von Emily Sanders zu sehen ist. „Wir schicken junge Männer und Frauen in die Fremde, die dort traumatische Erfahrungen machen. Man verlangt sehr viel von ihnen, wenn man sie zurückholt, sie wieder in diese Gesellschaft zurückwirft und dann erwartet, dass sie sich wie ganz normale Menschen verhalten. Das ist die brutale Realität, mit der wir uns bisher nicht aufrichtig auseinandergesetzt haben.“
„Wir erkennen, dass es zwei Schlachtfelder gibt“, führt Produzent Becsey aus. „Zum einen ist da das Gefecht, das ist die unmittelbarste, offensichtlichste Perspektive, aber es gibt auch den emotionalen Krieg, den die Soldaten austragen müssen. Die von ihnen gebrachten körperlichen Opfer mögen wir verstehen, doch nicht immer sind wir auf die emotionalen und psychologischen Folgen vorbereitet.“