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  • Das Mädchen aus dem Wasser

    Fantasy, Mystery | USA 2006
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      • | Die Figuren

      • Cleveland Heep läuft vor seiner Vergangenheit weg und hat sich dadurch weit von seiner eigentlichen Bestimmung entfernt. „Ganz offensichtlich leidet er unter einem großen Verlust“, sagt Autor/Regisseur M. Night Shyamalan. Der ehemalige Arzt verkriecht sich als Hausmeister in The Cove, einem unauffälligen Mietsblock in einem Vorort von Philadelphia. Wenn er überhaupt mit seiner Umwelt in Kontakt treten muss, dann möglichst kurz und unpersönlich. Weil Cleveland sein ungeheures Leid, seine Trauer verdrängt, stottert er. Die Nachbarn halten ihn laut Paul Giamatti „für eine traurige Figur – über ihm schwebt immer eine düstere Wolke. Cleveland will von seiner Vergangenheit nichts mehr wissen. Er hat den langweiligen Job als Hausmeister übernommen und schottet sich mehr oder weniger ab. Er verkriecht sich in seinem kleinen Hausmeister-Bungalow in The Cove.“

        Shyamalan schrieb diese Rolle speziell für den Oscar-Kandidaten Giamatti („Cinderella Man“/Das Comeback), nachdem er den Schauspieler im urkomisch-herzzerreißenden Independent-Hit „Sideways“ (Sideways) gesehen hatte. „Ich fand seinen Humor, seine Menschlichkeit in dieser überzeugenden Hauptrolle einfach umwerfend. Ich habe mit ihm mitgefühlt und gebangt, wie ich das nur bei wenigen Schauspielern empfinde“, sagt Shyamalan.

        Eine Vorführung von „American Splendor“ (American Splendor) und schließlich das Treffen mit Giamatti persönlich bestätigten dem Regisseur, dass er seinen Hauptdarsteller gefunden hatte. „Paul und ich haben uns sofort verstanden. Wir haben einen ähnlichen Sinn für Humor und teilen in vielen Dingen die gleichen Ansichten. Wie wir alle hat auch Paul sein Päckchen zu tragen, aber er geht locker damit um.“

        Giamatti war hingerissen von Shyamalans kühnem Erzählkonzept für „Das Mädchen aus dem Wasser“: „Schon die Idee ist gewaltig, und er setzt sie auf sehr mutige Weise um.“

        „Paul Giamatti ist mein Richard Dreyfuss“, sagt Shyamalan – er bezeichnet „Jaws“ (Der weiße Hai) und „Close Encounters of the Third Kind“ (Unheimliche Begegnung der dritten Art) als die beiden Filme, die in ihm den Wunsch weckten, selbst Filmemacher zu werden. „Er bringt uns zum Lachen, zeigt uns aber auch die seelische Verunsicherung seiner Figuren, um daraus dann Hoffnung auf mehr Menschlichkeit zu schöpfen.“

        „Paul Giamatti ist äußerst intelligent und ein hervorragender Schauspieler. Ich habe noch nie einen technisch so präzisen Kollegen erlebt“, staunt Bryce Dallas Howard. Sie spielt jene junge Göttin Story, die Clevelands Leben auf den Kopf stellt. „Paul gehört nicht zu den Schauspielern, die sich in eine ruhige Ecke zurückziehen, um sich in eine bestimmte Stimmung zu bringen. Er arbeitet sehr konzentriert und kann absolut alles darstellen. In einer Szene liest Story Clevelands Tagebuch. Paul schrieb ein paar Einträge in das Tagebuch, das wir beim Dreh benutzten, und die habe ich gelesen. Das hat mir unglaublich geholfen – es war wie ein Licht in absoluter Dunkelheit.“

        Als Cleveland Story in einem Winkel von The Cove entdeckt, wird er mit einem Ruck aus seinen zusammenhanglosen Tagträumen gerissen: Dieses mächtige und attraktive Wesen bringt Cleveland dazu, ihm bei der gefahrvollen Rückreise in die fantastische Blaue Welt zu helfen. „Cleveland spürt Vatergefühle in sich. Er will endlich seine Kraft darauf verwenden, für jemand anderen da zu sein. Aber er begreift das erst, als er Story kennen lernt“, sagt Shyamalan.

        Aber es ist nicht nur Hilfsbereitschaft, die Story in Cleveland auslöst. „Durch sie denkt er auch wieder über seine verdrängten Probleme nach“, sagt Giamatti. „Er ist bisher wie ein Schlafwandler durchs Leben gegangen, aber das ist in ihrer Gegenwart nicht mehr möglich.“

        „Story merkt, dass Cleveland trauert, dass er völlig verloren ist“, fügt Howard hinzu. „Sie begreift, dass er sein Leid nicht ausdrücken kann. Zwischen ihnen entwickelt sich eine wunderbare Beziehung, weil sie ihm weiterhilft – und er ihr.“

        Howard erlebt die sehr intuitive, schöne Story als „einen Engel, der die Menschen zu Höchstleistungen animiert, weil er an sie glaubt“. Dennoch kann auch Story es überhaupt nicht fassen, dass ihr Schicksal die ganze Menschheit beeinflussen wird.

        „In Bezug auf die Zukunft der Erde spielt sie in der Geschichte die entscheidende Rolle, was ihr sehr seltsam erscheint, weil sie sich nicht mal als besonders fähigen Narf erlebt“, meint Howard. „Mich berührt dabei vor allem, dass sich diese Inkarnation Gottes selbst überhaupt nicht als außergewöhnliches Wesen wahrnimmt. Es ist wunderbar, dass auch Story genau wie Cleveland erst ihre Bestimmung finden muss.“

        Schon früh wirkte Howard an dem Arbeitsprozess mit, in dem Shyamalan die Gutenachtgeschichte „Das Mädchen aus dem Wasser“ in das äußerst vielschichtige Drehbuch übersetzte. Am letzten Drehtag von „The Village“ erzählte er Howard die Handlung von „Das Mädchen aus dem Wasser“. Monate später, als er der Schauspielerin und ihren Eltern „The Village“ auf seiner Farm vorführte, bat er sie, die Rolle der Story zu übernehmen. „Ich setzte mich auf den Fußboden und heulte los“, erinnert sich Howard. „Das hört sich jetzt sehr dramatisch an, aber ich fühle mich Night sehr verbunden, und für mich war es eine Riesensache, dieses Filmangebot zu erhalten.“

        „Das war ein großer Moment“, stimmt Shyamalan zu. „Und eine Glaubenssache. Ich hatte das Drehbuch noch gar nicht geschrieben, wollte aber unbedingt, dass sie die Rolle übernimmt.“

        „Bryce ist sehr begabt und arbeitet wie ein Tier“, beschreibt Giamatti seine Partnerin. „Hoffentlich werde ich eines Tages mal ein so guter Schauspieler, wie sie es heute schon ist, denn sie ist erstaunlich selbstbewusst … was hoffentlich irgendwie auf mich abfärbt.“

        Es dauerte täglich drei Stunden, um Howards wasserfestes Ganzkörper-Make-up aufzutragen, durch das sie sich in den fast durchsichtigen Narf verwandelt. „Story ist das Sonnenlicht nicht gewohnt“, stellt Howard fest. „Meist lebt sie im Wasser, und ihre Hautstruktur ist diesem Element angepasst.“

        Bewusster und ungeduldiger als die übrigen Bewohner von The Cove sucht Story nach dem nächsten Schritt auf ihrem Schicksalsweg. Sie muss ein kniffliges Rätsel lösen, um eine Gruppe von Menschen zu finden, die ihr gemeinsam die Rückkehr in die Blaue Welt ermöglichen können. Allerdings darf Story mit keinem Außenstehenden über ihre Mission sprechen. Aber der unerfahrene Narf hat einige Fehler begangen, durch die er jetzt in großer Gefahr schwebt. Gleichzeitig wird Story immer schwächer, weil sie durch einen Angriff des wilden Hyänenmonsters Scrunt vergiftet worden ist. Scrunt will auf jeden Fall verhindern, dass sie in ihre Heimat zurückkehrt.

        Es bleibt also nicht mehr viel Zeit – deswegen wendet sich Cleveland an die Mieter in The Cove, um gemeinsam mit ihnen Storys schicksalhaftes Geheimnis zu entschlüsseln, bevor es zu spät ist.

        Als einen der Ersten bittet Cleveland Mr. Farber um Hilfe: Der grantige Film- und Buchkritiker ist kürzlich von der Westküste nach Philadelphia gezogen. „Farber ist ein Miesepeter“, sagt der renommierte Schauspieler und Regisseur Bob Balaban, der bekannte Rollen in den Dokumentarfilm-Parodien „Best in Show“ (Best in Show) und „A Mighty Wind“ spielte und aktuell auch in dem Oscar-preisgekrönten „Capote“ (Capote) zu sehen war. „Er ist ausgesprochen unfreundlich und lebt sehr zurückgezogen. Er will nicht gestört werden. Und nie würde er jemanden zu sich einladen.“

        Farber hört Cleveland zwar an, doch sein Rat ist genauso zynisch wie seine allgemeine Lebenseinstellung. „Farber sagt Cleveland: ,Es gibt keine Originalität mehr in der Welt, keine neuen Geschichten. Die alten Storys werden einfach nur wiederholt‘“, erzählt Balaban.

        Die etablierte Bühnen- und Fernsehschauspielerin Cindy Cheung spielt die College-Studentin Young-Soon Choi, die ihren persönlichen amerikanischen Traum ausleben will, dabei aber von ihrer konservativ denkenden koreanischen Mutter mit Argusaugen überwacht wird. „Young-Soon will die Welt erobern“, sagt Cheung. „Sie hat Mut und experimentiert ständig ganz sorglos mit ihrem Aussehen. In einem Augenblick lässt sie sich von Britney Spears anregen, aber eine Woche später könnte sie durchaus auch Alicia Keys als Muse entdecken.“

        Cleveland will von Young-Soon Einzelheiten über die uralte Gutenachtgeschichte erfahren, die ihre Mutter mit niemandem teilen will. „Young-Soon sucht immer noch einen Sinn in ihrem Leben. In der Gutenachtgeschichte gibt es das Motiv der Selbstfindung, das sie schwer beeindruckt. Je mehr Puzzlestücke sie mit Cleveland zusammensetzt, desto mehr will sie darüber erfahren“, sagt Cheung.

        Der liebevolle Vater Mr. Dury hat ein Faible für Wörter und Kreuzworträtsel – diese Rolle übernimmt Jeffrey Wright. „Cleveland braucht jemanden, der das Problem anpackt, und Mr. Dury bietet seine Hilfe bei der Bedeutungssuche an“, sagt Wright, der aktuell in dem gefeierten Polit-Thriller „Syriana“ (Syriana) zu sehen war. Den Golden Globe und den Emmy gewann er mit seinem Auftritt in Mike Nichols’ mitreißender Miniserie „Angels in America“ (Engel in Amerika). Wright konnte sich sofort in die Situation von Mr. Dury und dessen kleinem Sohn Joey versetzen: „In dieser Vater-Sohn-Beziehung spiegelt sich das durchgehende Thema des Films“, stellt er fest. „Kinder haben durch ihre Unschuld eine unverstellte Beziehung zu den himmlischen Gefilden. Als Erwachsene müssen wir diese erst wiederentdecken. Wir müssen uns ständig klar machen, dass wir sie dringend brauchen, um menschlich zu bleiben.“

        Die Geschwister Vick und Anna Ran bewohnen in The Cove ein gemeinsames Apartment. „Anna hat ihre Aufgabe im Leben noch nicht gefunden“, sagt Sarita Choudhury („A Perfect Murder“/Ein perfekter Mord) über die Frau, die die kranke Story pflegt, während Cleveland nach einer Rettungsmöglichkeit sucht. „Anna ist begeistert über die Abwechslung, die Story in ihr Leben bringt. Wenn jemand Hilfe braucht, ist das auch eine Basis für eine neue Freundschaft.“

        Vick möchte Schriftsteller werden und tut sich schwer, sein Buch zu beenden, was seine Schwester zu gutmütig-verärgerten Kommentaren provoziert. „Anna ist zwar überzeugt, dass Vick Erfolg haben wird“, sagt Choudhury. „Aber inzwischen will sie davon nichts mehr hören. Sie sagt bloß noch: ,Jetzt mach endlich!‘“

        Unerwartet wird Vick von Story inspiriert, die ihm seine außergewöhnliche Zukunft voraussagt. „Vick ist ein ganz normaler Typ, der jetzt erfährt, dass er sein Buch nur beenden muss, um die Welt dadurch ganz erheblich zu beeinflussen – aber er muss dafür sein Leben geben“, sagt Shyamalan über Vick. Vick ist die bedeutendste Rolle als Darsteller, die der Filmemacher seit dem Auftritt in „Praying with Anger“ (1992), seinem eigenen Debüt als Autor und Regisseur, übernommen hat. „Mir gefiel die Vorstellung, einen durchschnittlichen Typen zu spielen, der eine Entscheidung treffen muss.“

        Wie Vick und die übrigen Mieter sucht auch Reggie einen Sinn im Leben. Dabei hat er sich als Bodybuilder ein reichlich einseitiges Ziel gesetzt: Der Umfang seines muskelbepackten rechten Arms und Beins ist um elf Zentimeter größer als der der linken Körperhälfte. „Reggie experimentiert an sich selbst herum“, sagt Freddy Rodriguez, der aktuell in Wolfgang Petersens „Poseidon“ (Poseidon) auftrat und mit seiner Rolle als vollendeter Bestattungsunternehmer in der preisgekrönten Serie „Six Feet Under“ (Six Feet Under – Gestorben wird immer) bekannt wurde. „Er ist eher ein Einzelgänger. Er ist zwar nett, aber seine Nachbarn nehmen ihn nicht ernst.“

        An jedem Drehtag erduldete Rodriguez die etwa dreistündige Prozedur, die für seine Maske und das Make-up nötig war: Wie eine Art Ärmel wurde ihm der Maskenteil am Arm befestigt, und entsprechend wurde sein Bein behandelt. Von diesen Maskenteilen fertigte man per Gussform große Mengen an, weil sie jeweils nur einen Tag lang verwendbar waren, denn sie mussten dem Schauspieler nach Drehschluss buchstäblich vom Körper geschnitten werden.

        Die vielseitige Schauspielerin Mary Beth Hurt war zuletzt in „The Exorcism of Emily Rose“ (Der Exorzismus von Emily Rose) und „The Family Man“ (Family Man) zu sehen. Diesmal spielt sie Mrs. Bell, die besonders tierlieb ist. „In Mrs. Bell steckt unbändige Lebenskraft“, stellt Hurt fest. „Sie spürt, wie sehr Cleveland leidet, sie fühlt sich ihm verbunden. Maureen Stapleton ist mir als Schauspielerin immer wie eine offene Wunde vorgekommen, und davon hat auch Cleveland etwas. Wenn man sich so gut auf Menschen einstellen kann wie Mrs. Bell, dann fühlt man mit ihnen und möchte ihnen gern helfen.“

        Obwohl sich Mr. Leeds außer für seinen Fernseher für niemanden interessiert und sehr skeptisch auf Story reagiert, durchschaut er doch Clevelands Underdog-Fassade. „Sie sind sich recht ähnlich“, sagt Bill Irwin, der in „The Manchurian Candidate“ (Der Manchurian Kandidat) und „Igby Goes Down“ (Igby) zu sehen war. „Wie Cleveland muss auch Mr. Leeds einen schrecklichen Verlust kompensieren. Seine Methode: Er sieht fern, verschanzt sich hinter Büchern und verlässt nie seine Wohnung. Wahrscheinlich ist er ein bisschen eifersüchtig auf Cleveland, denn obwohl Cleveland leidet, stottert und niemandem in die Augen schaut, nimmt er dennoch Kontakt zu seiner Umgebung auf. Diese Tapferkeit erkennt Mr. Leeds durchaus an.“

        Weitere Rollen übernehmen Jared Harris als der Raucher mit dem Spitzbart, June Kyoko Lu als Young-Soons Mutter Mrs. Choi, Noah Gray-Cabey als Joey Dury, Tovah Feldshuh als Mrs. Bubchik und Tom Mardirosian als Mr. Bubchik.

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