Mittwoch | 30. Mai 2012 | 18:02 Uhr
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  • Black Snake Moan

    Drama | USA 2006
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      • | Gitarrenlicks

      • You know you home, old man. You just walked through the door. (Preacher R.L.)

        „Was ist es, das ich nicht habe? / Was ist es, das ich brauche? / Komme ich in die Hölle? / Wo ist meine Frau? / Ich muss diese Frau haben. / Wo ist mein Mann? / Ich muss diesen Mann haben.“ Wenn man beginnt, der Musik wirklich zuzuhören, hat man das Gefühl, etwas zu hören, das wirklich und wahrhaftig die Quintessenz bildet: ein Mann, eine Gitarre und eine Menge Schmerz.“

        „Das ist der Blues“, betont Brewer. „Ich rede hier nicht davon, auf einem Kreuzfahrt-schiff mit tanzenden blauhaarigen Damen „Mustang Sally“ zu singen. Ich rede vom Norden des Mississippi, vom echten, unverfälschten „blood and guts“-Blues. Das ist kei-ne hübsche Musik. Diese Musik entsteht aus einem aufwühlenden Drang, grundlegende Bedürfnisse zu erfüllen.“

        In diesem Film wird das durch Originalaufnahmen von Son House, des legendären Blues-Musikers und ehemaligen Künstlers von Paramount Records, aus den 30er Jahren deutlich gemacht: „Es gibt nur eine Art Blues… zwischen Mann und Frau.“

        Darum geht es auch in „BLACK SNAKE MOAN“.

        „Viele Leute fragen mich: Warum hast du den Film „BLACK SNAKE MOAN“ betitelt? Nun, das ist der Titel eines Songs von Blind Lemon Jefferson, und meiner Meinung nach ist das der mächtigste und packendste Blues-Song aller Zeiten. Viele seiner Stücke ver-mitteln diese Angst vor dem Unbekannten. Was ist da in meinem Zimmer? Was krabbelt da herum? Jemand soll mir helfen.“

        Scott Bomar, Produzent aus Memphis und für diesen Film auch als musikalischer Leiter verantwortlich, meint: „Jefferson schrieb ein Lied darüber, wie es ist, blind zu werden, und darin heißt es: „black snakes crawling over me“, „schwarze Schlangen kriechen über mich“. Es war die Dunkelheit, die sich über ihn legte, und die nannte er schwarze Schlange.“

        „Es erwies sich als die perfekte Metapher für eine Schlüsselszene des Films“, fügt Bre-wer hinzu. „Es gibt diesen Augenblick, in dem Lazarus und Rae ihren dunkelsten Ge-heimnissen gegenüberstehen. Eingesperrt in einem abgelegenen Haus auf dem Land, niemand ist in deiner Nähe, die richtige Menge Gewitter und Donner umgeben dich und das Mondlicht spiegelt sich in deiner Tasse – da berührt man einfach die eigenen Ur-ängste. Darum geht es in diesem Song, und nachdem sie ihn gehört und das erfahren ha-ben, ist keiner der beiden jemals wieder derselbe Mensch. Sie sind auf ewig miteinander verbunden.“

        Aus dem Geiste dieses Songs entstand der Filmtitel.

        „Der einzige Weg, wie „BLACK SNAKE MOAN“ gelingen konnte, bestand darin, die Schauspieler in die Welt eintauchen zu lassen, aus der diese Musik entstammt: Mem-phis“, sagt Brewer.

        „Ich war gerade in New York für Interviews zu einem anderen Film und wohnte zufällig im Waldorf, als die Rock’n’Roll „Hall of Fame“ abgehalten wurde“, erzählt Jackson. „Ich stand dort, hörte U2, und plötzlich sagte eine Stimme hinter mir: ‚Weißt du, du solltest einen Blues-Musiker in einem Film spielen, und ich würde dir das Gitarrespielen beibringen.’ Ich drehte mich um, und es war Felicia Collins, die in der David Letterman-Show Gitarre spielt. Ich sagte: ‚OK, klar, sollte das jemals der Fall sein, werde ich darauf zurückkommen.’ Einige Woche später habe ich Craig angerufen, und plötzlich hatte ich den Job. Sie schickten die Gitarre nach New York. Ich rief Felicia an und wir begannen mit dem Unterricht. Ich hatte mit den Dreharbeiten zu „Snakes on a Plane“ begonnen, und als ich nach Vancouver kam, sah mich der Filmausstatter mit dem Gitarrenkoffer – und es stellte sich heraus, der er, Luther, ein Gitarrenmeister ist. Also war er jeden Tag während der Mittagspause in meinem Wohnwagen und spielte mich in Grund und Bo-den.“

        Es sollten noch weitere Reisen für Jackson folgen.

        „Wir brachten Sam Jackson in die Gegend des Mississippi, nach Clarksdale und in die Umgebung von Oxford“, berichtet Brewer. „Er traf sich mit Leuten wie Big Jack Johnson, Kenny Brown, Cedric Burnside und Sam Carr – alles echte Legenden des nördlichen Mississippi, mit ihrem ganz eigenem Sound.“

        Auf einer der ersten Reisen durch das Blues-Delta mit Jackson und Brewer „besuchten wir all dieses Studios und Musiker in Mississippi“, erzählt Bomar, der zuvor bereits an „Hustle & Flow“ mit Brewer zusammen gearbeitet hat. „Bei jedem Stopp setzten sich die Musiker mit Sam hin und zeigten ihm Licks auf der Gitarre, brachten ihm Songs bei. Es war diese Reise, die den Ausschlag gab. Sam konnte uns genau sagen, welche Songs er mochte. Dann begannen wir mit der Feinabstimmung und suchten nach den Songs, die Lazarus spielen sollte.“

        Laut Jackson selbst sei es seinen zwei vorherigen und „extrem guten Lehrmeistern“ zu verdanken, dass er auf die Delta-Tour gut vorbereitet gewesen sei: „Wir haben verschie-dene Orte besucht, und ich bekam sogar die Gelegenheit, mit Big Jack Johnson zusammen zu sitzen und zu spielen. Scheinbar sollte ich nur Gitarre spielen. Total bizarr.“

        Das erwies sich für den Regisseur als magischer Moment. „Das Großartige, was ich über Samuel L. Jackson gelernt habe, ist, dass er stark genug ist, um es sich zu gestatten, von großen Meistern unterrichtet zu werden“, erzählt Brewer. „Sam kommt zu Big Jack Johnsons Haus, und Big Jack gibt ihm einfach eine Gitarre. Keine halbe Stunde später ist Sam dabei, diesen Song – den er noch nie zuvor gespielt hatte – zu spielen. Und er macht es gut – so gut, dass Big Jackson meinte: ‚Mann, verschwinde aus meinem Haus.’ Das ist Großartig. So hat die Reise begonnen. Sam hat die Gitarre in die Hand genommen und einfach nicht mehr losgelassen.“

        Laut Aussage der Produzenten und des Regisseurs gebühren Bomar die Lorbeeren dafür, in „BLACK SNAKE MOAN“ all diese relevanten Blues-Elemente vereint zu haben. Allain, Singleton und Brewer berichten, es sei Bomar gewesen, der die Musik zu „Hustle & Flow“ zusammengetragen habe – ein Film, der mit dem Oscar in der Kategorie Bester Song ausgezeichnet wurde. „Craig bestand wirklich darauf, Scott die Musik übernehmen zu lassen“, fügt Allain hinzu. „Und er hatte so recht damit, denn Scott ist zu verdanken, dass all diese Musiklegenden mit an Bord sind, wie Skip Pitts und Willy Hall, die sich selbst die Bo-Keys nennen. Er hat diese Meister des Blues dazu gebracht, den Sound-track zu liefern und auch im Film aufzutreten.“

        Mit dem Blues ist Bomar voll in seinem Element. „Als ich noch auf der High School war, fuhr ich manchmal nach Holy Springs und ging in Junior Kimbroughs Musikkneipe. Jeden Sonntagabend wurde in diesem Schuppen neben der Autobahn, der mitten im Nir-gendwo lag, fast 45 Minuten südlich von Memphis, die Musik voll aufgedreht“, erinnert er sich. „Das war eine der wichtigsten Erfahrungen in meinem Leben und hat mich stark beeinflusst. Es war unbeschreiblich. Junior Kimbrough spielte mit seinen Söhnen, R.L. Burnside trat mit seinen Söhnen auf. Eine der wichtigsten Inspirationen für die Figur des Lazarus und seine Filmmusik war R.L. Burnside, der sein Leben lang Musik machte und dabei meist in diesen kleinen Schuppen auf dem Land auftrat. Er spielte für Whiskey oder für eine Handvoll Dollar. Während der Vorproduktion verstarb er“, berichtet Bomar, „doch er war für Craig das große Vorbild für Laz und dessen Musik. Im Film spielt Laz einen Song mit dem Titel „Alice Mae“, der von R.L. Burnside stammt. Alice Mae war seine Ehefrau.“ Obwohl R.L. von uns gegangen ist, wirken zwei seiner langjährigen Bandmitglieder auch am Film mit. „Wir haben R.L.s Enkelsohn, Cedric Burnside, am Schlagzeug, und auch Kenny Brown, R.L.s Gitarristen“, erklärt Bomar. „Im Laufe der Zeit wurden Kenny und Cedric zu R.Ls. Backup-Band, tourten durch das Land, traten bei Letterman auf und spielten viele großartige Platten ein. Die beiden sind es, die in der Kneipenszene als Band mit Samuel L. Jackson spielen.“

        Das ist die Szene, in der Lazarus seinen „mojo“ zurückerobert, die Szene, in der Preacher R.L. Lazarus wieder in der Welt der Musik willkommen heißt.

        „Rae wird von ihrer Mutter erneut abgewiesen und ist sehr deprimiert“, sagt Brewer. „Laz kennt ein Rezept, durch das sie sich wieder besser fühlen wird, und nimmt sie mit in die Kneipe. Er geht auf die Bühne und spielt. Schließlich tanzt sie und fühlt sich warm, akzeptiert und sicher – und das empfindet Rae wirklich nicht oft.“

        Diese Szene entspricht genau dem, was sich typischerweise jeden Freitag und Samstag in der Umgebung von Memphis abspielt. „Man geht in die Kneipe, stöpselt die E-Gitarre in den Verstärker, dreht voll auf und gibt sich die volle Dröhnung“, sagt Brewer. „Als wir diese Szene gedreht haben, hatten wir viele Statisten, und sie kannten sich aus. Sie wussten genau, wie man dazu tanzt. Sie wussten, dass diese Musik sie berühren sollte, wie sie sich bewegen mussten. Es waren junge, alte, dicke und dünne Menschen – doch alle hatten diese Schönheit an sich. Sie haben einfach getanzt.“

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