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  • FILMDETAILS | Der letzte König von Schottland
  • Der letzte König von Schottland

    Thriller, Drama | USA 2006
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      • | Forest Whitaker porträtiert Idi Amin

      • Nur wenige Namen in der Geschichte der Menschheit sind so berüchtigt wie der Name Idi Amin. Er hat sich zu Hitler, Stalin, Mao, Pol Pot, Saddam Hussein und anderen Diktatoren gesellt, die anscheinend keine Grenzen kannten. Aber Amin ist ein einzigartiger Fall – ein Ex-Boxer und Soldat, der sich buchstäblich aus dem Nichts nach oben gekämpft hat und mit seinem Stolz und seiner Persönlichkeit viele glauben machte, er könne das gerade unabhängig gewordene Uganda zu einer echten afrikanischen Nation machen. Nach seinem erfolgreichen Putsch von 1971 gegen den korrupten und pro-kommunistischen Milton Obote wurde ihm weltweite Unterstützung zuteil – das britische Außenministerium nannte ihn einen „vorzüglichen Mann und guten Fußballer“. Doch dann wurde deutlich, dass er seine Gegner rücksichtslos ermorden ließ und die Regierung nach seinen eigenen bizarren Wünschen, mystischen „Visionen“ und paranoiden Ängsten ausrichtete.

        Amins gefährliche Natur kam zum Vorschein, als er zum extremen Nationalisten wurde, der Ugandas 50.000 Asiaten des Landes verwies, kriegerische Scharmützel mit Nachbarstaaten auslöste oder die PLO bei der Entführung eines Airbus der Air France unterstützte. Er war für Umstände verantwortlich, die Hunderttausende Ugander das Leben oder die Freiheit kosteten. Im Exil wurden Übelkeit erregende Geschichten von Folter und Grausamkeit zu Protokoll gegeben, es gab sogar Gerüchte über Kannibalismus in den höchsten Regierungskreisen.

        Dennoch gibt es auch heute noch Menschen in Uganda, die die Verdienste Amins loben. Kevin Macdonald stellte fest: „Wir fanden heraus, dass in Uganda viele Leute immer noch großen Respekt vor Amin haben. Menschen aus dem Westen verstehen nicht, dass er neben seinem massiven Gewalteinsatz auch als unglaublich starke Persönlichkeit gesehen wurde. Seine attraktivste und gleichzeitig gefährlichste Eigenschaft war die Unberechenbarkeit. Er startete mit großartigen Absichten, wurde aber von seinen eigenen Charakterfehlern zu Fall gebracht. Die Leute hielten ihn anfangs für freundlich und witzig. Sie dachten, er könne keiner Fliege was zuleide tun. Diese Widersprüche sind schon faszinierend.“

        Von Anfang an war klar, dass es eine unglaubliche schauspielerische Herausforderung bedeutete, die Paradoxe Amins zum Leben zu erwecken – und all das im Rahmen eines straff strukturierten Thrillers. Die Produzenten von DER LETZTE KÖNIG VON SCHOTTLAND hatten für diese Aufgabe immer nur einen Mann im Kopf: Forest Whitaker, der nicht nur als einer der talentiertesten Schauspieler der Gegenwart gilt, sondern auch eine geradezu unheimliche Ähnlichkeit mit Amin hat. Whitaker hat sich mit Rollen in so unterschiedlichen Filmen wie Clint Eastwoods Jazz-Epos BIRD (1988), Neil Jordans Oscar®-gekröntem THE CRYING GAME (1992) oder Jim Jarmuschs GHOST DOG („Ghost Dog: Der Weg des Samurai“, 1999) einen Ruf als anspruchsvoller und vielseitiger Darsteller gemacht.

        In DER LETZTE KÖNIG VON SCHOTTLAND kann Whitaker die gespaltene Persönlichkeit des Diktators – seinen Reiz und die Bedrohung, die von ihm ausgingen – so überzeugend verkörpern, dass sich manche am Set regelrecht gruselten. „Forests Darstellungskunst war phänomenal“, meint Charles Steel. „Er konnte sowohl die Größe als auch die Gefahr dieses Mannes einfangen. Seine Performance hatte eine unglaubliche Bandbreite und Authentizität.“

        Als Whitaker zu dem Projekt kam, hatte er die typischen Vorstellungen von Idi Amin als Clown und Massenmörder im Kopf, doch seine Perspektive sollte sich schnell erweitern. „Anfangs hatte ich nur ein sehr dunkles Bild von diesem Mann“, gibt er zu. „Für mich war er ein großer, zorniger Irrer. Aber nachdem ich den Roman gelesen und selbst noch etwas recherchiert hatte, sah ich ihn in einem anderen Licht. Ältere Aufnahmen zeigen ihn als einen Mann, der eben auch äußerst charmant war. Für mich als Schauspieler bestand die Herausforderung also darin, einen facettenreichen Charakter darzustellen, nicht nur ein stereotypes Abbild.“

        Durch seine Recherche über die persönliche Geschichte Amins kam Whitaker zu dem Schluss, dass dieser Mann ein Visionär sein wollte, aber an seinen eigenen Täuschungen scheiterte. Er bemerkt: „Er ist nicht nur aus der Armut emporgekommen, sondern von ganz, ganz unten nach wirklich ganz oben. Es hieß oft, er sei nicht besonders intelligent, aber er sprach zehn verschiedene Sprachen. Und ich glaube tatsächlich, dass er mehr Schulen und Krankenhäuser und bessere Straßen bauen wollte – aber er fand nicht den richtigen Weg, das anzupacken. Und als er dann um seine Macht fürchten musste, wurde er hochgradig paranoid und zu einer viel dunkleren Figur.“

        Diese Entwicklung führte schließlich zur Entstehung von Gerüchten über Kannibalismus und blutige Rituale, die aber nie schlüssig belegt werden konnten. Heute fragen sich Historiker sogar, ob Amin unter einer Krankheit gelitten haben könnte, die zu seinem unmenschlichen Verhalten führte. Aber Whitaker wollte sich nicht zu vielen Spekulationen hingeben, sondern entwickelte seinen Ansatz, indem er sich auf die menschlichen Aspekte von Amins gescheiterten Träumen und zügellosen Ängsten konzentrierte. Ohne Amin wieder einmal zum Stereotyp zu machen, versuchte sich Whitaker an einer eigenen Interpretation der Rolle.
        „Ich wollte ihn nicht direkt und in allen Details nachahmen“, erklärt er dazu, „aber natürlich habe ich mir Aufzeichnungen von Amin angesehen, um ihn als Mensch besser zu verstehen. Ich untersuchte, wie er sprach, und lernte Suaheli, seine Muttersprache. Mich hat am meisten interessiert, so etwas wie einen persönlichen Kern herauszuarbeiten, um den Eindruck zu erwecken: Was auch immer er sonst gewesen sein mag, er war ein Mensch aus Fleisch und Blut.“

        In Uganda wurde Whitaker ständig daran erinnert, wie gespalten die Bevölkerung immer noch ist durch ihre ganz unterschiedlichen Gefühle in Bezug auf den Diktator. „Ich traf einen General, der mit Amin zusammengearbeitet hatte“, erinnert er sich, „und der sagte mir: ‚Sicher, Amin hat meinen Vater getötet, aber auch wundervolle Dinge für dieses Land getan.‘ So sehen ihn viele Leute heute noch.“

        Whitaker wusste, dass die Verkörperung Amins ihn mit Grausamkeiten konfrontieren und ihn in beängstigende Untiefen bringen würde  und dass ihn das bis ins Innere erschüttern würde. „Ich war mir darüber im Klaren, dass diese Rolle einen großen Einfluss auf mich haben würde und meine Sicht auf Afrika und die Welt verändern würde“, sagt der Schauspieler.

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