Kapitel 1 brachte die Untergrundwelt der amerikanischen Muscle Cars und die gefährlichen Straßenrennen von Los Angeles auf die Leinwand. Das zweite Kapitel erzählte die Geschichte von Geldwäsche, Erlösung und die letzten schnittigen Rennen für Männer, die heiß auf qualmende Reifen sind. Und jetzt
befinden wir uns mitten im Untergrund von Tokio, wo illegale Kopf-an-Kopf-Rennen durch haarnadelscharfe Kurven in einer tödlich rasanten
Geschwindigkeit veranstaltet werden, sodass der Adrenalinspiegel bis ins Unermessliche steigt. Die beiden ersten Filme haben weltweit mehr als 443 Millionen Dollar eingespielt.
Die Filmemacher, die hinter „The Fast and the Furious: Tokyo Drift“ stehen, wussten, dass sie mit dem dritten Teil der Franchise-Serie etwas Besonderes schaffen mussten. „The Fast and the Furious: Tokyo Drift“ handelt von unverstandenen Teenagern, die am Rande der Gesellschaft leben und sich dem Kick von Wahnsinnsrennen mit fantastischen, aufgemotzten Autos hingeben – eine Metapher für den Verlust von Kontrolle in einer irrsinnigen Welt. Für den erfolgreichen Filmemacher Neal H. Moritz war es klar, dass er dem drittem Film der beliebten Serie ein völlig neues und frisches Aussehen bezüglich der Kultur der Straßenrennen verpassen musste.
Moritz sagt: „Wir wollten erst dann einen dritten Teil der Serie machen, wenn uns etwas ganz Besonderes einfallen würde. Eines Tages kam die Idee mit Tokio, und das Team diskutierte darüber, dass hier der Geburtsort einer neuen Art von Rennen war, nämlich das „Driften“. Ich wusste sofort, dass wir das machen sollten. Der Erfolg spricht für sich selbst, und ich könnte nicht glücklicher über den Film sein.“ Er fährt fort: „Als wir Material über diese Rennen sahen, war mein Interesse sofort geweckt.“
Jetzt musste für diese Art von Film ein junger, frischer Regisseur gefunden werden – dieser Mann war Justin Lin. „Nachdem ich „Better Luck Tomorrow“ gesehen hatte, wusste ich gleich, dass er derjenige ist, mit dem ich bei diesem Film arbeiten wollte. Er war auch der erste, den wir ansprachen, und er liebte die Idee. Dieser Film braucht einen gewissen Enthusiasmus, und den hatte Justin, Er ist absolut ruhelos.“
Lin, der sich mit Drifting eigentlich nicht sonderlich gut auskannte, als er das Angebot für den Film erhielt, erinnert sich: „Ich besuchte gerade die Filmschule, als „The Fast and the Furious“ ins Kino kam. Ich fand ihn schon sehr ungewöhnlich. Was mich jetzt interessierte, war die Möglichkeit, die Energie zu verstärken, ein völlig neues Kapitel zu kreieren und den Zuschauern, die Action und Geschwindigkeit lieben, etwas Neues zu bieten.“
Der Regisseur wusste, dass er den Sport des Drifting und den Geist dahinter wahrheitsgetreu erzählen musste. Lin erinnert sich: „Das Driften kommt von Kindern aus der Arbeiterklasse aus den Bergen Japans, wo es sehr verwinkelte Straßen gibt. Sie fanden einen Weg, sie am schnellsten runterzufahren.“
Es war reine Glückssache für Lin und Moritz, einen Drehbuchautor zu finden, der diese Serie liebte. Chris Morgan, ein Autonarr, kannte sich mit dem Thema Driften bestens aus.
Er skizzierte kurz die Story für die Filmemacher, und ein neues, modernes Kapitel für die nächste Generation wurde in Bewegung gesetzt.
„Beim Driften geht es um das Drücken von Knöpfen und aufs Gaspedal treten und es zu halten. Die Jungs kennen ihre Autos besser als die Hersteller. Sie befinden sich am Rand ihrer physischen Kontrolle und spielen mit ihrem Leben. Es ist laut, schmutzig und wundervoll. Gefährlich wie die Hölle, und ich habe mich sofort darin verliebt, als ich das sah“.
Für Lin war es klar, dass er autentisch bleiben musste, wenn er die Komplexität des modernen Teenagerlebens ausleuchtet; und er musste eine glaubhafte Welt der jungen Außenseiter, die am Rande der Gesellschaft leben, kreieren. „The Fast and the Furious“ katapultierte die Karrieren der Hauptdarsteller (darunter Paul Walker, Tyrese Gibson und Vin Diesel) in die Höhe. Der Schauspieler Lucas Black, der in dem High School-Football-Thriller „Friday Night Lights“ und in „Jarhead – Willkommen im Dreck“ wird durch seine außergewöhnliche Präsenz auf der Leinwand, sein Charisma und seinen natürlichen Darstellungsstil in deren Fußstapfen treten.
Moritz gibt zu bedenken: „Das Kennzeichen von „Fast and Furious“ verlangt frische und großartige Schauspieler. Und die Idee des Außenseiters kommt immer gut an. Die Figur des Sean und das Tokio-Konzept ist in dieser subalternen Welt wie ein „Fisch außerhalb des Wassers“. Nachdem ich Lucas in „Slingblade“, „Friday Nights Lights“ und in „Jarhead“ gesehen hatte, war mir klar, dass ich ihn für diesen Film haben wollte.“
Der 23-jährige Schauspieler war sofort Feuer und Flamme, als er hörte, dass die Filmemacher ihn für diese Rolle wollten. „Die Entscheidung fiel mir ziemlich leicht, geht es doch um Action und Autos“, erinnert sich Black. Nachdem er das Drehbuch gelesen hatte, fand er die Darstellung des Charakters des Sean Boswell, einem wahrem Renegade mit der Vorliebe für Straßenrennen, als eine große Herausforderung.
Lin wusste, dass er eine Leitfigur mit dem nötigen Enthusiasmus, wie sie Black darstellen würde, braucht. „Lucas weiß jetzt ganz genau, wie er zu driften hat. Ich glaube, dass er und Brian (Tee) eine gute Zeit hatten und sie keine Angst vor der Geschwindigkeit hatten. Ich glaube, das kommt in ihrer Darstellung rüber.“
Der Musikstar und Schauspieler Bow Wow nahm eine Pause von seiner momentanen Arbeit an den Familienkomödien-Serien „Johnson Family Vacation“ und „Roll Bounce“ in Kauf, um sich am Set unter die Besetzung von „The Fast and the Furious: Tokyo Drift“ zu mischen und die Rolle des Straßenjungen Twinkie anzunehmen. „Ich liebte die Rolle“, sagt Bow. „Twinkie ist so smart und fröhlich, egal, ob er mit den Girls im Club sich amüsiert oder mit seinen Freunden abhängt. Er weiß, dass alles nur Business ist, und er genau weiß, was er tut.“
Auch die 21-jährige australische Schönheit Nathalie Kelley, die ihr Spielfilmdebüt gibt, oder Brian Tee, der Seans Erzrivale spielt und der ungekrönte Drift-König Tokios ist, gehören zu dem frischen Team.
„Wir brauchten eine Schauspielerin mit einem frischen Gesicht, die sich gegen all die taffen Jungs behaupten konnte“, erinnert sich Lin. „Ich fand sie in Nathalie .... wenn sie auf der Leinwand erscheint, kann man von ihr die Augen nicht nehmen.“
„Für die Rolle von D.K. benötigten wir einen wahren, glaubhaften Darsteller, der anfangs der große Widersacher von Sean ist. Ihn fanden wir in Brian Tee, der eigentlich ein ganz süßer Junge ist, aber auf der Leinwand sehr taff wirkt. Als ich ihn zur Tür reinkommen und sein Gesicht und seine Muskeln sah, wusste ich – das ist unser D.K.“
Die Filmemacher hielten Ausschau nach weiteren Darstellern, darunter Sung Kang und Jason Tobin, die zuvor schon mit Regisseur Justin Lin bei „Better Luck Tomorrow“ gearbeitet hatten. Ebenso waren Leonardo Nam, die japanische Schauspielerin Keiko Kitagawa, Zachery Ty Bryan und Nikki Griffin dabei.
Für Kang, der zuvor mit Lin an einem Independent-Film mit einem kleinen Budget gearbeitet hatte und nun in einem mit einem großen Budget versehenen Sommerhit mitspielen sollte, war das sehr ungewohnt. „Tolle Autos, wunderschöne Frauen, wunderschöne Drehorte...“, sagt er mit einem Grinsen . „....ich danke Justin jeden Tag, dass ich bei diesem großen Studioprojekt dabei sein konnte. Es ist ein großer Unterschied und es ist wirklich nett, diese Freude mit Freunden zu teilen.“
Der Gegensatz zu der jungen Besetzung ist Sonny Chiba – der Star der 70er Jahre Martial Arts-Filme und des Kult-Klassikers „The Street Fighter“. Er spielt D.K.s Onkel und Yakuza-Boss Kamata.
„Es gehört für mich zu den Highlights, mit einer Legende wie Sonny Chiba zu arbeiten. Als wir mit der Vorbereitung des Filmes begannen, war es sehr wichtig für uns, die Rolle des Kamata mit jemandem zu besetzen, der einerseits eine Ikone ist, aber auch eine gewisse Präsenz und Stärke als Schauspieler hat.“
Mit nur zwei fließend japanisch sprechenden Schauspielern (Kitagawa und Chiba), war es für Lin sehr wichtig, intensive Recherchen über das Phänomen Drifting sowie das Umfeld anzustellen. Er musste die junge Schauspieler bestens auf ihre Rollen vorbereiten. Er stellte sicher, dass sie über alle Aspekte dieser Unterweltkultur informiert waren. Er stellte als technischen Konsultant Toshi Hayama ein. Lin unterrichtete seine jungen Darsteller in Japanisch mit dem richtigen Tokio-Slang. Außerdem mussten sie intensive Drift-Trainingsstunden nehmen.
Es kam auf die jeweilige Rolle an, dass sie die feinen Nuancen der japanischen Sprache lernen musste oder das richtige Sitzen in den 50.000 $-Autos, um für die Dreharbeiten richtig vorbereitet zu sein.
Auf einem südkalifornischen Speedway trainierten sie mit den Drift-Fahrern des Films, Rhys Millen, dem derzeitigen U.S. Formula Drift Champion und dem Stunt-Fahrer Tanner Foust.
Black erinnert sich: „Als sie uns zum ersten Mal auf die Rennstrecke mitnahmen und uns zeigten, wie man driftet .... Mann, da waren wir total ehrfürchtig. Ich war richtig süchtig. Ich fühlte mich auf dem Fahrersitz wohler als auf dem Beifahrersitz. Sogar, als Ryhs fuhr, hatte ich das Gefühl, dass ich selber fuhr.“
Tee fügt hinzu: „Ich bin ein Adrenalin-Junkie. Als sie mir den Schlüssel für den Z (den `02 Nissan Fairlady 350Z) gaben und sagten, `gib Gummi, soviel du willst`, war ich voll aus dem Häuschen. Sie mussten mich förmlich von der Rennstrecke rausschmeißen.“
Vor den Dreharbeiten konnten Kelley und Bow Wow nur ein Auto mit Automatik fahren (außerdem hatten sie gerade ihren Führerschein gemacht). Sie mussten lernen, mit der Gangschaltung umzugehen, mit den Bremsen zu arbeiten, um die Kunst des Drifting zu verstehen.
„The Fast and the Furious“ erlaubte den Zuschauern erstmals, in die Welt der illegalen Straßenrennen abzutauchen und „2 Fast 2 Furious“ zeigte ihnen die Welt von heißen, aufgemotzten Autos und ihre explosiven Fahrer. „The Fast and The Furious: Tokyo Drift“ zeigt ihnen nun den knochenharten Sport des Drifting. Drifting, so wie es in den Bergen Japans von jungen Fahrern, vorzugweise bei Dunkelheit, vollführt wird.