Mittwoch | 30. Mai 2012 | 21:25 Uhr
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  • Garfield 2

    Familie, Komödie, Animation | USA 2006
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      • | Die Tiere sprechen

      • So wie Bailey, die Animatoren und das Team von Rhythm & Hues zusammengearbeitet haben, um einen neuen, verbesserten Garfield zu kreieren, war das in Vancouver ansässige Effekte-Unternehmen Rainmaker Animation and Visual Effects damit beschäftigt, den echten Tieren des Films das Sprechen „beizubringen“ – ein äußerst schwieriger sechsmonatiger Arbeitsprozess, in dessen Verlauf rund 200 Animatoren die Gesichter der Tiere via Computer berechneten und kartographierten.

        Bevor mit der Arbeit begonnen werden konnte, mussten die Stimmen der Tiere aufgenommen werden. Die Effekte-Überwacherin Betsy Paterson präzisiert: „Da menschliche Stimmen so viel mit Gestik und Mimik zu tun haben, haben wir die Schauspieler bei den Sprachaufnahmen auf Video aufgezeichnet, sodass wir ihre Manierismen und Gesichtsausdrücke später auch auf die Tiercharaktere entsprechend übertragen konnten.

        Das einzige echte Tier, das nicht spricht, ist Jons geliebter Hund Odie, Garfields wandelnder Alptraum. Zwei supernette Mischlinge, halb Dackel und halb Terrier, Tyler und seine Schwester Chloe, schlüpften erneut in die Rolle des Odie. Vier Wochen lang trainierte die Hundetrainerin Kristy Campbell die beiden Vierbeiner, um ihnen die neuen Tricks beizubringen.

        Obwohl beide Hunde gleich aussehen, sind sie vollkommen entgegengesetzte Persönlichkeiten und wurden entsprechend für ganz verschiedene Szenen eingesetzt. Tyler ist nett, einfühlsam und somit für die schwierigen Szenen zuständig. „Er ist sehr intelligent und gehorcht aufs Wort. Er ist leicht zu trainieren. Chloe wiederum ist vollkommen durchgeknallt. Sie ist etwas schwieriger, dafür aber praktisch furchtlos.“, sagt Campbell.

        Die Tiere wurden von der Firma Birds and Animals Unlimited zur Verfügung gestellt und vom Tierkoordinator Marc Forbes beaufsichtigt. Eine der größten Herausforderungen für Forbes war es, einen Stier zu finden, der Bolero spielen könnte. „Ich war mir nicht sicher, ob man einen Stier überhaupt abrichten kann. Vor allem dass er ohne Zaumzeug Tricks durchführt.“, sagte Forbes. „Ich dachte, man könne einen Stier nur bis zu einem gewissen Punkt zu etwas zwingen, über den hinaus er die Zusammenarbeit dann verweigern würde. Aber dann fanden wir Butch und dessen Trainer. Dieses Tier übertraf alle unsere Erwartungen. Es benahm sich wie ein echter Profi. Der Stier kam heraus, vollführte seinen Trick, schüttelte seinen Kopf, verbeugte sich und ging. Phänomenal, dieser Butch!“

        Zu gewissen Zeiten sah es am Set von GARFIELD: A TAIL OF TWO KITTIES aus wie auf Noahs Arche. Tiere, wohin man blickte. Um Schwierigkeiten zwischen Zwei- und Vierbeinern zu vermeiden, wurde parallel mit zwei Filmteams gearbeitet. Die erste Mannschaft unter Regisseur Tim Hill drehte mit den menschlichen Schauspielern, mit Garfield, Odie und anderen wichtigen Tieren. Die zweite Mannschaft unter second unit director und Chefkameramann Dean Cundey, ASC, der auch schon bei GARFIELD in gleicher Funktion dabei gewesen war, realisierte alle übrigen Tierszenen.

        Am schwierigsten waren die Szenen zu realisieren, in denen der computergenerierte Garfield mit den echten Tieren zusammenspielen musste. Das war zwar äußerst zeitaufwändig, aber, so Cundey, auch überaus witzig. Da gibt es beispielsweise die Szene, in der Garfield die Menagerie seines Schlosses zur Teamarbeit verdonnert. Ihre Aufgabe: Genügend Lasagne herzustellen, um damit ein Königreich zu sättigen - zumindest aber Garfields schier unstillbare Gier nach diesem Gericht. So trägt der Hund einen Sack Mehl, den ein Vogel mit dem Schnabel öffnet, während später ein Hase die Pasta aus der Maschine kurbelt. Kopf hinter der Sache: Chefkoch Garfield.

        „Wenn man mit so vielen Tieren gleichzeitig arbeitet, braucht man enorme Geduld.“, sagt Dean Cundey. „Tierische Darsteller sind überaus unberechenbar. Im Endeffekt aber, wenn man alles wie eine komplexe Musicalsequenz choreographiert hat, verschafft es einem eine ungeheure Befriedigung. Man muss nur genau wissen, welches Tier was zu tun hat und wie es reagiert.“

        Zunächst studierte der Tierüberwacher Marc Forbes die entsprechenden Szenen sorgfältig und besprach sie anschließend mit den einzelnen Tiertrainern. Welches Tier war für welche Aktionen am besten geeignet? „Zum Beispiel“, sagt Forbes, „fanden wir heraus, dass unsere Ziege sehr gut darin war, Tomaten in einem Fass zu zertreten. Also bekam sie den entsprechenden Part. Unser Stier wiederum transportierte den Knoblauch mit seinen Hörnern. Und da war da unsere Krähe, die die Schnur an dem Mehlsack in den Schnabel nahm und diesen so öffnete. Wir stimmten sogar unsere Utensilien auf die jeweiligen Tier ab. So verfügt beispielsweise die Pastamaschine über ein kleines Pedal, auf das der Hase seinen Fuß stellen kann. In Wirklichkeit wird der Apparat aber von einem Motor angetrieben. Doch so sieht es aus, als würde es tatsächlich der Hase sein, der die Nudeln herstellt.“

        Und Tim Hill fügt hinzu: „Diese Szene mussten wir in Etappen filmen. Zuerst drehten wir die Küche gänzlich ohne Tiere. Dann bevölkerten wir sie in drei Schichten mit den verschiedenen Tieren. Insgesamt besteht diese Szene aus 45 einzelnen Einstellungen und wir brauchten vier Tage, bis wir sie im Kasten hatten.“

        Cundey und sein Team wiederum drehten jene Szene, in der Garfield und seine Helfer ihre kulinarische Kreation verputzen.

        Die Dreharbeiten zu GARFIELD: A TAIL OF TWO KITTIES begannen in London. Die Produktion drehte an verschiedenen touristischen Sehenswürdigkeiten, die Garfield im Laufe der Geschichte aufsucht, darunter Buckingham Palace, Westminster Abby, Trafalgar Square, Big Ben und die Winston Churchill Statue.

        Dann übersiedelte der Tross nach York, England, um Außenaufnahmen beim Castle Howard, einem prunkvollen Herrensitz aus dem 18. Jahrhundert, zu machen. Das Schloss diente als Kulisse für Princes Zuhause, das „Carlyle Castle“. Umgeben von 10.000 Hektar Garten- und Parklandschaft von atemberaubender Schönheit ist Castle Howard eines der schönsten historischen Gebäude Englands, das seit seiner Erbauung der Howard-Familie als Heim dient .

        Die Produktion mit Sitz in Los Angeles kehrte schließlich nach Südkalifornien zurück, um im stattlichen Greystone Mansion in Beverly Hills die Castle Carlyle-Innenaufnahmen sowie einige -Garteneinstellungen für zu drehen. Produktionsdesigner Tony Burrough wählte Greystone, weil es, wie er betont, es eine Verschmelzung von vielen englischen Landsitzen sei. In Studios rund um Los Angeles wurden der Ballsaal sowie die Küche von Carlyle Castle aufgebaut, wobei letztere der aus dem Burghley House in Cambridgeshire nachempfunden wurde.

        Burrough versuchte, die Inneneinrichtung so englisch wie möglich zu gestalten: „Aber im Hinterkopf war mir immer klar, dass sich keinen Jane-Austen-Film, sondern GARFIELD ausstatte. Deshalb ist alles ein bisschen heller, ein bisschen verspielter und ein bisschen farbenfroher, als man dies in England gewohnt ist.“

        Garfields zweiter Kinoausflug präsentiert sich noch spektakulärer, spaßiger und abenteuerreicher als das Original. Aber, so führt Jim Davis an, es gibt in diesem Katzenabenteuer gewisse Veränderungen. So lernt Garfield etwa, Odie zu akzeptieren, und hat mit ihm auch einige heroische Momente zu bestehen. In GARFIELD 2 lebt unser Kater das feine englische Landleben und verfällt darüber in arge Selbstzufriedenheit, bis er ein paar ordentliche Nackenschläge einstecken muss und so etwas wie Bescheidenheit lernt. Und am Ende des Tages löst er nicht etwa alleine all seine Probleme, sondern erkennt den Wert von Teamarbeit. Gemeinsam ist man stark, so lautet seine neue Erkenntnis.

        Kann man einer alten Katze wirklich neue Tricks beibringen? Eines ist sicher: Wo auch immer Garfield sich aufhält, in der amerikanischen Vorstadt oder auf einem englischen Landsitz, er wird immer der Herr seines „Königreichs“ sein.

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