| James McAvoy als der fiktionale Nicholas Garrigan
Genauso wichtig wie die Rolle Idi Amins war die seines Gegenparts, die Rolle des jungen, lebensfrohen Mediziners, der sich als Amins Leibarzt anheuern lässt und keine Ahnung hat, worauf er sich da einlässt. Die Filmemacher besetzten hierfür den aufstrebenden schottischen Jungstar James McAvoy, der dem britischen Fernsehpublikum durch seine Rolle in der Verfilmung von Zadie Smiths berühmtem Roman White Teeth und durch seine preisgekrönte Darstellung eines Autodiebs in der Komödie „Shameless“ (2004) von Channel Four bestens bekannt ist. Das deutsche Publikum konnte ihn in WIMBLEDON („Wimbledon  Spiel, Satz und ... Liebe“, 2004) und THE CHRONICLES OF NARNIA: THE LION, THE WITCH AND THE WARDROBE („Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia“, 2005) sehen, wo er die Schlüsselrolle des Fauns Mr. Tumnus spielte.
Die ursprüngliche Figur des Garrigan in der Vorlage wurde von Giles Foden auf der Grundlage mehrerer westlicher Personen zusammengesetzt, die Idi Amin nahe waren, so etwa eines ehemaligen britischen Soldaten, der als einer der engsten Vertrauten Amins galt. Der Charakter wurde aber auch dadurch inspiriert, dass Amin tatsächlich einen schottischen Leibarzt hatte.
McAvoy fand sofort Gefallen an der Rolle. „Das Drehbuch war fantastisch, es ist sehr kraftvoll und menschlich“, sagt er. „Nicholas reizte mich, weil er eine riesige Bandbreite von Emotionen und Umständen durchlebt, er ist ein sehr komplexer, differenzierter Charakter. Nicholas ist so was wie die Verkörperung aller, die sich in das Monster Idi Amin verliebt haben und irgendwann aufwachen und sehen mussten, dass sie in einen Albtraum verwickelt waren.“
Aber McAvoy wollte seiner Figur Nicholas nicht nur eine Beobachterrolle geben – dieser Charakter sollte vielmehr über jede Menge jugendlichen Elan und Witz verfügen, damit das Publikum ihn auf seiner Reise in die Dunkelheit bereitwillig begleiten würde. „Meine Herausforderung war, Nicholas als einzigartigen Menschen zu sehen und nicht nur als den Erzähler, der einem die Geschichte näher bringt“, sagt McAvoy. „Er sollte von Anfang an interessant wirken, denn es würde jede Menge Arbeit bedeuten, ihn später all die schwierigen und verachtenswerten Dinge tun zu lassen. Obwohl es ihn nicht wirklich gibt, musste er doch wahrhaftig rüberkommen.“
Je mehr er sich in seine Rolle hineinversetzte, desto verständlicher schien McAvoy die Freude, die Nicholas an Amins Begleitung empfand. „Garrigan will die Welt sehen, in Abenteuer verwickelt werden, und sein erster Job in einem ugandischen Krankenhaus scheint ihm anfangs so gar nicht aufregend und glamourös. Er hat Angst, sein Leben könne in die Langeweile abdriften“, bemerkt er. „Aber als er dann Idi Amin trifft, sind seine Abenteuerlust und Leidenschaft wiedererweckt. Diese riesige, ikonenhafte Figur sagt ihm, er sei tapfer, etwas Besonderes, habe hervorragende Ideen und dass er etwas im Land bewegen könne. Dem kann Nicholas kaum widerstehen. Diese Art von Macht ist betäubend.“
Am Ende, so McAvoy, werde Nicholas zu einem „hässlichen Schotten“, der durch seine Naivität viel mehr in Uganda anrichtet, als er je beabsichtigt habe. „Nicholas macht riesige Fehler, man kann an ihm sehen, wie ein Mann ohne Absicht unglaublich zerstörerisch sein kann“, fährt er fort. „Seine Selbstherrlichkeit und seine Eitelkeit lassen ihn den Karren voll gegen die Wand fahren. Das Faszinierende an dem Film ist, dass er zeigt, dass böse Menschen nicht immer Schlechtes und gute Menschen nicht immer Gutes tun – und dass der Untergang eines ganzen Landes ein sehr komplexer Vorgang ist, in dem sich gute und böse Absichten vermischen.“
Die Filmemacher waren begeistert von der Hingabe, mit der McAvoy spielte. „James war in fast jeder Szene im Film“, bemerkt Charles Steel. „Seine Performance war wunderbar, er machte es nachvollziehbar, wie leicht verführbar man in einer solchen Situation sein kann. Er zeigt, was passiert, wenn man irgendwann die rosarote Brille abnehmen und die Bedrohung erkennen muss.“
In den drastischsten Szenen mit McAvoy geht es um körperliche Folter – die dadurch noch schlimmer wird, dass sie durch einen alten Freund geschieht. Der Schotte musste hier an seine schauspielerischen Grenzen gehen. „Diese Folterszenen zogen sich über Tage hin und waren emotional extrem auszehrend“, sagt er. „Es war aber auch sehr interessant. Wenn Forest als Idi Amin sagt ‚ich werde dich töten‘, dann dachte ich mir ‚ja, ja, vielleicht solltest du das auch, egal ob du ein Monster bist oder nicht, denn ich bin echt verabscheuungswürdig‘. Das war alles sehr intensiv, und es war nicht so einfach, danach wieder normale Szenen zu drehen. – ‚Wie, ich muss ihm jetzt die Hand schütteln und Hallo sagen? Wo ist all der Schmerz geblieben, die Angst, dieses furchtbare Gefühl von Verrat und Hilflosigkeit? ‘“
McAvoy war während des Drehs vor allem von Whitakers Darstellung begeistert. „Er zeigt wirklich den ganzen Amin“, bemerkt er, „seine guten Seiten und seine Menschlichkeit genauso wie den anderen Teil seiner Persönlichkeit. Man konnte nie sicher sein, ob er gleich einen Lachanfall bekommen oder dich umbringen würde. Bei Amin musste man ständig achtsam sein, und Forest spielt das absolut brillant. Forest gilt ja als ruhiger, sanfter Mensch, aber es gibt nichts Furchteinflößenderes als einen guten Mann, der seine bösen Seiten zeigt.“