„Egal, wie böse diese Leute sind – letztlich werden sie verlieren. Sie können sich nicht
ewig gegen eine vereinte Front behaupten – das ist unmöglich.“ (Michael Burnett)
Die vielen Schauspieler und Statisten, die vor Ort im Norden Thailands für den Film engagiert wurden, verleihen der Produktion seinen unschätzbar authentischen Look. „Nirgendwo sonst auf der Welt kann man diese Mischung aus typischen Gesichtern und ausgebildeten Profis finden“, beschreibt Thompson seine Erfahrung in Thailand. „Manchmal bleibt die Kamera auf ihren Gesichtern und an ihren Augen hängen. Unglaublich interessante Menschen.“
Der in Thailand verantwortliche Besetzungschef Pana bekam von Stallone die Beschreibungen der Figuren vorgegeben, und so nahmen die Produzenten Kontakt zu Profi-Schauspielern auf. Doch als Stallone dann die Lebensläufe und Videos bekam, forderte er Pana auf, ihm „echtere Leute“ vorzustellen. Pana gesteht: „Er wollte tatsächliche Karen, gebürtige Birmanen engagieren – also keine Profis, sondern Menschen, die selbst aus diesem Gebiet stammen und den Konflikt kennen. Das überraschte mich, gerade weil es sich ja um einen Action-Film handelt. Für Sly ist es nämlich viel schwieriger, einen Amateur zu inszenieren, dessen Sprache er nicht versteht – aber dennoch wollte er echte Leute. Also trieben wir echte Karen-Flüchtlinge, Amputierte, Opfer von Landminen und ehemalige birmanische Soldaten auf. Und mit denen hat Sly seine Aufgabe bewältigt.“
Bei der Motivsuche und dem Casting in Thailand merkten alle Beteiligten, dass Rambo überall ein Begriff ist. Der für die Schauplätze zuständige Somchai Santitharangkul erinnert sich: „Bei einem Trip fuhren wir auf Motivsuche sehr tief in den Dschungel, und in dem ländlichen Gebiet trafen wir einige Dorfbewohner und Angehörige eines Bergstamms. Als sie Sly sahen, erkannten sie ihn sofort als Rambo. Sie nannte ihn sogar ,Rambo‘. Selbst die kleinen Kinder kennen ihn. Sly war sicher überrascht, dass die Leute ihn sogar in dieser abgelegenen Ecke erkennen.“
Suparkorn Kijsuwan (Tok) spielt den Karen-Soldaten Myint, der Rambo und die Söldner zum birmanischen Lager führt. Er stammt aus Thailand, zählt zu den populärsten Jungstars seines Landes und berichtet, dass er als Kind den Spitznamen „Rambo“ erhielt. „Mit meiner Mutter und der Familie habe ich alle drei Teile der Rambo-Serie viele Male angeschaut“, sagt er. „In der Schule war ich der Schulsprecher, ich trug gern Tarnanzüge und Miltäruniformen – deshalb nannten mich meine Freunde nur ,Rambo‘. Alle haben mich so genannt.“
Der Journalist und Autor Phil Thornton beschreibt in seinem Buch „Restless Souls“ (2006, Verlag Asia Books) über den thailändisch-birmanischen Konflikt, wie er den inzwischen verstorbenen, legendären Karen-Widerstandsführer General Bo Mya traf: „In dem befestigten Haus am Rande von Mae Sot hing ein Poster von Stallones Rambo und eines mit einem Wasserfall – als wir uns setzten, saß der General in der Mitte zwischen den Postern.“ Bo Mya diente im Zweiten Weltkrieg unter britischem Befehl und wurde mit 21 Jahren Karen-Widerstandskämpfer. Er wurde befördert und war schließlich Generalkommandeur und dann Präsident der KNU. Er starb im Dezember 2006, kurz nachdem eine Krankheit ihn gezwungen hatte, nach 60 Jahren Krieg in den Ruhestand zu treten.
Auch der Widerstandsführer Muang Muang Khin kannte Rambo. Er spielt im Film den fiesen birmanischen Major Tint. Aufgrund des Aufstands im September 1988 in Rangun radikalisierte sich Khins Gesinnung – er war Zeuge des Massakers und wurde später Mitglied der KNU. „Sie forderten friedlich die Wiedereinführung der Demokratie – was mit Kugeln und Knüppeln beantwortet wurde“, sagt Khin. „Viele sind umgekommen. Alle Forderungen wurden vom Militärregime zurückgewiesen. Also ging ich mit Freunden in den Untergrund und kämpfte mit der Waffe in der Hand gegen die Birmanen.“
Khin berichtet, dass er als Mitglied des Widerstands eine dreimonatige Grundausbildung machte. Danach wurde er zum Offizier befördert und als Ausbilder eingesetzt, der über drei Jahre die Grundausbildung leitete. Der ehemalige Rebell hat noch nie als Schauspieler gearbeitet, aber Stallone war von seiner Biografie und von seinem leidenschaftlichen Engagement für die Sache beeindruckt. „Ich möchte, dass die Welt erfährt, was hier wirklich vor sich geht“, sagt Khin. „In meine Rolle konnte ich meine Erfahrungen einbringen – was ich gesehen und erlebt habe. Ich mache das nach, was Birmanen vor meinen Augen verbrochen haben. Das ist alles.“
Obwohl Khin vorhat, nach der Uraufführung von „John Rambo“ eine Zeitlang „zu verschwinden“, meint er doch, dass die Sache mögliche Repressalien durchaus wert ist. „Meine Familie und ich sind immer wieder von militärischen Geheimagenten schikaniert worden – schon lange vor meiner Mitwirkung in diesem Film“, sagt er. „Ich glaube nicht, dass wir aufgrund des Films noch schlechter behandelt werden. Wir haben uns daran gewöhnt.“
Der Profi-Sänger Sai Mhong spielt im Film den birmanischen Piratenanführer – er bekam den Hass des birmanischen Militärs bereits zu spüren: „Als ich die Rolle bekam und mein Name im Internet auftauchte, wurde meine Familie verhaftet und meine Schwester in Birma inhaftiert. Und mein Neffe wurde von birmanischen Soldaten vergewaltigt. Ich weiß nicht, ob das damit zusammenhängt, dass ich mit diesem Film Flagge zeige, aber es ist geschehen. Umso mehr bin ich entschlossen, der Welt diese Brutalität und Gewalt vor Augen zu führen.“
Das ausgedehnte Netz des birmanischen Geheimdienstes und die Repressalien ließen die Filmemacher wachsam sein, vor allem bei der Verpflichtung von einheimischen Mitarbeitern. Zum Beispiel arbeiteten die Produzenten und Stallone eng mit dem thailändischen Besetzungschef zusammen, um die Anonymität und die Geheimhaltung des Aufenthaltsorts vieler birmanischer und thailändischer Schauspieler und Statisten während der Dreharbeiten zu gewährleisten. „Wir machten uns Sorgen und erklärten ihnen die Situation“, sagt Pana. „Aber sie kannten Rambo und wollten dabei sein. Und vor allem wollte Sly echte Gesichter, echte Karen-Flüchtlinge, echte Birmanen zeigen – er legte großen Wert darauf, dass sie die Story kannten. Das überraschte mich. Es ging ihm darum, mit ihrer Mitwirkung zum Realismus des Films beizutragen – und sie sollten wissen, dass jemand ihre Geschichte erzählt.“
„Zu den wichtigsten Aspekten dieses Films gehört, dass wir erzählen, was dem Volk der Karen wirklich angetan wird“, sagt Thompson. „Der Film wird das allgemeine Bewusstsein dafür schärfen, dass hier gerade jetzt etwas passiert – das hat uns alle bei der Arbeit inspiriert. Wir hoffen, dass wir die Zuschauer zum Nachdenken bringen, dass sich etwas ändert.“