Mittwoch | 30. Mai 2012 | 18:02 Uhr
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  • Black Snake Moan

    Drama | USA 2006
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      • | Den Nagel auf den Kopf getroffen

      • Instinkt. Für Singleton war die Besetzung von „Laz“ einfach eine Sache des Instinkts.

        „Ich glaube, kein anderer als Sam hätte Lazarus spielen können. Mein erster Instinkt, als ich das Drehbuch las, sagte mir, dass das ein großartiger Film wird. Sam Jackson. Es ist Sam“, meint Singleton. „Als er mit an Bord kam, fragte ich Sam unter anderem: Kannst du singen und Gitarrespielen? Er sagte: Ich kann schauspielern. Jeder kann den Blues singen, wenn er auch nur einen Funken Seele besitzt.“

        Damit begann Jacksons Verwandlung in den getriebenen Delta Blues-Mann.

        Als Christina Ricci für die Rolle der Rae vorsprach, „hat sie mich umgehauen“, erinnert sich Allain. „Ich bin in Tränen ausgebrochen. Es gab wirklich keinerlei Zweifel, nachdem sie hereingekommen war, sich hinsetzte und uns ihre Version von Rae zeigte. Wir wollten sie unbedingt.“

        Brewer beschreibt es so: „Wenn da ein Zug vorbeigefahren wäre, in dem Katherine Hep-burn, Bette Davis, Faye Dunaway und Julie Christie säßen, hätten sie gesagt: Spring auf, Mädchen, du bist eine von uns! Christina ist der Wahnsinn. Da geschieht etwas, wenn sie in eine Rolle eintaucht, das ist pure Magie. Wirklich. Niemand sonst hätte Rae spielen können, nur Christina.“

        Für Ricci war es das kraftvolle Drehbuch, das ihr die Rolle so leicht zugänglich machte. „Ich habe es geliebt. Ich habe es auf Anhieb in mich aufgenommen“, meint die Schau-spielerin. „Ich fand es so aufrichtig, und es verurteilte die Dinge, die wir als Gesellschaft ständig ablehnen, überhaupt nicht.“

        Brewer erinnert sich an Christina Riccis ersten Probentag: „Wir haben etliche Ketten ge-habt, sie suchte eine aus und meinte: ‚Das ist die Kette, mit der ich gefesselt werde.’ Wir meinten dann, wir würden eine Version aus Plastik herstellen lassen. Aber sie sagte: ‚Nein, ich werde keine Kette aus Plastik tragen.’ Ich weiß noch genau, wie sie in diesem Raum auf und ab ging, mit der Kette und dem Schloss, und ich sagte: ‚Christina, du wirst dich noch umbringen!’ Nach dem Dreh einer Szene waren ihre Hände voller Blasen, und ihre Füße bluteten, weil sie auf den Steinen und dem Asphalt herumgerannt war – aber genau so wollte sie es haben. Sie ist eine große Künstlerin.“

        Ricci erinnert sich daran, wie Brewer „die technischen Markierungen für meine Zusam-menbrüche und Wutanfälle genau wissen wolle, also haben wir sie festgelegt, aber ich denke nicht gerne zu genau über diese Dinge nach. Als Schauspielerin arbeite ich ziemlich stark mit meinem Unterbewusstsein. Im Hinterkopf bereite ich mich immer auf diese Dinge vor. Und in dem Augenblick, wenn ich es tun muss, bricht es einfach aus mir her-aus. „
        Genau das passierte auch in der Szene, in der sie Lazarus’ Gitarre nimmt und „This Little Light of Mine“ zu singen beginnt.

        „Ich wusste nicht, dass Sam diesen Song spielen konnte. Also begann er zu spielen, und Christina stimmte mit diesem sanften Akzent der Südstaaten mit ein… es ist wunder-schön. Sie machte diese kleine Choreographie mit ihren Händen, deutete zum Himmel, das war wirklich süß“, meint Brewer. „Das wirkte so, als wäre Rae in die Sonntagsschule gegangen, als sie sechs Jahre alt war, und das hätte sich ihr eingeprägt. Das Leben hatte sie zwar durch den Fleischwolf gedreht, doch diese Erinnerung hatte irgendwie überlebt und kam nun wieder hoch. Als ich sie singen sah, hat es mir das Herz zerrissen.“

        Genau wie mit Jackson für die Hauptrolle hatte Singleton auch für die zweite männliche Hauptrolle schon einen Schauspieler im Sinn.

        Er traf Justin Timberlake in Memphis während der Dreharbeiten zu „Hustle & Flow“. Timberlake war anlässlich des 50. Geburtstages des Rock’n’Roll vor Ort in den Sun Stu-dios. „Ich habe ihn aufgesucht“, berichtet Singleton, „und sagte: ‚Hey, ich möchte dir diesen Typen vorstellen, wir drehen hier gerade einen Film. Sein Name ist Craig Brewer, und er stammt aus Memphis, genau wie du.’“

        Timberlake erinnert sich daran, wie Singleton ihm die Grundzüge des Films darlegte: „Dann habe ich das Drehbuch gelesen und war natürlich begeistert davon, welche Risiken es eingeht – denn es traut sich wirklich was“, meint Timberlake. „Ich habe diese Figuren gelesen und dachte mir, wo zum Teufel kommen diese Leute nur her? Außerdem stamme ich auch aus Memphis, genau wie Craig. Wenn der Film voranschreitet und man zum zweiten und dritten Akt vorstößt, dann sagt man zu sich selbst: Oh Mann, das kenne ich. Und ich kenne jemanden, der das auch kennt. Ich wollte Ronnie die Chance geben, in-mitten all dieser Schwäche auch Stärke zeigen zu können; er sollte auch kämpfen können, und nicht nur einknicken.“

        Timberlake und Singleton legten schon bei diesem ersten Treffen den Grundstein für ihre Zusammenarbeit. Allain musste auch nicht überredet werden: „Ich bin ein Justin Tim-berlake-Fan“, berichtet sie. „Ich habe seine Platten. Ich kann alle Texte auswendig. Ich tanze zu seiner Musik. Ich kopiere seine Tanzschritte. Ich liebe Justin. Wir brachten sei-nen Namen ins Spiel, weil er aus Memphis stammt. Ich weiß, dass er gerade zu schau-spielern begonnen hat. Dann kam er eines Tages vorbei, wir machten Nahaufnahmen und schon beim vierten Take flossen Tränen über seine Wangen. Ich dachte nur: Dieser Typ ist unglaublich!“

        Singleton ist sich der Reaktion sehr bewusst, die der neueste Trend ausgelöst hat: Pop-stars, die zu Schauspielern werden. „Das Tolle an Justin ist, dass er nicht nur irgendein Typ ist, der aus dem Musikgeschäft kommt und nun versucht zu schauspielern. Meiner Meinung nach nimmt er die Schauspielerei als Handwerk sehr ernst, und ich liebe seine Darstellung in diesem Film“, berichtet Singleton. „Justin erfasst wirklich alle Nuancen. Er nimmt sich Zeit und macht alles Schritt für Schritt.“

        Brewer sah in Justin viel Sensibilität und „ein tiefes Nachempfinden für die Gemütslage der Missverstandenen. Er wusste wohl sehr genau, was ich mit Ronnie vorhatte. Wir ken-nen selbst Typen wie Ronnie aus unserem eigenen Umfeld“, berichtet der Regisseur. „Wir wussten, wer Ronnie ist, und Justin trifft den Nagel auf den Kopf. Er macht das großartig. Ich bin so stolz auf Justin. Wirklich. Ich schaue mir diese Szenen an und sage: Mann, ich kann es kaum erwarten, bis die Leute das zu sehen kriegen.“

        Preacher R.L. ist der ruhende Pol des Films. Er und Angela verleihen dem zusammenbre-chenden Leben von Rae und Lazarus eine gewisse Stabilität und Hoffnung, als sie von allen anderen verlassen werden und ihre Träume von einem besseren Leben scheitern. Angela wird von S. Epatha Merkerson gespielt, Preacher R.L. von John Cothran; sie sind „die Brücke, über die der Zuschauer in den Film hineinfindet“, sagt Allain. „Sie sind diejenigen, die über ausreichend Feingefühl verfügen, um Rae und Lazarus nicht zu ver-urteilen, und die dazu fähig sind, sie zu lieben. Durch die Augen dieser beiden Figuren werden die Zuschauer hoffentlich einen Weg finden, auch Lazarus’ ungewöhnliche Vor-gehensweise zu akzeptieren.“

        Merkerson war fest entschlossen, für die Rolle der Angela besetzt zu werden.

        „Ich las das Drehbuch, und als ich herausfand, dass sie nicht nach New York kommen würden, bin ich selbst nach Los Angeles geflogen – denn ich wollte diese Rolle unbedingt haben“, berichtet die Schauspielerin. „Ich bin ein großer Fan von Craig Brewer und von Sam Jackson. Also bin ich hingeflogen und bekam den Job.“

        Cothran meint: „Es hat großen Spaß gemacht, eine Rolle zu spielen, die so sehr wirklich wichtigen Menschen in meinem Leben ähnelt – Onkel und Nachbarn und andere Personen. Dieser Mann ist ein Mensch, der sich wirklich um andere kümmert, und er weiß genau, dass er seinem langjährigen Freund wirklich auf die Füße treten muss, damit dieser wieder auf die Beine kommt.“

        Allain ist davon überzeugt, dass sich die talentierten Darsteller, genau wie die Zuschauer von Brewers Filmen, besonders durch die gebrochenen und so faszinierenden Charaktere angesprochen fühlen – denn der Regisseur porträtiert sie alle mit großem Mitgefühl. Er zeigt Empathie mit diesen Figuren und ihren Herausforderungen; sie stellen sich allen Hindernissen entgegen, damit die Musik in ihnen nicht erlischt. „Craig durchdringt alles mit seiner Liebe und seinem Respekt für diese Figuren“, sagt Allain. „und meiner Meinung nach kann das Publikum das auch nachempfinden“.

        Respekt ist auch der rote Faden, der sich durch das gemeinsame Werk von Brewer und Allain zieht; sie fährt fort: „Das ist die Basis sämtlicher Projekte, die wir gemeinsam verwirklichen wollen. Respekt gegenüber jedermann. Es ist ganz egal, wer du bist oder was du getan hast. Wichtig ist, wer du sein willst und wer du sein kannst. Oft ist es in Filmen so, dass die Helden perfekt sind, oder größer und besser als wir selbst scheinen, mächtiger und reicher, selbstsicherer und schöner – doch ich denke, in Wahrheit wollen die Menschen ins Kino gehen, um sich selbst in diesen Figuren wieder zu finden. Denn durch die Filmcharaktere macht sich jeder auf seine eigene Reise.“

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