Stallone wollte den Film unbedingt so nah wie möglich an der umkämpften Grenze zwischen Thailand und Birma drehen. Als Produktionshauptquartier wählte er die nördliche Hauptstadt Chiang Mai aus. Die uralte Stadt ist die zweitgrößte des Landes – sie liegt hoch in den üppig bewachsenen Bergen der nordwestlichen Provinzen.
„Wir arbeiten so authentisch wie möglich, ohne tatsächlich in Birma zu drehen, was uns logischerweise nie erlaubt worden wäre“, sagt King. „Sly legt auf Realitätsnähe größten Wert. Er wollte echte Gesichter vor der Kamera sehen. Unsere Schauspieler und Statisten haben zum Teil in der birmanischen Armee gedient. Echte Stammesangehörige der Karen treten auf, Flüchtlinge und Opfer von Landminen. Im Film wird birmanisch gesprochen. Das ließ sich nur dort machen.“
Von der Logistik her ist „John Rambo“ eine gewaltige, komplizierte Produktion, an der fast 500 Mitarbeiter beteiligt sind, die fünf verschiedene Sprachen sprechen. Die thailändische Produktionsfirma Legend Films half Millennium Films und den Filmemachern mit den Drehgenehmigungen vor Ort, mit den Auflagen der Behörden und bei der Motivsuche. Ein Teil der Dreharbeiten fand in Nationalparks statt, musste gesondert genehmigt werden und erforderte sorgfältige Maßnahmen zur Erhaltung der Natur. Auch die vielen Flüge und die Unterbringung der internationalen Crew nahmen gigantische Dimensionen an.
„Unsere Mitarbeiter stammen aus 13 verschiedenen Ländern“, sagt Thompson. „Allein die Schauspieler haben sieben verschiedene Nationalitäten. Jeden Tag sind über 60 Stuntleute und Hunderte von Statisten im Einsatz. Täglich filmen wir mit zwei Drehteams und fünf Kameras gleichzeitig. Wir haben ein Dorf und eine kleine Stadt nachgebaut. Wir mussten ungeheure Mengen von Material und Leuten transportieren – wobei alles präzise wie ein Uhrwerk funktionieren soll.“
Der Film entstand ausschließlich an Außenschauplätzen – das ständig von Standort zu Standort verlegte Basislager des Teams ähnelte einem militärischen Biwak mit Hunderten von Uniformen und Waffen, Dutzenden von Zelten, Bussen, Wohnwagen und fast 200 Autos, darunter vielen Geländefahrzeugen. Die Dimensionen des Films waren durch die Baumaßnahmen, die Unterbringung, den Transport und die Verpflegung von Darstellern und Stab mit der Versorgung einer kleinen Armee vergleichbar. Außerdem bauten die Filmemacher sechs Boote, darunter Nachbildungen eines birmanischen Marine-Patrouillenboots, das birmanische Piratenboot und Rambos Boot. Für das birmanische Militärlager im Film ließ Carbone fast zwei Hektar Urwald roden und 50 Gebäude errichten. Für das Karen-Dorf in der Nähe wurde ein Hügel eingeebnet – man legte Bewässerungsgräben und terrassenförmige Reisfelder an und baute 34 Hütten aus Bambus. Hinzu kamen Pflanzen, Vieh und andere Tiere.
„Es ist faszinierend zu erleben, wie man für jede Filmabteilung die besten Fachleute engagiert und aus aller Welt einfliegt“, sagt Thompson. „Alex Gunn und sein Spezialeffekte-Team hat bereits die Filme ,Munich‘ (München) und ,Troy‘ (Troja) mitgestaltet. Das Stuntteam war für ,The Matrix‘ (Matrix) und ,V for Vendetta‘ (V wie Vendetta) verantwortlich. Viele unserer Mitarbeiter haben berühmte Filme gemacht, und Sly weiß, wie man sie alle auf ein gemeinsames Ziel einschwört – als ob er ein Orchester dirigiert. Jeder weiß genau, was er zu tun hat und wie er zum Gelingen des Films beiträgt. Und Sly weiß, wie man sie zusammenbringt.“
All das in Einklang zu bringen war nicht gerade eine leichte Übung bei einem Film, der ausschließlich draußen in der feuchten, drückenden Hitze mitten in der Natur im Norden Thailands gedreht wurde.
„Die Kommunikation war wohl das größte Problem, denn wir mussten trotz der Sprachbarrieren, der kulturellen Unterschiede und allen anderen Schwierigkeiten irgendwie zusammenarbeiten“, sagt King. „Das ist schwer, wenn man nicht viel Zeit hat. Jeden Tag müssen wir unser Pensum leisten. Immer wieder gibt es logistische Albträume – Schlammlawinen, die Straßen verschütten, sintflutartige Regengüsse, unerträgliche Hitze, der Transport von Crew und Material auf einen unwegsamen Berg oder auf den Fluss. Abgesehen davon war es toll.“
Kang berichtet, dass die Dreharbeiten in Thailand, im Dschungel und auf dem Wasser ihm und den anderen Darstellern unschätzbar geholfen haben: „Wenn man buchstäblich in die Natur eintaucht, die Landessprache hört, all das mit eigenen Augen wahrnimmt, dann hat man als Schauspieler einen erheblichen Vorteil“, sagt er. „Wenn ich an den Set komme, ist alles echt. Und ich bin mittendrin. Ich bin so nah am tatsächlichen Schauplatz, wie man ohne Gefahr nur sein kann.“