Bay holte sich als Produktionsdesigner Jeff Mann an Bord, mit dem er schon bei verschiedenen Werbespots gearbeitet hatte. „Jeff ist ein Autofreak“, sagt Bay, „und er hatte von Anfang an ein großes Verständnis für den Stoff.“
Auch wenn Mann die Transformers-Kindheitsgeneration gerade so verpasst hat, ist er durch Recherche und große Begeisterung zu einem der größten Kenner der Transformers-Welt im Filmteam geworden. Hatte man Fragen zum Thema Transformers®, ging man zu DeSanto, Mann oder zu den Autoren Kurtzman und Orci. „Wir hatten einen ausführlichen Transformers™-Intensivkurs”, sagt Mann, „und wird hatten Zugang zu viel Archivmaterial. Mein Team hatte die besten Lehrer bei Hasbro und wir haben sehr schnell verstanden, warum Menschen von Anfang an begeistert von diesen Roboter-Persönlichkeiten und der Spielzeugserie waren.“
„Zunächst habe mich darauf konzentriert, was jeder Charakter im Laufe des Filmes erreichen oder erledigen muss“, so Mann. „Dann konzentrierte ich mich auf die Frage, was sie waren, bevor sie sich verwandelt haben, und schließlich darauf, wie sie sich verwandeln. Ich wollte, dass die Designs ausgereift sind, damit der Zuschauer spürt, dass wir uns auch um den Background der Figuren gekümmert haben. Wobei Michaels Vorgabe natürlich war, dass die Roboter nicht nur dem originalen Design gerecht werden sollten, sondern auch cool aussehen mussten.“
Auch wenn es vielleicht etwas abwegig scheint, förderte Mann bei seiner Recherche tatsächlich ein paar hochfliegende Theorien zutage, die den Verwandlungsprozess der Roboter erklären könnten. Eine dieser Theorien besagt, dass sich die Verwandlung nanotechnologisch auf molekularer Ebene abspielt.
„Die Idee dahinter ist, dass jede Zelle eines Roboters eine eigene kleine Maschine ist, und sie sich im Grunde auch selbst regenerieren können“, erklärt Mann. „Das ergibt wiederum keinen Sinn, wenn man bedenkt, dass die Roboter geboren werden, in einer Gesellschaft von Robotern leben und außerdem zerstört werden können. Aber wahrscheinlich muss man einfach mal seine Skepsis beiseite legen, um die Geburt einer Roboterrasse zu begreifen.“
Trotz dieser gewagten Theorien, die alles erlaubt hätten, versuchten die Filmemacher, ein paar Regeln für den Transformationsprozess festzulegen: „Unsere Roboter haben die Fähigkeit ein Fahrzeug zu ‚scannen’ und dann mit ihrem eigenen Körper darzustellen“, erklärt Mann. „Aber jeder Roboter kann sich nur in Etwas verwandeln, das ungefähr seiner eigenen Masse entspricht. Zum Beispiel wird Jazz zu einem Pontiac® Solstice®, wohingegen Optimus® ein großer Lastwagen wird. Es war Michael wichtig, dass sich die Roboter nur in Objekte ähnlicher Größe verwandeln. Wir hatten sogar Evolutionskarten für jeden Roboter, die die einzelnen Verwandlungsschritte beschrieben.“
„In den Cartoons sind die Formen der Roboter im Grunde eine Reihe von verbundenen Blöcken, die sich anders stapeln, wenn sie sich verwandeln”, so Mann. „Aber die Cartoon-Roboter konnten sich in jeder Situation in fast jede beliebige Form verwandeln, was ein bisschen zu einfach gewesen wäre. In unserer Version haben die Roboter einige Einschränkungen und können sich nicht willkürlich verändern. Sie sind nicht unendlich formbar, sie sind nicht aus Gas und sie haben keine magischen Fähigkeiten. Sie besitzen einfach nur eine Technologie jenseits unserer Vorstellungskraft.“
„Wir stellten ein Team von 25 Künstlern zusammen, um Storyboard-Konzepte und den Look der Roboter und Autos darzustellen. Jeder Mitarbeiter hatte eine Spezialität – einer war für die Augen zuständig, ein anderer für die Gesichtszüge, und ein weiterer kümmerte sich um die Füße. Es dauerte Monate. Hasbro stand uns dabei zur Seite, aber sie ließen mich auch mein Ding machen“, so Mann.
„Bei Optimus® mussten wir die Ohren größer machen, um den Samurai-Look zu betonen”, erklärt er, „aber wir haben die meisten Änderungen mit den Transformers™-Fans abgestimmt. Sie kennen die ‚Überlieferungen’ und wissen genau, warum ein Roboter aussieht, wie er aussieht, und welche Fähigkeiten er hat.“
Nur zwei Roboter zum Anfassen wurden für den Film hergestellt: Decepticon Frenzy® und Bumblebee™. Um den animierten Decepticon Frenzy® zu erschaffen, studierte das Art Department Gesichtszüge und konzentrierte sich auf Details wie Augenhöhlen und Mundbewegungen bei verschiedenen Gesichtsausdrücken. Ihre dreidimensionalen Entwürfe wurden von Prothesen- und Puppenspezialisten bei KNB verfeinert und schließlich entstand eine 1,20 Meter hohe Decepticon Frenzy® Metallpuppe.
Bumblebee™ wurde von der Academy Award gekrönten Spezialeffekte-Legende John Frazier und seinem Team bei Fxperts gebaut. Fraziers begabte Mitarbeiter gestalteten Bumblebee™ in einer Größe von über 5 Metern und mit einem ‚Fußabdruck’ von über 2 Metern. Er wiegt über 400 Kilo, ist knappe 4 Meter breit und zweieinhalb Meter tief. Bei den Dreharbeiten brauchten einige Mitarbeiter einen ganzen Tag, um den Roboter zusammenzufügen, der auf einem Sattelschlepper von Drehort zu Drehort transportiert wurde. Nach Ende der Dreharbeiten hat Frazier das Design von Bumblebee™ an die Bedürfnisse „seiner öffentlichen Auftritte“ angepasst und nun kann man ihn zwei oder drei Stunden zusammenfügen.
Auch das Timing auf der Leinwand wurde verbessert. Im Cartoon dauerte die Verwandlung bloß Sekunden, aber den Filmemachern war klar, dass sie mehr bieten mussten. So haben sie großes Augenmerk auf die komplizierten Abläufe einer jeden Verwandlung im Film gelegt.
„Ich wollte, dass das Publikum die ausgefeilte außerirdische Maschinerie hinter jeder Verwandlung sehen kann“, sag Mann, „Das Summen und Surren, das Ausfahren und Zusammenziehen – selbst eine einfache Bewegung wie das Drehen eines Handgelenks sorgt dafür, dass 17 faszinierende Mechanismen in Bewegung gebracht werden müssen. Und wenn sich ein Fahrzeug in einen Roboter verwandelt sieht man, dass ein Reifen nicht unbedingt ein Reifen ist, sondern eine Schulter. Sobald man an der Oberfläche dieser Fahrzeuge kratzt, bemerkt man, dass es sich um außerirdische Roboter handelt.“
„Die visuellen Effekte waren so komplex, das ILM jeweils unglaubliche 38 Stunden für das Rendering eines einzelnen Frames dieser Roboter-Verwandlungen brauchte“, erzählt Bay. „So etwas gab es bisher noch nicht.“
Bay und Mann gehören mittlerweile zu den größten Kennern der Transformers™-Welt. „In den letzten zwei Jahren habe ich wahrscheinlich mehr über Roboter nachgedacht als jeder andere auf diesem Planeten. Wie stellt man sie her? Wie bedient man sie? Wie zerstört man das Unzerstörbare?“, so Bay. „Das sollte mich zum Oberstreber im Bereich Transformers™-Wissen machen.”
Mann stand unter dem zusätzlichem Druck, weil Hasbro mit der Herstellung der neuen Spielzeuge mindestens ein Jahr vor dem Kinostart beginnen musste.
Beim Design der Roboter musste natürlich auch in Betracht gezogen werden, in welche Fahrzeuge sie sich verwandeln. Die Filmemacher waren offen für alle Automarken, von Ferrari über Ford bis Jaguar, und alle waren im Gespräch, bis Michael Bay einer Einladung in die geheimen Entwicklungshallen von General Motors folgte.
Während seines Besuches konnte Bay auch schon die frühen Versionen des 2009 Camaros® bestaunen, der im Film als neuer Bumblebee™ zu sehen ist. „Das Modell hatte einen Retrolook”, sagt Bay, „und wirkte wie ein ‚Muscle Car’. Ich wusste sofort, dass das Bumblebee™ ist, und ich wusste, dass mich mein Instinkt nicht trügt. Einen Käfer zu nehmen, stand nicht zur Debatte. Ich wusste, dass ich einige Fans damit enttäusche, aber wenn sie dieses Auto sehen, werden sie mich verstehen.“
GM lieh der Produktion nicht nur Güter im Wert von über einer Millon Dollar, sondern half außerdem dabei, ihre Autos ein bisschen anders aussehen zu lassen als man sie auf der Straße sieht. Hinzu kommt, dass man für den Zauber des Filmemachens auch ein „Stuntdouble“ und ein „Fotodouble“ für jedes Fahrzeug braucht.
„Wenn man große Actionsequenzen dreht, braucht man von jedem Auto drei Exemplare“, erinnert Bay. „Man muss weiter drehen können, wenn eines eine Panne oder einen Unfall hat.“
Für Optimus Prime® hatte Jeff Mann ein ganzes Team mit möglichen Entwürfen für den Roboter und den Truck beauftragt, um genau den richtigen Look zu bekommen. Mann zeigte Bay das Foto eines riesigen Lastzuges und Bay war sofort begeistert vom Design und der Größe des Trucks, auch wenn ihm klar war, dass er dafür erneut herbe Kritik einstecken würde. Die Wahl eines etwas aggressiveren Trucks war außerdem als Salut an Spielbergs Film „Duell“ gedacht.
Natürlich gab es viele Diskussionen über Bumblebee™, bevor sich die Filmemacher einigen konnten. „Der vollkommene Camaro® ist das ’69er Baujahr”, sagt Mann. „Es ist der beliebteste Jahrgang, aber wir wollten eine geschmacklosere Version als Sams erstes Auto, und da die 70er Jahre ein finstere Epoche für Autos waren und Sam natürlich kein Geld für einen 69er hat, war ein Camaro® Baujahr 1976-77 die perfekte Wahl.“
„Wenngleich die Umwandlung in weitere, andere Formen für die anderen Transformers™ verboten war, gab es mehrere Gründe, bei Bumblebee™ eine Ausnahme zu machen und ihm zu erlauben, sich in ein neueres Baujahr zu verwandeln“, erklärt Mann. „Und es gab uns die Chance, den neuen Camaro® zu präsentieren.”
Als häufigster Fahrer des 500 000 Dollar-Prototyps war Shia LaBeouf ziemlich nervös. „Du denkst die ganze Zeit: Fahr’ das Ding bloß nicht an die Wand, es gibt nur vier davon!’ Also konnte ich nicht mit quietschenden Reifen und Vollgas durch die Gegend rasen“, witzelt er. „GM hatte immer Leute, die ein Auge darauf hatten, was ich anstelle. ‚Putz die Füße ab, bevor du einsteigst! Hände am Lenkrad! Fass nichts an!’ hieß es ständig“, lacht er.
Autobot Jazz® war schon immer ein Sportwagen und wurde ursprünglich als Martini Porsche 935 Turbo im Cartoon eingeführt. Aber mit der Idee, dem Look dieser Welt auch ein Update zu bieten, entschieden sich die Filmemacher für den Pontiac® Solstice® GXP Roadster.
„Anfangs wollten wir eigentlich keine zwei Autos von derselben Firma haben“, so Bay , „aber der Solstice® war neu, und sie machten gerade Werbung für ihn. Er hat einfach gepasst. Er hat eine interessante Form und wurde modifiziert für eine spezielle Autoshow in Las Vegas (SEMA). Er hatte ein paar knackige Effekte, ein Hardtop und riesige Felgen – kurzum: Er war unwiderstehlich.“
„Ratchet® ist eine Art Ambulanz, basierend auf einem Hummer® H2®”, beschreibt Mann. „So etwas gab es nicht wirklich, also haben wir das von Grund auf neu konstruiert. Wir haben uns ein paar militärische Hummer®-Krankenwagen angeschaut und verschiedene Rote Kreuz-Fahrzeuge aus den 80er Jahren mit einer H1®-Plattform. Daraus entwickelte sich schließlich das Such- und Rettungsfahrzeug mit seiner besonderen Farbgebung.“
Ironhide® ist ein GMC Topkick® mit 46 Zoll Nitto Super Swamper Reifen, die erst einen Tag vor der ersten Szene mit dieser ‚Figur’ ankamen. Außerdem wurden die Stoßdämpfer modifiziert und am Heck kann man das Autobot®-Logo sehen.
Starscream® gehört zu den beliebtesten Decepticons® und er kann sich in den innovativen F-22® Raptor®-Jet von Lockheed Martin® verwandeln. Das Flugzeug ist so neu, dass es noch in der finalen Testphase auf dem Edwards Air Force Stützpunkt ist. Bei den Dreharbeiten mit dem Prototypen standen Sicherheit und Geheimhaltung an oberster Stelle. Es gab Backgroundchecks aller Beteiligten. Wer sich auf dem Gelände aufhalten wollte, auf dem das Flugzeug geparkt war, musste sich an- und abmelden, und in einem Umkreis von mehreren hundert Metern waren Mobiltelefone verboten. Jedes Aufnahmegerät musste vorher bewilligt werden.
Auf das Aussehen von Bonecrusher®, einem Buffalo® MPCV™, ist das Art Department im Internet gestoßen. „Wir haben dieses Bild eines Minensuchautos mit einem riesigen Arm und einer Gabel am Ende gefunden“, erinnert sich Mann. „Also riefen wir die Leute an, denen das Fahrzeug gehört, und hofften, es ihnen abkaufen oder es mieten zu können. Aber als wir die realen Daten bekamen, stellte sich heraus, dass die Gabel gerade mal 40 Zentimeter breit war – sie hatten das Ding im Photoshop nachbearbeitet. Auf ihrem Bild sieht es aus, als könnte man mit diesem Arm einen Bus hochheben. Wir mussten also einen Aufsatz über den existierenden Arm stülpen. Aber so ist das nun mal in diesem Job.“
Der Fahrzeug-Koordinator Steve Mann (nicht verwandt mit Jeff Mann) arbeitete bei der Suche nach den weiteren Autos und Lastern für den Film eng mit Jeff Mann zusammen. Viele der Fahrzeuge im Hintergrund sind abgeschriebene Versicherungsfälle, die durch den Orkan Katrina entstanden sind.
Als Grundlage für Devastator® fand Steve einen Panzer (basierend auf dem M1 Abrams), der schon für einen anderen Film umgerüstet war. „Es war eine günstige Gelegenheit“, sagt Jeff Mann. „Wir haben ihn weiter umgebaut und mit einen coolen Camouflage-Anstrich versehen - inspiriert von einem Design, das wir bei einem futuristischen Schlachtschiff gesehen hatten.“
Die Filmemacher einigten sich für Blackout® auf den Sikorsky® MH-53 Pave Low®-Hubschrauber, weil er mehr Sexappeal hat. „Cobras sind zu schmal, auch wenn sie voller Waffen stecken“, so Mann, „und der Huey ist einfach zu alt, um wirklich gefährlich zu wirken. Der Pave Low® sieht so richtig schön männlich aus und war auch hinsichtlich Massenakzeptanz die logische Wahl für Blackout®.“
Barricade® verwandelt sich in einen Saleen® S281™ Mustang® im Gewand eines aufgemotzten Polizeiautos mit Frontscheinwerfern, die innerhalb von Sekunden zu gefährlichen Waffen werden können.
Bei jeder Entscheidung haben wir auch an das Publikum gedacht. „Mir ist klar geworden, dass wir ‚TRANSFORMERS’ auch für Leute machen, die diese Welt und die alten Cartoons nicht kennen“, so Bay. „Einige der alten Designs hätten in der modernen Welt des Films einfach albern ausgesehen.“
Die Sets, die Mann gemeinsam mit dem Ausstatter Larry Dias gestaltete, entwickelten eine Eigendynamik, als der Produktion die Drehgenehmigung für den Hoover Damm erteilt wurde. Die zu kreirenden Innenräume und ihre Einrichtungen mussten auf die echte Location aus den frühen 1930er Jahren abgestimmt werden.
In der Filmgeschichte ist der Damm um ein geheimnisvolles kubisches Objekt herum gebaut worden, das ein Energiesignal aussendet. Um dieses Objekt vor möglichen Feinden und neugierigen Blicken zu verbergen, entschied sich die Regierung, ein gigantisches Wasserkraftwerk als Versteck zu bauen.
Für Mann war es eine Chance, das Art-Deco Meisterwerk „weiter auszubauen“, welches von Gordon B. Kaufmann und Allen True entworfen wurde und mit Hilfe des Bildhauers Oskar J.W. Hansen eine völlig neue Ebene der Ästhetik erreicht hatte. Das Bauwerk wurde ursprünglich von Ingenieuren entworfen und die Gestaltung durch die Funktion bestimmt, was sich erst änderte, als Künstler sich damit beschäftigten.
Von den indianischen Mustern auf den Terrazzo-Böden über die glatten Betonwände bis zu den Bronzestatuen, die das Äußere schmücken, folgte Mann dem Geist des Bauwerks bei der Verwandlung zu Megatrons® Gefängnis. Hier findet sich auch das Labor, in dem Bumblebee™ auf einem Operationstisch untersucht werden soll.
Da die Preise für Atelieraufnahmen in Los Angeles extrem hoch sind, nutzen viele Filmemacher stillgelegte Produktionshallen und Warenhäuser. So ein Ort ist auch das Hughes Aircraft-Gelände in Playa Vista, gelegen in der Nähe des Flughafens von Los Angeles und der Autobahn 405. Hier wurde das legendäre Flugschiff ‚Spruce Goose’ (mitentwickelt und finanziert von Howard Hughes) gebaut. Heute ist das Gelände ein beliebter Drehort für viele Film- und Fernsehproduktionen.
Die beiden Hauptgebäude sind 30 Meter breit und 240 Meter lang, was der „TRANSFORMERS”-Produktion erlaubte, alle Sets an einem Ort aufzubauen und nicht in verschiedenen über die Stadt verteilten Studioateliers.