Anders als bei seinen früheren Filmen suchte Alejandro González Iñárritu für BABEL nach einer Kombination aus hyperrealistischer Ästhetik und einer eher traditionellen Kinematografie, die das Innenleben der Figuren darstellen sollte.
Eine Schlüsselrolle kam dabei dem Academy Award®-nominierten Kameramann Rodrigo Prieto zu: „Wir wollten die emotionalen Reisen der Charaktere durch den Einsatz unterschiedlicher Filmmaterialien und Formate visualisieren. Wir spürten, dass subtile Unterschiede in der Bildqualität jeder Geschichte, wie die Textur, die Körnigkeit, die Farbsättigung des Films und die Hintergrundschärfe die Erfahrung verschiedener geografischer und emotionaler Orte verstärken würden”, sagt Prieto. „Zum Schluss kombinierten wir die verschiedenen Formate digital in einem Negativ, genauso wie all diese verschiedenen Kulturen und Sprachen in einem Film zusammen kommen.“
Während es in den Wüsten Südmarokkos und Mexikos an technologischem Support mangelte, warf das hypermoderne Tokio aus genau entgegengesetzten Gründen viele Probleme für die Produktion auf. „Es war eine der härtesten Erfahrungen meines Berufslebens, aber auch eine der unvergesslichsten und wertvollsten”, sagt die Produktionsdesignerin und Academy Award®-Gewinnerin Brigitte Broch. „Vom Arbeiten in der faszinierenden Landschaft Marokkos bis zur Erfahrung der merkwürdigen gesellschaftlichen Mischung Tokios hat dieser Film mich viel über die Menschheit gelehrt. Wir entschlossen uns, die verschiedenen Länder in verschiedenen Rot-Tönen zu malen: orangefarbene Erdtöne für Marokko, ein lebhaftes, elektrisierendes Rot für Mexiko und ein subtiles Purpurrot für Japan”, erzählt Broch.
Für Regisseur González Iñárritu liegt die größte Leistung darin, diese visuellen Entscheidungen so in den Film integriert zu haben, dass sie für die Zuschauer „unsichtbar“ sind. Dazu gehörte auch, sich nicht von den ästhetischen Reizen der faszinierenden Drehorte verführen zu lassen.
„Ich liebe es, mit Alejandro zu arbeiten, denn er ist gnadenlos”, sagt der Cutter und Oscar®-Preisträger Stephen Mirrione über den Schnitt des Films. „Er ist nicht zufrieden, bevor dich nicht jedes einzelne Bild des Films etwas fühlen lässt. Für die Montage von BABEL bedeutete das, in jeder Szene jedes noch so kleine Detail unter die Lupe zu nehmen. Mehr als 2.500 verschiedene Kameraeinstellungen wurden gedreht, das gab uns eine überwältigende Bandbreite von Bildern und Tönen zur Auswahl. Es gibt rund 4.000 Schnitte im Film. Ähnlich wie bei einem riesigen Mosaik, das aus winzigen Kacheln zusammengesetzt ist, wurde mir erst deutlich, was wir gemeinsam erreicht hatten, als ich einen Schritt zurücktrat und das Ganze aus der Distanz betrachtete. Ich entdecke immer noch bei jedem Sehen neue Details, neue Verbindungen und neue Bedeutungsebenen.“
Sound Designer Martín Hernández, ein enger Freund Iñárritus, arbeitete erstmals vor 22 Jahren mit ihm zusammen, als beide bei einem Radiosender in Mexiko City angestellt waren. „Wenn es nichts zu hören gibt, gibt es nichts zu verstehen; wenn wir aufhören zu verstehen, ist unsere Sprache nutzlos geworden, schlimmer noch, sie wird uns am Ende nur trennen. BABEL ist eine sehr detaillierte Beschreibung dieses Themas auf der einzigen Ebene, die wirklich universell ist: der menschlichen Ebene. Der Film ist angefüllt mit einigen sehr subtilen und einigen sehr direkten Charakteren, alle sind auf kraftvolle Weise visuell und tönend. Als ich vor Ort versuchte, für BABEL die Klänge jedes Schauplatzes aufzunehmen, glaubte ich, ich sei dort, um zu hören. Ich habe mich geirrt. Jetzt, wo ich hier bin und vor Alejandros letzter Schnittversion sitze, höre ich wirklich zu. Ich habe gelernt, dem zuzuhören, was er hört, und nun bin ich in der Lage, ihn zu verstehen. Dieser Film verlangt dieselbe Aufmerksamkeit, die jeder Mensch für sich verlangt. Es geht um sie, die ‚Anderen’, um die scheinbar Fremden, und damit letzten Endes um uns selbst”, sagt Hernández.
Den final touch an Gefühl und Tiefe erhielt der Film durch einen weiteren langjährigen Partner Iñárritus: den Komponisten Gustavo Santaolalla, der in diesem Jahr den Oscar® für seine Musik zu BROKEBACK MOUNTAIN gewann. „BABEL ist der dritte Film, bei dem ich mit Alejandro González Iñárritu zusammenarbeiten konnte. Seit AMORES PERROS und danach bei 21 GRAMM haben wir eine besondere musikalische Sprache entwickelt, die uns hilft, die zutiefst menschliche Essenz seiner Filme zu unterstreichen. Die Herausforderung bei BABEL war es, für vier Geschichten, die an drei verschiedenen Orten auf der Welt stattfinden, einen Sound, ein bestimmtes Instrument zu finden, das alle Charaktere und Orte miteinander verbindet, das eine Identität schafft, ohne nach der Musik einer National Geographic-Dokumentation zu klingen. Diese Stimme fand ich im Oud, einem bundlosen arabischen Saiteninstrument, das ein Vorläufer der spanischen Gitarre ist, aber auch an die japanische Koto erinnert. Dieser Sound, kombiniert mit anderen Instrumenten, wurde zur klanglichen Textur von BABEL”, sagt Santaolalla.
Prieto, Broch, Santaolalla und Hernández gehören zum hochkarätigen Team, mit dem Iñárritu seit seinem Debütfilm AMORES PERROS zusammenarbeitet. Die künstlerische Verbindung, die dadurch zwischen ihnen bestand, machte die Erfahrung der BABEL-Produktion noch intimer und faszinierender. Sie sind, so Iñárritu, „meine engste kreative Familie“ und unverzichtbar bei dem Prozess, eine Lebenserfahrung in die universelle Sprache des Films zu übertragen.
„Im Verlauf des Produktionsjahres zogen wir gemeinsam rund um die Welt wie eine Zirkustruppe. Auch wenn ein Film ein sehr persönliches Zeugnis sein kann, bleibt er doch immer ein riesiges gemeinschaftliches Abenteuer, eine kreative Orgie, in der jeder alles gibt, wozu sein Talent ihn befähigt. Die besten und befriedigendsten Momente im Film und auch außerhalb habe ich meinen Partnern und meinem Team zu verdanken. Ohne sie wäre es undenkbar gewesen, auch nur einen Zentimeter Film zu drehen”, sagt der Regisseur.
Für den Film lud Iñárritu außerdem die Produzenten Jon Kilik und Steve Golin in sein Team ein. „Es war großartig, sich auf die Familie verlassen zu können, mit der ich meine letzten beiden Filme gemacht habe, aber es war ebenso großartig, mit Jon Kilik und Steve Golin zwei neue Partner und Freunde zu gewinnen. Wir haben gemeinsam viel erlebt, und ihr Spirit, ihre Erfahrung und Unterstützung bei diesem Projekt waren unverzichtbar.“
Aus Sicht der Produzenten bot BABEL eine Vielzahl an Herausforderungen, doch die größte von allen war es, die künstlerische Integrität des Films zu bewahren. „BABEL wurde zur anspruchsvollsten und wertvollsten Herausforderung meiner Karriere als Produzent”, sagt Jon Kilik (ALEXANDER, MALCOLM X, DEAD MAN WALKING). „Entlegene Wüsten, hoch gesicherte Staatsgrenzen und eine der bevölkerungsreichsten Städte des Planeten stellten uns vor enorme produktionstechnische Schwierigkeiten. Indem wir uns für die Lebens- und Arbeitsweisen Marokkos, Mexikos und Japans öffneten, gelang es uns, eine Ehrlichkeit auf die Leinwand zu bringen, auf die ich sehr stolz bin.“
Produzent Steve Golin (ETERNAL SUNSHINE OF THE SPOTLESS MIND, BEING JOHN MALKOVICH) berichtet von ähnlichen Erfahrungen. „Es war meine erste Zusammenarbeit mit Alejandro. Sie war nicht nur unvergesslich, sie war auch ganz anders als die Projekte, an denen ich bisher beteiligt war. An jedem Tag hatte ich die Gelegenheit, die verschiedenen Methoden des Filmemachens in einem internationalen Setting zu erleben. Für mich als Produzent war das eine Erfahrung, die mich zugleich forderte und inspirierte. Die Überwindung von Hürden und Grenzen der Sprache, um einen Weg zu finden, miteinander zu arbeiten, trug dazu bei, dass es eine einzigartige Reise wurde.“