Nachdem das Drehbuch geschrieben war, konnte mit der Suche nach den geeigneten Schauspielern begonnen werden. Die größte Schwierigkeit bestand darin, die richtige, die glaubwürdige Familie zu finden, um die herum die außergewöhnlichen Ereignisse stattfinden. Für Don, den Vater, suchten die Filmemacher nicht nur jemanden, der den Film tragen, sondern der auch den Kindern am Set Stütze und zuverlässige Hilfe sein konnte. Man entschloss sich, an den schottischen Schauspieler Robert Carlyle, bekannt durch seine Parts in TRAINSPOTTING („Trainspotting – Neue Helden“, 1995) und THE FULL MONTY („Ganz oder gar nicht“, 1997), heranzutreten. Carlyle hatte mit Boyle und Macdonald schon bei TRAINSPOTTING und THE BEACH („The Beach“, 2000) zusammen gearbeitet. „Wir hielten Bobby für den geeigneten Mann den Film zu tragen und ihm die nötige Stärke zu geben“, sagt Macdonald. „Bobby hat einfach Klasse“, fügt Boyle hinzu. „Er hat einen so hohen Anspruch an die Interpretation seiner Rollen, dass ein gewisser Standard einfach schon dadurch garantiert ist. Man weiß, er gibt immer sein Bestes.“
Carlyle, der ein großer Fan des ersten Films ist, hatte zunächst Bedenken: „Der erste Film war wirklich gut, er hat mir so gut gefallen, dass ich zunächst bezweifelte, dass man diesen Standard erreichen können würde. Aber dann las ich das Skript und fand es brillant.“
Fresnadillo und López-Lavigne flogen nach Schottland, um Carlyle zu treffen. „Spannend war“, erinnert sich Carlyle, „dass Juan Carlos mit den Infizierten mitfühlt. Damit hatte ich wahrlich nicht gerechnet. Ich fragte ihn warum, und er antwortete, dass auch die Infizierten zuvor ein Leben hatten, dass sie Kinder hatten und sie nun vor dem Nichts standen. Das ist ein hochinteressanter Aspekt, ein ganz anderer Gesichtspunkt, um die ganze Verrücktheit und die Wut dieser Figuren zu betrachten. Auch in ihnen schlägt ein Herz...“
Carlyle führt weiter aus: „Don war früher Bauunternehmer, Bauberater für Privatpersonen. Als der Virus ausbrach, hielten sich seine Kinder in Spanien auf und verbrachten dort ihre Ferien. Er überlebte zusammen mit seiner Frau die ersten 28 Tage der Seuche in einem Cottage auf dem Lande. Aber es dauert nicht lange und die Infizierten stehen vor der Tür. Don flieht und überlässt seine Frau ihrem Schicksal.“
Fresnadillo über Carlyle und dessen Rolle als Don: „Er ist ein fantastischer Schauspieler und wirklich ein Profi. Und ganz offensichtlich war ihm auch klar, dass dies mein erster Film in Englisch war denn er mir entsprechend sehr geholfen. Er machte mir meine Arbeit als Regisseur leicht. Von Anfang an kann man Don begleiten, ihn und seine Anliegen verstehen lernen.“
Alice, die Mutter der Familie, sollte nach Fresnadillos Wunsch die renommierte Catherine McCormack spielen. McCormack wurde über Nacht durch ihren Part als Mel Gibsons Jugendfreundin in BRAVEHEART („Braveheart“, 1995) weltweit bekannt. Von ihrer ungeheueren Leinwandpräsenz beeindruckt, erklärt der Regisseur: „Catherine McCormack, die die Alice spielt, hat mich als Darstellerin immer schon fasziniert. Als ich sie das erste Mal sah, habe ich mich quasi in sie verguckt. Ich kenne alle ihre Filme. Sie ist fantastisch. Ihre Rolle in 28 WEEKS LATER ist sehr begrenzt, ich brauchte also jemanden, der sich dem Publikum sofort ins Gedächtnis einbrennt... Catherine spielt hervorragend und sehr vielschichtig. Sie ist eine Plage, eine Gefahr – aber eben auch eine Mutter. Ich glaube viel ehrlicher kann man diesen Part nicht spielen.“
McCormack ist eigentlich kein Fan von Horrorfilmen, hatte jedoch 28 DAYS LATER gesehen und ihn sehr gemocht: „Ich fand ihn innovativ, kantig, rau und voller Energie. Schon das hat mich für 28 WEEKS LATER eingenommen. Obendrein hatte ich auch INTACTO gesehen, der mich wirklich umgeworfen hat. Also habe ich mich sehr gefreut, Juan Carlos zu treffen.“
„Obwohl Alice nicht die größte Rolle im Film spielt, ist sie dennoch von zentraler Bedeutung“, sagt McCormack. „Als Alice habe ich zwei verschiedenfarbige Iriden, was, wie sich später herausstellt, als Hinweis für eine gewisse Immunität gegenüber dem Virus steht. Ihr Sohn Andy hat, wie das Publikum alsbald auch sieht, diese unterschiedliche Pigmentierung geerbt. Und so stirbt Alice auch nicht an ihrer Infektion wie Don annimmt, der sie einfach im Cottage zurücklässt. Das ermöglicht ihr später mit all denen abzurechnen, die sie zu Beginn in der Patsche sitzen gelassen haben.“ 28 WEEKS LATER markiert die erste Zusammenarbeit zwischen McCormack und Carlyle. „Bobby ist ein Superschauspieler und ich bewundere seine Arbeit schon lange. Er ist ein netter, aufrechter und gütiger Kerl und ich schätze ihn sehr. Es war ein Vergnügen mit ihm zu arbeiten,“ sagt McCormack.
Nachdem Don und Alice besetzt waren, galt es deren 12-jährigen Sohn Andy zu finden. Andy ist jemand, dem man abnehmen muss, dass er schnell erwachsen wird, er muss damit fertig werden seine Mutter verloren zu haben und auch all das Chaos überstehen, das um ihn herum passiert. Obendrein – und das weiß Andy nicht – verbirgt sich in ihm vielleicht der Schlüssel zum Heilmittel der Seuche.
„Diesen Part richtig zu casten, war eine der heikelsten Aufgaben“, erinnert sich Macdonald. „Die meisten 12-Jährigen, die Schauspielschulen besuchen, konzentrieren sich darauf, Singen und Tanzen zu lernen. Wir mussten unsere Suche dementsprechend ausdehnen.“ Also machte sich die Besetzungs-Chefin Shaheen Baig zu Schulen und Drama-Gruppen auf, kontaktierte Agenten und lud über 600 Kinder zu einem Workshop mit Fresnadillo ein. Allmählich kristallisierte sich eine kleine Gruppe heraus und aus der stach wiederum ein Junge namens Mackintosh Muggleton hervor. Baig dazu: „Zur Zeit des Castings war ich schwanger und als wir gerade Macs Screentest durchführten, fing mein Kind an, mich innerlich zu treten. Wir sahen das als Zeichen“. Fresnadillo präzisiert: „Wir fanden Mackintosh und waren von Beginn an von ihm fasziniert. Also entschlossen wir uns nach einigen gemeinsamen Sitzungen mit ihm weiterzuarbeiten. Er hat seine Rolle schnell begriffen. Er transportiert sie spürbar und glaubwürdig. Mac begreift, dass seine Familie eigentlich verdammt ist. Er ist Kind und die Hoffnung der Menschheit zugleich und er versucht fortan das Beste aus seiner schwierigen Situation zu machen.“
Muggleton beteiligte sich zunächst aus purem Spaß am Casting, er nahm nie wirklich an, dass man ihn für den begehrten Part des Andy besetzen würde: „Ich war wirklich erstaunt, dass man mich schließlich aus so vielen Kindern herauspickte. Zunächst habe ich gedacht, dass die Filmerei nur Spaß machen und mir jede Menge Ruhm einbringen würde. Dann stellte sich jedoch heraus, dass es sich beim Film um 97 Prozent harte Arbeit handelt, nur drei Prozent für Glamour und Spaß übrig bleiben. Aber Juan Carlos war total nett und hat mir bei der schweren Aufgabe extrem geholfen. Es war toll bei 28 WEEKS LATER mitzumachen.“
Tammy, Andys Schwester, muss für ihren kleinen Bruder die Mutterrolle übernehmen, nachdem die Eltern voneinander getrennt werden. Der Part wurde der 17-jährigen Newcomerin Imogen Poots übertragen. „Wir hatte uns Hunderte von Mädchen angesehen, bevor wir Imogen besetzten, die eine kleine Rolle in V FOR VENDETTA („V wie Vendetta“, 2006) hatte. Ihr Agent machte uns auf sie aufmerksam und nachdem wir sie gesehen hatten, wussten wir, dass wir niemanden besseren für die Rolle finden würden,“ sagt Macdonald. „Sie ist fantastisch und ihr starkes Vorspiel überzeugte uns. Ihre innere Stärke ist ihr großes Plus. So etwas merkt das Publikum und es glaubt dann, dass so jemand den kleinen Andy in Sicherheit bringen kann.“
Poots hatte 28 DAYS LATER gesehen und wusste, dass es im Sequel ebenso hart zur Sache gehen würde. Aber sie mochte Tammys Charakter und war sogleich von der Rolle eingenommen: „Ich fand das Skript spannend und dicht. Es war für mich eine Freude, vorsprechen zu dürfen.“
Nachdem die Familie besetzt war, machten sich die Filmemacher daran, die geeigneten vier Schauspieler zu finden, die die Amerikaner geben sollten; die Medizinerin Scarlet, den Sergeant Doyle, den Hubschrauberpiloten Flynn sowie den kompromisslosen General Stone.
Die australische Darstellerin Rose Byrne hatte bei SUNSHINE („Sunshine“, 2007) schon mit Boyle und Macdonald zusammen gearbeitet und die beiden freuten sich sehr, wieder mit ihr kooperieren zu dürfen. Produzent Allon Reich: „Danny Boyle besetzte sie in SUNSHINE, nachdem er sie in TROY („Troja“, 2004) gesehen hatte. Ich erinnere mich, wie er davon schwärmte, dass Rose trotz Brad Pitt und all der spektakulären Effekte jede Szene stahl, in der sie zu sehen war.“ Macdonald fährt fort: „Wir wussten, dass Rose für den Part der Scarlet perfekt sein würde. Sie war bei SUNSHINE klasse und findet sich in jeden Part perfekt hinein. Sie geht in ihrem jeweiligen Charakter geradezu auf - und zwar in dem Moment, wenn die Kamera zu laufen beginnt. Wir hatten großes Glück, sie wieder verpflichten zu können.“
Byrne erklärt die Scarlet: „Sie ist Militärärztin und ist mit den Amerikanern in Großbritannien stationiert. Sie kennt sich mit Quarantänebestimmungen aus, sie ist hilfsbereit und klug aber immer auch ein wenig rebellisch. Vor allem im Bezug aufs Militär und den damit verbundenen Regeln.“ Und weiter: „Ich liebe diese Art von Genrefilmen. Ich liebe Horror und erinnere mich noch gut daran, wie ich meine Mutter anbettelte, NIGHTMARE ON ELM STREET („Nightmare - Mörderische Träume“, 1984) auszuleihen, als dieser auf Video erschien. Damals war ich 12 Jahre alt. Außerdem bin ich ein großer Fan von HALLOWEEN („Halloween – Die Nacht des Grauens“, 1978), FRIGHT NIGHT („Die rabenschwarze Nacht“, 1985) und FRIDAY THE 13TH („Freitag, der 13.“, 1979).
Um die drei Männer zu besetzen, flogen die Filmemacher in die USA, um mit Hilfe der Casting-Chefin Donna Isaacson die richtigen Schauspieler zu finden. Der Kalifornier Jeremy Renner, am ehesten durch seinen Titelpart des Serienkillers Jeffrey Dahmer in DAHMER („Dahmer“, 2002) bekannt, bekam den Part des Scharfschützen Doyle, Harold Perrineau (THE MATRIX RELOADED („Matrix Reloaded“, 2003), THE MATRIX REVOLUTIONS („Matrix Revolutions“, 2003)) den des Hubschrauberpiloten Flynn und Idris Elba (BUFFALO SOLDIERS („Army Go Home!“, 2001)) schließlich den des General Stone, der für die Wiederbesiedelung des Vereinigten Königreichs verantwortlich ist.
„Ich hatte Jeremy noch in keinem Film vorher gesehen,“ erinnert sich Macdonald, „aber er kam beim Casting hervorragend herüber und war als Soldat überaus glaubwürdig.“ Renner, ein großer Fan von 28 DAYS LATER, dazu: „Ich fand den Film besonders, er war glaubwürdig, innovativ und in der Realität verankert. So etwas gefällt mir. Ich suche in meinen Rollen stets die Herausforderung oder will etwas Neues lernen – sei es nun auf emotionaler oder physischer Ebene. Mein Part hier war eindeutig körperlich anstrengend. Aber ich durchlaufe auch eine innere Verwandlung: Zunächst bin ich total egoistisch, zum Schluss bis zur Selbstaufgabe hilfsbereit. Ich reife in der Rolle des Doyle und werde zu einem guten Menschen.“
Renner spielt einen Scharfschützen, der die Sicherheitszone vom Dach eines Hochhauses aus unter Kontrolle halten soll. Niemand darf hinein, niemand hinaus. Als der Virus wieder ausbricht, bekommt er den Schießbefehl. Er muss jeden töten, der zu fliehen versucht – auch Frauen, Senioren und Kinder. Das bringt er nicht fertig. Sein Gewissen lässt es einfach nicht zu. Also verlässt er seinen Posten und handelt nach eigenem Gewissen. Er versucht eine Gruppe Zivilisten zu retten, darunter Andy und Tammy.
Perrineau hatte 28 DAYS LATER gesehen und war begeistert, bei 28 WEEKS LATER mitmachen zu dürfen: „Ich hatte noch nie in einem Film dieses Genres mitgespielt, also war ich entsprechend aufgeregt. Diese Art von Horror war neu für mich, ich fand das Skript klug, kreativ und interessant. Ich spiele Flynn, einen US-Helikopterpiloten.“ Perrineau reiste schon früher nach London an, da er Flugstunden nehmen sollte, um seine Szenen glaubwürdig spielen zu können. „Ich war immer schon ein Fan von Hubschraubern – wenn auch aus der Ferne. Aber jetzt in England fliegen lernen zu dürfen, fand ich wirklich fantastisch. Es war toll über Großbritannien zu schweben, ich hatte keine Ahnung wie schön dieses Land eigentlich ist. Das Ganze war fast eine religiöse Erfahrung.“
Idris Elba spielt den knallharten, kompromisslosen US-General, der für den Wiederaufbau Londons zuständig ist und dafür zu sorgen hat, dass die Seuche nicht wieder ausbricht. „Ich habe sofort zugegriffen,“ gesteht Elba. „Der Part ist toll und war gut geschrieben.“ Als die Filmemacher ihn besetzten, glaubten sie, dass er Amerikaner sei und waren erstaunt zu erfahren, dass er eigentlich aus Hackney, England stammt. Macdonald präzisiert: „Sein amerikanischer Akzent ist sehr glaubwürdig. Wir sahen ihn in der Serie „The Wire“, wo er in jeder Folge überzeugte. Wir wussten sofort, dass er für uns der richtige Mann war.“
Zu guter Letzt mussten noch die Infizierten besetzt werden. In 28 WEEKS LATER gibt es viel mehr von ihnen als in 28 DAYS LATER. Für diese schwierige Aufgabe wurde der Bewegungsspezialist, Schauspieler, Tänzer und Turner Paul Kasey engagiert. Er hatte schon im Vorläuferfilm einen Kranken gespielt und wusste daher, was gefragt war. Er konnte Fresnadillo bei den Kameratests helfen und später dann die richtigen Leute mit aussuchen. Kasey erklärt: „Juan Carlos hatte sehr genaue Vorstellungen davon, wie die Kranken zu spielen hatten. Er mochte besonders die Bewegungen jenes Soldaten, der im ersten Film im Haus in Ketten gelegt worden war. Dieser Soldat bewegte sich animalisch, er hatte eine unbändige Wut und stieß ein heftiges, menschliches Knurren aus.“
Um die richtigen Personen für diese wichtigen Rollen zu finden, suchte Kasey Schauspieler, die viel mit Bewegung zu tun hatten, also Turner, Tänzer, Zirkusartisten und Pantomimen. Von den Leuten, die Paul Kasey zum Casting einlud, wählte Fresnadillo dann sechzig aus. Diese mussten wiederum einem Workshop von Kasey besuchen. Es erläutert: „Ich erklärte den Darstellern, wie sie zu spielen hatten, brachte ihnen die Krankheit bei, so dass sie wussten, wie sie reagieren mussten. Es war ein absolut toller Tag und jeder der Anwesenden war begeistert. Schnell fanden sich alle in ihre Parts ein, ließen ihrer ’Wut’ und ihrem ’Wahnsinn’ freien Lauf. Es war ganz schön gruselig, plötzlich 60 Infizierten gegenüber zu stehen. Alle genossen den Tag und lernten viel. Und es war wirklich hilfreich für den Dreh, weil dann beim Wort ’Action’ alles wie am Schnürchen klappte.“