Die meisten Szenen des Films spielen in zwei großen und ganz verschiedenen Welten. Da ist der Bienenstock, eine funktionsfähige Stadt mit der großen Honex-Fabrik, mit Häusern und allen Annehmlichkeiten einer blühenden Metropole. Und da gibt es New York City mit dem Central Park, Vanessas Wohnung, Läden und Gehwegen. Für die Ausstattung war Produktionsdesigner Alex McDowell verantwortlich, der schon für so unterschiedliche Filme wie „Minority Report“, „Charlie und die Schokoladenfabrik“ und „Corpse Bride - Hochzeit mit einer Leiche“ tätig war.
Dazu erläutert Steinberg: „Wir haben ihn engagiert als wir überlegten, wie diese zwei unterschiedlichen Welten aussehen. Der Bienenstock sollte einzigartig und speziell sein. Als Kontrast dazu wollten wir die Welt der Menschen und den Central Park mit einer leicht überhöhten Darstellung.“
Wenngleich er vom Spielfilm kommt, fühlte sich Produktionsdesigner McDowell nicht fremd bei diesem Animationsfilm. „Die Unterschiede sind wirklich gering. Zu Beginn und bei der Vorproduktion sind die Arbeitsphasen fast identisch wie beim Spielfilm. Erst ab einem gewissen Punkt baut man statt realen Kulissen eben nur virtuelle Schauplätze. Natürlich ist der Zeitaufwand ganz anders. Aber was meinen Zugang zur Ästhetik anlangt, hat es für mich keinen Unterschied zur Ausstattung für einen realen Film gemacht.“
McDowell fährt fort: „Mein Zugang zum Animationsfilm kommt durch meine Arbeit an Filmen wie ‚Charlie und die Schokoladenfabrik’, bei denen die digitale Technik eine große Rolle spielt – ein Drittel von ‚Charlie’ ist letztlich ein Animationsfilm. Alles ist sehr stilisiert und fantasievoll. Mich hat nun einfach interessiert, wie viel Kontrolle man in der digitalen Welt haben kann.“
Als McDowell zu dem Projekt kam, waren die meisten Design-Elemente bereits entwickelt, doch die verschiedenen Teile waren noch nicht zusammengefügt. So gut das Material im Einzelnen auch war, fehlte es noch an der Vision für das Ganze, insbesondere in Hinsicht auf die Bienenwelt. McDowell konzentrierte sich auf die Architektur und strebte nach einer organischen, natürlichen Ästhetik, um eine ganzheitliche, visuelle Sprache zu entwickeln – eine Sprache, die in beiden Welten des Films funktioniert.
McDowell erinnert sich: „Schon bei unserem ersten Treffen äußerte Jerry diese große Idee, die seit Beginn des Projektes hatte: Die Welt der Bienen sollte eine ideale Gesellschaft darstellen, eine Utopie im Vergleich zur Welt der Menschen. Die Bienen sind ein perfekt funktionierender Organismus in einer perfekten Gesellschaft. Wie kann man das am besten darstellen? Die Lösung bestand für mich in der Idee der Honigproduktion. Wir haben uns also diese Fabrik ausgedacht, die zum Motor in dieser Bienenwelt wird. Alles in diesem Bienenstock dreht sich um diese Fabrik und um die Produktion des Honigs.“
McDowell und seine Mitarbeiter machten Honex zum Zentrum von Neuwabenstadt – es ist buchstäblich der Mittelpunkt der Stadt, um den alles andere gruppiert wird. Das Drehbuch verlangte sowohl ein Zentrum als auch ein Vorstadtgebiet im Bienenstock. Keine leichte Aufgabe, da die typischen weiten Horizonte einer suburbanen Gegend in einem Bienenstock schlecht möglich sind. Die Lösung bestand in einer vertikalen Konstruktion, bei der die Bewohner von ihren nach innen gerichteten Balkonen einen Blick auf die Stadt haben.
Beim Design von New York City orientierte man sich an den wunderschön stilisierten Illustrationen der frühen Wolkenkratzer, in deren Vergleich eine Biene noch umso winziger wirkt und die wie völlige Fremdkörper für eine Bienengesellschaft wirken.
McDowell brachte nicht nur seine visuelle Erfahrung mit ein, sondern auch Hilfsmittel aus der Welt des realen Films, die sich für die Animation als nützlich erwiesen. So wird dort sehr häufig das Pre-vis (die Kurzform für „pre-visualization”) bei der Vorproduktion verwendet, eine virtuelle Plattform, auf der alle Design-Elemente gruppiert werden können. Auch Kamerabewegungen und Figuren können bei diesem virtuellen Ablauf eingebaut werden, wodurch eine realistische Vorschau auf den späteren Film möglich ist.
Für McDowell, der erst acht Wochen vor Produktionsbeginn an Bord kam, erwies sich Pre-vis als wertvolles Werkzeug. Um die knappe Zeitvorgabe zu erfüllen, wurde das Design direkt in 3D entworfen.
„Ich bin mit diesem Verfahren von den Spielfilmen gut vertraut”, erklärt McDowell. „Hier wurde daraus ein sehr flüssiger Prozess. Wir entwarfen die Rohmodelle, setzten darin die Kameras ein und ließen die Resultate von Jerry, Simon und Steve freigeben. Diese Modelle, die schon recht ausgefeilt waren, wurden anschließend im Layout-Konzept umgesetzt. Für einige Arbeiten waren auch Modellbauer in unserer Design-Abteilung tätig.“
McDowell fährt weiter fort: „Wir haben bei der Vorproduktion weitgehend in einer virtuellen Umgebung gearbeitet - ganz anders als bei der traditionellen Animation, wo alles mit Zeichnungen vorbereitet wurde.“
Simon Smith fasst es so zusammen: „Alex hat eine überzeugende Lösung dafür gefunden, wie die Bienenwelt aussehen soll. Die Elemente in der Menschenwelt sind scharf, gerade, aus Glas oder Stahl. Die Bienenwelt ist rund, dicklich, süß und gestreift. Diese Skizze wurde zur Basis unserer Arbeit. Durch den klaren Kontrast waren beide Welten leicht zu unterscheiden.“
Das Honex-Gebäude wurde inspiriert durch das TWA Terminal am JFK-Airport von New York, bei dem runde Formen im Stil des 50er Jahre Modernismus dominieren. Die Honigherstellung spiegelt sich bei der Innenarchitektur von Honex wider, wo alles ausschließlich aus Wachs und Honig gebaut ist.
Am deutlichsten wird der Unterschied zwischen den beiden Welten – Neuwabenstadt mit seinen warmen Farbtönen und New York City mit seinen harten Kanten – als Barry zum ersten Mal den Bienenstock verlässt und mit der „Pollen Crew“ los fliegt. Dazu erläutert Steinberg: „Wir wollten einen möglichst großen Kontrast zeigen, wenn Barry zum ersten Mal den Bienenstock verlässt und die Menschenwelt erlebt. Die Blumen, das Gras und der Himmel im Central Park sind deshalb mit satten Farben versehen. Unser Konzept war, dass die leuchtenden und freundlichen Farben ein großartiges Gegengewicht zu dem raffinierten Humor und den Dialogen sein sollten.“
McDowell bemerkt: „Die meisten Leute vergessen, dass der Central Park eine aufregende Landschaft ist. Deshalb wird der erste Ausflug von Barry zu einer echten Achterbahnfahrt, zu einem Abenteuer voller Impressionen: Angefangen von der enormen Größe von Park und Stadt über die fliegenden Drachen und die Brunnen bis zu all den wunderbaren Blumen und Farben. Für Barry wird das alles zu einer ausgesprochen aufregenden Erfahrung.“
Hickner ist von diesen Sequenzen völlig begeistert. „Das ist einfach atemberaubend. Dieser Moment ist entscheidend für den ganzen Film. Unser Held hat sein ganzes Leben lang in einem geschlossenen Bau verbracht und noch nie den Horizont gesehen. Entsprechend groß ist seine Euphorie als er zum ersten Mal nach draußen kommt. Unsere Künstler haben diesen Moment auf ganz wunderbare Weise eingefangen - es ist eine Technicolor Explosion. Damit dieser Effekt noch stärker wirkt, haben wir nachträglich die Farben in Neuwabenstadt noch mehr in Pastelltönen gehalten.“
Mit seiner Live-Erfahrung brachte Seinfeld ganz neue Elemente in den Film ein. Für ihn ist nicht nur das Erzählen der Geschichte wichtig, sondern auch der Ort, wo sie erzählt wird. Deshalb wurden zahlreiche Schauplätze für beide Welten entwickelt. In Neuwabenstadt gibt es Straßen, eine Vorstadt, Barrys Wohnung, die Honex-Labore, die Honex-Lobby und J Gate, von wo die „Pollen Crew“ startet. In New York gibt es den Central Park, Vanessas Wohnung, ihr Blumengeschäft, die Dachterrasse, Straßen und Gehwege, Geschäfte und Boutiquen, die Fassade und die Innenräume des Gerichtsgebäudes, ein 747 Jet – insgesamt kommt man auf eine Zahl von 41 Schauplätzen (die kurzen Szenen mitgerechnet sind es sogar 50 Orte). Steinberg ist stolz darauf, dass man gut doppelt so viele Schauplätze bietet wie in den meisten Filmen: „Alle haben gesagt, das kann man nicht schaffen. Aber wir haben es geschafft. Es ist ein visuelles Vergnügen. Man bekommt das Gefühl als würde man sich bewegen – man geht wirklich mit Barry auf die Reise.“