Schriftsteller, Verfasser von Kurzgeschichten, Drehbuchautor, Stückeschreiber, Schöpfer der „non-fiction novel“, faszinierender Erzähler, Pfiffikus, Superstar, Genie und Jetsetter, und immer rundum ein Vergnügen: Truman Capote war eine der überraschendsten und einzigartigsten Persönlichkeiten seiner Zeit.
Er wurde am 30. September 1924 als Truman Streckfus Persons in New Orleans geboren. Sein Vater war Arch Persons, ein Kleinspurbetrüger, seine Mutter war Lillie Mae Faulk Persons, eine bildschöne junge Frau aus Monroeville, Alabama. Bald schon steigerte sich Lillie Maes Enttäuschung in Arch so sehr, dass sie Geschmack für andere Männer entwickelte und die Ehe zu zerbrechen begann. 1930, kurz vor seinem sechsten Geburtstag, wurde Truman von seinen Eltern nach Monroeville geschickt, wo er bei den älteren Faulk-Cousins und -Cousinen leben sollte – den jungferlichen Schwestern Jennie, Callie und Sook sowie deren unverheirateten Bruder Bud. Von ihnen war Truman am meisten Sook zugetan, die für ihn so etwas wie eine Ersatzmutter wurde. Außerdem freundete er sich mit einem Mädchen aus der Nachbarschaft an, Harper Lee, die ein Jahr jünger war als er. Später porträtierte sie den jungen Truman als die Figur Dill in ihrem Roman „Wer die Nachtigall stört“: „Wir lernten ihn als einen Merlin im Taschenformat kennen, dessen Kopf voller exzentrischer Pläne, merkwürdigen Sehnsüchten und kurioser Vorlieben steckte.“
Seine Mutter zog 1931 nach New York City. Sie änderte ihren Vornamen in Nina, ließ sich von Arch scheiden, heiratete Joseph Capote, einen Kubaner, der für eine Textilfirma an der Wall Street arbeitete, und holte Truman in den Norden nach Manhattan. Er besuchte die Trinity School, eine Privatschule an der West Side, und wurde 1935 formal von seinem Stiefvater adoptiert. Truman Persons war nun Truman Capote (was man „Ka-poh-tie“ ausspricht). 1939 zogen die Capotes nach Greenwich, Connecticut, eine wohlhabende Vorstadt von New York. Dort besuchte Truman die Greenwich High School. 1942 kehrten die Capotes nach New York zurück und zogen in ein Apartment in der Park Avenue. Truman, der beim Abschluss an der Greenwich High School durchgefallen war, holte sein Diplom im folgenden Jahr an der Franklin School nach, einer Privatschule an der West Side. Dies war das Ende seiner formalen Ausbildung.
Während seiner Zeit an der Franklin nahm er einen Job beim The New Yorker als Copyboy des Art Department an. Als „herrliche Erscheinung, umherflatternd, die Korridore des Magazins auf und ab huschend“ wurde er von Brendan Gill, einem der Stützpfeiler des Magazins, beschrieben. In einer Zeit, in der Homosexualität in Amerika als Gräuel galt, war Truman auf nonchalante und strahlende Weise schwul.
Truman hatte schon in seiner frühen Jugend mit dem Schreiben von Geschichten begonnen und hoffte nun, dass The New Yorker ihn veröffentlichen würde. Aber all seine Versuche wurden abgeschmettert. Auf mehr Gegenliebe stieß er bei zwei Frauenmagazinen, Mademoiselle und Harper’s Bazaar, die zu dieser Zeit im Ruf standen, die besten Kurzgeschichten in ganz Amerika abzudrucken. Seine erste Geschichte in Mademoiselle war „Miriam“, die ihm nicht nur einen O. Henry Award einbrachte, sondern ihn auch zum Gesprächsthema in den Literaturzirkeln von Gotham machte. Weitere Geschichten folgten. 1945 nahm ihn Random House für seinen ersten Roman unter Vertrag: „Andere Stimmen, andere Stuben“ sollte sein Titel werden. Weil er zu Hause nicht schreiben konnte (seine Mutter war mittlerweile dem Alkohol verfallen), erhielt Truman ein Stipendium für Yaddo, einer Zuflucht für Künstler, Schriftsteller und Komponisten im Staat New York.
Dort begann seine lange Beziehung mit Newton Arvin, einem Literaturprofessor am Smith College in Massachusetts. Arvin war 24 Jahre älter als Truman und ein anmutiger Autor, ein Gelehrter mit beeindruckendem Wissen und ein Kritiker mit makellosem Urteilsvermögen. Seine Biographie über Herman Melville gewann den allerersten National Book Award für ein Non-Fiction-Buch. Arvin war sowohl Liebhaber als auch Vaterfigur und, wie Truman später sagte, sein Yale und Harvard.
Obwohl sich „Andere Stimmen, andere Stuben“ nach seiner Veröffentlichung 1948 nur schleppend verkaufte, zementierte der Roman Trumans Ruf als einen der viel versprechendsten Autoren der Generation nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Roman erzählt niemals explizit die Geschichte eines Jungen in seinen Teenager-Jahren, der die eigene Homosexualität entdeckt. Erst viele Jahre später war Capote selbst in der Lage zu der Erkenntnis, dass es sich um seine zumindest spirituelle, wenn auch nicht tatsächliche Autobiographie handelte. Gerald Clarke schrieb, dass der exzentrische Cousin der Hauptfigur „das Sprachrohr für die Themen war, die alle Veröffentlichungen Trumans dominieren: die Einsamkeit, die außer den Dummen und Unsensiblen alle befällt; die Heiligkeit der Liebe, in welcher Form auch immer; die Enttäuschung, die hohen Erwartungen unweigerlich folgt; und die Perversion der Unschuld.“
Nach einem Sommer in Europa lernte Truman Capote im Herbst 1948 Jack Dunphy kennen, ebenfalls ein Schriftsteller, der sein lebenslanger Gefährte werden sollte. 1950 ließen sie sich in Taormina auf Sizilien nieder, in einem Haus, das einst D.H. Lawrence bewohnt hatte, und Truman begann mit der Arbeit an seinem zweiten Roman, „Die Grasharfe“.
Wenn man „Andere Stimmen, andere Stuben“ als Capotes Blick auf die finstere Seite seiner Kindheit betrachtet, ist der 1951 veröffentlichte Roman „Die Grasharfe“ in Clarkes Worten „ein Versuch, die bittersüßen Geister der Erinnerung und Nostalgie heraufzubeschwören“. In dieser Geschichte eines einsamen Jungen, der mit vier anderen entwurzelten Geistern Zuflucht in einem Baumhaus findet, erweckt Truman die Erinnerung an seine Kindheit in Alabama und seine geliebte Cousine Sook Faulk. Im folgenden Jahr adaptierte Truman „Die Grasharfe“ für den Broadway, aber das Stück war kein Erfolg und wurde nach nur einem Monat wieder abgesetzt. (Eine Filmversion mit Walter Matthau und Sissy Spacek entstand 1995.)
Nach ein paar Änderungsarbeiten an dem Drehbuch zu Vittorio De Sicas Stazione Termini aka Indiscretion of an American Wife (Rom, Station Termini, 1953) setzte sich Truman mit Regisseur John Huston zusammen, um mit ihm an dem Drehbuch zu dessen schräger Thrillerkomödie Beat the Devil (Schach dem Teufel, 1954) zu feilen. Gefilmt im italienischen Ravello und mit Jennifer Jones, Humphrey Bogart und Gina Lollobrigida in den Hauptrollen, ist der Film so skurril und charmant, wie es wohl auch die Dreharbeiten waren. (Capote selbst erachtete stets The Innocents (Schloss des Schreckens, 1961), eine Adaption von Henry James’ „Das Durchdrehen der Schraube“ mit Deborah Kerr in der Hauptrolle, als das beste seiner Drehbücher.) Nach Beat the Devil reisten Jack und Truman nach Portofino, wo Truman seine Kurzgeschichte „House of Flowers“ als Broadway-Musical adaptierte. Obwohl der Score von Harold Arlen zu seinen besten zählt, hatte die Show lediglich moderaten Erfolg.
Truman kehrte nach Europa zurück. Doch bereits im Januar 1954 musste er wieder nach New York fliegen, nachdem seine Mutter eine Packung Schlaftabletten geschluckt hatte. Sie starb, bevor er in Amerika landete.
Capotes Interesse an den Möglichkeiten des Journalismus führten zu „The Muses Are Flying“, die Geschichte des Sowjetunion-Besuchs der „Porgy and Bess“-Truppe, und „The Duke and His Domain“, ein langes und schonungslos offenes Porträt von Marlon Brando. Nach der Lektüre gab der Schauspieler zu Protokoll, er habe gute Lust, den Autor zu ermorden.
Trumans nächstes Buch war „Frühstück bei Tiffany“. Es wurde 1958 veröffentlicht und schenkte der Welt die unvergessliche Holly Golightly, die das Manhattan der Kriegszeit wie ein freigeistiger Kobold erstrahlen lässt. Hollys einzige Angst ist, was sie als „mean reds“ bezeichnet. Ihre Lösung: „Ich habe herausgefunden, was am besten dagegen hilft: Ich steige in ein Taxi und gehe zu Tiffany“, sagt sie. „Das beruhigt mich sofort, die Stille und das stolze Aussehen: nichts wirklich Schlimmes kann einem dort widerfahren...“ Der Roman wurde von Blake Edwards zu einem Filmklassiker mit Audrey Hepburn als Holly, Henry Mancinis zeitlosem Song „Moon River“ und einer dazu gepackten Liebesgeschichte gemacht. Truman war zwar ein Fan von Hepburn, fand sie aber dennoch fehlbesetzt und war enttäuscht von dem Film; er fand, dass Marilyn Monroe die passende Wahl gewesen wäre. Die Unmengen von Fans des Films stimmen Capote nicht zu.
Im November 1959 las Truman Capote in der New York Times einen Artikel über den Mord an der Clutter-Familie in Kansas. Das war der Ausgangspunkt für „Kaltblütig“ (1966), ein Projekt, das sechs Jahre seines Lebens beanspruchen sollte. Dies sind die Jahre, die im Mittelpunkt des Interesses von Autor Dan Futterman und Regisseur Bennett Miller für ihren Film CAPOTE stehen.
Nach den langen und intensiven Jahren, die die Arbeit an „Kaltblütig“ in Anspruch nahm, gab Capote am 28. November 1968 eine Party; eine der spektakulärsten in der Geschichte von New York: der Black and White Ball im Plaza Hotel. Abgehalten zu Ehren der Washington-Post-Verlegerin Katherine Graham, die damals die mächtigste Frau des gesamten Landes war, begann die Galafeier um zehn Uhr abends und dauerte bis zum Frühstück am nächsten Morgen. Etwa 500 der feinsten Persönlichkeiten, die im Land zu finden waren, waren eingeladen und hatten sich an einen präzisen Dresscode zu halten: Männer in Smoking und mit schwarzer Maske; die Frauen in schwarzweißen Kleidern, mit schwarzer Maske und einem Fächer. Die ultra-exklusive Feier sorgte weltweit für Schlagzeilen. „In gewisser Weise eine außerordentliche Angelegenheit“, sagte Truman später dazu. „Aber was mich anbetrifft, war es nur eine kleine Privatfeier und ging niemanden sonst etwas an.“
Während der Arbeit an „Kaltblütig“ begann Capote mit dem Trinken und nahm Tabletten. Es schien, als würde er seinen Fokus verlieren und seine Energien mehr auf das süße Leben als die hohe Kunst richten. Er kündigte den Titel seines nächsten Romans – „Answered Prayers“ – an und sagte, es würde einen Umfang haben, der eines Proust würdig sei. Aber als das erste Kapitel 1975 im Esquire abgedruckt wurde, löste die Veröffentlichung stürmische Proteste seiner reichen Freunde aus, die erbost darüber waren, sich selbst nur kaum kaschiert in den Zeilen wiederzuentdecken. Sie fühlten sich hintergangen und viele, darunter die Ehefrau des CBS-Vorsitzenden Bill Paley, Babe Paley, die Frau, die er von allen am meisten liebte, weigerten sich, ihm zu vergeben oder ihn zu sehen. Man verlieh ihm den Spitznamen „The Tiny Terror“ und brandmarkte ihn als gesellschaftlichen Außenseiter. Diese öffentliche Abstrafung beschleunigte seinen Abstieg in die Drogen- und Alkoholsucht.
Selbst seine Beziehung zu Jack Dunphy litt und Truman suchte Zuneigung bei einer Reihe nicht weiter bemerkenswerter Männer. All diese Beziehungen endeten tragisch. Und dennoch, trotz all der schlechten Erfahrungen, des Alkohols, der Drogen und seiner anhaltenden Depression, konnte er noch immer schreiben – und das wirklich gut. Seine letzte Veröffentlichung, eine Sammlung mit dem Titel „Musik für Chamäleons“ (1980), enthält Prosa, die jeden Schriftsteller neidisch machen würde.
Truman Capote starb in Los Angeles am 25. August 1984, einen Monat vor seinem 60. Geburtstag.