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    Thriller, Drama | Frankreich / Großbritannien / Südafrika / USA 2006
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      • | Historischer Überblick zu Patrick Chamusso

      • Patrick Chamusso wurde 1950 in Mozambique geboren; seine Familie lebte auf dem Land. Sein Vater war Wanderarbeiter und schuftete auf der anderen Seite der Grenze in einer südafrikanischen Mine; so durfte er lediglich ein oder zwei Mal im Jahr nach Hause zu seiner Familie zurückkehren (meist zu Ostern und/oder Weihnachten) und wurde nur gering entlohnt. Schon von Kindesbeinen an wusste Patrick, dass er einmal seine Heimat würde verlassen müssen, um sich den Lebensunterhalt zu verdienen.

        Als Teenager folgte Patrick seinem Vater nach Südafrika und war Hilfsarbeiter in den Minen; später arbeitete er als Anstreicher und Straßenfotograf. Er war auch ein begabter Fußballer und spielte in der örtlichen Liga. Bereits mit Anfang 20 hatte er genug verdient, um sich ein Auto und eine Fotokamera zu kaufen – was für einen jungen Schwarzen im damaligen Südafrika höchst ungewöhnlich war.

        In den 70ern wurde er eines Tages angehalten und sein Auto von der Polizei durchsucht; Patricks Kamera wurde als verdächtig eingestuft und konfisziert. Es hatte in der Gegend Sabotage-Akte des ANC gegeben und Patrick wurde vorgeworfen, für die Organisation zu spionieren. Er wurde verhaftet und nach Mozambique deportiert. Seine Kamera und sein Auto hat er nie zurückbekommen.

        Patrick organisierte sich gefälschte Papiere, um nach Südafrika zurückkehren zu können. Er ließ sich in der Stadt Secunda nieder, etliche Stunden östlich von Johannesburg gelegen, und bekam einen Job in der dortigen Ölraffinerie, eine der größten der Welt. Er war beliebt und fleißig und wurde schon bald befördert. Auch seine Fußballer-Talente machten ihn bei den Arbeitskollegen und in der Gemeinde bekannt.

        Am 31. Mai 1980 bombardierte der bewaffnete Flügel des ANC, der MK, die Anlage in Secunda sowie zwei weitere Einrichtungen. Diese Anlagen unter Beschuss zu nehmen, ohne Menschenleben zu opfern, war ein großer strategischer Sieg für den ANC. Der darauffolgende Propaganda-Coup sollte den Weißen beweisen, dass das Apartheid-Regime demoralisiert werden konnte; die schwarze Bevölkerung sollte davon überzeugt werden, dass der ANC in der Lage war, effektiv gegen das Regime zu kämpfen.

        Patrick wurde im Juni 1980 als Verdächtiger festgenommen. Obwohl er vollkommen unschuldig war, mutmaßte die Polizei, er habe dem ANC geholfen, Zugang zu der Anlage zu bekommen. Damals konnte die südafrikanische Polizei mutmaßliche Verdächtige auf unbestimmte Zeit festhalten, ohne dass den Verhafteten Kontakt zu einem Rechtsanwalt oder zu ihrer Familie gewährt wurde. Patrick wurde so brutal gefoltert, dass er nach seiner Freilassung ein völlig anderer Mensch war. Nachdem er sein Leben lang vermieden hatte, sich politisch zu engagieren, beschloss er nun, dass es einen Grund für seine schrecklich traumatische Erfahrung gegeben haben musste – nun wollte er handeln.

        Er verließ seine Familie, ging illegal über die Grenze nach Mozambique in die Hauptstadt Maputo, wo der ANC sein regionales Hauptquartier aufgeschlagen hatte. Dort wurde er anfänglich in einem Lager inhaftiert, während der ANC seine Vorgeschichte überprüfte, um sicherzustellen, dass er kein Maulwurf der südafrikanischen Polizei war. Patrick wurde dann Mitglied des ANC und lernte MK-Kommandant Joe Slovo, einen der wenigen weißen Gründer des ANC, kennen, der ihn auch ausbildete. Joe war Befehlshaber der “Special Ops”, einer militärischen Einheit, die auf südafrikanischem Boden – ohne Blutvergießen - spektakuläre bewaffnete Aktionen durchführen sollte. Joe war für die Planung der ersten Attacken auf Ölraffinerien verantwortlich gewesen und wollte nun einen Großangriff starten.

        Patrick überzeugte Joe davon, dass sie mit seinem Insider-Wissen über die Anlage in Secunda dafür sorgen konnten, die Raffinerie zum Stillstand zu bringen und sie für Tage in Flammen aufgehen zu lassen. Joe gab der Operation grünes Licht, und der ANC stimmte zu, Patrick zurück nach Südafrika zu schicken, um das – wie von ihm selbst gewünscht – Ein-Mann-Kommando durchzuführen. Dafür wurde er vorab in Angola ausgebildet und kehrte dann nach Maputo zurück, bevor er sich auf seine Mission begab: mit falscher Identität reiste er per Auto über Swaziland zurück nach Secunda in Südafrika.

        Am Einsatztag, den 21. Oktober 1981, band sich Patrick Landminen um den Körper und verbarg sich auf einem Förderband der Anlage. Auf diesem Förderband wurde Kohle aus der benachbarten Mine in die Raffinerie hinein transportiert – genau wie es nun mit Patrick selbst geschah. Sein ausgefeilter Plan bestand darin, eine Bombe an der Wasserpumpe anzubringen, dann eine weitere auf einem Reaktor in einer der Hauptanlagen. Die erste, heftige Explosion sollte als Warnung für die Tausenden von Arbeitern im Reaktor dienen - denn die Richtlinien des ANC besagten, die Operationen sollten keine Menschenleben fordern – und es den Behörden erschweren, die Brände zu bekämpfen. Die Bombe am Reaktor sollte 15 Minuten nach der an der Wasserpumpe hochgehen.

        Nach der ersten Explosion verließ Patrick die Anlage; das Werk wurde wie geplant evakuiert. Die eintreffende Polizei zog den Schluss, es gebe noch eine Bombe – die dann aufgespürt und vor der Explosion entschärft werden konnte.

        Sechs Tage später, am 27. Oktober, wurde Patrick nach intensiver Fahndung verhaftet. Neun Monate lang wurde er ohne Gerichtsverfahren festgehalten und brutal gefoltert.

        Im August 1982 stand er in Pretoria vor dem Obersten Gericht; er wurde für schuldig befunden, die Anti-Terror-Gesetze in drei Fällen gebrochen zu haben (Ausbildung in Mozambique und Zugehörigkeit zu einer illegalen Organisation; Sabotage-Akte; unrechtmäßiger Besitz von Waffen und Sprengstoff) – das Urteil: 24 Jahre Gefängnis. Fast zehn Jahre seiner Strafe saß Patrick auf Robben Island ab, bevor er Ende 1991 gemeinsam mit allen anderen politischen Gefangenen amnestiert und freigelassen wurde.

        Heute lebt Patrick im Nordosten von Südafrika mit seiner Ehefrau Conney, die er nach seiner Haftentlassung heiratete. Patrick und Conney haben drei gemeinsame Kinder, außerdem 80 weitere Waisen als Pflegekinder aufgenommen. Ihr Waisenhaus heißt “Two Sisters” (www.twosisters.org.za).

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