„Alles sieht gleich aus – das scheint ewig so weiter zu gehen… Alles ist so leer.“ (Sarah)
Die Flussfahrt auf dem Salween war eine Reise auf dem längsten nicht aufgestauten Fluss in Südostasien. Der Salween entspringt in Tibet und fließt 2815 Kilometer durch China, Birma und Thailand, bis er in die Andamanensee mündet. In der chinesischen Provinz Yunnan wird der Fluss Nujiang genannt und hat spektakuläre Schluchten gegraben, die als „Chinas Grand Canyon“ bezeichnet werden. Seit 2003 gehört der Salween zum Weltkulturerbe. In ihm leben fast 100 seltene, gefährdete Tierarten und Fische, und Tausende Pflanzen- und Insektenarten in den Uferbereichen.
Obwohl immer wieder gefordert wird, Teile des Salween aufzustauen, hat sich der gewaltige Fluss auf seinem Weg durch vier grundverschiedene Länder als starke historische, kulturelle und geografische Einheit behauptet und jedem Wandel getrotzt. Stallone wollte zwar auf dem Salween drehen und inspizierte auch mögliche Locations, aber der Fluss bildet die Grenze zwischen Birma und Thailand und ist Kriegsgebiet.
„Das ist eine gefährliche Gegend in Thailand, wo sich Birmanen und Karen bekämpfen. Wir mussten also eine Alternative für den Dreh finden“, sagt der für die Schauplätze verantwortliche Somchai. „Wir brauchten Berge und einen breiten Fluss – aber vor Ort konnten wir nicht drehen.“
Gedreht wurde schließlich auf drei Flüssen in und um Chiang Mai, vor allem auf dem Stausee Mae Ngud im Nationalpark Sri Lanna, etwa eine Stunde nördlich von Chiang Mai und etwa 300 Kilometer von der birmanischen Grenze entfernt. Die breiten Wasserflächen, kleinen Buchten, Schluchten und Berge des Sees ähneln der Landschaft am Salween. Alle Flussszenen, in denen Rambo Schlangen fängt bzw. mit den Missionaren und Söldnern flussaufwärts fährt, wurden dort gedreht. Weitere Salween-Szenen drehte man im Gebiet um Baan tap Dua, und die Szenen am Dock entstanden auf dem Ping-Fluss in Chiang Mai.
„Der Fluss bildet optisch einen roten Faden durch unsere Geschichte“, sagt Carbone. „Es war sehr schwierig, entsprechende Fluss-Locations zu finden, vor allem weil wir in der Trockenzeit drehten, mit niedrigem Wasserstand. Wir mussten auf Nationalparks ausweichen, und zum Glück fanden wir den Stausee.“
Ein wesentlicher Teil von „John Rambo“ entstand auf dem See Mae Ngud und in Baan tap Dua. Dazu zählen komplizierte Stunt- und Spezialeffekte-Sequenzen, Bootsjagden und zahlreiche Explosionen. Es ist immer schwierig, auf dem Wasser zu filmen, weil das Team die nötige Ausrüstung, Kameras, Requisiten und Mitarbeiter auf eine ganze Flotte verteilen muss. Dutzende von Booten und Pontons wurden als Taxis und als Plattformen für Ausrüstung, Scheinwerfer, Requisiten, Kostümfundus, Verpflegung, Trinkwasser und Unterbringung der Mitwirkenden eingesetzt – mit regem Hin und Her zwischen Drehort und Ufer. Einige der entlegenen Locations befanden sich in 45 Minuten Entfernung vom Ufer-Quartier – was fast eine weitere Stunde Fahrzeit pro Tag erforderte. Einige Crew-Mitglieder schlugen behelfsmäßige Zelte auf, andere beschlossen, im Wald oder auf Hausbooten auf dem Fluss zu übernachten, um die tägliche Fahrzeit von über zwei Stunden zu sparen. Um die Insekten abzuhalten, gehörten Moskitonetze und Insektensprays zur täglichen Routine. Trinkwasser und Elektrolyt-Getränke, Hüte und Sonnencreme halfen Hitzschläge und Erschöpfung zu verhindern.
„Der Dreh auf dem Wasser ist schwierig, weil man immer den Elementen ausgesetzt ist“, sagt King. „Filmen auf dem Fluss bedeutet, dass man mitten auf dem Wasser keinerlei Schatten hat. Man kann sich nirgends verkriechen, vor allem wenn so viele Leute und mehrere Kameras im Einsatz sind. Die erbarmungslose Hitze, Regen, Wind und Wellen, Wolken – alles beeinflusst die Arbeit. Eine große Herausforderung.“
Beim Dreh von „John Rambo“ kamen Probleme mit der Wassertiefe, der Manövrierbarkeit der Boote, dem Gewicht der Ausrüstung und des Teams hinzu. Bei manchen Einstellungen waren vier Generatoren auf einem Ponton im Einsatz – sie lieferten Strom für die vielen Kameras. Dazu kam dann noch das Kamerateam. „Manchmal drohten die Boote und das Dock unterzugehen“, sagt King. „Die Flussaufnahmen waren für die Darsteller und das Team extrem kompliziert.“
Die schwierigsten Probleme ergaben sich aus dem schwankenden Wasserstand. Sogar auf dem Stausee Mae Ngud fiel der Wasserspiegel nach dem thailändischen Neujahrsfest Songkran so sehr, dass man den Bauplatz am Ufer, an dem man das Piratenboot gebaut hatte, verlegen musste. Schließlich bauten Carbone und sein Team den Set auf einen Frachtkahn, der auf dem Wasser schwamm und sich so dem Wasserstand anpasste – so vermied man es, die Location wechseln zu müssen.
Der Drehort, an dem die Befreiungsaktion und das abschließende Feuergefecht in Baan tap Dua gefilmt wurden, bot den Filmemachern alles, was sie an Land und zu Wasser brauchten: eine Flussbiegung, hinter der das birmanische Patrouillenboot hervorkommt, einen Sandstrand, viele hohe Bäume, freies Gelände für das große Basislager und eine Anhöhe für das Maschinengewehr Kaliber 50. Dennoch ergab sich ein Problem an diesem „perfekten“ Drehort: Das Wasser fehlte.
„Sly mochte den Drehort sehr und fragte mich: ,Kannst du den Wasserstand erhöhen?‘“, berichtet Locaton-Manager Somchai. „Ich antwortete: ,Okay, ich versuch’s. Ich erkundigte mich also in den Monaten vor den Dreharbeiten überall, und alle starrten mich ungläubig an – nach dem Motto: ,Bist du wahnsinnig oder was?‘“
Der Fluss führte kaum noch 30 Zentimeter Wasser – es war unmöglich, die Boote zu Wasser zu lassen. Der Bau eines Staudamms im Dschungel gehört eigentlich nicht zu den Aufgaben eines Produktionsdesigners, und trotzdem bauten Carbone, Somchai und die Crew mithilfe ortsansässiger Dorfbewohner einen Damm, der den Wasserstand um 1,20 Meter erhöhte und so den Einsatz von Schnellbooten, der Pyrotechnik und der Stunts ermöglichte. Die in Thailand als heilig verehrten Elefanten halfen mit, und mit Schaufeln und Macheten wurden die Dämme gebaut. Die abgerichteten asiatischen Elefanten werden immer schon in der Holzwirtschaft eingesetzt – sie bewähren sich vor allem in bergigen Gebieten, in denen Trucks und Traktoren nichts ausrichten können.
„Die Elefanten schleppten die massiven Betonpfosten heran, denn mit konventionellen Baggern hätte man in dieser entlegenen Gegend unmöglich arbeiten können“, sagt Carbone. „Der gesamte Schauplatz der Befreiungsaktion wurde von Elefanten ausgehoben. Sie haben viele Bäume gefällt, Pfeiler transportiert – wir sind ihnen für ihren Beitrag sehr dankbar. Großartige Tiere – es war beeindruckend, diese gewaltige Aktion mitzuerleben.“
Sogar als die eigentlichen Dreharbeiten zu dieser Sequenz begannen, waren die Elefanten dabei. Etwa 600 Meter vom Drehort entfernt befindet sich ein Camp, von dem aus Touristen auf Elefanten in den Dschungel reiten. Es kam vor, dass die Elefanten auf den Hügeln hinter dem Set ins Bild liefen. Als das abschließende Feuergefecht gedreht wurde und das Maschinengewehr losratterte, waren die Elefanten etwas verunsichert.
„Beim ersten Mal waren sie nicht vorbereitet. Wir ahnten nicht, welchen Eindruck das auf sie machen würde“, gibt Somchai zu. „Etwa 50 Elefanten mit Touristen auf dem Rücken wanderten gerade durch den Dschungel – sie bekamen Angst und liefen weg.“
Nach dieser Erfahrung wurden jeglicher Schusswaffengebrauch und alle Explosionen mit dem Elefantencamp rechtzeitig abgesprochen. „Die Elefanten gewöhnten sich mit der Zeit daran – aber die Touristen sicher nicht“, fügt Somchai hinzu.
Auch Touristen, die auf Flößen den Fluss befahren, mussten die Filmemacher einplanen, als sie den Fluss aufstauten, um eine heftige Kriegssequenz zu inszenieren. „Eines der Bambus-Lager liegt nördlich unseres Sets – sie müssen die Touristen also per Floß an unserem Standort vorbeifahren. Manchmal geraten sie mitten in eine Einstellung. Wir müssen um sie herumplanen und aufpassen, dass sie nicht auf dem Wasser sind, wenn wir die Stunts mit den Schnellbooten drehen“, berichtet Somchai. „Meist verengen sie den Fluss, so dass ein kleiner, ruhiger Kanal für die Bambusflöße entsteht. Doch unser Staudamm verwandelt den Fluss stromaufwärts in einen schnell fließenden Kanal, wie auf einem Wildwasser. Das ist problematisch für die Bambus-Flöße – wir mussten sie für die Touristen instandsetzen. Wir hatten also auch an der Peripherie ständig eine Menge zu tun.“
Egal, wie schwierig die Dreharbeiten auf dem Wasser auch waren – einen Bonus durften die Darsteller und Crewmitglieder täglich erleben: „Das Beste am Dreh auf dem Fluss war die Rückkehr zum Basislager auf dem Boot, bei der wir die Sonnenuntergänge sehen konnten“, sagt Gallegos. „Während die Sonne hinter den Bäumen verschwand, war alles in leuchtendes Orange und Rot getaucht – die Sonnenuntergänge waren jeden Abend ein Ereignis.“