| Produktion: Stallones und Rambos letztes Kapitel
Laut Thompson war Stallone in dem Moment der Champion, als er sich bereit erklärte, das letzte Kapitel zu „Rambo“ zu schreiben und zu inszenieren. „Von Anfang an war ich beeindruckt von Slys Arbeitsweise“, sagt Thompson. „Es ist sehr angenehm, wenn der Autor/Regisseur, der ja das Heft in der Hand halten muss, Führungsqualitäten mitbringt. Und diese Gabe ist Sly angeboren. Er spielt. Er schreibt. Er inszeniert. Sofort merkte ich, wie umfassend sich Sylvester Stallone in die Arbeit einbringt. Das ist sein Markenzeichen, sein Charakter. Die Rambo-Figur gehört Sly, und er schafft eine Situation, in der alle Figuren im Film wie ein Aspekt seiner selbst wirken – nicht von Rambo, sondern von Sly. Er hat alle Mitwirkenden inspiriert.“
Schauspieler Schulze bestätigt Stallones angeborene Führungsqualitäten: „Er weiß genau, wie er seine Mitarbeiter motivieren kann – er hat einen unverwechselbaren Stil. Ich habe Machiavellis ,Der Fürst‘ gelesen – er behauptet, dass Führer vor allem durch Angst und erst in zweiter Linie durch Liebe regieren, und dass die Untertanen ihnen von ganzem Herzen folgen, wenn die Fürsten beides anwenden. Ich glaube, Sly hat das begriffen. Er führt uns, wir haben Angst, vor ihm zu versagen, wir wollen ihn unbedingt beeindrucken. Letztlich folgen wir seinem Vorbild, das in fast manischem Engagement für sein Projekt besteht.“
Stallone berichtet, dass er den vierten Rambo-Film eigentlich nicht gleichzeitig schreiben und inszenieren wollte. Aber nach der positiven Erfahrung als Autor und Regisseur von „Rocky Balboa“ merkte er, dass er doch lieber alle Bereiche der Produktion kontrollieren wollte, da es sich um das letzte Kapitel dieser Figur handelt. „Hätte jemand anderes die Leitung übernommen, hätte ich das schnell bedauert“, sagt Stallone. „Dann kann ich das Projekt nicht mit meiner Persönlichkeit prägen. Deshalb überlegte ich: ,Wäre es nicht interessant, wenn Rambo Rambo inszeniert?‘ Dadurch vermeidet man einen Vermittler. Die Kommunikation funktioniert direkt und ungefiltert. Falls etwas schiefgeht, muss ich es nicht bedauern. Dann sage ich mir: ,Ich habe mein Bestes gegeben. Ich kann niemandem die Schuld geben außer mir selbst.‘“
Monatelang recherchierte Stallone die Hintergründe der Story, sprach mit UN-Vertretern, Missionaren und Söldnern. Er wollte zu Rambos Mentalität im ersten Film zurückkehren – zu einem traumatisierten, aber engagierten Mann, den die Gewalt, deren Zeuge er wurde, fast vernichtet hat. Außerdem wollte er Rambos Geschichte ein angemessenes Ende verschaffen.
„Sly ist jetzt so weit, dass er zu Rambos Ursprüngen zurückkehren will“, sagt Schauspieler Kang. „Zwischen dem ersten und zweiten und auch zwischen dem zweiten und dritten Film ergaben sich weitreichende Unterschiede. Jetzt kehrt er zu den Wurzeln zurück. Er will das aufarbeiten, was die Essenz des ersten Films ausmacht – so schließt sich der Kreis.“
Gallegos sieht das ganz ähnlich: „Im Grunde geht es darum, dass John Rambo zu sich selbst findet. Eine Zeitlang war ihm fast alles egal, vielleicht hat er seine Ursprünge vergessen, aber die Ereignisse in diesem Film bringen ihn zur Besinnung – er ist wieder der, der er mal war. Im ersten Film erleben wir Rambo als jungen Mann, der aus dem Krieg zurückkehrt und seine Heimat sucht. Und die sucht er immer noch. Daran erinnert er sich, als er die Missionare, die Stammesangehörigen und Söldner erlebt. All diese Vorfälle bringen ihn zur Rückbesinnung auf den Mann, der er meiner Meinung nach immer war. Er findet endlich nach Hause.“