Donnerstag | 31. Mai 2012 | 08:02 Uhr
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    Thriller, Drama | Frankreich / Großbritannien / Südafrika / USA 2006
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      • | Über die Produktion - 4

      • Noyce meint: „Der Name Slovo hat uns bei der Verwirklichung dieses Films viele Türen geöffnet. Wenn wir ein Problem mit dem Drehort oder der Armee hatten, musste ich nur bei Robyn anrufen. Wen auch immer sie daraufhin kontaktierte – die Antwort lautete immer Ja. Das liegt an der Zuneigung und Hochachtung, die alle Südafrikaner, Schwarze wie Weiße, gegenüber dem Namen Slovo hegen.”

        „Robyns Art und Weise, die Erfahrungen ihres Landes zu bewältigen, hat auch auf mich abgefärbt, auf den australischen Außenseiter, der so vieles nachzuholen hatte. Ihre Beteiligung an diesem Projekt war von unschätzbarem Wert, denn sie hat einen so großen Beitrag geleistet: ihr Herzblut, ihre eigenen Emotionen und ihre Verbindung zu Südafrika und der Geschichte des Landes.”

        In der Vorproduktionsphase beriet Chamusso nicht nur die Filmemacher und Schauspieler, sondern reiste auch nach Johannesburg, um den Stab kennen zu lernen. Er beriet das Art Department bezüglich der Ausstattung und Ausrüstung – angefangen bei dem Auto, das er damals fuhr, bis hin zu dem Haus, in dem er damals lebte.

        Als Außenseiter, der diese Geschichte erzählt, bemühte sich Noyce aktiv um die Ratschläge einer Reihe von südafrikanischen Experten. Um die Szenen im ANC-Hauptquartier in Maputo sowie im Trainingslager in Angola nachzustellen, engagierten die Filmemacher David Mbatha, dessen ANC-Name „Four o’clock” lautete, sowie das ANC-Mitglied Napthali Manana; beide erwiesen sich als unverzichtbare Berater des Regisseurs und des Stabes.

        Manana war bereits mit 18 Jahren dem ANC als Freiheitskämpfer beigetreten, in Angola ausgebildet worden und dann inkognito nach Südafrika zurückgekehrt, bevor er festgenommen und in Robben Island inhaftiert worden war. Seine Erfahrungen erinnerten so stark an Chamussos Geschichte, dass Luke sich mehrere Tage lang mit Manana unterhielt. Sie besprachen seine Motivation, das Land zu verlassen; seine Gefühle in der Haft und während der Verhöre; die vielen Jahre hinter Gittern, so nah und doch so fern von dem Südafrika, das er liebte und dem er sein Leben gewidmet hatte.

        Mbatha war nicht nur Mitglied des bewaffneten Flügels des ANC, sondern auch ein Experte der „Freedom Songs”, Freiheitshymnen, gesungen von schwarzen Südafrikanern und Gegnern des Apartheid-Regimes, um ihre Wut und ihre Entschlossenheit, das Regime zu Fall zu bringen, auszudrücken. Diese Lieder wurden auch von Südafrikanern im Exil angestimmt, die davon träumten, zurückzukehren und ihrem Heimatland die Demokratie zu bringen.

        Noyce meint: „David war wie ein Fels in der Brandung, außerdem glühte er vor Leidenschaft. Als jemand, der das alles miterlebt hatte, wollte er unbedingt jene Zeiten heraufbeschwören, in denen die Musik für den Freiheitskampf eine wichtige Rolle spielte.” Während der Dreharbeiten zu allen Szenen mit Musik, ob Begräbnisse oder eine Feier zur Freilassung eines Häftlings aus Robben Island, schienen sich Hunderte von Menschen am Set auf eine Zeitreise begeben zu haben, um die Intensität und Leidenschaft wiederaufleben zu lassen, die so eng mit ihrem Kampf verbunden war.

        Auch für die dritte Hauptrolle begaben sich die Filmemacher weltweit auf die Suche: in Südafrika, England und den USA. Als Phillip Noyce auf einer Recherchetour in Kapstadt war, empfahl ihm jedoch schon bald jemand eine junge südafrikanische Schauspielerin für die Rolle als Precious Chamusso. Noyce sagt bewundernd: „Als ich Bonnie Henna sah, war ich sofort ergriffen – nicht nur von ihrer Herzlichkeit, sondern auch von ihrer Leinwandpräsenz. Ihr Videotest war außergewöhnlich.”

        Henna gibt zu: „Über eine lange Zeit hinweg habe ich mich nicht mit der Vergangenheit dieses Landes auseinandergesetzt. Deshalb empfand ich es emotional und spirituell als Segen, Teil dieses Films zu sein und der Geschichte meiner Heimat begegnen zu können.”

        „Die südafrikanischen Frauen haben sich bisher nicht wirklich eindeutig in Geschichten über jene Zeit äußern können; deswegen gefiel mir, dass Precious mutig ist – ich konnte es kaum erwarten, in diese Rolle zu schlüpfen.”

        Nach Beginn der Dreharbeiten konnte sich Noyce noch intensiver von Hennas darstellerischen Fähigkeiten überzeugen. Der Regisseur berichtet: „Bonnie musste eine sehr schwierige Rolle spielen, denn Precious‘ Handlungen sind nicht einfach nachzuvollziehen – sie trifft in schwierigen Zeiten extreme Entscheidungen. Weite Teile ihrer Rolle müssen ohne Dialog dargestellt werden; sie muss die Katharsis, eine Entscheidung und ein Verhalten, allein durch ihren Gesichtsausdruck und die Körpersprache vermitteln. Das verlangt nach großem Schauspieltalent, über das sie eindeutig verfügt.”

        Die Hauptdreharbeiten begannen am 21. August 2005; die Produktion hatte ihren Sitz in Johannesburg bezogen. Eine der ausschlaggebenden Fragen der Filmemacher lautete, ob sie wohl in der Ölraffinerie in Secunda würden drehen können. Noyce berichtet: „Diese Anlagen waren zu der Zeit, als Patrick den Anschlag verübte, für Südafrika überlebenswichtig – und das sind sie noch heute. Man hätte glauben können, die Anfrage nach einer Genehmigung, um dort einen Film über jenen Vorfall zu drehen, wäre bei der gegenwärtigen Stimmung auf Ablehnung gestoßen – aber das Gegenteil war der Fall. Gewappnet mit dem Namen Slovo bekamen wir Zugang zu der echten Raffinerie, die Patrick am Nationalfeiertag ins Visier nahm.”
        „Ich denke, die Südafrikaner sind davon überzeugt, dass es – wie für jedes Land – wichtig ist, die eigene Vergangenheit unter die Lupe zu nehmen. Sie wollen ihre Geschichten erzählen, sie auf die Leinwand bringen und mit der übrigen Welt teilen. In den meisten Ländern lautet die Antwort Nein, sobald man an historisch besonders bedeutsamen Orten drehen möchte; in Südafrika jedoch gaben uns alle Regierungsbehörden und Institutionen für „Catch a Fire” grünes Licht.”

        Nachdem die Genehmigung erteilt war, besuchte Luke zur Vorbereitung die Raffinerie. Noyce meint: „Es war ein bemerkenswerter Tag, als Derek sich in Secunda innerhalb der Anlage aufhalten und per Handy mit Patrick sprechen konnte, um seine damaligen Schritte vor Ort nachzuvollziehen. Die ganze Zeit über wurde er von Managern der Ölgesellschaft begleitet, die vor einem Vierteljahrhundert auch schon dort tätig gewesen waren und Jagd gemacht hatten auf den Mann, der ihre Einrichtung in die Luft sprengen wollte. Ich glaube, das hätte so nur in Südafrika geschehen können.”

        Die Dreharbeiten in der Raffinerie erwiesen sich als mit die schwierigsten des Films. Fast 350 Personen, darunter die Schauspieler, der Stab und die Statisten, mussten sich vor den zweiwöchigen Dreharbeiten einen ganzen Tag lang der Sicherheitsunterweisung unterziehen; jeder, der die Anlage betreten wollte, musste von der Security zugelassen worden sein. Location Manager Jaco Espach erinnert sich: „Meistens konnte man kaum etwas hören, denn um einen herum tosten die Maschinen – und jeden Abend verließen die Mitarbeiter die Anlage völlig verdreckt und verrußt.”

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