„Wenn du für Geld alles machst, verdienst du keinen Orden.“ (School Boy)
Um die Missionare zu retten, ist Rambo in diesem Fall auf Söldner angewiesen. Rambo stand dem Unternehmen von Anfang an ablehnend gegenüber – jetzt steckt er nicht zur zwischen den Missionaren, Söldnern und den birmanischen Soldaten fest, sondern muss sich auch mit seinen Gefühlen für Sarah und seiner persönlichen Sehnsucht nach einem Glauben auseinandersetzen.
Als Rambo mit den fünf Söldnern flussaufwärts fährt, versucht der Anführer Lewis, dargestellt vom britischen Schauspieler Graham McTavish, herauszubekommen, wer dieser amerikanische Skipper ist. Obwohl Lewis ihn ständig provoziert, kann er Rambo keine Reaktion abringen. „In einer längeren Szene versucht Lewis an Rambo heranzukommen, eine Verbindung zu ihm aufzubauen“, sagt McTavish. „Aber er blitzt immer wieder ab. Rambo zeigt ihm die kalte Schulter.“
Rambo hat sich noch nie auf Wortgefechte oder bohrende Fragen eingelassen – heute noch weniger als früher. „In den ersten drei Filmen hatte sich Rambo seine Kampfkraft noch bewahrt. Aber 20 Jahre später ist es damit vorbei. Er hat das hinter sich gelassen“, sagt Gallegos. „In Thailand hat er seinen Platz im Leben gefunden – er ist mit seiner Arbeit zufrieden. Aber aufgrund der Umstände der Story erwacht der alte Rambo zu neuem Leben. Er kann nicht verleugnen, wer er ist und immer war.“
Lewis ist der 150-prozentige Söldner der Gruppe. Bei der Unterstützung der Karen oder sonstwem gibt es für ihn keine menschliche Motivation. Er drückt das so aus: „Ich bin nur hier wegen meiner Ex-Frau und den drei Kindern.“ Mit der Situation vor Ort will er nichts zu tun haben – erst recht nicht, als seine Rettungspläne nicht funktionieren.
„Lewis hat ein hitziges Temperament, er ist gewalttätig und leicht erregbar“, sagt McTavish. „Er ist nur an dem Geld interessiert, doch am Ende der Story bewährt er sich. Für mich als Darsteller ergibt sich daraus ein interessanter Spannungsbogen.“
Stallone erlebte in McTavishs Darstellung genau das angemessene Quäntchen überzeugender Rücksichtslosigkeit und Unmittelbarkeit. „Er spielt Lewis sehr realistisch, sehr aggressiv“, sagt er. „Denn er ist nicht der pseudoharte Typ à la Hollywood. Graham McTavish ist ein toller Schauspieler. Beim Vorsprechen hat er schon auf der ersten Seite genau den richtigen Ton getroffen. Das habe ich noch nie erlebt – er warf nur einen Blick auf den Text, konnte ihn sofort auswendig wiederholen und die Rolle spielen.“
Bei seinen Recherchen über Söldner erfuhr Stallone, dass sie üblicherweise Anfang 20 bis mittleren Alters sind, häufig Ex-Soldaten wie Rambo, die nicht den Weg zum normalen Leben in der Gesellschaft zurückfinden. Viele sind gläubig, oft sind sie Evangelikale. Einige sind verheiratet und schicken Geld nach Hause. Andere brauchen den Adrenalinschub, suchen das Abenteuer. Mit den Drehbuchfiguren Lewis, Diaz, Reese, En-Joo und School Boy setzte Stallone dramaturgisch um, was er bei seinen Begegnungen mit den Söldern erfahren hatte.
„Der von Jake La Botz gespielte Reese ist wahrscheinlich ein typischer Vertreter jener Soldaten, die das Grauen des Krieges erlebt haben und damit gut umgehen können“, sagt King. „Sie sind mit allen Wassern gewaschen. Sie lassen sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Sie haben vor nichts Angst. Sie lecken Blut und bleiben dann im Kriegsgebiet hängen. Sie bewegen sich unter dem Radar und können nicht mehr nach Hause.“
Gallegos hält auch den von ihm gespielten Diaz für einen typischen Söldner – im Grunde ein ehemaliger Idealist und Familienvater, der jetzt als Söldner sein Geld verdient. „Ursprünglich ist er wohl aus ehrenwerten Gründen Soldat geworden – er wollte sein Land aufrichtig verteidigen und es zu etwas bringen“, sagt er. „Dass er später dabei bleibt, hat auch gute Gründe – er muss seine Familie ernähren, für eine gute Ausbildung seiner Kinder sorgen, indem er das Einzige tut, was er wirklich kann. Er stellt sich bewusst seiner Aufgabe und hat keine Angst – aber sterben will er nicht.“
Der Söldner En-Joo, den Tim Kang spielt, ist sicher am wenigsten auf seine Aufgabe vorbereitet. „Während der Rettungsaktion scheint er recht unbeeindruckt“, sagt Kang. „Doch es gibt immer wieder Momente, die ihn überraschen. Meistens hält er sich aber ganz wacker. Er will es einfach hinter sich bringen und dann verschwinden.“
Die Ausnahme bildet School Boy (dargestellt vom britischen Schauspieler Matthew Marsden), der sich durch seinen Perfektionismus und seine Ideale von den anderen absetzt. „Er ist der naivste Söldner der Gruppe“, sagt King. „Er hat hehre Ideale, während die übrigen nur an der Bezahlung interessiert sind. Sie sind verbittert und abgestumpft.“
Während der Dreharbeiten war Stallone derart von seinen Söldner-Darstellern beeindruckt, dass er ständig neue Dialoge und Szenen für sie schrieb, um ihren Figuren mehr Tiefe zu verleihen. „Das war cool“, sagt Gallegos. „Sly musste sich auf dem Boot um tausend Dinge kümmern, und dennoch bekam er mit, wie wir herumflachsten und gruppendynamisch miteinander umgingen. Und er fing an, das in die Szenen einzubauen. Eines Tages hörte er, wie Jake zur Gitarre sang – und schon beschloss er, auch das im Film zu verwenden.“
Die Gruppen der Soldaten und Söldner an sich sind bekannte Versatzstücke, wie La Botz feststellt, aber ihr Verhalten nicht: „Im Vergleich zu den meisten Action-Filmen besteht hier der Unterschied darin, dass die Ereignisse nicht vorgezeichnet sind – es wird klar, dass Mitgefühl und Aggression gleichzeitig nebeneinander existieren und die Figuren beeinflussen. Sarah, Michael und Rambo wird klar, was Mitleid in einer brutal gewalttätigen Welt ausrichten kann. Wahres Mitgefühl kann manchmal auch bedeuten, dass man jemandem eine Kugel in den Kopf jagt. Es kann auch bedeuten, dass man einem echten Bösewicht eine Kugel in den Kopf schießt. Es ist ja so einfach, Abstand zu wahren und sich in einem sicheren Leben gemütlich einzurichten. Doch den Figuren in diesem Film ist das nicht vergönnt.“