„Du glaubst, dass du hier ganz allein lebst.
Und trotzdem will ständig jemand was von dir.“ (Sarah)
Als Stallone entschieden hatte, in Thailand zu drehen, musste er einen Dschungelfluss finden. Das Hauptquartier der Produktion schlug er in der nördlichen Hauptstadt Chiang Mai auf, etwa vier Stunden vom eigentlichen Kampfgebiet an der thailändisch-birmanischen Grenze entfernt. Jeden Tag war das „John Rambo“-Team schon vor Sonnenaufgang mindestens eine Stunde unterwegs, um nördlich der Stadt zu den Schauplätzen in den Bergen, im Regenwald, an pittoresken Wasserfällen, Flüssen, Seen, uralten Höhlen und unwegsamen Schluchten zu fahren.
„Der Film hat riesige Dimensionen, denn die Menschen wirken in diesem ausgedehnten, unzugänglichen, zugewucherten Kriegsgebiet wirklich sehr klein – die Symbolik ist überwältigend“, sagt Stallone. „Spektakulär an diesem Film ist die Story, das Thema Hoffnung – und der Look liefert dafür die Kulisse.“
Ohne Innen- oder Studioaufnahmen arbeitete das Team über drei Monate lang unter härtesten Bedingungen – die Filmemacher erlebten Regen, Hagel, Gewitter, Überschwemmungen, hoch gelegene Drehorte, extreme Hitze und stickige Feuchtigkeit. Im Bergdschungel kletterte die Temperatur meist auf 30 bis 35 Grad – durch die Feuchtigkeit stieg die gefühlte Temperatur auf um die 40 Grad. Fast alle Beteiligten stöhnten, dass sie noch nie so körperlich anstrengende Dreharbeiten miterlebt hätten.
„Das war eine grandios brutale Erfahrung“, sagt Stallone. „Darsteller und Crew mussten Unglaubliches aushalten. Heutzutage, wo Filme vor allem mechanisch und im Computer entstehen, ist das hier wirklich das letzte Beispiel für Dreharbeiten alter Schule. Ich habe noch nie so harte Dreharbeiten erlebt, aber die Mühe hat sich ausgezahlt. Täglich arbeiteten wir bei Temperaturen um 43 Grad – ohne Abkühlung. Die Leute mussten buchstäblich durch den Dschungel marschieren, wo sie zerkratzt, von Insekten gestochen und von Schlangen gebissen wurden. Das fördert die Kameradschaft ungemein. Ich sagte dann immer: ,Wir erleben hier etwas ganz Besonderes. Wenn wir hier fertig sind, werden wir aufatmen, aber wir werden uns auch hierher zurücksehnen.‘“
Die Dreharbeiten begannen Mitte Februar 2007 in Chiang Mai in der „brennenden Jahreszeit“, der von Januar bis April herrschenden Trockenzeit, in der die Äcker gepflügt werden. Weil das Team in den Bergen im Umkreis der Stadt filmte, erlebte es Luftverschmutzungsrekorde, bevor im Frühjahr die Regenzeit begann. Am Schauplatz der Tim-Luang-Höhle, wo sich die geflohenen Karen laut Drehbuch verstecken und wo die Tall-Boy-Bombensequenzen entstanden, schwebten handtellergroße Schlackenteile in der Luft, der Dschungelboden war von einem Aschenteppich bedeckt. In den abschließenden Wochen, in denen das letzte Feuergefecht und die Abzugssequenz gedreht wurden, litt das Team zusätzlich zur unerbittlichen Hitze auch noch unter dem Rauch, Schmutz, Staub und der brennenden Asche in der Luft.
„Manchmal drehten wir, während in den Bergen um uns 20 Buschfeuer außer Kontrolle brannten – in diesem Staub und Rauch fand unser Feuergefecht statt, wir mussten herumrennen und Stunts in voller Montur ausführen“, sagt Gallegos. „Die Temperatur fühlte sich wie 50 Grad an, vor den fünf Kameras waren Hunderte birmanische Soldaten, Flammenwerfer, ein Maschinengewehr Kaliber 50, fünf Söldner und Rambo im Einsatz. Das waren die härtesten Dreharbeiten, die ich je erlebt habe.“
Neben dem Rauch, Schmutz und Staub steckten der Sand, das Gras und die Bäume am Schauplatz der Befreiungssequenz in Baan tap Dua voller Spinnen, Skorpione, Ameisen, Moskitos, Flöhe und anderer bissiger Insekten. Außerdem gab es jede Menge Schlangen – Kobras, grüne Schlangen, Baumschlangen und Vipern.
„Bei den Dreharbeiten in Thailand war es unglaublich heiß, und wir erlebten die erstaunlichsten Insekten“, sagt McTavish. „Ameisen, die man satteln konnte, um auf ihnen nach Hause zu reiten, und Schlangen in Farben, die man nicht für möglich gehalten hätte. Und es gibt jede Menge – etwa 168 Schlangenarten allein in Thailand, und 165 davon sind giftig. Bei der Arbeit mit dem 2. Drehteam habe ich vier an einem Tag gesehen – eine schlängelte sich am Bein eines Schauspielers hoch.“
In Rambos erster Szene im Film kehrt er zu seiner Schlangenfarm zurück, wo er lebt und arbeitet. Der Schauplatz des Schlangenfarmdorfs in Baan Chao Na war der erste Drehort, den die Filmemacher in der Region Chiang Mai fanden. Er liegt am Fluss Ping, der mitten durch die Stadt fließt. Das ehemalige Restaurant, wo früher die Touristenboote ablegten, wurde wieder aufgebaut und zur Schlangenfarm des Films umgerüstet, wo es Schlangenvorführungen gibt, wo Rambos Haus und seine Schmiede stehen. Und im Fluss hat Rambo ein Dock für seine Boote gebaut.
In der Vorbereitungsphase begann Stallone seine Arbeit mit den Schlangen – das Gift der meisten ist tödlich. Er übte für die Sequenzen, in denen Rambo Schlangen fängt. Dabei hantierte er mit Pythons, Kobras und anderen giftigen Schlangen, während die Darsteller und das Team gehörigen Abstand wahrten. Er arbeitete mit Schlangenbeschwörern und filmte zahlreiche Einstellungen mit Schlangen, die ihre Giftzähne noch hatten, wobei man ihnen vorher aber das Gift abgezapft hatte – doch nicht einmal der Schlangenexperte der Produktion wusste genau, ob sie wirklich giftfrei waren. „Manchmal hat die Schlange noch ein bisschen Gift übrig“, sagt der Schlangenfachmann Songporn „Tammy“ Musikadilok. „Trotzdem wollte Sly mit ihnen arbeiten. Es gelang ihm sehr gut, die Schlangen zu packen und unter Kontrolle zu halten.“
Wochenlang drehte das Team nachts im Dschungel in künstlichem Regen – die Darsteller mussten durch den Schlamm robben, laufen oder durch Bäche und Flüsse waten, sich in Bambushütten ducken oder in Bambuskäfigen ausharren. „Unter der Regenmaschine komme ich mir vor, als ob ich acht Stunden lang angezogen dusche“, sagt Gallegos, „und zwar mit Schlangen und Ungeziefer.“
Am schlimmsten und unvergesslichsten fanden es etliche Darsteller im Schweinestall des birmanischen Militärlagers. „Die wichtigsten Momente sind wohl nie die einfachen, sondern eher die schwierigen“, sagt Schulze. „Meine Lieblingsszene war, als ich im Käfig über dem Schweinestall hing, während mein Landsmann gekreuzigt und von Schweinen aufgefressen wird. Das war meine Lieblingsszene, weil ich Sly beobachten konnte, der bei der Vorbereitung der Szene bis zu den Knien in Schlamm und Schweinemist stand und hektisch jedermann Anweisungen gab, um die Szene in den Kasten zu bekommen.“
Weil Schulze den Schweinestall aus der Vogelperspektive erlebte, ist seine Erinnerung wohl etwas angenehmer als die seiner Partnerin Benz. „Die Arbeit mit den Schweinen war absolut traumatisch“, berichtet die Schauspielerin. „Ich wurde unter dem Bambusdach auf den Knien liegend im Stall festgebunden, und dann ließen sie die Schweine herein. 200 Kilogramm schwere, wilde Tiere stürmten auf mich zu, und ich konnte ihnen nicht ausweichen. Es war matschig, kalt, dreckig und nass. Weder körperlich noch emotional hat mich jemals etwas derart mitgenommen.“
Das riesige, 1,6 Hektar große birmanische Militärlager in der Nähe von Mae Hor Pra bestand aus 50 Gebäuden. Dabei handelte es sich teilweise um Militärzelte und vier oder fünf verschiedene Arten von echten birmanischen Baracken für Offiziere und Mannschaften sowie Versammlungsraum, Messe, Waschräume und Munitionslager. Es gab vier Türme, einer war etwa 17 Meter hoch. Der Bau des Lagers nahm dreieinhalb Monate in Anspruch.
In einiger Entferung bauten die Filmemacher das Karen-Dorf, das im Film zwei verschiedene Dörfer darstellt, die laut Drehbuch zerstört werden. Ursprünglich wollten die Filmemacher in einem echten Karen-Dorf drehen und schauten sich einige an, aber es stellte sich heraus, dass sie als Drehorte zu unzugänglich und gefährlich gewesen wären. Das Produktionsteam schaute sich aber genau an, wie die Dörfer angelegt sind. Sie bauten schließlich 34 Hütten auf terrassierten Abhängen und verwendeten beim Bau die Werkzeuge der Einheimischen.
„Beim Bau der Filmsets haben wir keine elektrischen Geräte eingesetzt“, sagt Carbone. „Alles wurde mit Macheten, Handsägen, Schaufeln und mithilfe des einen oder anderen Elefanten gebaut. Wenn eine Leiter gebraucht wurde, musste sie erst vor Ort aus Bambus gebaut werden. In unserer Crew arbeiteten meisterhafte Handwerker, die unsere Erwartungen übertrafen und ein sehr authentisches Dorf errichteten. Tatsächlich kamen Passanten vor Drehstart ins Dorf, schauten sich um und fragten sich, wo die Bewohner wohl wären – so echt sah alles aus! Das war das schönste Kompliment.“
Beim Roden des fast zwei Hektar großen Lagergeländes im fast undurchdringlichen Dschungel machte das Filmteam eine entscheidende Entdeckung, die das Design nachhaltig beeinflusste. „Als wir den Dschungel abtrugen, fanden wir ein wunderbares Geschenk – den Fluss“, sagt Carbone. „Der Fluss bildet einen großen Bogen um das Lager – wir bauten also eine Straße, die diesen Bogen spiegelt. Wir hatten keine Ahnung, dass er dort war, bevor wir mit dem Straßenbau begannen. Wenn man mit einer unbekannten Größe wie dem Dschungel zu tun hat, muss man wirklich bis zum Ende der Arbeiten warten – erst dann weiß man genau, worauf man sich eingelassen hat.“
Für die Darsteller und das Filmteam war die Arbeit im Dschungel, das Erklimmen morastiger Abhänge oder der Dreh auf dem Wasser tagtäglich ein Vorstoß in unbekannte Gefilde. „Wir sind gemeinsam durch den Schlamm gerobbt – es war wirklich ein ganz besonderes, magisches Projekt, an dem wir teilhaben durften“, sagt Benz. „Ich komme mir vor, als ob wir gemeinsam einen Krieg überstanden haben. Wir waren sehr ehrgeizig und wollten uns gegenseitig übertrumpfen. Wer krabbelt durch Skorpione und Ameisen, ohne sich zu beschweren? Wer bewältigt jeden Stunt, der von uns erwartet wird? Wer hält es am längsten im Schlamm und Regen aus? Der Film hat uns zusammengeschmiedet.“