Im Zentrum von BABEL steht das Thema, das unser Leben im 21. Jahrhundert bestimmt: der Mangel an – erfolgreicher – Kommunikation. „Oberflächlich betrachtet kann man sagen, dass es in BABEL um das Scheitern von Kommunikation geht. Für mich geht es darüber hinaus auch darum zu zeigen, wie verletzlich wir als menschliche Wesen sind. Wenn eine Kette reißt, liegt das nicht am schwächsten Glied, sondern an ihrem Gesamtzustand.“ Damit meint er keineswegs nur die nahe liegende Definition der Sprachbarriere. „Man muss sich nicht in der marokkanischen Wüste oder mitten in Tokios Shibuya-Bezirk verlaufen, um sich isoliert zu fühlen. Die schrecklichste Einsamkeit und Isolation ist die, die wir in uns selbst und in unseren Familien erleben. Auch davon erzählt der Film”, erklärt Iñárritu. Mit BABEL wollte er den Widerspruch zwischen zwei weit verbreiteten Wahrnehmungen untersuchen: Einerseits leben wir durch die modernen Kommunikationsmöglichkeiten in einer immer „kleineren“ Welt, andererseits verstehen wir uns oft nicht mal in den grundlegendsten Fragen.
„Ich wollte das gesamte Konzept menschlicher Kommunikation – ihre Ziele, ihre Schönheit und ihre Probleme – in einem Wort ausdrücken”, erklärt der Regisseur den Filmtitel, der jedoch erst gefunden wurde, als das Drehbuch bereits geschrieben war. „Ich habe sehr viele verschiedene Titel erwogen, aber als ich über die Geschichte der Genesis nachdachte, erschien sie mir plötzlich als perfekte Metapher für den Film. Jeder von uns hat seine eigene Sprache, doch ich glaube, wir alle teilen denselben spirituellen Ursprung.“
Die Idee, einen Film mit einer Kakophonie menschlicher Stimmen zu machen, hatte Iñárritu bereits vor dem Dreh von 21 GRAMM. Beim Drehbuch arbeitete er erneut mit Guillermo Arriaga zusammen, um die Trilogie, die im Jahr 2000 mit AMORES PERROS begann, mit ihm gemeinsam abzuschließen. „Arriaga besitzt außergewöhnliches Talent, er schreibt tiefgründig und kraftvoll. Gemeinsam haben wir vier Geschichten entwickelt, die sich in drei völlig unterschiedlichen Gegenden der Welt entwickeln.“ Das in der Beziehung des von Cate Blanchett und Brad Pitt dargestellten Paares angedeutete Paradoxon ist ein Beispiel für die intimere Definition von Fehlkommunikation im Film: „Von außen betrachtet wirken sie wie ein Paar, das sich in der Wüste verirrt, doch in Wirklichkeit sind sie ein verlorenes Paar, das einander in seiner Einsamkeit findet”, beschreibt der Regisseur ihre Situation. In dem direkt damit zusammenhängenden persönlichen Drama der marokkanischen Hirten geht es laut Iñárritu vor allem um den „moralischen Zusammenbruch einer muslimischen Familie, die streng ihren religiösen Prinzipien folgt“ und mit ansehen muss, wie diese in sich zusammen fallen, als die Ereignisse ihren Lauf nehmen.
Ein zweiter Erzählstrang dreht sich um ein mexikanisches Kindermädchen, das in Kalifornien arbeitet und die verhängnisvolle Entscheidung trifft, zwei amerikanische Kinder illegal über die Grenze nach Mexiko mitzunehmen. Ihre Geschichte steht stellvertretend für die Situation vieler tausender Menschen, die versuchen, die US-amerikanische Grenze zu überwinden und dabei den doppelten Standards beider Regierungen ausgesetzt sind. Sie werden, so der Regisseur, zu „unsichtbaren Bürgern”, die von beiden Staaten im Stich gelassen werden und für die es keine geregelten Einwanderungsgesetze gibt. „Für mich, der als Immigrant in den USA lebt, gab es keine Wahl, eine Geschichte über diese Grenze zu erzählen. Es war eine moralische Verpflichtung.“
Der dritte Erzählstrang zeigt einen verwitweten Vater, der in der hektischen Millionenstadt Tokio versucht, eine emotionale Verbindung zu seiner taubstummen Tochter herzustellen. Die Geschichte des Mädchens im Teenageralter, das mit sexuell aufreizendem Verhalten versucht, fehlende menschliche Zuneigung zu kompensieren, drückt letztlich das verzweifelte Bedürfnis aus, eine Sprache zu entwickeln. „Wenn Worte nicht zur Verfügung stehen, wird der Körper zu einem Instrument, das Waffe oder Einladung sein kann”, so der Regisseur.