FILMDETAILS | Eragon - Das Vermächtnis der Drachenreiter
Eragon - Das Vermächtnis der Drachenreiter
Action,
Abenteuer,
Fantasy
| Großbritannien / USA / Ungarn 2006
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| Die Schlacht von Farthen Dür
ERAGON – DAS VERMÄCHTNIS DER DRACHENREITER verfügt über viele herausragende Szenen, aber keine ist so eindrucksvoll wie die Schlacht von Farthen Dûr, in der Galbatorix’ Eliteeinheiten und Urgals die Festung der Varden angreift. Die Schlacht ist das Ende von Eragons Reise und der Höhepunkt der Geschichte.
Zu Beginn der Schlacht helfen Eragon und Saphira, die angreifenden Truppen des Königs zurückzuhalten – was zu einem Luftkampf zwischen Eragon und Durza führt, mit Eragon auf Saphira und Durza auf einem enormen Monstrum, das er aus den toten Soldaten der Bodentruppen hervorgerufen hat. Der Bodenkampf, an dem Hunderte Statisten und Stuntleute beteiligt waren und der während der Postproduktion noch mit zusätzlichen Details aus dem Computer versehen wurde, bildet den Hintergrund für diesen Konflikt in der Luft – alles ist dramatisch erleuchtet vom kalten Licht des Mondes. Im Fortgang der Schlacht wird Farthen Dûr zum Schauplatz der riesigen Zerstörung.
In der Geschichte wurde die Varden-Festung im Krater eines erloschenen Vulkans errichtet. An den Felswänden sind die Reste eine weißen Marmor-Stadt zu sehen, Ruinen aus einer längst vergangenen Zeit, die in sich über eine Meile hoch an den Wänden des Vulkans entlang windet und streckt.
Unter der Aufsicht von Produktionsdesigner Wolf Kroeger errichteten die Filmemacher eines der größten in Aktion befindlichen Sets der Filmgeschichte, das nie und nimmer im Studio Platz gefunden hätte. Also unternahmen die Filmemacher zahlreiche Expeditionen, bis sie schließlich einen verlassenen Krater in Ungarn nahe der österreichischen Grenze fanden. „Die Location passte hervorragend,“ sagt Kroeger, „immerhin heißt es im Drehbuch, dass Farthen Dûr in einer vulkanischen Umgebung liege.“
Bevor die Bauarbeiten beginnen konnten, musste zunächst eine Straße zur Spitze des Kraters gelegt werden. Es dauerte 16 Wochen, bis aus der leeren Steinwüste eine bewohnte Gemeinde geworden war.
Peter MacDonald, eine der besten Second Unit-Regisseure und Actionspezialisten im Business – er arbeitete an zwei „Superman“-, zwei „Batman“- und vier „Harry Potter“-Filmen – arbeitete gemeinsam mit Stefen Fangmeier an der epischen Schlacht. „Wir wollten dieser Sequenz ein nervöses, kampfähnliches Feeling mitgeben,“ bemerkt MacDonald.
Um die Action einzufangen, arbeitete MacDonald 10 Stunden pro Nacht mit 450 Statisten und Stunt-Leuten – meist unter äußerst unwirtlichen Bedingungen (es war Winter) –, und das für mehrere Wochen. In der Sequenz kommen Urgals (die ungewöhnlich groß sind) ebenso vor wie Elfen; viele der Urgal-Statisten maßen 2 Meter oder mehr, während die meisten Elfen nicht größer als 1,50m waren.
Die Entscheidung, nachts zu drehen, stellte einige Herausforderungen an Kameramann Hugh Johnson. „Die Location war sehr weitläufig mit vielen Steinterrassen, auf die man kaum irgendeine Beleuchtung hochkriegen konnte,“ sagt Johnson, dessen Abteilung erhebliche Mühen auf sich nahm, um die vielen Flächen und versteckten Ecken des Vulkankraters dennoch angemessen auszuleuchten. Hierzu wurde ein russisches Bergsteiger-Team mit dem Transport der Ausrüstung beauftragt.
Für die Sequenz designte Kym Barrett wiederum unkonventionelle Kostüme, diesmal vom Typ „Rüstung“. „Ich überlegte mir, wie Rüstungen in dieser Welt wohl aussehen würden,“ sagt Barrett. „In dieser Szene reitet Eragon auf Saphira und kämpft gegen die Invasoren, da kann er schlecht zwölf Kilo Metall an sich herumschleppen. Ich wollte auch nicht, dass die Charaktere diese klobigen, schweren Rüstungen tragen mussten. Es sollte alles ein wenig geschmeidiger sein, also benutzte ich Lederrüstungen.“ Barrett holte bekannte Londoner Lederdesigner an Bord, um mit ihnen die Einzelstücke herzustellen.
Doch mit dem Ende der Arbeit der Second Unit in Ungarn war nur der erste Schritt für die Fertigstellung der Szene getan. Fangmeier, MacDonald und die Crew zogen von dort in die englischen Pinewood Studios, wo die Blue Screen-Aufnahmen für Ed Speleers „Ritt“ auf Saphira gemacht wurden, während dessen er Robert Carlyles Durza bekämpft, der sein eigenes Flugmonstrum lenkt. Die Filmemacher wollten alles in diese Flugszenen investieren, um die, wie MacDonald sagt, „größtmögliche Dynamik“ herauszuholen. „Es ist eine echte Achterbahnfahrt.“
Die Schauspieler wurden auf hydraulische, computergesteuerte Vorrichtungen mit Sätteln gesetzt. Alle Bewegungen des Drachens – fliegen, gleiten, Haken schlagen in der Luft – konnte Ed Speleers als Eragon fühlen. „Ed ist ein Naturtalent“, sagt MacDonald. „Er liebte das Fliegen und ihm lag viel daran, diese Szenen gut hinzubekommen.“ Bevor Speleers auf der beweglichen Vorrichtung Platz nahm, wurden als Referenz für seine Flugmanöver noch Aufnahmen im Ruhezustand gemacht.
„ERAGON – DAS VERMÄCHTNIS DER DRACHENREITER ist der erste Film, der die Erfahrung des Drachenreitens so intensiv rüberbringt,“ sagt Fangmeier. „Es hat wirklich Spaß gemacht, die Flugszenen zu choreographieren. Wir mussten uns natürlich an den Gesetzen der Physik orientieren, wollten aber trotzdem auch ein fantastisches Element einbringen. Das Reiten auf dem Drachen sollte wie das Fliegen eines Düsenjets wirken – mit vielen ‚Boah’-Effekten“.
Die meisten dieser Eindrücke wurden von dem in Neuseeland ansässigen Effektstudio WETA Digital umgesetzt, das neben zahlreichen anderen Produktionen auch die Trilogie LORD OF THE RINGS („Der Herr der Ringe“, 2001-2003), KING KONG („King Kong“, 2005) und I, ROBOT („I, Robot“, 2004) betreute. Für die gigantische Schlacht von Farthen Dûr erdachte WETA ein aggressiveres Auftreten von Saphira. „An diesem Punkt strahlt sie schon eine gewisse Reife aus, sie ist erwachsen geworden,“ sagt WETAs Visual Effects Supervisor George Murphy. „Sie muss kontrollierter, präsenter und beweglicher agieren, um diesen Kampf zu überstehen.“
„Wir haben das vor allem über ihren Körper ausgedrückt,“ fügt sein Kollege Guy Williams hinzu. „Ihre Flügel etwa werden während der Schlacht ganz anders ins Bild gerückt als in den übrigen Szenen.“ Williams und Murphy haben Saphira außerdem mit einer beeindruckenden Rüstung kampffertig gemacht.
Beim Erstellen der Lichteffekte für die Kampfsequenz kam es Williams und Murphy darauf an, dem Publikum weiterhin eine emotionale Bindung zu Saphira zu ermöglichen, die der zu den menschlichen Figuren in nichts nachstehen sollte. Sie entwickelten einen realistischen und dennoch äußerst beeindruckenden Look für die Einstellungen, in denen man Saphira majestätisch durch den Nachthimmel fliegen sieht oder ihr dabei zuschaut, wie sie im Tiefflug über die gegnerischen Truppen herfällt. „Wenn wir uns nur auf das vorhandene Licht verlassen hätten, dann würde es ein paar Spotlights von Saphira vor dem Mond geben und sonst nichts,“ bemerkt Murphy. „Also haben wir mit einer Farbpalette und verschiedenen Helligkeitsstufen gearbeitet, um Saphira sichtbar zu machen – und gleichzeitig zu unterstreichen, dass es sich um eine Nachtszene handelt.“
Murphy und Williams erschufen auch die furchteinflößende Kreatur, die Durza aus den toten Kämpfern der Bodentruppen entstehen lässt. Die Bestie kämpft in einem epischen Luftduell gegen Saphira. So wie im Drehbuch beschrieben, handelt es sich bei dem Monster um eine Killermaschine ohne Furcht oder Erbarmen. Es besteht aus einer dunklen, pulsierenden Wolke aus Rauch und Asche – das Gesicht des Todes.
„Das Aussehen von Durzas Bestie steht in starkem Gegensatz zu Saphiras naturalistischem Look,“ sagt Williams. „Das Vieh ist ganz nach seinem Zweck gestaltet – ein fliegender Rachen voller Zähne, ein riesiger Kopf, keine Beine. Wenn man eine riesengroße Tarantel mit einer Fledermaus kreuzen würde und ein Stierkopf mit Vampirzähnen darauf setzte, wäre das Monster fertig.“
„Das Design hatten wir schnell,“ fügt Murphy hinzu, „aber die technische Umsetzung war eine echte Herausforderung: Wir mussten quasi eine Choreographie entwerfen für den Rauch und die Bewegungen innerhalb dieses Rauchs.“
WETA fügte dem ungarischen Drehort am Rechner einige Verfeinerungen hinzu. „Wir mussten die Topographie der Location exakt reproduzieren, um unsere Effekte in die Realaufnahmen einfügen zu können,“ sagt Williams. „Dabei haben wir uns besonders auf eine bestimmte Seite des Vulkans konzentriert, die mehr fürs Auge bietet. Man ist näher an den Wänden und bekommt so ein besseres Gefühl für die Geschwindigkeit, mit der Saphira fliegt.“
WETA arbeitete auch einer anderen großen Actionsequenz, die Spektakel und Emotion verbindet und die Verbindung von Eragon und Saphira in einer berührenden Szene der persönlichen Hingabe näher beleuchtet. „Hier bekommt man Saphiras sanftere, zärtliche Seite zu sehen,“ sagt Williams. „Wir haben uns natürlich besonders um die Bewegungen ihres Gesichts gekümmert. Alles sollte sehr subtil ablaufen, der Moment für sich selbst sprechen.“
Für diesen magischen Moment, der die Charaktere und die Story entscheidend voranbringt, kreierte WETA eine Sequenz, in der Saphira den Schritt von der Jugend ins Erwachsenenalter vollbringt.
Die Effekte von WETA und ILM erschufen gemeinsam mit den exotischen, schroffen Sets in Ungarn und der Slowakei die Illusion von Alagaesia. ERAGON – DAS VERMÄCHTNIS DER DRACHENREITER war eine der größten Produktionen, die jemals in einem der beiden Länder gefilmt wurden.
Die Crew, die über 500 Personen umfasste, wurde in Budapest untergebracht. Die Location für Garrows Farm, wo Eragon mit seinem Onkel Garrow und Cousin Roran lebte, wurde auf Privatbesitz in einem Tal in der Nähe von Budakeski errichtet, fünfundvierzig Minuten mit dem Auto von Budapest entfernt.
Das Team errichtete Galbatorix’ Hauptquartier in einer Felshöhle, die nur durch ein Loch in der Höhlendecke zu erreichen war. Spezialkräne wurden benutzt, um die Ausrüstung – Kameras, Ausstattung, Aufnahmegeräte für den Ton – in die Höhle zu bugsieren. Innen wurden die Aktivitäten dann nicht nur durch die Enge der Location limitiert, sondern auch durch die Tatsache, dass diese Gegend ein Naturschutzgebiet ist. Für spätere Aufnahmen boten die slowakischen Berge einige spektakuläre Settings mit atemberaubenden Blicken auf Täler, Schluchten und Wasserfälle.
All diese Orte und Personen, die von den Drehorten, den Effektspezialisten, Technikern, Filmemachern und Schauspielern ins Leben gerufen wurden, entstammen der Fantasie von Christopher Paolini, dessen Roman auf ganz unverhoffte Weise mit dem Film verbunden ist. „Ich habe mir ERAGON – DAS VERMÄCHTNIS DER DRACHENREITER ursprünglich als Film vorgestellt,“ berichtet er. „Ich hatte die Personen und die Handlung klar vor Augen. Aber leider hatte ich kein Geld, um einen Film zu produzieren, also habe ich die Geschichte stattdessen in Buchform umgesetzt.“
Damals hätte Paolini sich nicht in seinen kühnsten Träumen vorgestellt, dass eines Tages ein großes Studio seine epische Erzählung adaptieren würde. Auf der anderen Seite zeigen uns Paolinis eigene Lebensgeschichte, seine Vorstellungskraft – und die Abenteuer seines Titelhelden – dass kein Traum zu groß sein kann.