FILMDETAILS | The Chumscrubber - Glück in kleinen Dosen
The Chumscrubber - Glück in kleinen Dosen
Drama
| USA 2005
WERBUNG
| Hallo, Herr Wilder!
„Aries Vater hat über Kunst immer Folgendes gesagt: ,Finde etwas, wogegen es sich zu protestieren lohnt’“, sagt Zac Stanford über Posins Vater Misha, ein russischer Filmemacher, Dissident und Zeitgenosse von Andreij Tarkowski. „Als wir mit der Arbeit an dem Drehbuch von THE CHUMSCRUBBER begannen, fingen wir nicht mit der Geschichte an, sondern stellten zunächst die verschiedenen Themen heraus, denen wir nachgehen wollten. Heuchelei und Selbstbetrug standen ganz oben auf unserer Liste.“
In THE CHUMSCRUBBER versuchen alle Erwachsenen, ein perfektes Leben zu führen. Jeder von ihnen verfolgt ein hehres Ziel, einen heiligen Gral, von dem sie sich Glückseligkeit erhoffen, ein Ideal von amerikanischer Perfektion in einer Welt, in der das Gras immer grün ist und die Bäume immer exakt fünf Meter hoch sind und vier Meter voneinander getrennt stehen. Gleichzeitig merken sie nicht, dass sich ihre Kinder direkt vor ihren Nasen das Leben nehmen, süchtig nach Antidepressiva sind oder Entführungsszenarien entwerfen. Und dennoch werden die Erwachsenen nie als die Bösewichte dargestellt.
„Nichts wäre leichter gewesen, als einige der Figuren einfach so ans Messer zu liefern“, gesteht Posin. „Aber wir waren immer gezielt darauf bedacht, genau das nicht zu tun. Da ist zum Beispiel die von Rita Wilson gespielte Terri, die so besessen davon ist, die perfekte Hochzeit auszurichten, dass sie nicht merkt, dass ihr Sohn spurlos verschwunden ist. Aber wir haben ihr mit voller Absicht eine Szene gegeben, in der sie an Charlies geschlossener Zimmertür klopft, weil sie vermutet, dass er sich eingeschlossen hat. Damit zeigen wir, dass ihr sehr wohl etwas am Befinden ihres Sohnes liegt und sie weiß, dass er aufgebracht ist wegen der Hochzeit und Lou für ihn immer sein Vater bleiben wird.“
Es mag wie ein Märchen klingen, ist aber tatsächlich wahr, dass Posin in jungen Jahren Freundschaft mit der Hollywood-Legende Billy Wilder schloss. „Mein Vater hatte ihn in Russland kennen gelernt. Als wir dann nach Kalifornien übersiedelten, nahm sein Manager Kontakt mit ihm auf“, berichtet Posin. „Ich saß also in meinem ersten Jahr in der Highschool, als mein Vater auftauchte, mich aus dem Unterricht zerrte und mir sagte, ich solle einen Anzug anziehen. ,Du wirst Billy Wilder treffen“, sagte er mir.“ Das war der Beginn einer unschätzbar wertvollen, Jahrzehnte andauernden Bekanntschaft, in der sich Wilder entweder als Mentor von Posin hervortat oder aber moserte: „Was ist heutzutage nur mit den ganzen jungen Leuten los? Alle wollen Filmemacher werden! Was ist so falsch daran, Buchhalter oder Doktor oder Anwalt werden zu wollen?“
Wenn es eine wichtige Lektion gibt, die Posin von Wilder, dem wunderbar zynischen Humanisten des amerikanischen Kinos, lernte, dann ist es, dass man seine Figuren niemals verurteilen darf. Das trifft auf THE CHUMSCRUBBER zu: Hier ist der Antagonist nicht eine der Figuren, sondern eine Idee – ein weiteres Indiz dafür, wie ungewöhnlich und komplex der Ansatz des Stoffes ist.