Er ist vielleicht der letzte Aufrechte, nachdem all unsere Freunde geheiratet haben. Oder er ist vielleicht der wohlmeinende Kumpel, der etwas zu lange auf deiner Couch übernachtet, wenn er über die Ferien vorbeikommt, und ständig darauf drängt, dass du jeden Abend auf ein Bier mit ihm in die Kneipe gehst. Wer von uns hat denn keinen Dupree? Genau dieser archetypische Charakter inspirierte Drehbuchautor Michael Le Sieur zu „Ich, Du und der Andere“.
„Den Einfall hatte ich während meiner eigenen Hochzeit vor anderthalb Jahren“, erzählt Le Sieur. „Zu dieser Zeit haben auch viele meiner Freunde geheiratet, und mein Trauzeuge war bei den meisten Trauungen dabei. Er war derjenige, der ‚immer Trauzeuge, aber niemals Bräutigam’ ist, der dabei half, das Porzellan auszusuchen – also das sogenannte ‚Waisenkind’ in unserer Clique. Ich dachte, das wäre doch eine tolle Ausgangsituation für einen Film: zwei Kerle, die beste Freunde sind, bis einer von ihnen sich nicht mehr an die Regeln hält und eine Ehefrau findet.“
Während Le Sieur am Drehbuch arbeitete, entwickelte sich Dupree praktisch von selbst, und schon bald merkte der Autor, dass diese Figur universell ansprechend ist. Die Worte auf den Seiten sprachen es aus: es gibt praktisch niemanden auf der Welt, der nicht auch einen „Dupree“ im eigenen Leben hat.
„Dieser Kerl scheint eine unglaubliche Identifikationsfläche zu bieten“, fährt Le Sieur fort. „Er regt viele Leute dazu an, mir von ihren eigenen „Dupree“-Erfahrungen zu berichten. Entweder man kennt auch jemanden, der so ist wie Dupree – oder man ist sogar selbst der Dupree von anderen.“
Glücklicherweise für Le Sieur verlief dieses Filmprojekt völlig anders, als in der Filmbranche sonst üblich. Die Entwicklungszeit war sehr kurz: vom Konzept über das Drehbuch bis zum ersten Drehtag verging weniger als ein Jahr – für Hollywood-Standards ein unerhörter Vorgang.
„Owen Wilson begann sich während der Entwicklungsphase daran zu beteiligen“, erklärt der Autor. „Wir waren in derselben Agentur, und mein Agent gab Owen die erste Fassung. Er war schon immer meine Traumbesetzung für diese Rolle, doch als er sich auch als Produzent beteiligte, nahm das Projekt richtig Fahrt auf. Seine Beiträge finden sich auch überall im Drehbuch, im Erfindungsreichtum bezüglich der Charaktere. Mein erstes Treffen mit Owen war im Dezember 2004; schon Mitte März 2005 haben wir das Drehbuch verkauft, und in der ersten Oktoberwoche 2005 fingen wir zu drehen an. Es waren unglaubliche zwölf Monate.“
Produzent Scott Stuber, der zuvor als Vize-Vorsitzender der internationalen Produktionsabteilung von Universal Pictures tätig war, hat vor kurzem gemeinsam mit seiner Geschäftspartnerin Mary Parent einen exklusiven Produktionsvertrag mit fünfjähriger Laufzeit abgeschlossen und „Ich, Du und der Andere“ als eines der ersten Projekte ausgewählt. Er fühlte sich von diesem Stoff sofort angesprochen, und schon bald hatten er, Parent und Wilson die Brüder Anthony und Joe Russo an Bord gebracht.
„Meiner Ansicht nach hat „Ich, Du und der Andere“ sehr universelle Themen angesprochen“, meint Stuber. „Es war witzig, einmalig und eine perfekte Rolle für Owen Wilson. Es ist schwierig, eine Komödie mit einem durchgängigen Konzept zu finden, die auch über Tiefe verfügt. Diese ist eine großartige Geschichte über Ehe, Freundschaft und Familie. Ich erinnere mich genau daran, wie ich dachte: Diesen Dupree kenne ich doch… Und genauso wird es vielen Menschen ergehen.“
Produzentin Mary Parent fährt fort: „Was mir an diesem Drehbuch gefallen hat war die Tatsache, dass es die Geschichte nicht nur aus einer Perspektive erzählt. Wir bekommen verschiedene Einblicke in die Ehe, vom Standpunkt des Mannes und der Frau, und erkennen, wie sich die Dinge für ein Ehepaar und deren Freunde verändern, wenn man erst einmal ‚Ja, ich will’ gesagt hat. Es gibt hier viele Schichten, die sowohl zu der Komödie als auch zu der Emotion dieser Story beitragen. Das Thema Freundschaft und wie sie in guten und in harten Zeiten auf die Probe gestellt wird, wird durchleuchtet, genau wie Duprees Suche nach seiner wahren Berufung und Carls Bemühungen, seine eigene Persönlichkeit zu bewahren, während der Druck des Ehelebens und der Karriereanforderungen immer stärker wird.“
Für seine Herangehensweise an diese Rolle kam Owen Wilson mit Le Sieur überein, dass einer der Schlüssel für die Glaubwürdigkeit des Films darin lag, dass Dupree niemals hinterlistig sein darf, obwohl er im Leben von Carl und Molly für Chaos sorgt.
Für Wilson war dieses Drehbuch genau die Art Komödie, mit der er sich auf Anhieb anfreunden konnte. Er hatte 2005 gerade die überaus erfolgreiche Komödie „Hochzeits-Crasher“ abgeschlossen und identifizierte sich gleich mit dem einfallsreichem Naturell seiner Rolle: „Das Brainstorming für dieses Drehbuch hat großen Spaß gemacht“, berichtet der Schauspieler und Produzent. „Mike und ich fanden die gleichen Dinge witzig, also wurde wirklich viel gelacht. Er hat ein sehr feines Gespür für Dialoge, so dass der Arbeitsablauf bei der Entwicklung neuer Ideen, die wir den Figuren in den Mund legten, absolut natürlich verlief.“
Wilson fährt fort: „Einer der Ansätze, um sich in Dupree hineinzuversetzen, ist die Art und Weise, wie er mit den Nachbarskindern umgeht. Als er bei Carl und Molly einzieht, schließt er eher mit den Kindern als mit den Erwachsenen Freundschaft. Er spricht ihre Sprache, denn er ist selbst ein großes Kind. Das war für mich keine schwierige Aufgabe, denn ich bin auch irgendwie ein Kindskopf.“
Le Sieur meint: „Hinter Dupree steckt aber weit mehr als seine Faulenzer-Fassade des dummen August vermuten lässt. Er ist total bescheiden, hat ein Herz aus Gold und würde niemals absichtlich diese Ehe gefährden. Innerlich ist er so arglos und unschuldig und gutherzig, dass es schwer fällt, ihm etwas übel zu nehmen. Und so, wie Owen ihn spielt, verfügt er unabsichtlich über viel Weisheit.“
Nachdem der Stab feststand und die Arbeit am Drehbuch abgeschlossen war, sollten Wilson, Stuber und Parent den Regisseur auswählen. Anfangs zog man verschiedene Regisseure in Betracht, doch als die Russo-Brüder Interesse an dem Drehbuch anmeldeten, wussten die Produzenten, dass sie die Richtigen gefunden hatten. Anthony und Joe Russos Arbeit an der Kino-Komödie „Safecrackers oder Diebe haben’s schwer“ und die von der Kritik gefeierte TV-Serie „Arrested Development“ bewiesen, dass diese beiden über eine interessante, neue Stimme im Bereich Comedy verfügen und frischen Wind in dieses Genre bringen.
Regisseur Joe Russo sagt: „Was uns an diesem Projekt wirklich interessiert hat, war das Thema. In diesem Film geht es um Liebe und Freundschaft. Unter allen Charakteren entwickelt sich eine starke Dynamik, doch im Grunde ist es ein echter ‚Buddy-Film’… eine Entwicklungsgeschichte für Erwachsene.“
„Es schien wirklich eine herausragende Idee zu sein“, meint Regisseur Anthony Russo. „Es ist dieser Augenblick im Leben, wenn sich die alte Freundschaft zwischen zwei Kerlen wegen der Beziehung des einen zu einer Frau verändert.“
Nachdem er das Drehbuch gelesen hatte, stellte Anthony Russo fest, dass „man für Mollys Beziehung zu Carl genauso stark die Daumen drückt wie für die Freundschaft zwischen Carl und Dupree. Darin liegt die einzigartige Balance in diesem Film.“
Schon bald sollten die Produzenten feststellen, dass sich die aus Cleveland stammenden Regisseure und Brüder praktisch ohne Worte verstanden – eine Dynamik, die in dieser so realitätsnahen Komödie perfekt funktionierte.
Die Arbeit mit zwei Regisseuren könnte für Schauspieler, die daran gewöhnt sind, nur einen Regisseur zu haben, gewiss eine Herausforderung bedeuten. Doch schon kurz nach dem Betreten des Sets waren Wilsons Sorgen wie weggefegt: „Es ist interessant, mit diesen Brüdern zusammenzuarbeiten“, meint Wilson. „Man hat das Gefühl, ihren Gedanken lauschen zu können. Sie sind beide sehr stark in alle Aspekte der Regiearbeit involviert. Da sie nicht immer einer Meinung sind, bekommen wir ihre Gedankengänge zu hören – ein großer Vorteil, den man bei nur einem Regisseur nicht genießen kann. Ich konnte niemals zuvor in den Kopf eines Regisseurs eindringen, während er eine Entscheidung trifft – aber mit Anthony und Joe werden wir durch ihre Gespräche in diesen privaten Bereich vorgelassen. Sie haben ein so familiäres Tempo, das so natürlich und organisch ist und sich diesem Film wirklich gut anpasst.“
Um die Ordnung am Set aufrechtzuerhalten (und die Lacher der Schauspieler zu garantieren) war es den regieführenden Brüdern wichtig, für eine entspannte und teamorientierte Arbeitsatmosphäre zu sorgen – was bei zwei Regisseuren, die für ein Projekt verantwortlich sind, nicht immer ganz einfach ist.
„Wir haben Glück, dass wir gut als Partner zusammenarbeiten können“, meint Anthony Russo. „Alles wird über Blicke und Gesten geklärt“, stimmt Joe Russo zu. „Das beste gemeinsame Konzept wird dann umgesetzt. Aber… wir sind Italiener, also stehen wir auch manchmal da und diskutieren es aus. Und wer die besseren Argumente hat, gewinnt.“
„Die besten Filme und Darstellungen sind immer das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit“, meint Parent. „Anthony und Joe verstehen das, und sie wissen, dass es Spaß machen soll, eine Komödie zu drehen. Glauben Sie mir: Wenn sich die Schauspieler bei den Dreharbeiten amüsieren, kann man das auf der Leinwand auch erkennen. Sie sind viel risikofreudiger, wenn sie sich bei dem Stab und den Schauspielkollegen gut aufgehoben fühlen.“