Story und Besetzung von „Der Goldene Kompass“: Im Film geht es um die frühreife zwölfjährige Lyra Belacqua, die durch ihre eigensinnige Neugier Geheimnissen auf die Spur kommt, die das Schicksal ihrer Welt bestimmen. Als Waisenkind wird Lyra in dem überwiegend männlich geprägten Jordan College in Oxford unter der Leitung des Rektors (Jack Shepherd) erzogen. Ihr bester und engster Freund ist der Küchenjunge Roger (Ben Walker). „In ,Der Goldene Kompass‘ geht es um den freien Willen, um unsere Wahlfreiheit, und Lyra ist dafür das beste Beispiel“, sagt Executive Producer Mark Ordesky. „Lyra macht ihre alltäglichen Erfahrungen, ohne zu ahnen, dass sich ihre Entscheidungen am Ende auf Wohl und Wehe ihrer Welt und aller übrigen Parallelwelten auswirken werden. Aber letztlich ist ihre Persönlichkeitsentwicklung noch nicht abgeschlossen – sie ist ein Wildfang, dickköpfig und frühreif.“
Um die richtige Darstellerin für die alles entscheidende Rolle der Lyra zu finden, schauten sich die Besetzungschefinnen Fiona Weir und Lucy Bevan in ganz Großbritannien um – insgesamt wurden über 10.000 junge Schauspielerinnen getestet. „Wir organisierten Vorsprechtermine in mehreren Städten“, erinnert sich Produzent Bill Carraro. „Buchstäblich Tausende von Mädchen strömten zusammen – echt selbstbewusste, tolle Persönlichkeiten. Aus diesen wurde eine Gruppe für die engere Wahl des Regisseurs ausgewählt. Und als wir auf unsere Lyra stießen, schien ihr die Rolle wie auf den Leib geschrieben.“
Eine junge Darstellerin hob sich eindeutig von den anderen ab – Dakota Blue Richards. „Dakota ist von einem Geist beseelt, der uns sofort aufhorchen ließ“, erinnert sich Weitz. „Ich schaute mir die Kassetten an, und da erschien dieses verloren wirkende Mädchen mit unordentlichen Haaren, das einen sehr starken und interessanten Eindruck hinterließ.“
„Sie ist eine außergewöhnliche junge Frau“, sagt Forte. „Sie ist erst zwölf und hat noch nie eine Profi-Rolle gespielt, aber wenn sie vor die Kamera tritt, zeigt sie die intelligenten, ungezähmten Qualitäten einer Katze – für Lyra einfach perfekt. Wir schickten die Kassetten an Philip, und auch er identifizierte Dakota als die einzig Richtige.“
Dazu Pullman: „Ich freue mich sehr, dass Dakota Blue Richards die Rolle der Lyra übernommen hat. Als ich Dakotas Probeaufnahmen sah, war mir sofort klar: Wir brauchen gar nicht weiterzusuchen. Sie bringt genau den Cocktail aus Eigenschaften mit, die Lyras kompliziertem Charakter entsprechen.“
Dakota Blue Richards kannte die Bücher und hatte auch eine Bühnenfassung von „Der Goldene Kompass“ gesehen – begeistert nahm sie nun die Chance wahr, ihre leidenschaftliche Seelenschwester persönlich darzustellen. Richards bewundert vor allem Lyras Mut und Entschlusskraft: „Weil Lyra ihre Eltern nie gekannt hat, meint sie, dass ihr niemand etwas zu befehlen hat – deshalb widersetzt sie sich grundsätzlich allen Vorschriften“, erklärt Richards. „Sie wagt Dinge, die sich andere nie trauen würden – sie klettert aufs Dach des Jordan College, in dem sie wohnt, und sie prügelt sich. Sie lässt gern durchblicken, dass sie sich für etwas Besseres hält, weil sie mutiger und intelligenter als die anderen ist, und wenn sie gerade mal nichts zu erzählen hat, dann erfindet sie eben etwas.“
Auf Schritt und Tritt wird Lyra von ihrem Dæmon Pantalaimon begleitet. Der Dæmon ist laut Philip Pullman eigentlich „die Person selbst. Man kann die beiden nicht trennen. Sie sind zwei Facetten derselben Person. Das geht so weit, dass, wenn ein Dæmon die Gestalt einer Katze hat und einer echten Katze begegnet, die echte Katze den Dæmon nicht als Katze, sondern als Menschen wahrnehmen würde.“
Immer wieder wird Lyra auf ihrer Reise von Pan unterstützt, getröstet und manchmal auch behutsam ermahnt. „Ein sehr verführerisches Konzept: Das ganze Leben lang führt man einen ständigen Dialog mit der eigenen Seele“, meint Weitz.
Doch all das ändert sich dramatisch, als Lyra Mrs. Coulter kennenlernt, die wunderschöne, bezaubernde Leiterin der Oblations-Behörde im Magisterium, die dienstlich im College zu tun hat. Die Wissenschaftlerin und Forscherin Mrs. Coulter verkörpert alles, was Lyra selbst einmal werden möchte. „Nur wenige könnten diese Rolle überzeugend spielen“, sagt Weitz. „Alle Kreativen im Team dachten jedenfalls sofort an Nicole Kidman als Mrs. Coulter.“
Executive Producer Maisel hat mit Kidman bereits „Birth“ (Birth) gedreht und berichtet, dass Pullman der Schauspielerin und ihrer Familie handsignierte Exemplare der Romane schickte. „Nicole hat Mrs. Coulters Natur sofort erkannt“, stellt Maisel fest. „Sie begriff die Macht, über die sie verfügt, das Charisma, aber auch ihre Verletzlichkeit.“
Dazu Executive Producer Miano: „Wir haben ausschließlich Nicole wegen dieser Rolle angesprochen. Philip hatte sie als Mrs. Coulter schon viele Jahre vor Augen, und Chris schickte das Drehbuch zuerst an Nicole. Wir Produzenten habe die Rolle nie diskutiert, weil sie unsere einzige Wahl war. Und wir hatten Glück – sie beurteilte das Projekt genauso enthusiastisch wie wir.“
Die Oscar-Preisträgerin begeistert sich für die komplexe Rolle der Marisa Coulter, die der kleinen Lyra die wahre Beziehung der beiden verschweigt. „Natürlich habe ich früher schon Figuren dargestellt, die schreckliche Dinge tun“, berichtet Kidman. „Aber es kommt kaum vor, dass ich die Figur verurteile, die ich spiele. Man muss sie aus dem Inneren entwickeln, die Beweggründe entdecken: Warum ist sie überzeugt, dass sie hier richtig handelt? So kann man hoffentlich auch ihre menschliche Seite herausarbeiten.“
„Zwischen Mrs. Coulter und Lyra entsteht eine ganz besondere Beziehung“, sagt Chris Weitz. „Mrs. Coulter wirkt sehr anziehend und glamourös, aber dahinter steckt noch mehr, was Lyra aber erst später herausfindet. Nicole bringt ungeheuer viel Erfahrung, Mitgefühl, Intelligenz und Einsicht in diese Rolle ein, und ihr Stil passt perfekt zu Dakotas sehr natürlichem, instinktivem Spiel. Ihre Beziehung ist zwar unglaublich kompliziert, entwickelt sich vor der Kamera aber ganz von selbst.“
Mrs. Coulter vertritt das Magisterium, eine übermächtige Behörde, die die Menschen in Lyras Welt immer massiver kontrollieren will. „Jede Gesellschaft spürt den Widerspruch zwischen der lebensspendenden Kraft aufrichtiger Ehrfurcht einerseits und der politischen Macht andererseits, die sich mit der Einführung menschlicher Strukturen zwangsläufig entwickelt“, stellt Philip Pullman fest. „Sobald die Menschen etwas organisieren, übernehmen bestimmte Leute die Macht und üben sie auf andere aus. Daher gibt es auch Leute, die von dieser Macht unterdrückt werden und die selbst an der Macht teilhaben wollen. Diese menschlichen Strukturen widersprechen dem natürlichen menschlichen Impuls, dem Leben in diesem Universum eigentlich mit Staunen und Freude begegnen zu wollen.“
Die Strukturen seiner Epoche, seiner Umgebung will Lyras einflussreicher, rätselhafter Onkel Lord Asriel aufbrechen. Gespielt wird er von Daniel Craig, dessen Leistung in „Casino Royale“ (James Bond 007 – Casino Royale) der James-Bond-Serie neue Impulse gab. Craig schätzt Pullmans Bücher seit Langem und freute sich über die Gelegenheit, den Lord Asriel spielen zu können. „Er ist ein Forscher und Wissenschaftler“, erklärt Craig. „Er hat eine Mission zu erfüllen. Sie stellt seiner Meinung nach nicht nur sein Lebensziel dar, sondern zeigt auch maßgebliche Auswirkungen auf seine gesamte Welt. Er hat die Verbindung der Welten entdeckt, er ist überzeugt, dass Millionen und Abermillionen von Welten nebeneinander existieren, die den Kundigen durchaus zugänglich sind. Und diesen Zugang will er unbedingt finden – gegen den ausdrücklichen Wunsch des Magisteriums.“
Wie im Fall von Mrs. Coulter bestimmt auch Lord Asriels Beziehung zu Lyra ganz elementar ihre Existenz und ihre Zukunft. „Wie jedes Kind wünscht sich Lyra Eltern. Und wie Lord Asriel sie behandelt, prägt Lyra, formt sie zu einem wunderbaren Menschen“, erklärt Craig. „Er behandelt sie sehr ruppig, aber er kann sich keine andere Methode vorstellen, weil sie unbedingt genauso so tough werden muss wie er. Sie hat keine andere Wahl: Sie muss ihre eigene Mission selbstständig erfüllen. Umso wichtiger sind ihre Freundschaften und Verbindungen. Deshalb halten die Menschen daran fest – ihre Tapferkeit und ihre Integrität sind letztlich das, was zählt.“
„Daniel ist stark, unerschrocken und skrupellos – aber skrupellos mit Gefühl“, kommentiert Executive Producer Maisel. „Er behandelt Lyra nicht gerade besonders zartfühlend, aber man spürt von Anfang an, dass mehr dahintersteckt – das halten wir ihm zugute. Weil Daniel und Nicole überzeugend spielen, begreifen wir, warum sie so handeln, wie sie handeln – wir werfen ihnen das nicht vor. Das allein ist schon eine unglaubliche Leistung.“
Lord Asriel erzählt Lyra als Erster von dem auffälligen Phänomen, das er im Norden erforschen will: Staub. „Sie hat keine Ahnung, worum es sich dabei handelt, weil niemand ihr davon erzählt hat“, erklärt Richards. „Gerade auf diese Einzelheit hat sie niemand hingewiesen. Also will sie natürlich alles darüber in Erfahrung bringen. Als sie es Mrs. Coulter gegenüber erwähnt, reagiert die so unerwartet, dass Lyra Angst bekommt. Was Lyra nicht begreifen kann, denn ihr Onkel hat ganz offen darüber gesprochen – aber offenbar will niemand sonst darüber reden.“
Als sich die Mächte gemeinsam auf den Norden zubewegen, wo Lyras Abenteuer beginnt, ergibt sich aus einem nur hinter vorgehaltener Hand erwähnten Begriff „Staub“ eine sehr konkrete Frage, die auf den Kern ihres waghalsigen Abenteuers zielt. „Ich stellte mir den Staub im Zusammenhang mit der rätselhaften, in der Astronomie als ,dunkle Materie‘ bezeichneten Substanz vor“, erklärt Pullman. „Die Wissenschaftler wissen nicht so recht, worum es sich dabei handelt, aber der Begriff regt unsere Fantasie an – dunkle Materie – und weil das so gut zum Zitat aus ,Das verlorene Paradies‘ passt, habe ich beides verbunden.“
Lyra wird von Mrs. Coulter heimlich nach London gebracht – plötzlich befindet sie sich auf der Flucht, weil sie ein sehr begehrtes Instrument dabei hat, das ihr der Rektor des Jordan College (Jack Shepherd) vor ihrer Abreise anvertraut hat: ein Alethiometer, eine Art Kompass, der seinem Träger immer die Wahrheit sagt. „Das ist ein Hilfsmittel“, erklärt Richards. „Es zeigt an, was man tun soll und welche Richtung man einschlägt, wenn man sich verlaufen hat. Aber wahrscheinlich hat es einen eigenständigen Verstand, denn es beantwortet zwar alle Fragen, aber nie in der umfassenden Weise, wie man es sich wünschen würde. Wahrscheinlich entscheidet es selbst, wie viel Information ausreicht, denn wir erfahren nicht mehr, als wir unbedingt wissen müssen.“
„Man hat ihr dieses Alethiometer geschenkt, diesen goldenen Kompass, der wahrsagen kann, als sie herausbekommt, wie man ihn benutzt“, fügt Executive Producer Ordesky hinzu. „Sie verwendet ihn, um ihre eigene Weisheit und Erfahrung zu testen, die sich natürlich erst entwickelt, weil sie ja noch ein Kind ist. Im Lauf der Geschichte befragt sie den Kompass immer wieder von ihrer ganz unschuldigen Warte aus, denn auf die Wahrheit ist sie nicht vorbereitet.“
Lyra hält Mrs. Coulter für ihre Mentorin und erschrickt zutiefst, als sie von ihrer Funktion in der Oblations-Behörde erfährt, denn die ist verantwortlich für die heimlichen Kindesentführungen in Lyras Welt – die Kinder werden in einem Labor in Bolvangar geheimen Experimenten unterzogen. „Die Schurken in diesem Stück sind überzeugt, dass diese Experimente zum Besten der Kinder sind“, kommentiert Weitz. „Ein fieseres Verbrechen kann man sich gar nicht vorstellen. Lyra kann es gar nicht fassen, dass die von ihr bewunderte Frau in die Entführung ihres besten Freundes verstrickt ist.“
Durch diese Erkenntnis ist sie wie vom Donner gerührt.
Lyra flieht und wird von einer Gruppe Gypter aufgenommen, bevor die Gobbler – die Schergen der Oblations-Behörde – ihrer habhaft werden können. „Dieser Stamm der Wasserzigeuner beobachtet Lyra schon längere Zeit, und als sie in eine bedrohliche Situation gerät, retten sie die Kleine und nehmen sie mit zum Polarkreis“, erklärt Jim Carter, der den Gypterkönig John Faa spielt.
Obwohl sie nicht ahnt, welche Rolle sie in der schicksalhaften Entwicklung ihrer Welt spielen wird, verbündet sich Lyra mit drei Menschen, die ihr bei der Erfüllung ihrer Aufgabe helfen und die Kinder vor dem schrecklichen Schicksal bewahren, das das Magisterium für sie vorsieht. Zu den dreien gehört Serafina Pekkala (Eva Green), die Klan-Königin der Hexen vom Enara-See, die Lyra ihre bedeutende Rolle im bevorstehenden Krieg erklärt. „Sie ist keine herkömmliche Hexe“, erklärt Green, die zuvor in „Casino Royale“ und „Kingdom of Heaven“ (Königreich der Himmel) zu sehen war. „Sie ist sehr mütterlich, nimmt Lyra unter ihre Fittiche. Sie steckt voller Geheimnisse, was ich an der Rolle besonders mag.“
Außerdem bittet sie den texanischen Ballonfahrer Lee Scoresby um Hilfe – gespielt wird er von Sam Elliott. „Mit seinen außerordentlichen Fähigkeiten gelingt es Sam, alle unsere Vorstellungen von einem Cowboy in sich zu vereinen“, stellt Philip Pullman fest. „In Ehren ergraut. Der weiße Schnauzbart. Die scharfen Augen, die 1000 Meter weit schauen. Alles zusammen. Er schafft es, tough und gleichzeitig weise aufzutreten, ebenso bedrohlich und gefährlich wie warmherzig zu wirken.“
Lyras dritter Gefährte ist der einsame Panzerbär namens Iorek Byrnison. „Als sie ihn kennenlernt, hat sie Angst vor ihm, weil er so riesig und stark ist, und er ist verletzt“, beschreibt ihn Richards. „Aber ihr ist klar, dass sie keine zweite Chance erhält, wenn sie einen Panzerbären als Freund haben will.“ Wie sich herausstellt, sind Lyra und Iorek verwandte Seelen – sie kann sich hundertprozentig auf ihn verlassen. „Iorek ist der Einzige, dessen Überlegenheit Lyra akzeptiert“, sagt Richards. „Nur ihm gesteht sie zu, dass er größer, stärker und tapferer ist als sie selbst. Zwar kann sie auch zu anderen Leuten aufsehen und ihre Bedeutung begreifen, aber er bildet die Ausnahme in ihrer Überzeugung, dass sie letztlich allen anderen überlegen ist.“
Zur Besetzung zählen schließlich auch Ian McShane, der in der englischen Fassung des Films dem Bärenkönig Ragnar Sturlusson seine Stimme leiht; Tom Courtenay als weiser Gypter Farder Coram; Simon McBurney als der zwiespältige Fra Pavel; Derek Jacobi als Gesandter des Magisteriums; und Clare Higgins als gyptische Matriarchin Ma Costa.
Am Polarkreis begegnet Lyra unerwartet Roger wieder. Außerdem bekommt sie langsam eine Ahnung von ihren eigenen Lebensumständen, von ihrer Welt und den Menschen in ihrer Umgebung. Als sich ihr Schicksal offenbart, muss Lyra ihre gesamten Kräfte mobilisieren und sich auf die Unterstützung ihrer Freunde verlassen, um diesem Schicksal die Stirn zu bieten.
„Aus dem relativ sicheren Oxford reist Lyra bis ans Ende der Welt, wo die Nordlichter erstrahlen und die parallelen Universen aneinanderstoßen“, sagt Chris Weitz. „Sie entwickelt sich von der Unschuld über die Erfahrung zur Weisheit und muss bei diesem Abenteuer körperlich und seelisch ungeheuer anstrengende Aufgaben bestehen. Es ist die sehr urwüchsige, mythische Geschichte eines Mädchens, das zunächst ein ganz persönliches Anliegen hat: Sie will ihren besten Freund Roger retten. Doch als sie ihr Ziel erreicht, verblasst Rogers Rettung angesichts ihrer eigentlichen Bestimmung, nicht nur ihre Welt, sondern alle Welten zu retten.“
„Eine sehr spannende Geschichte über das Wesen des Menschen, über die Schwierigkeiten der Menschlichkeit“, fügt Daniel Craig hinzu. „Es geht um das Erwachsenwerden: Die Kindheitserlebnisse sind der bedeutendste Abschnitt unseres Lebens.“