Bei seiner letzten Regiearbeit CRASH (2004) wurde Paul Haggis noch verwöhnt und konnte mit seinen Darstellern ausführlich proben. IN THE VALLEY OF ELAH kam aber als Projekt so schnell zustande, dass die Darsteller fast keine Zeit für Proben hatten. Das sorgte für eine sehr spontane Atmosphäre am Set, für kreative Stimulanz für die Schauspieler und ihren Regisseur und schließlich auch für ein größeres Gefühl von Kameradschaft, das alle bei den Dreharbeiten spürten.
„Ich will sehen, was die Schauspieler einbringen können“, erklärt Haggis. „Und größtenteils lasse ich mich gerne von ihrem Input treiben. Nur das zu sehen, was ich im Drehbuch vorgegeben habe, würde mich schwer enttäuschen.“
„Es wirkt alles mühelos“, beschreibt Charlize Theron die kreative Atmosphäre am Set und die Zusammenarbeit, die sich zwischen Schauspielern und Regisseur entwickelte. „Alles geschieht einfach auf sehr organische Weise. Mittelmäßigkeit lässt er nicht zu, als Autor fordert er dich heraus und er geht ständig bis an die Grenze, treibt dich als Schauspieler kreativ an. Mehr kann man wirklich nicht verlangen.“
Auch die jungen ‚Platoon-Kameraden’ empfanden die Arbeit am Set ähnlich lohnend und schätzten es, dass ihr Regisseur für alles offen war und nie seine Unterstützung verweigerte. „Er ist sehr entgegenkommend und zugänglich“, fasst Mehcad Brooks seinen Eindruck von Haggis zusammen. „Es war wirklich ein Vergnügen, denn er gibt einem das Gefühl, dass man mit ihm, nicht für ihn arbeitet.“
„Er beteiligt sich an allem, ist sehr aktiv“, erklärt McLaughlin. „Er weiß genau, was er will, und das finde ich gut.“ Auch Wes Chatham denkt ähnlich und fügt hinzu: „Er weiß immer, was er will, aber auch, wie er dich darstellerisch so formen kann, dass es genau dem entspricht, was er sich von einer Szene erwartet. Man vertraut darauf, dass er alles zu einem Ganzen zusammenbringen kann.“
„Er versteht sich sehr gut darauf, menschliche Reaktionen herauszuholen“, beschreibt Victor Wolf den Inszenierungsstil seines Regisseurs. „Er kann in den schrecklichsten Situationen Menschlichkeit entdecken und dich ohne große Anstrengung auch dort hinführen.“ Wolf lobt auch Haggis, den Autoren: „Er ist unglaublich. Seine Dialoge sind einfach stimmig, aber es geht nicht nur darum, was man sagt, sondern auch darum, was sich hinter den Worten verbirgt. Darauf versteht er sich wirklich gut.“
Haggis besitzt auch eine echte Gabe, die richtige Mischung für seine Darsteller zu finden. „Das kann er wirklich unglaublich gut“, schwärmt Theron. „Menschen zu finden, die das zum Leben erwecken können, was er zu Papier gebracht hat.“
Wie immer man diesen Prozess auch beschreiben mag – er ist verantwortlich dafür, dass mit großer Sicherheit die Schauspieler gut harmonieren und dass sie diese Arbeitserfahrung als sehr positiv empfinden. Veteranen und Jungrekruten fühlten sich gleichermaßen am Set zuhause und kamen sehr gut miteinander aus, obwohl die meisten etwas eingeschüchtert waren, mit der Legende Tommy Lee Jones vor der Kamera zu stehen.
„Er ist eine starke Persönlichkeit, mit der man rechnen muss“, beschreibt Charlize Theron ihren Kollegen. „Als Schauspieler besitzt er unglaubliches Talent. Ich wusste, dass ich in der Zusammenarbeit mit ihm alles geben musste. Mir gefällt das, wenn ein Schauspieler solch eine Wirkung hat und ich habe große Achtung vor ihm.“
Während der Dreharbeiten entwickelte sich diese Arbeitsbeziehung so, dass sie der von Emily und Hank immer mehr ähnelte. „Es gibt Momente, in denen ich unglaublich eingeschüchtert bin, aber auch solche, in denen er einfach mein Herz stiehlt“, erklärt Theron. „Ich habe wirklich eine Schwäche für ihn und genoss diese Erfahrungen mit ihm.“ Tommy Lee Jones, oft sehr wortkarg und reserviert, beschreibt die Zusammenarbeit mit Theron als „Wunderbar. Sie besitzt großen Humor, ist eine sehr gute Schauspielerin und eine gute Freundin. Es macht einfach Spaß, mit ihr zu arbeiten.“
„Allein durch Beobachtung habe ich schon eine Menge von ihr gelernt“, erläutert Mehcad Brooks Therons Wirkung. „Sie benutzt das Drehbuch, als wäre es ein Musikstück - und dann improvisiert sie wie beim Jazz.“ Das vielleicht größte Kompliment der jungen Darsteller war aber die Anerkennung, „dass sie eine von uns gewesen ist, dass wir sie ohne Vorbehalte in unseren Kreis aufgenommen haben.“
„Sie hat eine große Ausstrahlung“, schwärmt Victor Wolf, der mit ihr mehrere Szenen drehte, darunter eine Stunt-intensive Verfolgungsjagd. „Sie ist so dynamisch, die Zusammenarbeit mit ihr war einfach großartig.“
Ähnlich begeistert war Wolf auch von Tommy Lee Jones: „Ich hatte einige emotional sehr unter die Haut gehende Szenen mit ihm, und er vermittelt vor der Kamera so viele Emotionen, ohne viel zu tun“, erzählt Wolf mit immer noch spürbarem Respekt. Neben diesen emotionaleren Szenen drehte Wolf auch eine, in der er sich mit Jones schlagen musste. „Er besitzt große Intensität“, erinnert sich Wolf. „Er hält sich nicht zurück. Er hat mir mit dieser Taschenlampe eine verpasst – und dieses Bild von ihm, wie er mit der Taschenlampe und dem Feuer in seinen Augen über mir steht _ wow!“