„Here alone with a beaten, half naked white woman…
I been toe to toe with the law in this town,
for no more than being black and nearby.“ (Lazarus)
„Memphis ist genau wie eine Figur aus einem Craig-Brewer-Film. Auf den ersten Blick hat es etwas raue Kanten“, sagt Allain, „und wirkt etwas gefährlich, etwas bedrohlich. Doch wenn man erst einmal hier ist und den Rhythmus erfasst hat, dann begreift man, dass diese Stadt aus der Musik entstanden ist, aus dem Zusammentreffen von schwarzer und weißer Musik, und dass diese unglaublich kreative Energie alles durchströmt. Es ist das Mesopotamien der Musik: Hier kreuzen sich Blues, Rap und R&B, all die Legenden von Stax, Elvis, BB King und Isaac Hayes. Memphis ist eine sehr reale Stadt, in der Schwarze und Weiße Seite an Seite sitzen, die gleiche Musik hören und die gleichen Speisen genießen.“
Doch Memphis ist auch eine Stadt im tiefen Süden.
„In diesem Land gibt es in der Geschichte eine lange Reihe von schlimmen Dingen, die schwarzen Männern zugestoßen sind – wegen weißer Frauen. Das ist eine Gefahr. Eine Gefahr ersten Ranges“, sagt Cothran. „Viele, viele schwarze Männer wurden getötet, nur weil sie in den Dunstkreis einer solchen Sache gerieten – ganz zu schweigen davon, dass sie wirklich eine solche Beziehung hatten. In der Nähe einer halbnackten, verprügelten weißen Frau reichen die Gefühle eines schwarzen Mannes tief in die Wurzeln der ameri-kanischen Geschichte zurück. Er weiß, dass er auf vermintem Gelände, auf einem sehr schmalen Grat wandelt, und dass er vorsichtig sein muss. Craig schreibt über genau diese Dinge, über die wir sprechen müssen – das sind Themen, auf die er ein ganz neues Licht werfen will. Denn in diesem Land schlummern viele dunkle Abgründe in ins allen. Wenn ein Film dazu beitragen kann, etwas Licht in dieses Dunkel zu bringen, dann werden wir alle davon profitieren.“
Aufgrund der Thematik beschloss Kamerafrau Amelia Vincent, die bereits für „Hustle & Flow“ hinter der Kamera stand, gemeinsam mit Brewer, den Film in „einer klassischen Form zu drehen, in der alles beabsichtigt und die Einstellungen sehr präzise sind. Man möchte dem Publikum nahe bringen, das alles – jede Entscheidung, die Regisseur Craig Brewer getroffen hat – auf ernsthaften Erwägungen basiert“, erklärt sie. „Keine Einstel-lung wurde beliebig gewählt. Man sieht eine junge Frau in weißen Unterhosen, die ange-kettet ist und vor einem Haus herumläuft. Wenn man so eine Szene nicht technisch akku-rat und präzise in einer klassischen Herangehensweise dreht, dann könnte den Zuschauern die Ernsthaftigkeit des Stoffes entgehen. Die Farbpalette entspricht der ländlichen Umgebung in Tennessee, also haben wir viele blasse Brauntöne und viel grünes Acker-land.“
„Das wir beschlossen haben, im Wide Screen-Format zu drehen“, so Vincent weiter, „be-ruht vor allem auf dem, was in der jeweiligen Einstellung zu sehen ist, ob es nun die Gi-tarre ist, oder ein liegendes Mädchen auf der Couch, oder eine Kette, die zwischen zwei Menschen gespannt ist. Wegen des Wide Screen-Formats haben wir uns viele Western angeschaut. „Misfits – Nicht bgesellschaftsfähig“ und „Der schwarze Falke“ waren wichtige Quellen bei unseren Recherchen. Bei den Einstellungen ist es schön, sich an den typischen Western-Formaten zu orientieren. Statt über jemandes Pistolengurt zu drehen, haben wir hier einfach die Kamera über die Gitarre hinweg auf Rae auf der Couch gehal-ten.“
Singleton ist der erste afroamerikanische Regisseur, der es in die erste Liga der Holly-wood-Filmemacher geschafft hat – durch seinen explosiven Film „Boyz’n The Hood – Jungs im Viertel“. Er ist voll des Lobes für Brewer und meint, dieser habe „mit den Schauspielern, der Kamera und der Art, in der er die Geschichte erzählt, wirklich etwas Mutiges gewagt“.
Singleton wusste, dass das Thema von „BLACK SNAKE MOAN“ sowohl provokativ als auch evokativ sein würde. „Diese Story führt uns in Bereiche hinein, in denen sich die Menschen wirklich unwohl fühlen, und das in vielerlei Hinsicht“, so der Produzent. Er selbst hatte jedoch das Gefühl, die Geschichte sei bei diesem Regisseur in den richtigen Händen. „Craig war mein erster Schützling, und für mich als Regisseur ist es sehr befrie-digend, Craig nun selbst als Regisseur wachsen und sich in diesem Film entfalten zu sehen. Dieser Film begann eigentlich bei unserer Zusammenarbeit zu „Hustle & Flow“, denn schon damals sagte Craig, er habe gerade ein neues Drehbuch verfasst.“ Singleton las dieses Drehbuch und setzte alles daran, grünes Licht dafür zu bekommen – noch bevor „Hustle & Flow“ in die Kinos kam.
Allain hatte Brewer sogar darin bestärkt, weiterhin an „BLACK SNAKE MOAN“ zu ar-beiten – sogar als es schien, dass „Hustle & Flow“ nicht verwirklicht werden würde. Sie war überzeugt, dass sich „BLACK SNAKE MOAN“ durchsetzen würde, und schreibt es Singletons Beharrlichkeit zu, dass das Projekt realisiert werden konnte. „Tatsache ist, dass John genau wie ich von Craig begeistert war und dazu beitragen wollte, dieser neuen Stimme Gehör zu verschaffen. Er setzte sein gesamtes Geld ein und gab uns als Finanzie-rungsquelle so die kreative Freiheit, um Craigs Traum Wirklichkeit werden zu lassen“, erklärt Allain. „John ist ein großes Talent, und seine Begeisterung und Engagement für das Filmemachen sind absolut ansteckend.“
Auf die Story zu „BLACK SNAKE MOAN“ stieß Brewer eines Abends, im Verlauf des-sen er den gesamten Film skizzierte – einen Titel hatte er da jedoch noch nicht. Als „Hustle & Flow“ 2005 auf dem Sundance Film Festival den begehrten Publikumspreis gewann, ergriff Brewer die Gelegenheit beim Schopf, um seinen Film auf die Leinwand zu bringen. „Wir wussten ganz genau, dass wenn es jemals einen günstigen Moment gegeben hatte, um diesen ziemlich anspruchsvollen Film zu realisieren – dann war das der richtige Augenblick“, erinnert sich Brewer. „Wir haben Vollgas gegeben, bekamen die richtige Besetzung zusammen und begannen mit der Produktion.“