Eineinhalb Jahre arbeitete Haggis an der Fertigstellung seines Drehbuchs, aber die Besetzung für seinen Film fand er nahezu auf Anhieb. Zunächst suchte er nach einer geeigneten Darstellerin für die Rolle der Emily Sanders. „Ich kannte Charlize schon vorher, habe sie mehrfach zufällig getroffen und ihr dabei von dieser Story erzählt“, erinnert sich Haggis. „Schließlich rief ich sie an und bat sie, das Skript zu lesen. Das war an einem Donnerstagmorgen. Im Laufe des Tages las sie das Drehbuch und gab mir am Freitagmorgen ihre Zusage.“
„Nur wenige Schauspieler sind echte amerikanische Ikonen“, begründet Haggis seine Entscheidung, Tommy Lee Jones die Rolle des Hank Deerfield anzubieten. „Tommy Lee Jones ist aber viel mehr als das, er ist einer unserer besten Schauspieler.“ Ihn für die Rolle zu gewinnen, nahm nur wenige Tage in Anspruch“, erinnert sich Haggis. „Er las das Drehbuch über das Wochenende und signalisierte am Montag darauf, dass er die Rolle spielten wollte. Ich war begeistert.“
„Ich bin ein großer Fan von Pauls Arbeit“, gibt Charlize Theron zu. „Ich halte ihn für einen wunderbaren Autor.“ Die Schauspielerin und ihr Regisseur begegneten sich zum ersten Mal bei diversen Preisverleihungen in Hollywood, als sie mit KALTES LAND (North Country, 2005) und er mit CRASH (Crash, 2004) vertreten war. „Wo immer ich auch hinging, saß ich ohnehin mit ihm an einem Tisch. Wir verstanden uns auf Anhieb. Ich dachte, wie faszinierend es wohl wäre, mit ihm zusammenzuarbeiten, ohne zu ahnen, dass er mir tatsächlich diese Rolle anbieten würde.“
„Sie gehört zu den wenigen wunderbaren Schauspielerinnen, die mühelos von einer Figur in eine andere schlüpfen können“, schwärmt Haggis. „Ich musste die Rolle eines weiblichen Detectives in einer Kleinstadt besetzen, deshalb interessierte mich niemand, der wie ein glamouröser Hollywoodstar aussah. Und obwohl Charlize diesem Glamour besitzt, besitzt sie auch die Fähigkeit , hinter jeder Figur völlig zu verschwinden, . Und genau das hat sie auch hier getan.“
„Emily Sanders ist eine allein erziehende Mutter, die nur zu überleben versucht“, beschreibt Theron ihre Rolle. „Sie will gute Arbeit in ihrem Job leisten und sich um ihren Sohn kümmern.“ Emily ist zwar eine starke Persönlichkeit, die für sich eintreten und mit den Anstrengungen ihres Jobs zurechtkommen kann, aber sie ist keine Superfrau, sondern ein normaler Mensch. „Mir gefällt, dass Paul wirklich deutlich gemacht hat, dass sie viele Schwächen hat und nicht immer alles richtig macht“, führt Theron aus.
Die meisten von Emilys Arbeitstagen sind reine Routine, aber dieser Vermisstenfall hat eine tief greifende Wirkung auf sie. „Mit einem Fall dieser Größenordnung hatte sie noch nie zu tun“, erklärt Theron. „Sie kann ihre Gefühle nicht heraushalten und der Job wirkt sich viel stärker auf sie aus, als sie das bisher kannte. Das gefiel mir sehr.“
Als unmittelbare Folge sieht Sanders ihren Job in einem anderen Licht. Aber nicht nur das. Auch die Menschen, mit denen sie dabei zu tun hat, werden allmählich Teil ihres Lebens und beeinflussen sie ebenfalls. „Zwischen Hank und Sanders entwickelt sich eine schöne, aber merkwürdige Beziehung“, erläutert die Schauspielerin. „So etwas habe ich bisher noch nicht gespielt. Es sind zwei grundverschiedene Menschen, die miteinander auskommen und herausfinden müssen, was mit seinem Sohn passierte. Er weiß immer alles besser als sie, was sie verrückt macht. Aber er treibt sie auch an, ihren Job noch viel besser zu machen. Die Chemie stimmt zwischen uns beiden“, sagt Theron abschließend. „Manchmal auf unglaublich humorvolle, manchmal auf unglaublich berührende und emotionale Weise.“
„Er ist ständig im Wettstreit mit ihr und aufgebracht“, beschreibt Tommy Lee Jones seine Figur und deren Reaktionen auf Emily Sanders. „Er will, dass sie ihre Aufgabe bewältigt und ist ihr am Ende wegen ihrer Freundlichkeit und ihres Verständnisses wirklich zugetan.“
„Pauls Instinkt ist großartig“, schwärmt Produzent Becsey über die Besetzung der beiden Hauptrollen. „Es ist eine einzigartige Paarung. Beide haben eine freche, unverschämte Seite an sich, die für diese Rollen so wichtig ist.“
Eine weitere Schlüsselfigur ist Joan, Hank Deerfields Frau. Es ist typisch für Haggis, dass er das Skript Susan Sarandon, seiner Favoritin für die Rolle, einfach zuschickte „Sie war begeitert als sie es erhielt und wollte es gerne lesen “, erinnert sich Haggis. „Und dann rief sie mich an und sagte, dass die Figur auf dem Papier eigentlich kaum präsent war.“ Haggis war etwas beschämt, gab ihr aber recht. Er sah sich das Skript nochmals aus der Perspektive von Joan an und begann Veränderungen vorzunehmen. „Sie hat die neuen Textseiten sofort gelesen und ebenso schnell zugesagt. Das war für mich ein ziemlich großartiger Tag“, erinnert sich Haggis.
Obwohl sich die Geschichte in einer Kleinstadt aus der Perspektive von Zivilisten entwickelt, ist ihr Hintergrund das Militär, dem viele der Figuren angehören. Auch die vier jungen Platoonkameraden des vermissten Soldaten: Specialist Ennis Long, Specialist Gordon Bonner, Corporal Steve Penning und Private Robert Ortiez. Die Rollen von Bonner und Penning übernahmen schließlich zwei junge Männer, die selbst gedient hatten.
Gordon Bonner wird von Jake McLaughlin verkörpert – ein Veteran des Irakkrieges, der hier erstmals vor der Kamera steht. „Er hat nie als Schauspieler gearbeitet, aber er besitzt alle nötigen Fähigkeiten dafür“, schwärmt Haggis. McLaughlin selbst ist der Ansicht, dass seine Kriegserfahrung sein Defizit gegenüber erfahreneren Darstellern ausgleicht. „Viele Schauspieler müssen für ihre Figuren einen biografischen Hintergrund entwickeln. Für mich war das ganz leicht, denn ich war ja schon im Irak“, erklärt McLaughlin. „Tatsächlich war ich zur gleichen Zeit im Irak und auch in der gleichen Division wie der Soldat in der Originalstory. Bei ihm war es die 1.Brigade, ich war in der 2.Brigade.“
„Ich verstehe alles, um das es hier geht“, fährt McLaughlin fort, „deshalb habe ich in dieser Hinsicht einen Vorteil.“ Das erkannten auch einige militärisch unerfahrene Schauspieler, die manchmal bei McLaughlin nachfragten, wie sich ihre Figuren in einer bestimmten Situation verhalten würden. McLauglins Figur Bonner war nicht nur Mikes Platoonkamerad, sondern teilte auch das Zimmer mit ihm, was dieser Beziehung eine andere Dimension verleiht. „Er empfindet größere Reue über das, was passiert ist“, so McLaughlin, „und er gibt sich größte Mühe, dass Mikes Vater alles, was geschehen ist, etwas besser ertragen kann.“
Auch Wes Chatham war wie McLaughlin beim Militär, diente vier Jahre lang in der Navy und spielte schließlich Corporal Penning. „Ich war am Golf, aber nicht im Irak“, erzählt Chatham. „Auf einem Schiff erlebt man das alles etwas anders, aber trotzdem halfen mir meine Erfahrungen dabei, meine Figur und das, was sie und die anderen mitgemacht haben, zu verstehen. Ich stelle mir vor, dass ein Typ wie Penning wahrscheinlich aus einer Familie mit militärischer Tradition kommt. Unter den richtigen Umständen kann er dein bester Freund und ein guter Soldat sein, unter anderen aber auch ein Monstrum.“
Mehcad Brooks, den man aus dem Sportdrama SPIEL AUF SIEG (Glory Road, 2006) und als Sohn von Alfre Woodard aus der Hitserie „Desperate Housewives“ kennt, verkörpert Specialist Ennis Long. Was glaubt er, geht in seiner Figur vor, die im Kampfeinsatz nur überleben will? „Für mich war das schwer zu verstehen, denn ich befand mich noch nie in einer Situation, in der ich töten mussteum nicht getötet zu werden. Aus diesem Grund haben diese Figuren viele Facetten. Sie zu erforschen, war für mich als Schauspieler erstaunlich.“
Wie bei den anderen Rollen auch wusste Paul Haggis genau, wonach er suchte. Deshalb brauchte er auch bei Brooks nicht lange, um ihm nach dem Vorsprechen auch die Rolle anzubieten. Brooks’ Kollege Victor Wolf, im Film als Private Robert Ortiez zu sehen, sieht seine Figur als verlorene Seele: „Nachdem er zurückgekehrt ist, ist das einzige, was noch für ihn Sinn macht, seine Zeit im Irak. Ich finde es faszinierend, wie dieses Land, dieser Krieg die Perspektive eines Menschen verändern kann, was er als normal empfindet. Es geht nicht nur um diese heimgekehrten Soldaten und die schrecklichen Dinge, die sie gesehen und erlebt haben“, führt Wolf weiter aus. „Es geht auch um die Eltern und Familien dieser Männer, denn auch sie haben sich verändert und man erkennt als Zuschauer, dass es nie vorbei ist.“
„In gewisser Weise ist diesen jungen Männern göttliche Macht in die Hände gelegt worden“, erklärt Wolf seine Faszination für seine Figur. „Sie nehmen anderen das Leben, wenn sie es für notwendig halten.“ Obwohl er sich dem Stoff und der Psychologie seiner Figur mit Zuversicht stellte, stieß Wolf auf ein unerwartetes Hindernis. „Ich hatte wirklich die Befürchtung, wegen meines Gewichts die Rolle nicht zu bekommen“, erinnert sich Wolf. „Aber Paul glaubte an mich, und sagte ’Du bist genau richtig, du schaffst das.“ In Zusammenarbeit mit einem Trainer verlor Wolf schließlich 30 Pfund und wurde engagiert.
Nachdem Haggis seine Darsteller besetzt hatte, versammelte er die vier jungen Männer und wies sie an, viel Zeit miteinander zu verbringen. „Wir waren jede Minute zusammen, kannten somit unsere guten und schlechten Seiten“, führt Wolf aus. „Manchmal sind wir uns gegenseitig auf die Nerven gegangen, aber wenn wir zusammen waren, bekam man wirklich den Eindruck, wir wären auch gemeinsam im Krieg gewesen.“
„Er sagte uns“, erinnert sich Brooks, „wir sollten uns betrinken, uns mit Liebe begegnen, einander hassen, uns prügeln, uns in- und auswendig kennen lernen und richtige Freunde werden. Und genau das taten wir auch. Wenn wir also gemeinsame Szenen hatten, war das keine große Herausforderung, schließlich kannten wir uns gut.“
„In der Armee wirft man dich mit einer Gruppe fremder Typen zusammen“, erklärt Chatham, der aus eigener Erfahrung spricht. „Man verbringt viel Zeit miteinander und steht vieles gemeinsam durch. Daraus entwickelt sich etwas, was über Freundschaft hinausgeht. Es ist fast wie eine Familie. Ich glaube, Paul war sehr wichtig, dass die Chemie zwischen uns stimmte und dass das auch auf der Leinwand zu sehen war.“
Dass die jungen Männer, die in der Rolle der Soldaten zu sehen waren, schauspielerisch relativ unerfahren waren, stellte für Haggis kein Problem dar: „Jemand, der wirklich im Krieg war, bringt unbestreitbare Authentizität mit. Wir haben nach Schauspielern gesucht, bei denen das der Fall war.“
Der Rest der Besetzung setzt sich aus aufstrebenden Nachwuchstalenten und arrivierten Darstellern zusammen. Jonathan Tucker spielt Mike Deerfield, der mit seinem schrecklichen Schicksal die Geschichte in Bewegung setzt, selbst aber nur in Rückblenden zu sehen ist. Jason Patric verkörpert Lieutenant Kirklander und James Franco Sergeant Carnelli. Beide Figuren gehören zum Stab in Fort Rudd, melden Deerfield als vermisst und versuchen dann, den Zugang zu den Beweisen zu kontrollieren, als der Fall ihren militärischen Verantwortungsbereich verlässt. Josh Brolin ist als Emilys Vorgesetzter Chief Buchwald zu sehen. Er ist Polizeichef von Bradford und versucht den Fall wieder ans Militär abzugeben, als ihm die Sache zu heiß wird. Frances Fisher schließlich spielt Evie, eine barbusig Kellnerin, die als eine der letzten Zeugen Mike vor seinem Verschwinden gesehen hat.