„Dir ist durchaus nicht alles egal. Du glaubst nicht mehr an die Menschen, auch nicht an Gott, aber trotzdem glaubst du noch, eben weil dir nicht alles egal ist. Wenn’s dir egal wäre, hättest du uns hergebracht, das Geld genommen, und das wär’s. Wir sind dir nicht egal, obwohl wir Fremde sind…“ (Sarah)
Rambos Heimkehr wird erstaunlicherweise ermöglicht durch christliche Missionare aus den USA. Viele unterschiedliche Organisationen, darunter auch religiöse Gruppierungen, kommen aus aller Welt an die thailändisch-birmanische Grenze, um die Karen zu unterstützen, die überwiegend Christen sind. Diese Gruppen heuern oft Führer vor Ort an und arbeiten mit Rebellen oder Ex-Söldnern zusammen, um Medikamente, Lebensmittel, Unterrichtsmaterial und Bibeln zu den überlebenden Stammesangehörigen zu schmuggeln. Als eine Gruppe dieser Missionare auf Rambo trifft und ihn um Hilfe bittet, will er nichts mit ihnen zu tun haben. Aufgrund seiner grausigen Erlebnisse glaubt er an nichts mehr – nur daran, dass die Menschen auf sich gestellt sind: Bestien, die sich eine bestialische Welt erschaffen. Er ist überzeugt, dass nichts und niemand den Menschen helfen oder sie ändern kann.
Dennoch ist Rambo wider Erwarten beeindruckt von dem Umstand, dass Sarah und ihr Verlobter ihr gemütliches und sicheres amerikanisches Zuhause aufgegeben haben, um sich in dieses Kriegsgebiet zu wagen. Er weist sie auf ihre Naivität hin und stellt die Wirksamkeit ihrer Methoden infrage – vor allem verweigert er jegliche Hilfe. Dabei kann er sich selbst nicht helfen.
„Offenbar bringen die Missionare Rambo zum Nachdenken, denn unwillkürlich unterscheidet er Gut und Böse“, sagt Stallone. „Er erlebt den starken Glauben der schönen jungen Frau und ihres Mediziner-Freundes. Er sieht, dass sie ihr gemütliches, sicheres Leben aufs Spiel setzen, um Menschen zu helfen, die sie nicht mal kennen und die am anderen Ende der Welt leben. Das rüttelt ihn wach.“
„Die christliche Missionarin Sarah ist erstmals mit ihrem Verlobten Michael Burnett im Einsatz“, beschreibt Benz ihre Rolle. „Sarah ist tief gläubig und lässt sich von ihrem Glauben leiten. Auf der anderen Seite steht Rambo, der praktisch an gar nichts glaubt, der nur noch eine leere Hülle ist und sich von jedem wahren menschlichen Kontakt abkapselt. Sie kommen sich auf interessante Weise näher. Sie rettet ihn spirituell, doch dann werden ihr die Augen in Bezug auf die wahren Gräuel des Krieges geöffnet, und sie beginnt sich zu fragen, ob der Glaube überhaupt eine Rolle spielt. Vielleicht reicht der Glaube nicht aus.“
Rambo erklärt sich bereit, Sarah, Michael und die übrigen Missionare flussaufwärts zum vorher festgelegten Ausgangspunkt ihres Marsches zu bringen. Doch schon auf der Flussfahrt kommt es zu einem Zwischenfall, als sie einem Piratenboot begegnen. Als der Piratenführer Sarah entdeckt und sie entführen will, reagiert Rambo auf eine Weise, die keine Zweifel an den Gefahren im Kriegsgebiet aufkommen lassen. Innerhalb von Sekunden hat er seine Verpflichtung zur Gewaltlosigkeit vergessen – so wie die Missionare auch ihre letzten noch vorhandenen Illusionen verlieren.
„Ich spiele den Arzt Michael Burnett; er gehört einer für ganz Asien zuständigen religiösen Bewegung in Amerika an, die das Volk der Karen regelmäßig unterstützt“, sagt Schulze. „Er hat diese Reise schon fünfmal gemacht und lebt nach sehr konkreten und idealistischen Grundsätzen, wie die Welt beschaffen sein sollte und wie er dort hineinpasst. Diese Grundsätze werden im Lauf der Handlung auf eine harte Probe gestellt.“
Als Blut fließt, sind Burnett und seine Gruppe entsetzt, was Rambo aber nicht beeindruckt. Seine Antwort: „Sie hätten sie 50-mal vergewaltigt und dann jedem von euch den Kopf abgeschnitten!“ Nach einer hitzigen Diskussion fordern Burnett, Sarah und die anderen den Skipper Rambo auf, sie wie geplant am Endpunkt der Bootsreise abzusetzen. Rambo fügt sich, obwohl er spürt, dass er einen Fehler macht. Als er wenige Wochen später erfährt, dass die Gruppe vom birmanischen Militär gefangengenommen worden ist – jenseits aller diplomatischen Kanäle –, erklärt er sich erneut bereit, flussaufwärts zu fahren, weil er sich für die Gruppe verantwortlich fühlt.
„Auf dieser Reise in die Finsternis empfindet Rambo trotzdem Hoffnung, er hat eine Vision“, sagt Stallone. „Mit Vision meine ich in diesem Fall, dass ein Mensch seine Verzweiflung überwinden kann. Durch seinen Versuch, Sarah und die Missionare zu retten, rettet er in gewisser Weise auch sich selbst.“