Donnerstag | 31. Mai 2012 | 08:02 Uhr
Sie befinden sich hier: KINO | Startseite > Datenbank > Filmdetails > Filminfos
  • FILMDETAILS | Catch a Fire
  • Catch a Fire

    Thriller, Drama | Frankreich / Großbritannien / Südafrika / USA 2006
    WERBUNG
      • | Über die Produktion - 5

      • Patrick Chamusso, der während der Recherchen und Vorproduktion stets verfügbar war, besuchte das Set zum ersten Mal während der Dreharbeiten in der Raffinerie. Zu dieser Rückkehr nach so vielen Jahren meinte er: „Ich betrat wieder einen Ort, den ich niemals hatte wiedersehen wollen.”

        Am Tag von Chamussos Set-Besuch wurden gerade Szenen gedreht, in denen weiße Sicherheitsleute die schwarzen Mitarbeiter filzen und nach Sprengstoff absuchen. Noyce offenbart: „Patrick konnte nicht an sich halten; er ging hinüber, schnappte sich einen der schwarzen Statisten, drehte sich zum weißen Statisten, der einen Wachmann spielte, und sagte: ‚Hör mal, damals wurde ein Schwarzer aber nicht so gefilzt!‘ Denn der Weiße, bereits in einer neuen Ära aufgewachsen, benahm sich eben wie ein Südafrikaner des 21. Jahrhunderts und behandelte den Schwarzen mit Respekt. Patrick demonstrierte ihnen dann, wie grob es damals wirklich zuging.”

        Chamusso fügt hinzu: „Diesen Ort nach fast 25 Jahren wiederzusehen erinnerte mich an den Tag meiner Verhaftung und an all die Schmerzen, die ich durchlitt. Aber ich fühlte mich stolz, denn heute ist Südafrika eine Regenbogennation. Die Menschen, die heute in der Anlage in Secunda arbeiten, werden nicht so durchsucht wie wir damals. Durch das, was wir taten, ist ein neues Südafrika entstanden, sodass die Menschen gut behandelt werden können.”

        Robbins erinnert sich: „Als ich Patrick traf, wollte er sicherstellen, dass ich die Figur des Vos korrekt porträtiere. Er brauchte einige Zeit, um sich davon überzeugen zu lassen, dass ich es schaffen könnte; er meinte: ‚Du bist viel zu nett‘, und ich sagte: ‚Das bin nur ich selbst, mach dir keine Sorgen.‘ Irgendwann vertraute er mir so weit, dass er auch über die Dinge, die ihm zugestoßen sind, sprechen konnte.”

        Auch während der Dreharbeiten im Hauptquartier der Sicherheitsbehörde besuchte Chamusso das Set; und erneut überkamen den wirklichen Helden die Erinnerungen an die Vergangenheit, doch er ließ es sich nicht nehmen, jeden Mitwirkenden, vom Regisseur bis zu den Schauspielern, detailliert zu beraten. Noyce sagt: „Patrick verfügt über großes Einfühlungsvermögen, Intelligenz und den richtigen Blickwinkel.”

        Da Robyn täglich am Set war, musste Shawn nicht die ganze Zeit über vor Ort sein – doch sie war bei den Dreharbeiten zur Beerdigung des ANC-Mitglieds anwesend. Robyn spielt in dieser Filmszene ihre eigene Mutter, Ruth First. Obwohl sie zunächst unsicher war, ob sie diese Rolle übernehmen sollte, entschied sich Robyn schließlich – bestärkt durch ihre Schwestern – dafür. Sie erinnert sich: „Nachdem mich Phillip gefragt hatte, ob ich diese Rolle spielen wollte, wachte ich mitten in der Nacht auf und konnte nicht wieder einschlafen. Ich dachte, dass mir das unmöglich gelingen könnte... Sie war eine sehr außergewöhnliche Frau. Sie und mein Vater widmeten sich seit dem Teenageralter bereits dem Kampf des ANC. Ich denke, sie sind ein Teil der südafrikanischen Geschichte und werden auch als solches angesehen und akzeptiert.”

        Die Szenen, die in Maputo spielen, wurden in Yeoville gedreht, einem Vorort von Johannesburg, wo Joe Slovo aufgewachsen ist. Als er Anfang der 90er Jahre nach Südafrika zurückkehrte, besuchte er Yeoville; die Dreharbeiten dort waren besonders für Robyn und Shawn aufwühlend. Shawn berichtet: „Es löst in mir eine sehr tiefe Trauer aus, dass meine Eltern nicht mehr mit ansehen können, wie dieser Film verwirklicht wird. Diese Geschichte ist ein Tribut an Joe, und ich wünschte, er könnte das alles miterleben.” Joe starb 1995 an Krebs.

        Im Verlauf der geplanten zehn Wochen wurde u.a. in Johannesburg, Germiston, Attridgeville, Witbank, Pretoria, Yeoville, Embalenhle und Kapstadt gedreht. Die Second Unit filmte auch in Moçambique und Swaziland.

        Inmitten der Dreharbeiten musste sich die Produktion neu organisieren, denn Kameramann Ron Fortunato musste aus gesundheitlichen Gründen in die Vereinigten Staaten zurückkehren. „Glücklicherweise konnte Garry Phillips kurzfristig einspringen und sowohl den Stil als auch die Qualität der Kameraarbeit aufrechterhalten”, meint Noyce.

        „Catch a Fire” wurde zu großen Teilen auf 35 mm gedreht, doch zu dem Zeitpunkt, als sich die Ereignisse von Südafrika nach Mozambique verlagern, verändern sich Stil und Filmmaterial. Noyce beschloss, auf 16 mm zu drehen, vieles davon mit der Handkamera. Er erläutert: „Beim Wechsel in ein anders Land verändern sich die Textur und die Farbpalette des Films. Wir wollten die Zuschauer emotional in das einbeziehen, was Patrick durchmacht”. Die letzten Szenen des Films, in denen der echte Patrick Chamusso gezeigt wird, wurden mit einer Mini-DVD-Kamera gedreht.

        Robbins meint staunend: „Meine Erfahrungen bei „Catch a Fire” haben die Dreharbeiten noch übertroffen, denn ich habe Südafrika entdeckt und bin durch dieses Land inspiriert worden. Abends in Clublokale zu gehen und zu beobachten, wie Schwarze und Weiße gemeinsam tanzen, macht deutlich, dass es nach dieser Vergangenheit nun eine Zukunft gibt. Die Leute sagten zu mir: ‚Schau dir das Wunder an, das sich vor deinen Augen abspielt!‘ Die wahre Hoffnung Südafrikas liegt in den Händen der jungen Menschen, denn sie waren gemeinsam in der Schule, was es zuvor niemals gegeben hatte. Doch seit rund zehn Jahren ist das möglich.”

        Luke fügt hinzu: „Es war eine Freude, dort zu arbeiten. Wir hatten so viel Gesprächsstoff, denn die Südafrikaner wissen weitaus mehr über Amerika als wir über Südafrika. Film und Fernsehen können eine Brücke schlagen; ich denke, ein weiterer Weg besteht darin, den Menschen im heutigen Südafrika zuzuhören.”

        Nach Abschluss der Dreharbeiten begann die Post-Produktion in Australien, geleitet von Cutterin Jill Bilcock. Die „Freiheitsgesänge” waren Noyce bis in sein Heimatland Australien gefolgt, und er entschied sich für einen Südafrikanischen Komponisten, Philip Miller, der die Filmmusik schrieb. Noyce sagt: „Die Musik, und besonders diese Gesänge, spielte während des Freiheitskampfes gegen das Apartheid-Regime eine sehr wichtige Rolle. Philip ist ein hervorragender Kenner der schwarzen südafrikanischen Musik und Instrumentalisierung, dieser Rhythmen des Lebens, die auch so sehr Teil der wahren Geschichte sind.”

        „Die Freiheitsgesänge drückten Wut und Frustration aus, aber auch die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Die Südafrikaner stimmten diese Lieder an, um ihre Anführer zu unterstützen und um sich selbst in schwierigen Zeiten Hoffnung zu machen. Man sang in den Townships Auge in Auge mit der bewaffneten Übermacht des Regimes; Patrick Chamusso, Joe Slovo und die vielen Tausenden von politischen Flüchtlingen sangen und träumten von dem Tag, an dem sie zurückkehren und ihr Heimatland befreien würden.”

      • | Userwertung

      Wertung: 6.0/10 (9 votes)

      • | Cinefacts bei Facebook
      Facebook Logo
        • | WEITERE INFOS
            •   AKTIONEN