Die Produktion von BABEL begann im Mai 2005 in Marokko, von dort ging es nach Mexiko und Tokio. In Marokko galt es, einen Drehort zu finden, der für eine kleine Enklave in der südlichen Wüste stehen konnte. Iñárritu fand diesen Ort in dem entlegenen Berberdorf Taguenzalt. Gelegen am Fuß des Atlasgebirges, ist das Dorf in die Felseinschnitte des Draa-Tales gebaut und besteht aus uralten Lehmhäusern, deren Räume um einen Innenhof errichtet sind. „Es gefiel mir, dass dieses Dorf so bescheiden und real war”, erzählt Iñárritu. „Die Menschen in Taguenzalt waren sehr freundlich und spirituell. Ich habe mich dort sehr wohl gefühlt.“
Trotz der herzlichen Gastfreundschaft der Einwohner waren die Drehbedingungen schwierig. Die Temperaturen erreichten oft 37 Grad im Schatten, und nachmittags wehten Stürme den Sand der Sahara ins Dorf. Doch diese Schwierigkeiten erhöhten nur noch die Authentizität der erzählten Geschichte. „Die Hitze war brutal, aber genau darum ging es uns. Wir hatten nicht nur Method-Acting, sondern auch Method-Dreharbeiten”, lacht Iñárritu.
Anschließend reiste die Produktion weiter nach Tijuana in Mexiko, wo sich das Team, auch dies eine reale Parallele zur erzählten Fiktion, in einer staubigen, ausgedörrten Wüste und einem kleinen, abgelegenen Dorf wiederfand. Die abgelegene Stadt El Carrizo im Norden Mexikos diente als Amelias Heimatort „Los Lobos“. Wichtige Sequenzen wurden auch an der mexikanisch-amerikanischen Grenze gedreht, wo Iñárritu den Blick von der mexikanischen Seite einfing – hohe Zäune, Überwachungskameras, Flutlicht-Beleuchtung und bewaffnete Grenzposten sorgen dort für eine festungsähnliche Atmosphäre. „Fünf Leute mussten in ein Krankenhaus in der Sonora-Wüste eingeliefert werden. Adriana Barraza erlitt am Set fast einen Hitzschlag. Es war nicht leicht”, berichtet der Regisseur.
Schließlich reiste die Filmcrew nach Tokio, wo neue, ganz andere Herausforderungen auf sie warteten. „Tokio war gleichzeitig eine wunderbare und eine schwierige Erfahrung”, urteilt Iñárritu. „Dort geht vieles sehr langsam, und es gibt keine Filmkommission, die einem dabei hilft. Es gibt keine Erlaubnis für Dreharbeiten, deshalb waren wir ständig auf der Flucht vor der Polizei. Wir brauchten Mut und arbeiteten im Guerilla-Stil, immer in Bewegung und bereit zum Improvisieren.“
„Jede Phase der Entstehung von BABEL reflektierte zugleich die Strapazen der Charaktere und veränderte durch die vielen kulturellen Probleme und Lerneffekte die fiktionale Story. Jeden Tag musste ich das Drehbuch verändern und den immer wieder neuen Gegebenheiten anpassen, je nachdem, wie mich die jeweilige Kultur beeinflusste”, resümiert Iñárritu. „Das Urteil darüber, ob der Film die Realität geformt hat oder ob es umgekehrt war, sollte man am besten den Zuschauern überlassen.“