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  • American Gangster

    Thriller, Drama, Crime | USA 2007
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      • | Country Boys und andere Gesetzlose: das Casting

      • “Richter, Anwälte, Polizisten, Politiker… wenn man den Zufluß von Drogen in dieses Land stoppt, verlieren 100.000 Leute ihren Job.”
        – Richie Roberts

        Für die Rollen an der Seite von Wa-shington und Crowe in „American Gangster“ stellten Scott und Grazer ein Ensemble hochkarätiger Darsteller zu-sammen. Auf der Seite der Familie von Frank Lucas mußten sie eine Reihe von Brüdern und Cousins besetzen, die mit ihm nach Harlem kamen und dabei hal-fen, sein Produkt an den Mann zu brin-gen. Für die Mitglieder des Heroinrings rund um die Kultfigur Lucas, die als „Country Boys“ bekannt wurden – so benannt, weil sie aus ländlichen Gegen-den von North Caroline stammten – suchten die Produzenten nach einer Mi-schung von Talenten mit einem Back-ground vom klassischem Schauspieltrai-ning bis zum Hip-Hop hatten. Die Na-men der echten Personen und Verwand-ten wurden für das Drehbuch geändert.

        Der Anführer der Country Boys, Lucas jüngerer Bruder und seine rechte Hand, Huey, wird von Chiwetel Ejiofor ge-spielt, einem britischen Schauspieler mit einer beeindruckenden Filmografie in den USA. „Ich hatte mit Chiwetel bei ‚Inside Man’ gearbeitet“, erzählt Grazer. „In diesem Film spielte er Denzels Partner, daher hatten die zwei bereits ein hervorragendes Arbeitsverhältnis. Ob-wohl er Brite ist, schlüpft er in amerika-nische Figuren als sei er in diesem Land geboren. Huey ist ein sehr großspurig und unberechenbarer Typ, was einen interessanten Kontrast zu Franks cooler und zurückhaltender Persönlichkeit gibt.“

        In weiteren wichtigen Rollen der Familie Lucas besetzte man zwei erfolgreiche Künstler, die aber im Filmgeschäft rela-tive Neulinge sind – den Rapper Com-mon, der Franks Bruder Turner spielt, und den aufsteigenden Hip-Hop Künstler T.I. (Tip Harris), der Franks leicht zu beeindruckenden Neffen Stevie darstellt. Ridley Scott, dem bewußt war, daß diese Künstler sich eventuell mit dem langsamen Tempo beim Filmemachen schwer tun würden, war beeindruckt, wie gut sie sich an die spezifischen Anforderungen im Filmbereich anpaßten. Er spricht sein Lob aus: „Es scheint, als sei die Schau-spielerei eine natürliche Weiterentwick-lung des Singens. Common und T.I. ha-ben wirklich starke darstellerische Leis-tungen abgeliefert.“

        Die Matriarchin des Familienclans, Ma-ma Lucas, wird von Schauspiellegende Ruby Dee verkörpert. Die mit dem John F. Kennedy Center Honors und dem Screen Actors Guild’s Life Achievement Award ausgezeichnete Dee war für viele am Set eine Inspiration. Denn die in Harlem geborene Künstlerin vermittelte allen, mit denen sie arbeitete, einen hilf-reichen Einblick in die Welt ihrer Jugend, die hier zum Leben erweckt wurde. Dazu die Schauspielerin: „Die Zeit von Frank Lucas in ‚American Gangster’ erscheint mir weniger als ein Film sondern mehr als eine Erinnerung. Gangster spielten eine wichtige Rolle innerhalb der Gemeinschaft, denn sie waren ein Teil von ihr. Sie kontrollierten das illegale Treiben.“

        Als Kind lebte Dee in einem Apartment-gebäude an der 137. und 7. Avenue. Über diese Zeit sagt sie: „Kerle, die wie Denzel aussahen, kamen zu zweit oder dritt an die Wohnungstür, und sie be-grüßten einen und gaben einem eine Einkaufstüte. Darin war dann ein Trut-hahn zu Thanksgiving, oder Spielzeuge zu Weihnachten.“ Erst später lernte sie, daß es sich bei diesen Typen nicht nur einfach um hilfsbereite Mitmenschen handelte; es gab eine „politische Verbin-dung zu den Verbrecherelementen“.

        Für die Rolle von Lucas Hauptkonkur-rent im Heroinhandel, Nicky Barnes, wählte man Oscargewinner Cuba Goo-ding Jr. aus. Barnes, wie Lucas einer der Hauptakteure in Harlems Drogenunter-welt, trat nach seiner letztendlichen Festnahme als Zeuge für die Staatsan-waltschaft auf. Aber bis dahin wollte er all das, was Lucas hatte, und mehr – er schaffte es sogar auf das Cover des New York Times Magazine mit der Schlagzeile als „Mr. Untouchable“. Gooding fand die Funktion interessant, die diese Dealer im New York der frühen 70er Jahre hatten. Er faßt die Anziehungskraft, die Barnes und Lucas hatten, so zusammen: „Diese Kerle wurden als echte Promis angesehen. Heutzutage haben wir Kultfiguren im Sport, wie die Mets oder die Yankees, oder Schauspieler, aber damals waren das die Drogenhändler. Sie waren diejenigen, die eine direkte Verbindung zum städtischen Leben und den Menschen hatten.“

        Den Mafioso der damaligen Zeit verkör-pert Armand Assante. Er spielt Dominic Cattano, ein mächtiger Dorn im Auge von Lucas, der, wie alle anderen auch, schockiert ist darüber, daß ein Schwarzer sich der Strukturen bemächtigt und billi-geres, reineres Heroin auf die Straßen bringt. Assante sagt zu seiner Rolle: „Cattano ist ein mächtiger Mann, der glaubt, daß er selbst und seine Geschäfte über dem Gesetz und jeglicher Konkur-renz stehen. Aufgeschreckt von dem, was er in Frank Lucas erkennt, versucht er, eine Beziehung zu beiderseitigem Vorteil aufzubauen. Frank behält jedoch die Oberhand bei dem Deal, was Cattano nicht gefällt.

        Ein weiterer Dorn im Auge von Lucas (und letztlich auch von Roberts) ist der bestechliche New Yorker Polizist Trupo, gespielt von Josh Brolin. Trupo, der von Ridley Scott als „badass cop“ bezeichnet wird, erlaubt es jedem, bei ihm auf den Straßen Drogen zu verkaufen, solange er einen guten Anteil vom Geschäft erhält. Für Brolin war es eine Herausforderung, die Gedanken dieses „Kriminellen mit Polizeimarke“ zu ergründen, der die da-malige Korruption innerhalb der Polizei personifiziert. Um seine Figur zu for-men, erinnerte er sich an eine Unterhal-tung mit einem altgedienten Polizisten, der ihm offen und ehrlich gesagt hatte, „alles was man tun mußte, war einem Drogendealer zu sagen, ‚Ich muß dich nur erschießen, dir eine Waffe in die Hand drücken, und bekomme eine Medaille. Das ist alles. So einfach ist das.’ Zur damaligen Zeit gab es nicht viele Drogendealer oder Verbrecher, die Poli-zisten umlegten, das war tabu, das machte man einfach nicht.“

        Ein weiterer Teil des Ensembles war Eva, die Ehefrau von Lucas und ehemalige Miss Puerto Rico, die er allmählich zu einem Leben in der Verbrecherwelt verführt. Für die Rolle suchte Ridley Scott nach einer jungen Frau mit „an-sprechender Unschuld“, und fand die aus Puerto Rico stammende Lymari Nadal, die einen Uni-Abschluss in Chemie machte, bevor sie sich der Schauspielerei zuwandte. Nadal erzählt: „Ich hatte die Gelegenheit, das Drehbuch durchzugehen und in Bezug auf Eva zu bestimmten Schlüssen zu kommen, bevor ich die echte Eva (der Name wurde für den Film geändert) kennenlernte. Ich habe ver-sucht, der Art und Weise gerecht zu werden, in der sie ihr Leben sieht. Das wichtigste für sie war, so denke ich, ihre Liebesgeschichte und wieviel sie sich leisten konnte, beziehungweise wieviel Geld sie hatte.“

        Denzel Washington bemerkt zur Aus-wahl der Kollegen, die die Mitglieder seiner Familie und seine Geschäftskon-kurrenten spielen: „Als ich die Beset-zungsliste sah, sagte ich, ‚Mensch, da haben sie aber wirklich ein Ensemble zusammenbekommen’. Schauspielerin-nen wie Ruby Dee, die meine Mutter spielt... sie ist eine Legende. Fantastische Darsteller wie Armand Assante, Cuba Gooding Jr., Clarence William III, Chiwetel – das war schon eine außerge-wöhnlich interessante Truppe.“

        Auf der Parallelspur des Universums von Frank Lucas befinden sich Richie Roberts und die Akteure seiner Welt. Nachdem Richie einen Fund von einer Million Dollar Drogengeld an die Be-hörden übergibt – sehr zum Ärger seines dem Heroin nicht abgeneigten Partners Javier Rivera (John Ortiz) – ist er ein Ausgegrenzter, dem die bestechlichen Polizisten ebensowenig über den Weg trauen wie die Verbrecher.

        Als er die Chance bekommt, eine Ab-teilung der Essex County SIU zu über-nehmen, muß Roberts eine Elitetruppe von Undercover-Polizisten zusammen-stellen, die ebenso gerissen und gewieft sind wie die Kriminellen, die sie jagen. Für diese Rollen wählten Ridley Scott und Brian Grazer erfahrene Charakter-schauspieler wie John Hawkes und Yul Vazquez, sowie einen weiteren Star aus der Musikbranche, RZA, Mitbegründer der Kult-Hip-Hop-Gruppe Wu-Tang Clan. RZA, der u.a. als Schauspieler schon an der Seite von Clive Owen und Jennifer Aniston im Thriller „Entgleist“ auf sich aufmerksam machte. Auch er hat schon seit längerem mit Grazer zu tun, so arbeiteten die beiden bei „8 Mile“ zusammen.

        Das neue SIU Team machte die Erfah-rung, daß viele Drogenbeamte in diesem Job sind, weil er wie ein ganz eigener Rausch ist; einige beschreiben ihn sogar als Droge. Hawkes, der Detective Spearman spielt, versteht die Einheit – geleitet von Charakterdarsteller Ted Le-vine in der Rolle des Lou Toback – als „eine der ersten staatlichen Sonderein-heiten zur Drogenbekämpfung, ein Vor-läufer der DEA“. Der Darsteller erklärt: „Richie muß ein paar ehrliche Cops su-chen, und er findet mich, der ich aussehe wie ein Krimineller. Ich sage ihm, ‚ich mache nur mit, wenn du auch meine Kumpels anheuerst’. Die kennt er nicht – Jones und Abruzzo, gespielt von Yul Vazquez und RZA. Wir sehen aus wie total heruntergekommene, verrückte Typen, und entpuppen uns als wirklich großartige Cops.“

        „Sie sind eine wild zusammengewürftelte Truppe“, so Crowe über seine Mit-streiter. „Bei den Dialogen haben wir viel improvisiert, denn Ridley gibt seinen Schauspielern jede Menge Freiheit, kreativ zu sein. Er wollte diese Situatio-nen stärker herausstellen, in denen wir zusammensitzen und versuchen, die Teile zusammenzusetzen und herauszu-finden, wer diese Kerle (in der krimi-nellen Unterwelt von Lucas) sind. Beim Arbeiten an diesen Rollen mußte man stets mit vollem Einsatz dabei sein und die Figuren und die Situationen kennen, denn es geht sehr viel um Interaktion.“

        Während Roberts in seinem beruflichen Umfeld vorwärts kommt, zerfällt sein Privatleben immer mehr. In der Rolle der Laurie, seiner Ehefrau, die dabei ist, Roberts zu verlassen, sieht man Carla Gugino. Die Schauspielerin hat Ver-ständnis für die taffe New Yorkerin, die genug hat von ihrem untreuen Ehemann und endlich beschließt, einen Schlußstrich unter ihre Ehe zu ziehen. „Da gibt es eine wirklich echte Liebe zwischen diesen zwei Menschen“, so Gugino, „aber es ist eine Art Beziehung, die unmöglich funktionieren kann, denn er ist totaler Schürzenjäger. Sie hat ver-sucht, daran zu glauben, daß er sich än-dern kann, aber erkennt, daß das nicht passieren wird – und so beschließt sie letztlich, mit ihrem Sohn nach Las Vegas zu ihrer Schwester zu ziehen.“ Das ist ein Schlag für Richie und ein weiterer Grund für ihn, sich mit Besessenheit auf die Aufgabe zu stürzen, das Imperium von Lucas zu Fall zu bringen.

        Nachdem die wichtigsten Rollen besetzt waren, begannen Regisseur Scott, Pro-duzent Grazer und Produktionsdesigner Arthur Max, der bereits fünfmal mit Scott zusammengearbeitet hatte, mit dem mühsamen Prozeß der Nachbildung von Harlem und Vietnam in den späten 60er und frühen 70er Jahren.

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