Mittwoch | 30. Mai 2012 | 17:57 Uhr
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  • Match Point

    Thriller, Drama | Großbritannien / USA 2005
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      • | Über die Besetzung

      • In vielen seiner bisherigen Filme hat Woody Allen bereits mit britischen Schauspielern gearbeitet. Man denke – um nur einige zu nennen – an Michael Caine (Hannah und ihre Schwestern, 1986), Hugh Grant (Schmalspurganoven, 2000) und Kenneth Branagh (Celebrity, 1998) oder an Helena Bonham Carter (Geliebte Aphrodite, 1995), Charlotte Rampling (Stardust Memories, 1980), Claire Bloom (Geliebte Aphrodite, 1995) und Samantha Morton (Sweet and Lowdown, 1999).

        Auch in Allens letztem Film Melinda & Melinda (2004) traten die britischen Shooting-Stars Chiwetel Ejiofor und Jonny Lee Miller auf, und so war MATCH POINT nicht zuletzt auch eine Fortsetzung und Ausweitung dieser bereits begonnenen ‚Expedition'.

        Für MATCH POINT haben Allen und seine Casting-Chefin Juliet Taylor von Anfang an sehr eng kooperiert und zogen dann in London Gail Stevens hinzu, um die perfekte Besetzung für sämtliche Figuren des Films zu finden. „Gail Stevens kennt vermutlich jeden einzelnen britischen Schauspieler und stellte mir durchweg außergewöhnliche Persönlichkeiten vor, so dass es mir nicht schwer fiel, auch für den kleinsten Part den jeweils optimalen Darsteller zu finden."

        Jonathan Rhys Meyers spielt Chris Wilton, einen jungen, sehr talentierten Tennislehrer, der seinen Weg in die Welt der englischen Oberschicht macht. Rhys Meyers erinnert sich, dass er derart ängstlich war, den Regisseur zu treffen, dass sein Agent ihn zu dieser Begegnung zwingen musste: „Woody kam zu unserem Treffen und sagte ‚Hi Jonathan', ich mache diesen Film und möchte Ihnen hier einfach das Manuskript vorstellen. Wenn Sie etwas damit anfangen können, will ich nicht viel Vorgeplänkel machen, sondern lieber mit der Arbeit beginnen.' Nach dieser Begegnung bin ich fast zusammengeklappt. Ich musste schreien, um meinen inneren Druck abzulassen, denn ich war überzeugt, dass das alles nur ein Irrtum sein konnte."

        Für Allen war Rhys Meyers der Wunschkandidat für die Rolle, seit er ihn in Kick It Like Beckham (Bend It Like Beckham, 2002) gesehen hatte. Er erinnert sich: „Von der Minute an, als ich über diese Figur nachdachte, bekam ich Jonathan nicht mehr aus dem Kopf. Ich dachte natürlich auch über eine ganze Reihe anderer Schauspieler nach, aber ich fühlte, dass Jonathan einfach genau der Typ war, der mir vorschwebte, als ich das Drehbuch geschrieben habe. Er hat das richtige Äußere für den Part, er hat die Persönlichkeit dafür, und in der Arbeit bewies er, dass mein Vertrauen in ihn vollkommen gerechtfertigt war."

        Für die Rolle von Nola, einer jungen Amerikanerin, die sich in London als Schauspielerin durchschlägt, wählte Allen Scarlett Johansson aus. Sie zögerte keine Sekunde, die Rolle anzunehmen. „Das Buch war so verschieden von allem, was ich bisher in seinen Filmen gesehen habe. Sehr ernst, fast harsch. Es war einfach ein unwiderstehliches Angebot." Johansson sagt, ihre Figur sei fordernd und intrigant. „Nola ist eine eigenwillige und absolut neurotische Person. Sie ist lange Zeit zwanzig Jahre alt geblieben und hat viel gelebt in dieser Zeit. Sie ist bedürftig, verletzlich, empfindsam – eine Überlebende."

        Allen besetzte Scarlett Johansson aufgrund seiner Bewunderung für ihre Auftritte in Ghost World (Ghost World, 2000) und Lost in Translation (Lost In Translation, 2003). Sein Lob für den jungen Star ist überschwänglich: „Sie ist unwiderstehlich, besitzt eine faszinierende Persönlichkeit und ist eine großartige Schauspielerin. Es ist schwer zu glauben, dass sie tatsächlich so jung ist, wie sie ist, denn sie ist so weit fortgeschritten als Schauspielerin und als Persönlichkeit, so lebensklug und facettenreich." Johansson beeindruckte ihn auch aufgrund ihres konsequenten Arbeitsethos. „Am allerersten Tag, sie war morgens mit dem Flugzeug angekommen und die Nacht über geflogen, hatte sie mit einer der schwierigsten Szenen zu beginnen, einer angetrunkenen emotionalen Konversation mit Jonathan Rhys Meyers, und sie war auf Anhieb großartig", erinnert sich Allen.

        Allen und Juliet Taylor hatten Emily Mortimer bereits für einen früheren Film des Regisseurs vorsprechen lassen. So war Allen sehr froh, ihr jetzt den Part von Chloe anbieten zu können, eines reichen, privilegierten Mädchens, das sich in Chris, ihren gut aussehenden Tennislehrer verliebt. „Es hat mich gefreut, dass sie verfügbar war; sie füllte die Figur, die sie spielte, mit Leben."

        Emiliy Mortimer liebt Woody Allens Filme und zählt Hannah und ihre Schwestern (Hannah and Her Sisters, 1986), Verbrechen und andere Kleinigkeiten (Crimes & Misdemeanors,1989) sowie Ehemänner und Ehefrauen (Husbands And Wives, 1992 ) zu ihren ‚ewigen' Favoriten. Für die Schauspielerin beinhalten diese Filme eine Kombination aus Humor und dichter Dramatik, vorgeführt in einer unterspielten, zurückgenommenen Art: „Sie sind wie anti-romantische Komödien, ein Durchspielen all der Dinge, die schief gehen können in emotionalen Beziehungen zwischen Menschen," sagt sie. MATCH POINT hält sie insgesamt für noch schärfer und desillusionierter, in der Art eines Tschechow-Stücks: „Er ist einfach ein begnadeter Beobachter. Wie er die Existenzen der Menschen schildert, das ist ebenso komisch wie erschreckend. Er hat die Gabe, aus ganz individuellen Situationen das Archetypische herauszudestillieren und uns als die menschlichen Wesen zu zeigen, die wir immer waren, seit wir menschliche Wesen sind... zum Beispiel wenn wir uns in die falsche Person verlieben."

        Die Dreharbeiten für MATCH POINT erwiesen sich als eine Offenbarung für Emily Mortimer, die von ihren früheren Filmen gewöhnt war, am Set anzukommen und endlos lange auf ihren großen Moment zu warten. „Bei einem Woody Allen-Film bist du gleich direkt dabei, da gibt es keinen Zeitverzug, deshalb wirkt es zugleich beängstigend und erfrischend. Es war eine große Erfahrung, an diesem Film mitzuarbeiten."

        Matthew Goode erhielt die Rolle von Tom, Chloes Bruder, der gleichsam der Architekt von Chloes Verhältnis zu Chris wird. Allen kannte den Newcomer Matthew Goode zuvor nicht, doch er empfand den von Juliet Taylor und ihrer Londoner Kollegin Gail Stevens empfohlenen jungen Mann sofort als Glücksgriff: „Er hat eine spielerische Präzision, eine authentische Grazie, bei der es nichts angelerntes gibt," so Allen. „Viele Leute wussten zwar, dass er unheimlich komisch sein konnte, aber sie zweifelten, ob er fähig sein würde diesen nonchalanten Schnösel mit dem notwendigen Ernst darzubringen. Er braucht nur, vielleicht mehr als andere, einen gewissen Freiraum, um zu improvisieren und zu extemporieren, wovon er schließlich auch reichlich Gebrauch machte."

        In Allens Augen hat Goode einen beträchtlichen Beitrag zu seiner Figur geliefert. „Er hat mir vieles nachgeliefert, was eigentlich hätte im Drehbuch stehen sollen, was ich aber nicht genügend kannte, weil ich einfach mit dem Raum zwischen den Zeilen der britischen Gesellschaft nicht genügend vertraut genug bin." Für Goode bedeutete dieser Film einen großen Vertrauensschub: „Ich dachte mir, was hat es für einen Sinn, nervös zu sein? Das ist es, was ich machen will, und mit diesen Leuten will ich zusammen arbeiten. Es war ein Geschenk, um nicht zu sagen eine Epiphanie."

        Ebenso wie seine Mitstreiter betrachtet Goode den Film als ein tiefgründiges moralisches Märchen. „Es ist, als ob du über alles im Leben hinwegkommen kannst, wenn du ein bisschen Glück hast. Wenn du jedoch die falschen Entscheidungen triffst, wirst du niemals glücklich daraus hervorgehen. Geld und all das löst nicht notwendigerweise deine Probleme."

        Brian Cox wurde von der Besetzung mit der Rolle des Upper-Class-Familienoberhaupts Alec Hewett absolut überrascht: „Es war sehr komisch, die Figur eines feinen Herrn zu spielen. Seit Jahren versuche ich, Rollen wie diese in England zu bekommen, doch niemand wollte mich dafür." Am Set bewunderte Brian Cox Allens direkten, fortschrittlichen Regieansatz: „Er lässt dich einfach deine Arbeit machen, das ist seine Qualität als Regisseur. Er hat den Film geschrieben. Er weiß, was er will, und er will, dass du es tust – dabei lässt er sich nicht auf Smalltalk ein, Motivationsgeschichten oder so, das ist gar nicht nötig. Er erwartet einfach von dir, dass du deine Hausaufgaben machst, deinen Text kennst und vorbereitet bist. Es ist eine sehr angenehme und unaufgeregte Art zu arbeiten." Schon seit langer Zeit hat Allen die Arbeit von Brian Cox beobachtet und war begeistert, dass er für MATCH POINT verfügbar war.

        Für Penelope Wilton, die neben Brian Cox in der Rolle von dessen Ehefrau Eleanor zu sehen ist, stellt dieser Film einen besonderen Moment in ihrer langen und herausragenden Film- und Theaterkarriere dar. Sie erinnert sich: „Schon die Anfrage versetzte mich in eine euphorische Stimmung, denn Woody Allen-Filme haben mich durch mein gesamtes Erwachsenenleben hindurch begleitet. Bei der Entstehung eines seiner Filme direkt dabei zu sein war aufregend und eine wunderbare Erfahrung. Allens Humor und seine Erzählweise sind brillant. Er behandelt Dinge, die jedem von uns zustoßen können, und er fällt keine moralischen Urteile, sondern wie alle großen Künstler arrangiert er es so, dass jeder seine eigene Haltung zur Geschichte einnehmen kann."

        Wie viele andere Darsteller empfand Penelope Wilton Allens Regiestil als belebend: „Nachdem man sich grundsätzlich über die Rolle verständigt hat, geht er offenbar davon aus, dass man jetzt als Schauspieler am Zug ist. Er inszeniert sehr unaufdringlich, dezent und dennoch klar. Er wird einem sicher sagen, wenn er meint, dass eine Stelle anders dargestellt oder aufgefasst werden soll. Tatsächlich ist er sehr geradlinig, und er vertraut seinen Darstellern." Allen wusste Penelope Wiltons Beitrag zu ihrer Rolle zu schätzen: „Penelope brachte den Part der Mutter zum Schwingen. Ich hatte ihn ganz zurückhaltend geschrieben, aber sie ließ ihn wirklich lebendig werden. Wie auch Brian Cox habe ich sie im Lauf der Jahre schon in sehr vielen ihrer Rollen gesehen."

        Über das gesamte Ensemble von MATCH POINT sagt Allen: „Sie alle hauchten meinen Figuren Leben ein und übertrafen in ihrem Zusammenspiel meine kühnsten Erwartungen. Ich verdanke ihnen sehr viel."

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